Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 27 (8.7.1910)
- Date
- 1910-07-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Die Beratungen der Jahreskoriferenz. Zu dem Berichte in Nr. 26 sei hier noch nachgetragen, daß bei der Jahreskonferenz im Hotel Esplanade in-Berlin am dritten Tage auch Herr Berthold Feiwel anwesend war. Aus Anlaß der Jahreskonferenz fanden Sitzungen statt an folgenden Tagen: Sonntag den 26. Juni, vorm. E. A. G, mittags Direktorium des J. N. F., 3 Uhr nachmittags Aufsichtsrat des J. C. T., 5 Uhr nachmittags Agrarkreditbankkommission; Montag: Jahreskonferenz (vertrauliche, Sitzung) den ganzen Tag über, bis 2 Uhr nachts; Dienstag: vormittags Jahreskonferenz (öffentliche Sitzung), nachmittags Generalversammlungen des J. C. T. und des J. N. F., abends Jahreskonferenz (vertrauliche Sitzung), Abstimmung über die Einigungsvorschläge, Schluß 2 Uhr nachts; Mittwoch: vormittags Jahreskonferenz, nachmittags Jahreskonferenz (vertrauliche Sitzung), 9 Uhr abends Schluß der Konferenz. Es hatte sich die Notwendigkeit ergeben, die Jahreskonferenz, entgegen der ursprünglichen Absicht, sie in zwei Tagen durchzuführen, um einen Tag zu verlängern. Sie hat also, wenn man von den Beratungen des Sonntag absieht, den 27., 28. und 29. Juni für ihre Tagungen in Anspruch genommen. Wie aus dieser Zusammenstellung hervorgeht, ist die Abstimmung über die Einigungsvorschläge nicht am Dienstag mittag, sondern Dienstag nacht erfolgt. Dem zur Ausarbeitung dieser Vorschläge eingesetzten Ausschusse gehörten folgende Mitglieder der Jahreskonferenz an: Dr. Alexander Marmorek als Vorsitzender, Boris Goldberg, Gronemann, Dr. Arthur Hantke, J. L. Magnes und Julius Simon. Nach der Abstimmung ergriff Präsident Wolffsohn das Wort zu folgender Ansprache: Ich konstatiere, daß die Anträge einstimmig angenommen worden sind, und ich drücke darüber die innigste Freude aus, daß die Streitaxt, die in den letzten sechs Monaten so viel geschwungen wurde, dadurch begraben ist, hoffentlich für alle Zeiten. Der Streit hat uns wahrlich keine Freude gebracht, keinem von uns, und ich will offen gestehen, daß wir im Eifer alle gesündigt haben. Es konnte nicht ausbleiben, daß manches harte Wort von der einen oder andern Seite gefallen ist, das gewiß nicht im Interesse der Bewegung gelegen war, ich bin aber überzeugt, daß Sie alle, nicht nur die Majorität, gleich mir der Ansicht sind, daß wir es ehrlich meinten und nur das Interesse der Bewegung im Auge hatten. Ich kann Sie versichern, daß ich keinen Augenblick daran gezweifelt habe, daß die Opposition von denselben Absichten beseelt ist wie wir, nämlich daß sie einen Streit führte leschem schomajim. Es sind auch Ausdrücke erkläre, daß es mir furchtbar leid tut, daß die Meinung gefallen, die zu Mißverständnissen geführt haben. Ich aufgekommen ist, daß ich auch nur einen Augenblick von Mitgliedern des A. C, die sich in der Bewegung seit langem betätigt haben, gedacht hätte, daß sie unehrlich gehandelt hätten. Mit den Streitigkeiten werden aber nunmehr auch die Mißverständnisse aufhören, und wir wollen uns ehrlich die Bruderhand reichen. Wir waren nie Feinde, wir haben nur als Gegner gekämpft Nachdem wir jetzt einig geworden sind, hoffe ich, daß