Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 28 (15.7.1910)
- Date
- 1910-07-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Damit aber ist der hohe Wert, den das Zollschansche Buch für den praktischen Politiker hat, noch bei weitem nicht erschöpft. Ein anderes Hauptverdienst des Werkes ist es, zum erstenmal, aber trotzdem endgültig, „die sogenannten" wissenschaftlichen Grundlagen des modernen Antisemitismus zerstört zu haben. Bs ist eigentlich unfaßbar und nur mit dem Verzweifeln des Judentums an sich selbst erklärbar, daß ein so intelligentes und empfindliches Volk, wie die Juden durch fünf Jahrzehnte (wenn man den modernen wissenschaftlichen Antisemitismus etwa von Renan datiert) nicht den geringsten Versuch gemacht hat, den Gegnern des Judentums auf ihrem eigenen Boden entgegenzutreten und ihre wissenschaftlichen Argumente auch wissenschaftlich nachzuprüfen. Bin künftiger Historiker wird wohl gerade in dieser Erscheinung das beste Merkmal furchtbaren Verfalles sehen. Seit 50 Jahren hat man gegen den wissenschaftlichen Antisemitismus von jüdischer Seite nichts getan, als höchstens eine Ehrenrettung des verleumdeten Talmuds unternommen, Proteste gegen die Blutbeschuldigungen erhoben, Vereine „zur Abwehr des Antisemitismus" unterstützt und sich hie und da dazu aufgerafft, die Richtigkeit des Fundamentes jenes Antisemitismus, den Rassenstandpunkt zu bestreiten, aber auch dies, soweit es sich um Juden handelt, nicht mit wissenschaftlichen Argumenten. Auch in unserer Bewegung geschah nach dieser Richtung wenig. Allerdings ist der Zionismus, als der einzige Versuch einer positiven Lösung der Jüdenfrage, daran, auf praktisch-empirischen Wege das Märchen von der Inferiorität des Judentums zu widerlegen. Weil aber die Juden an diese selbst schon geglaubt haben, wagten sie eine nähere Prüfung des wissenschaftlichen Antisemitismus nicht, ja, einzelne geistreiche Juden, wie wir es hier in Wien an Weininger und Karl Kraus erboten, — und Maximilian Harden ist davon nicht weit entfernt, — bekräftigten, was Chamberlain geschrieben und bauten es noch us. Zollschans Verdienst ist es, die wissenschaftlichen Grundigen des Antisemitismus vernichtet zu haben. Er sucht den 'egner auf seinem eignen Kampfplatz auf, er negiert durchaus cht ihre Prämissen, ja er kommt sogar zum Schlüsse, daß issenreinheit eine Forderung im Sinne der höchsten politischithropologischen Ziele sei. Aber er weist in streng wissenschaft- ■ eher Weise die völlige Haltlosigkeit der Hypothese von der höhern .uyimanischen und der inferioren semitischen Rasse nach. Damit h:d er dem Judentum und der Menschheit einen unendlichen i 'Knst erwiesen. Das Buch enthält aber noch viel, viel mehr, was für uns von hfViistem Werte ist. Im historisch kritischen Teil breitet Zollschan ein riesiges Material vor uns aus und wertet es in neuer, eigenartiger Weise. Beinahe'jeder Satz, jedes Urteil bringt eine neue Auffassung oder Beleuchtung des Gegenstandes. Im letzten Kapital skizziert Zollschan die Tendenzen, welche im heutigen Judentum wirksam sind und bietet darin für jeden, der sich nicht die Muße nehmen kann, die bezüglichen zerstreuten und oft schwer zugänglichen Daten selbst zusammen zu tragen, ein anschauliches Bild von den sozialen und biotischen Verhältnissen des heutigen Judentums. Ein besonderer Vorzug des Buches ist es ferner, daß wir damit endlich ein Werk besitzen, das die Grundlagen des Zionismus in allen wissenschaftlichen und gebildeten Kreisen ohne Unterschied bekannt macht. Unsere Propaganda litt bisher vor allem daian, daß sie nicht imstande war, in weitere Kreise zu dringen und alle Weit zu zwingen, sich mit unsern Problemen zu beschäftigen. Zollschans Werk hat in den verschiedensten Kreisen, bei Juden und Antisemiten, bei Orthodoxen und Freidenkern, bei Naturforschern und Philosophen, bei Rassentheoretikern und Gegnern der Rassentheorie usw. die höchste Anerkennung gefunden und der intellektuellen Welt die Beschäftigung mit den letzten Hintergründen der •Indenfrage aufgenötigt. Wenn man aber selbst ganz absieht von der jüdischen Seite li-^s Buches, so enthält es noch immer eine solche Fülle von interessanten Darlegungen aus