Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 27 (8.7.1910)
- Date
- 1910-07-08
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316406-3316433--53456-3347237- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
zeit zur Verfügung gestellte Kapital nur zum kleinen Teil englischen Ursprungs ist, haben ihre Gründer aus juristischen Erwägungen — kleine Aktien! —. vorgezogen, sie unter englische Gesetzgebung zu stellen. Die Anglo-Palestin e Company betreibt neben den üblichen Bankgeschäften hauptsächlich die Gewährung von Darlehn an Kolonisten und Handwerker bzw. deren Genossenschaften. Sie betätigt sich auch mit glücklicher Hand im Kleinwohnungsbau, vermittelt die Gründung von Arbeiterkolonien und Gartenstädten. Die Bank besteht seit sieben Jahren, zeichnet sich durch solide Gebarung aus, so daß sie auch einen erheblichen christlichen und mohammedanischen Kundenkreis zählt, und arbeitet trotz ihrer gemeinnützigen Zwecke mit einem ziemlich gleichmäßigen Gewinn von 8 Prozent, von dem allerdings nur etwas mehr als die Hälfte zur Verteilung gelangt. Der Direktor der A. P. C. sagte mir, die Bank habe in den letzten fünf Jahren mit etwa 28 jüdischen Genossenschaften (1183 Mitglieder) gearbeitet, sie habe im Jahre 1909 kleine Darlehn von 100 bis 2000 Frs. in der Gesamthöhe von 490 000 Frs. gewährt, ohne in der ganzen Zeit nur einen Pfennig Verlust aus diesem Geschäftszweig beklagen zu müssen. Die A. P. C. hat durch solche Darlehnsgewährung eine erhebliche Anzahl kleiner Leute aus den Händen von Wucherern gerettet. — Wie üppig das Wuchergeschäft in Palästina blüht, mag man daraus ersehen, daß zwei arabische Christen aus Beirut es fertig gebracht haben, fast die ganze Ebene Jesreel, die ihnen zinspflichtig war, in ihr Eigentum zu bringen. Die Hebung des kapitalarmen Landes ist wesentlich eine Frage der Verbesserung des Kreditwesens." Rabbi Nahum und der „rote Zettel" Gelegentlich der Anwesenheit des Großrabbiners in Jaffa wurde ihm vom Empfangskomitee ein Memorandum überreicht, in welchem die Hoffnung ausgesprochen wird, daß der Chachambaschi als oberster Vertreter der Judenheit des ottomanischen Kaiserreichs die Rechte der jüdischen Nation im Reiche energisch schützen werde. Insbesondere erwarte man von ihm auch fernerhin ein energisches Eintreten für die Aufhebung des roten Zettels, der als nationale Schmach von allen Juden schwer empfunden werde. fl^ NACHRICHTEN Personalnachricht Unser Gesinnungsgenosse Herr Dr. Leon Reich hat an der „Ecole des sciences politiques" in Paris sein Diplom erhalten. Die von ihm eingereichte Dissertation: „Le socialisme international et le principe de nationalite" enthält u. a. eine theoretische Beleuchtung der zionistischen Idee und besonders des Poale-Zionismus. Das Zollschansche Buch Um das außerordentlich bedeutsame Buch Zollschans „Das Rassenproblem" in Parteikreisen zu verbreiten, hat ein Gesinnungsgenosse in munifizenter Weise einen größern Betrag ausgeworfen, um für Parteigenossen die Anschaffung des Werkes zum Preise von Kr. 4.— (statt Kr. 7.20) zu ermöglichen. Zu beziehen durch W. Teitelbaum, Wien, IX, Türkenstraße 9. Antisemitismus im Krankenhause Der skandalöse Vorfall im Teltower Kreiskrankenhause, wo ein jüdischer Medizinalpraktikant wegen der antisemitischen Assistenten zurückgewiesen wurde, hat im preußischen Abgeordnetenhaus scharfe Kritik erfahren. Jetzt wird ein ähnliches Vorkommnis aus dem Allgemeinen Krankenhause zu Lübeck gemeldet. Im April v.J. bewarb sich der Arzt Dr. Magnus Mattissohn um eine vakante Medizinalpraktikantenstelle am Lübecker Krankenhause und wurde auch vom Oberarzt des Krankenhauses, Dr. Hofstaetter, akzeptiert mit dem Bemerken, daß auf seine Tätigkeit bis zum 1. November gerechnet werde. Er traf am 20. Mai ein und wurde von Dr. Hofstaetter in das Kasino gewiesen, wo er sechs bis acht Herren antraf. Er stellte sich höflich vor, wurde aber gleich vom ersten Augenblick an in gröblicher Weise von der Unterhaltung ostentativ ausgeschlossen. Am übernächsten Mittag schon ließ ihn der Sekundärarzt der chirurgischen Abteilung, Dr. Brevitt, in sein Zimmer kommen und sagte ihm, er handle im Auftrage der Assistenzärzte und nach Rücksprache mit dem Oberarzt Dr. Hofstaetter, wenn er ihn bäte, das Krankenhaus möglichst noch am gleichen Tage zu verlassen. Er verweigerte dabei jede Angabe von