Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 27 (8.7.1910)
- Date
- 1910-07-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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No. 27 DiE3§KELT 663 Etats heranzutreten. Während doch die Staatsministerien im Laufe des Verwaltungsjahres immer noch die Gelegenheit haben, sich nachträglich Kredite für besondere Zwecke, welche bei der Aufstellung des Budgets nicht vorausgesehen werden konnten, vorn Parlament bewilligen zu lassen, muß das E. A. C in solchen Fällen bei unserer jetzigen Organisation auf eigne Verantwortung handeln, und ist es auf eine nachträgliche Genehmigung durch Kongreß oder Jahreskonferenz angewiesen. Bei den Debatten über die Preßangelegenheit ist die Frage der Beschaffung der Mittel und die Finanzfrage überhaupt schon mehrfach erörtert worden. Es ist dabei aber ein Gesichtspunkt unerwähnt geblieben, den ich nunmehr beleuchten möchte. Es handelt sich nicht nur um die budgetmäßige Deckung der vorgesehenen Ausgaben, sondern vor allen Dingen um die Beschaffung der Mittel, welche im Laufe des nächsten Verwaltungsjahrs für die Weiterführung unserer Geschäfte erforderlich sind. Unsere Schuld beim J.C.T. beträgt heute in gewöhnlicher Rechnung ca. 40000 Für das neue Dienstjahr werden wir ca. 160 000 J6 brauchen. Demgegenüber haben wir aus dem laufenden Schekeljahre (wenn wir das letzte kongreßlose Schekeljahr unserer Berechnung zugrunde legen), noch auf ca. 50000 Ji zu rechnen, während die Einnahmen für das nächste Schekeljahr voraussichtlich zum weitaus größten Teile erst in den letzten Monaten vor dem Kongreß einlaufen werden. Wir werden also genötigt sein, einen Kredit bis zu ca. 200000^ beim J.C.T. zu beanspruchen und haben heute vom Direktorium des J. C. T. die Mitteilung empfangen, daß wir die Maximumgrenze des uns bewilligten Kredits schon überschritten haben. Unsere Finanzfrage ist also vor allen Dingen eine Kreditfrage. Im weitern Verlauf seiner Ausführungen gibt der Referent verschiedene detaillierte Erläuterungen zu den Posten des Budgets. Kann bemerkt, daß er bei der Beratung des Budgets im E. A. C. sich mit demselben in sofern nicht einverstanden erklärt hat, daß dasselbe ihm noch zu optimistisch erscheint. Er bezweifelt, ob wir die nötigen Mittel werden aufbringen können und hält unter solchen Umständen die hohen Ausgaben für die Presse für ungerechtfertigt. Boruchow fragt an, ob in den Abrechnungen der „Welt" und des Jüdischen Verlages nicht Posten vorkommen, welche eigentlich auf das Zentralbureau gehören, oder umgekehrt. Dr. Heymann: Als vom Kongreß bestellter Revisor kann ich die Mitteilung abgeben, daß ich, der ich seit Jahren die Rechnungen des Zentralbureaus kontrolliere, konstatiert habe, daß man mit der peinlichsten Sorgfalt bestrebt ist, die verschiedenen Abteilungen des Zentralbureaus mit striktester Genauigkeit mit den Beträgen, welche zu deren Lasten fallen, zu belasten, und daß Schiebungen oder Verbuchungen, welche geeignet wären, die Resultate tendenziös darzustellen, durchaus nicht vorkommen. Boruchow: Der Präsident gab uns zwrar das Versprechen, daß keine größeren Ausgaben gemacht werden, als wir hier bewilligt haben, ich bin aber der Ansicht, daß er dieses Versprechen nicht genau wird einhalten können, wie auch Herr Hoofien schon ausgeführt hat, und ich schlage deshalb vor, dem Großen A. C. das Recht zu geben, im Laufe des Verwaltungsjahres Überschreitungen des heute vorliegenden Budgets bis zu 10% des angesetzten Betrages zu genehmigen. Zur Frage der Mittel möchte ich bemerken: Es ist ja allzu paradoxal, daß die zionistische Organisation, welche so große Fonds geschaffen hat, selbst kein Geld hätte, wenn es sich darum handelt, z. B. einmal einen Agitator irgendwohin zu schicken. Die Idee der Besteuerung aller Finanzinstitute ist eine sehr gesunde und wenn es auch große Widerstände dagegen gibt, so wissen wir doch, daß dabei ein gutes Stück Sentimentalität im Spiele ist. Nun ist zwar der Antrag vor dem Kongreß zurückgezogen worden, doch nichtsdestoweniger, hat die Jahreskonferenz das Recht, einen solchen Beschluß zu fassen. I^ach einer solchen Beschlußfassung könnte dann die Bank ohne Risiko den Kredit erweitern. Schließlich möchte ich vorschlagen, den vom E. A. C. gestrichenen Posten für die Subvention des „Haolarn" mit 2000 Rubel wieder in das Budget einzustellen. Der „Haolarn" ist unser einziges offizielles hebräisches Organ, und er müßte ohne die Subvention eingehen. Dies würde einen überaus schlechten Eindruck machen. Die allgemeine Organisation hat die moralische Pflicht, den „Haolarn" zu halten, da sie es ja ist, und nicht die russische Organisation, welche ihn geschaffen hat. Übrigens würden die Kosten der Liquidation gewiß ebensoviel betragen, als die Subvention, und diese Kosten müßte die Organisation im kommenden Jahre doch jedenfalls tragen. Präsident Wolffsohn: Das E. A. C. hat, wie Sie alle wissen, im letzten Jahre schwere Sorgen gehabt um die Mittel für unsere andere Presse zu finden und wird auch in Zukunft große Mittel für diesen Zweck auftreiben müssen. Unter diesen Umständen meinte das E. A. C, daß die allgemeine Organisation es der russischen Organisation, welche den „Haolarn" übernommen hat, überlassen darf, und muß, denselben weiterzuführen. Dr. Hey mann: Ich möchte, trotz der traurigen Finanzlage, sogar noch die Erhöhung des Budgets vorschlagen. Es ist nämlich für Reise- und Agitationskosten nur 10000 J6 vorgesehen, und auf Grund der Erfahrungen, die ich persönlich in Ägypten, im Orient und in Rumänien gemacht habe, glaube ich sagen zu können, daß unsere Organisation aus der Anstellung eines herumreisenden Agitators, welcher eine sehr angesehene Position in und außerhalb unserer Bewegung einnehmen müßte, einen ungeheuren Nutzen ziehen könnte. Ich halte diesen Posten für überaus notwendig, allerdings glaube ich kaum, daß, wie die Dinge hier liegen, ein solcher Antrag angenommen werden wird. Ich möchte aber auf die Wichtigkeit der Sache hingewiesen haben. Wir haben in Deutschland außerordentlich gute Erfahrungen mit dem System der festen Jahresbeiträge gemacht, und ich schlage der allgemeinen Organisation vor, dieses Mittel auch zu erproben. Präsident Wolffsohn: Ich will nicht verfehlen, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß auch noch ein Antrag des E. A.C. vorliegt, daß die Schekelgefder künftig ohne Abzug an uns abzuführen sind. Es liegt hier nun allerdings ein Antrag der Herren Boris Goldberg, Dr. Marmorek und Julius Simon vor, welcher dahin geht, daß sämtliche finanzielle Institutionen, die der Zionistischen Organisation unterstellt sind, besteuert werden im Verhältnis ihrer Nettoeinnahmen, aber bis höchstens