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Die Welt · 1910-07-08 · 27 (8.7.1910) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
27 (8.7.1910)
Date
1910-07-08
Page
– (sequence 17)
Language
German
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eingelaufen, der die von Willcocks bis jetzt ausgeführten Irrigationsarbeiten als völlig verfehlt und nutzlos erklärt und die Annullierung des Kontraktes mit dem Engländer verlangt. Sir Willcocks ist vom ottomanischen Ministerium vorgeladen worden, und seine bisherigen Konferenzen mit dem Großwesir haben zur Folge gehabt, daß die Bewässerungsarbeiten vorläufig gänzlich eingestellt wurden. Damit ist die Zeit, wo es großen Ansiedlermassen möglich sein soll, sich am Tigris niederzulassen, noch weiter in die Ferne gerückt worden. Der Sozialismus und die ottomanischen Juden Die jüdischen Autoritäten, die im Zionismus eine furchtbare Gefahr erblicken wollten, werden bald Gelegenheit haben, am Vordringen des Sozialismus zu erkennen, wo der eigentliche Feind des ottomanischen Judentums steht. In Salonik ist bald nach Erteilung der Konstitution eine sozialistische Föderation begründet worden, die sich zum Ziele nahm, in allen Landesteilen Zweigvereine der Internationale zu begründen. Sie hat in Salonik bereits eine Reihe von professionellen Organisationen ins Leben gerufen. In letzterer Zeit ist nun dort auch eine jüdische Abteilung gegründet worden, die kürzlich gedruckte Proklamationen in spaniolischer Sprache in Salonik und in der Hauptstadt verbreitete. Vor einigen Tagen reiste der Führer dieser Gruppe nach Konstantinopel, um auch hier die jüdischen Arbeiter zu organisieren. Die eingeleiteten Besprechungen haben aber noch kein Resultat darüber ergeben, ob die Vereine in der Hauptstadt Arbeiter aller Nationen und Konfessionen zusammen umfassen oder besondere jüdische Gruppen einschließen sollen. Die Frage wird hier natürlich nicht mit theoretischer Tiefe und Schärfe studiert, denn die sich Organisierenden sind bislang noch ohne die fundamentalsten Kenntnisse vom Wesen des Sozialismus. Jedenfalls ist die gesonderte jüdische Bildung in Salonik absolut kein Produkt jüdischen Nationalismus, sondern nur durch die Notwendigkeit der praktischen Weiterarbeit hervorgerufen. Der Zionismus wird von diesen neugebackenen ottomanischen Marxisten als chauvenistische Bewegung abgeurteilt. Nationales Der jüdische Turnverein „Makkabi" hat schon wieder einen Schritt vorwärts gemacht; im Vororte Kusgendschuck hat sich eine neue Sektion, die sechste also,* konstituiert. Am 3. Juli werden alle andern Sektionen der neuen Bruderabteilung einen Besuch abstatten und hierauf einen Ausflug nach Peplerbey unternehmen, wo die Feuerwehrtruppen ihnen ihr Übungsfeld für ihre Spiele zur Verfügung gestellt haben. — In Salonik haben die Ölbaumspenden für einen Saloniker Hain im Herzlwald prächtige Resultate ergeben. Die Sammlungen haben ihr Ende noch nicht erreicht. Das ist ein Zeichen einer höchst günstigen nationalen Stimmung, zumal sehr angesehene Männer der Gemeinde unter den Spendern sind. Türkische Juden auf dem interparlamentarischen Kongreß Unter den Mitgliedern der ottomanischen interparlamentarischen f3elegation, die die Türkei auf dem Kongreß in Brüssel am 30. August vertreten wird, befinden sich auch die beiden Juden Faraggi und Masliach Effendis. Sabbat- und Sonntagsruhe in Salonik Man sollte es nicht für möglich halten, daß dieses aus christlichen Verhältnissen erwachsene Problem irgendwo im türkischen Orient auftauchen sollte. Und doch ist dem so. Die Zoildirektion in Salonik hatte kürzlich den Beschluß gefaßt, ihren Betrieb anstatt des Samstags am Sonntag zu schließen. Gegen diesen Beschluß, der für eine zu neun Zehnteln von Juden bewohnte Stadt besonders merkwürdig ist, hat eine Gruppe bedeutender jüdischer Kaufleute der Stadt an die Handelskammer appelliert und die Unmöglichkeit seiner Aufrechterhaltung in Salonik dargetan. Da das arbeitende Element in Salonik, Kutscher, Lastträger, Bootsleute usw. fast ausschließlich aus Juden besteht, ist am Samstag, da alle diese Leute feiern, ein Transportwesen einfach undenkbar. Schritte im gleichen Sinne hat die Direktion der Orientalischen Eisenbahn unternommen. Das Ergebnis steht noch aus. Jüdischer Turnerkongreß in Varna Am 16., 17. und 18. Juli wird in Varna eine Konferenz und zugleich ein Turnier aller jüdischen