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Die Welt · 1910-07-08 · 27 (8.7.1910) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
27 (8.7.1910)
Date
1910-07-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 27 DIE ELT 661 Heiligung des Sabbaths ihren alten Qott, der sein Volk nie verlassen hat." Der junge Übeltäter blickte wie hilfesuchend im Kreise umher, er fand nur abweisende Gesichter. „Ja", meinte eine liebenswürdige Dame, „und wenn all das Sie nicht bestimmen kann, ich sage Ihnen, es wirkt auf mich direkt unästhetisch, wenn ich sehe, daß ein Jude in Palästina am Sabbath eine Zigarre in den Mund nimmt oder in christlichen Gasthäusern speist." „Im übrigen, wer nicht soviel Disziplin aufbringt, um in solch kleinen Genüssen Enthaltsamkeit zu üben, der gehört gar nicht hierher ins Land der Bibel, ins Land der alten Propheten, wo der Aufenthalt vorläufig Opfer jeder Art fordert." Dieses Urteil schien den jungen Mann tiefer zu packen als alles andere, was gesagt wurde, aber bis zu Tränen rührte ihn, was ein älterer Herr meinte: „Sehen Sie, junger Herr, Sie wollen sich und Ihren Gewohnheiten nichts vergeben und glauben, es liege eine Erniedrigung darin, sich äußerlich Religionsgesetzen zu beugen, an die sie nicht glauben. Sehen Sie mal: Sie haben einen Vater, vielleicht auch einen Großvater, Männer, die Sie achten und lieben. Gewiß tun Sie vieles, was diese Ihre Angehörigen verdrießen würde, aber Sie haben doch soviel Respekt vor den ältern Leuten, dies wenigstens in deren Gegenwart zu unterlassen, um sie nicht geradezu absichtlich zu kränken. Palästina, das ist uns doch so eine Art Vater, — das alte Vaterland, und jeder Jude sollte soviel Respekt für diese Erde aufbringen, um ihre altehrwürdigen Gesetze zu respektieren." Der junge Mann entfernte sich sehr nachdenklich; — am nächsten Tage jedoch, da bat er vor der versammelten Tafelrunde unsern Hamburger Freund um Entschuldigung. Und das beweist zweierlei: erstens, daß der junge Mann im Kerne eine feine Natur ist und zweitens, daß man nicht ruhig zusehen soll, wenn sich die Neuangekommenen in Palästina derartige Obergriffe gestatten. Gewiß, die Ketzerriecherei und Oberhebung der Eiferer von Jerusalem macht eine Gemeinschaft der modernen Menschen mit diesen unfruchtbaren Elementen absolut unmöglich, und wenn man erst anfängt Glaubenswächter zu sein, ist ein Ende schwer abzusehen. Ich verstehe es auch, wenn geistig hervorragende Männer sich diesen unwissenden Leuten, diesen Chassidim amhaarazim nicht beugen wollen. Anderseits ist ein palästinensisches Judentum losgelöst von jeder Tradition nicht gut mö'glich, aber auch gar nicht erwünscht. Und die Juden, die nach Palästina kommen, sollten nie vergessen, daß es dort auch neuzeitlich gebildete Juden gibt, die mit ganzer Seele am gesamten Judentum hängen, das heißt, an Nation, Sprache und Tradition. Die Furcht, unsere alte, jugendfrische, schöne und helle Heimat in ein dumpfes Ghetto verwandelt zu-sehen, hat sich als grundlos erwiesen, die modernen Juden erwiesen sich als die stärkern. Jede persönliche Sündenklauberei, jeder finstere Eifer, sie sind scharf abzuweisen, — ebenso wie jedes öffentliche Ärgernis zu vermeiden ist. Es soll auch nicht geschehen, daß man sich hochmütig und verärgert von jenen abwendet, die aus dem Golus Lebensgewohnheiten mitbringen, die Anstoß erregen, um dann die Leute heimlich anzugreifen. Man bespreche sich freundschaftlich und suche sich zu einigen. Daß es zu helfen vermag, das beweist mein Sabbath in Rechoboth. AUS DER BEWEGUNG O O O O O O O 3) o o o o o o o Budget des Aktionskomitees für das Dienstjahr i. Juli 1910 bis 30. Juni 1911 Ausgaben: Palästina-Ressort Berlin............ Palästina-Amt Jaffa.............. Reise- und Agitationskosten.......... Auswärtige Vertretung des E. A. C........ Broschüren.................. Die Welt................... Preßbureau.................. Gehälter................... Miete, Licht, Telephon, Heizung, Anschaffung usw, Porti und Telegramme............. Zinsen......•............. A. C.-Sitzungen und Kongreßvorbereitung . . . . Rückvergütung an Herzls Erben........ Presse .................... Subventionen und Dispositionsfonds: Jüdisches Institut für technische Erziehung in Palästina.......Jt 3200. Verein Bezalel ..........„ 3520. Wörterbuch Ben Jehuda......„ 1000. Ha Olam....... .....„ 4300. Diverse zur Verfügung....... „ 3980. tjft 8 400 20 000 10 000 13 000 1 000 9 000 8 000 23 000 8 000 2 500 2 000 6 000 3 400 40 000 16 000 I 170 300 Einnahmen: Rückvergütungen: J. C. T. für Aufsichtsrat........... J. N. F. für Palästina-Amt . •........ A. L. B. C. auf auswärtige Vertretung des E. A. C. J. N. F. für Subvention. Jüdisches Institut für technische Erziehung in Palästina...... J. N. F. für Subvention Bezalel........ Kulturfonds für Subvention Wörterbuch Ben Jehuda .................. Zu decken durch Schekel, Parteisteuer und Preßfonds .....•............ tJt 3 250 12 000 8 000 3 200 3 520 1 000 139 330 170 300 —

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