Gründen. Dr. Mattissohn suchte Dr. Hofstaetter auf, der aber erklärte, nichts in der Sache tun zu können; er dürfe nicht zugeben, daß durch „persönliche Angelegenheiten" der Herren der ganze Betrieb leide. Dr. Mattissohn erklärte darauf, daß es sich offenbar um antisemitische Gründe handle, was Dr. Hofstaetter allerdings bestritt. Dr. Mattissohn verließ das Krankenhaus. Bald darauf wurde in einem Inserat in den „Ärztlichen Mitteilungen" ein nichtjüdischer Assistenzarzt gesucht. Die wegen dieser Vorgänge beantragte ehrengerichtliche Klage wendet sich gegen das Herausdrängen eines unbescholtenen Kollegen trotz der Zusage, das praktische Jahr am Krankenhause ableisten zu dürfen. Der Vorstand der Ärztekammer lehnte ein Einschreiten ab, weil politische und religiöse Handlungen eines Arztes nicht Gegenstand eines ehrengerichtlichen Verfahrens sein könnten. Die ablehnende Haltung der Assistenzärzte scheine durch persönliche, nicht relegiöse Momente beeinflußt gewesen zu sein. Eine jüdische Deputation vor König Georg V. Mittwoch den 22. Juni empfing der König eine größere Abordnung von Mitgliedern des Jewish Board of Deputies und der Anglo-Jewish Association, die dem König das Beileid der englischen Judenheit zum Ableben König Eduards aussprach und ihn zur Thronbesteigung beglückwünschte. Die Deputation bestand aus den folgenden Herren: Leopold de Rothschild, Chief-Rabbi Dr. Adler, Dr. Gaster, Oberrabbiner der portugiesischen Gemeinde, Rev. Morris Joseph, erster Prediger der Reformgemeinde, Minister Sir Rufus Isaacs, Lord Swaythling, Sir Francis Montefiore, Kgl. Rat D. L. Alexander, Gouverneur Sir Mathew Nathan, gewesener Lordmayor Sir J. Faudel-Phillips, Königl. Rat A. H. Jessel, Parlamentsmitglieder Sir Ph. Magnus und B. S. St raus sowie einer Anzahl weiterer Notabein der englischen Judenheit. Mr. L. de Rothschild führte die Deputation an und verlas die Adresse, die von Cl. G. Montefiore und D. L. Alexander gezeichnet ist. Der König erwiderte mit der Verlesung einer Adresse, in der er in seinem Namen und im Namen der Königin für die Loyalität der jüdischen Bevölkerung dankte und seine Freude über den Empfang dieser illustren Deputation aussprach. Mr. L. de Rothschild, Sir Edward Stern und D. L. Alexander küßten hierauf dem König die Hand und die Deputation verabschiedete sich. Antisemitisches von der Budapester Universität Lebhaftes Aufsehen erregt in Budapest die Ernennung des außerordentlichen Professors Ludwig N 6k äm zum ordentlichen Professor der Dermatologie an der Budapester Universität. Der „Pester Lloyd" bemerkt hierzu, daß man von langer Hand darauf hingearbeitet habe, dem einzig hierfür geeigneten Mann, dem ordentlichen Professor Dr. Ludwig TörÖk den Weg zu dieser Lehrkanzel zu verlegen. Obwohl Professor Török vom Referenten der medizinischen Fakultät für den zur Ernennung Berufenen erklärt wurde, schlug die Fakultät, weil Professor Török Jude ist, Professor Marschalko vor. Allein auch dieser sollte die Professur nicht erlangen, weil er Freimaurer ist und der Klausenburger Bischof Majläth, ein Intimus des Thronfolgers Franz Ferdinand, für den klerikalen Bewerber Ludwig Nekäm seinen ganzen Einfluß aufbot. So kam es, daß der Universitätssenat unter Vorsitz des klerikalen Rektors Professor Säghi die Ernennung NSkams vorschlug und durchsetzte. Hierzu ist noch folgendes zu bemerken: Das Gutachten der medizinischen Fakultät enthält tatsächlich den Hinweis auf Török als den einzig wirklich Berufenen. Török ist auch unter den Bewerbern der einzige, der in der wissenschaftlichen Welt Europas einen Namen hat, wo man ihn und Philippson in Palermo als den Begründer einer neuen dermatologischen Methode kennt. Aber der Umstand, daß er Jude ist, macht seine Ernennung auch unter dem neuen „liberalen" Regime unmöglich. fr^^r= "ig^^ S°^> SPRECHSAAL XT °°o ---- -JJ Antwerpen, 27. Juni 1910. Geehrte Redaktion! Ich bitte Sie höfl. um gefl. Aufnahme nachstehender Zeilen in Ihrem geschätzten Blatte. In Nr. 25 der „Welt" findet sich in einem Brief aus Belgien folgender Satz: „Außer diesen populär wissenschaftlichen Vorträgen liest jeden Dienstag abend Dr. Rosner über jüdische Geschichte, alle vier Wochen Dr. Mick in über jüdische Philosophie." Später spricht der verehrte Herr Einsender von der Tätigkeit des Misrachi- Vereins. Lediglich zur Richtigstellung sei darauf aufmerksam ge-