Turnvereine Bulgariens stattfinden. Zu dieser Veranstaltung sind auch die Konstantinopeler „Makkabäer" eingeladen und werden eine Musterriege zur Teilnahme dahin entsenden. Ein neuer jüdischer Verein in Konstantinopel Das Neuerwachen des jüdischen Lebens infolge des nationalen Hauches, der seit einiger Zeit unsere Stadt durchweht, hat wieder seinen Ausdruck in der Schaffung einer vielversprechenden Organisation gefunden. In der Vorstadt Hasköj hat sich auf Initiative unseren Gesinnungsgenossen David Einekarde, Herausgeber der nationalen Wochenschrift „El Judioa, der Verein „Bne Israel" gegründet, dem sofort über fünfzig Mitglieder beigetreten sind. Der Verein will die Durchdringung aller öffentlichen jüdischen Faktoren der Stadt mit modernem demokratischem und echtjüdischem Geiste zur Aufgabe nehmen, insbesondere auf Verjüngung der Gemeindeverhältnisse und ihrer Institutionen, sowie die Verjüdischung der Schulen hinarbeiten. Dem „Bn6 Israel" ist herzlichst ein reiches Gelingen zu wünschen. Saloniker Notizen Die jüdische Volksbank in Salonik wird in wenigen Tagen ins Leben treten, wie die „Epoca" zu melden weiß. — Der „Cercle des Intimes" hat eine Volksbibliothek begründet, der Bücherschenkungen in großer Menge zugehen. Palästina Rabbi Jakob Meir ~ Chachambaschi von Jerusalem Aus Jerusalem wird uns unter dem 23. Juni geschrieben: Während des zweiwöchentlichen Aufenthaltes des Großrabbiners Haim Nahum in Jerusalem ist es ihm gelungen, die Frage der Wahl eines Chachambaschi von Jerusalem zu einer glücklichen Lösung zu führen und einen vollständigen Frieden unter den Parteien herzustellen. Mit der Würde des Chachambaschi in Jerusalem wird nunmehr mit Zustimmung aller Rabbi Jakob Meir, der jetzige Chachambaschi von Saloniki, bekleidet werden, der hiervon auch bereits auf telegraphischem Wege verständigt worden ist. Die glückliche Erledigung dieser Angelegenheit in so kurzer Zeit ist ein beredtes Zeugnis dafür, in welch hohem Maße Rabbi Nahum die Sympathien der hiesigen Judenheit sich zu erwerben verstanden hat. Freitag den 24. Juni verließ er Jerusalem, und zwar fuhr er mit der Eisenbahn bis zur Station Ramleh und von dort über Rechoboth per Wagen nach Rischon Lezion, wo er den Sabbat verbrachte. Rabbi Nahum wird ferner Mikweh- Israel und Pethach-Tik wah besuchen und dann über Haifa nach Galiläa reisen, wo erTiberias und die galiläischen Kolonien besuchen wird. Rabbi Jakob Meir hat uns auf unsere telegraphische Anfrage mitgeteilt, es sei noch nicht bestimmt, ob er das Jerusalemer Rabbinat annehmen werde. In den nächsten Tagen begibt sich R. Jakob Meir nach Marienbad zur Kur und wird erst nach seiner Rückkunft der Jerusalemer Gemeinde seinen endgültigen Entschluß mitteilen. Die Juden im heutigen Palästina. In der „Frankf. Ztg." veröffentlicht zurzeit ein Herr Dr. E. K. in Beirut, eine sehr interessant geschriebene Artikelserie über die Juden im heutigen Palästina. Wir entnehmen dem dritten Artikel folgende Stellen: „Einen interessanten Versuch zur Verbreitung von Hausindustrie haben hauptsächlich Zionisten mit Palästinafreunden aus Deutschland gemacht, indem sie die Gründung der Gewerbeschule Bezalel in Jerusalem förderten, die besonderer Erwähnung verdient. Der Grundgedanke dieses Unternehmens ist die Verpflanzung guten orientalischen Kunsthandwerks, das einen recht weiten Absatz findet, nach Jerusalem. Metalltreiberei, wie sie in Damaskus und Kairo zuhause ist, Teppichweberei, wie sie in Kleinasien und Persien ausgeübt wird, Herstellung von Holz-Inkrustationen, endlich auch Anfertigung von Korbmöbeln — die Einführung aller dieser Gewerbe, die meistens hausindustriell betrieben werden, läßt sich der Bezalel angelegen sein. Zu diesem Zweck wurden in Jerusalem eine Anzahl Werkstätten eingerichtet. Die technischen Leistungen sind teilweise — besonders in der Metallarbeit — schon recht anerkennenswert; der Verdienst, den Arbeiter und Arbeiterinnen dabei finden können, ist für deutsche Verhältnisse gering, aber für Palästina sehr beträchtlich." Noch eine weitere Gründung, die ebenfalls gemeinnützigen Motiven entsprang, deren volkswirtschaftliche Bedeutung aber heute schon weittragender ist, verdient Erwähnung, nämlich eine Bank, die Anglo-Palestine Company. Sie besitzt Geschäftsstellen in Jerusalem, Jaffa, Beirut, Haifa und Hebron. Obwohl das ihr seiner-

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