wir auch für alle Zeiten einig bleiben werden. Nachdem Sie diesen Ihren Beschluß gefaßt haben, ob nun mit oder ohne Vorbehalt, hoffe ich bestimmt, daß wir jetzt alles für den nächsten Kongreß vorbereiten, damit wir dort wirklich praktische Arbeit leisten können und uns nicht mehr mit Dingen nebensächlicher Natur aufhalten. Ich danke Ihnen und freue mich, daß es Ihnen gelungen ist, Einstimmigkeit zu erzielen. Freuen wir uns auch, daß wir etwas gelernt haben, nämlich, daß wir schließlich doch einig werden. Möge diese Einigkeit dauern, bis wir unser Endziel erreicht haben werden! (Lebhafter Beifall.) Dr. Friedemann: Ich beantrage Schluß der Sitzung, Wolffsohn: Ich möchte nur noch konstatieren, Dr. Marmorek hat bei Stellung des Antrages von einer Kommission mit drei Herren gesprochen, die bereits gewählt ist. Ist sie verständigt? Dr. Marmorek gibt die entsprechende Auskunft. Simon: Es wird hier eine Anfrage an den Herrn Präsidenten gerichtet. Der Herr Präsident weiß, daß von Mißverständnissen, die vorgekommen sind, einige Mitglieder unserer Organisation auf das schwerste betroffen sind. Ich nenne insbesondere den Namen des Herrn Berthold Feiwel, der seine Demission der Jahreskonferenz eingereicht hat. Ich wäre dem Herrn Präsidenten dankbar, da wir alle wissen, wie treu dieses Mitglied unserer Bewegung von allem Anfang an bis zur Selbstopferung gedient hat, und wie unantastbar seine Gesinnung ist, ich möchte bitten, daß Herr Wolffsohn feststellt, daß alle seine Worte, die er vorher gebraucht hat, sich auch auf Herrn Berthold Feiwel beziehen. Wolffsohn: Selbstverständlich! VoneinerDemission weiß ich allerdings nichts. Ich erkläre Ihnen, daß ich der Meinung bin, daß der Brief nicht als eine Demission aufzufassen ist. Ich würde es auch bedauern, wenn einer dieser Herren demissionieren würde. Was speziell aber die Ehrenhaftigkeit des Herrn Berthold Feiwel anbetrifft, so erkläre ich, daß es mir nie eingefallen ist, an der persönlichen Ehrenhaftigkeit Fei weis zu zweifeln.— Ich schließe die Sitzung. *. In der vertraulichen Sitzung, die Mittwoch nachmittag stattfand, wurden Preßangelegenheiten besprochen, sowie das Budget erledigt und angenommen. Im nachfolgenden geben wir einen kurzgefaßten Bericht über die Beratungen mit Bezug auf das Budget. Der Präsident erteilte Herrn Hoofien das Wort für Einleitung des Budgets. Herr Hoofien führte ungefähr folgendes aus: In allererster Reihe möchte ich darauf aufmerksam machen, daß das vorliegende Budget überhaupt das erste ist, welches in unserer Organisation einer Jahreskonferenz oder einem Kongreß vorliegt. Bis jetzt waren die Verhältnisse bei uns noch nicht genügend geordnet, um dem Paragraphen unseres Organisationsstatuts, welcher deutlich besagt, daß der Kongreß und die Jahreskonferenz sich mit der Feststellung eines Budgets zu befassen haben, Folge zu leisten. Dies soll nunmehr anders werden. Das E. A. C. ist gewillt, auch in dieser Beziehung Ordnung zu schaffen und von nun an nur noch nach einem regelmäßig bewilligten Budget zu wirtschaften (Zustimmung!). Allerdings muß ich schon von vornherein betonen, daß das E. A. C. vielleicht verpflichtet sein wird, an den nächsten Kongreß mit einigen Indemnitätsanträgen wegen Überschreitung des