den Gebieten der Rassenfrage, der Entwicklungslehre, der Vererbungstheorie usw., daß die Lektüre des Werkes jedem Gebildeten eine ganz seltene Anregung zu bieten imstande ist. Auf all diese Vorzüge und Verdienste der Zollschanschen Arbeit hinzuweisen, ist die Absicht dieser Zeilen, nicht aber mit dem Autor wegen seiner pessimistischen Auffassung der Zukunft lies Judentums und der geringen bisherigen Erfolge des Zionismus zu polemisieren. Zollschan wird vermutlich in der zweiten Auflage, welche nach der außerordentlich günstigen Anfnahnie, die sein Buch gefunden hat, bald zu erwarten ist, Gelegenheit nehmen, zu (Jen ihm diesbezüglich von mir und andern gemachten Einwänden Stellung zu nehmen. Das Studium dieses Werkes ist jedem Zionisten aufs angelegentlichste zu empfehlen. Er wird daraus wertvolle und wichtige Aulschlüsse über die Grundlagen der Judenfrage gewinnen, und durch die feste wissenschaftliche Verankerung; seiner zionistischen Überzeugung, welche ihm dies Studium bringen wird, ein ganzes Arsenal neuer Waffen empfangen für seine;1. Kampf um die Weiterexistenz unseres Volkes. Bericht über die Tätigkeit des Palästinaressorts der zionistischen Organisation für die Zeit vom Jetzten Zäonistenkongreß in Hamburg" bis zur Jahreskonferenz in Berlin Während (Irr Berichtsperiode!i;it sich das Palüstiuuressorr mit den ihm von früher zugewiesenen Aufgaben bofal.>f. die hauptsächlich darin bestehen, (laß unser 1 \aläsh na ressorf einen r<-gen Briefwechsel mit den verschiedenen, für Palästina täfigou zionistischen und uichtzionistischen Institutionen führt und auch Privat loute für die mannigfachen kolonisatoi isehen Bestrebungen zu interessieren und zu gewinnen sucht. Das Palästinaressorr erfüll! schon seit vielen Jahron die Funktionen eines Tnfoi'mationshur<-aus für die gesamte Diaspora, und auch in den letzten Monaten hatten wir reellt viele Anfragen von Auswändemngshistigoii zu erledigen. Ganz besonders erfreulich ist <\s, dal.» sieh auch die Zahl der Anfragen von kapitalkräftigen Kreisen mehren Die Beantwortung der Anfragen jüdischer Kapitalisten erfordert narürlich einen großen Zeitaufwand, da dieselben meistenteils wichtige Fragen betreffen und gründlicher Erledigung hedürfen. Was die finanzielle Lage des P'diistinnrossorts anbelangt, so freuen wir uns konstatieren zu kennen, da!.> wir dank grol.u-r Sparsamkeit und Beschränkung auf die allernotweiidigsha! .Ausgaben trotz unserer geringen Einnahmen mit einem kleinen P hei - schul?» die Bilanz für die Zeit vom 1. Juli 11)0:) his zum Jl. Mai UUO abschließen konnten. P. L. D. C. Des weitem hat unser vereinigtes P.alnstinabureau während der Berichtszeit seine Aufmerksamkeit ganz besonders der Kapital Werbung für die von uns geleitete Palestine Land Development Company Ltd. zugewandt. Es gereicht uns zur Genugtuung, an dieser Stelle feststellen zu. können, da!» unsere} Bemühungen, das vorläufig noch geringe Kapital der P L. D C. zu vennehren, in den letzten Monaten einigermal.hai befriedigende Erfolg«? gezeitigr, hahen. Das Stammkapital der P. L. D. C, das laut Bilanz per 1. Oktober UKW unhVr den Aktien des J.N. F. .'5412 £ betrug, hat sich in der Zwischenzeit um 20()O £ auf 5472 £ erhöht. Ganz besonders erfreulich ist es, daß das Interesse für die P. L. D. C. in den kapitalkraf tigen Kreisen Ilußlands im Wachsen begriffen ist, und wir iioffen, dai» wir von diesen Kreisen noch recht viel Geld für das palästinensische Kohmksafionswerk werden auftreiben können. Die erzielten Erfolge haben wir fast ausschließlich dem direkten schriftlichen Verkehr mit den einzelnen in Betracht kommenden Po;sonon zu verdanken. Das von uns in Kincreth vor einigen Jahren ejngerhddete Stammgut. entwickelt sich in hmdv drtseha ftlieh er Beziehung außerordentlich günstig, und auf alle Touristen, die es besucht haben, hat es den hosten Eindruck gemacht. Auf Grund der uns zugehenden Berichte ist anzunehmen, dal» die. diesjährige Ernte eine befriedigende sein wird. Was die. Paiv.ellierungstätigkeit der P. L I). C. anbelangt, so hat, sich der J.N. F. nach, langen Verhandlungen bereit erklärt, der P.E. D. 0. für Lniuikäufe einen Kredit von 10000 £ zu gewahren, und es ist bo- 1 *