Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 27 (8.7.1910)
- Date
- 1910-07-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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wenn sie z. B. von einem bei ihr ansässigen Schmiede einen Pflug gegen ihr Korn eintauscht, den Jaffaer oder Haiffaer Marktpreis für ihren Weizen, hat aber keine Transportkosten davon abzusetzen, und erhält den Plug für den Jaffaer Marktpreis, hat aber keine Transportkosten darauf aufzuschlagen. Der Schmied hat genau dieselben Vorteile; denn er müßte sein Korn in Jaffa kaufen und auf seine Kosten bis in sein Haus transportieren und müßte seinen Pflug in Jaffa verkaufen, ihn aber auf seine Kosten dorthin transportieren. Der zweite Vorteil ist der, daß dem Boden im Dünger um so mehr von dem aus ihm gezogenen Pflanzennährstoff zurückerstattet wird, je mehr von seinen Prudukten an Ort und Stelle verzehrt werden. Der dritte Vorteil ist der, daß die Anwesenheit zahlreicher. Nichtlandwirte der Genossenschaft die Möglichkeit verleiht, in Zeiten größern Arbeiterbedarfs billige Hilfskräfte heranzuziehen. Die Handwerker und Gärtner selbst und ihre Frauen und Kinder werden gern bereit sein, gegen hohen Tagelohn und natürlich gegen die entsprechende Gewinnbeteiligung bei den Erntearbeiten zu helfen, und dieser hohe Tagelohn kommt der Genossenschaft dennoch billiger, als wenn sie gezwungen wären, fremde Arbeiter auf längere Zeit zu niedrigem Löhnen zu mieten. Der vierte Vorteil ist der, daß alle diese neueintretenden nichtlandwirtschaftlichen Siedler die Last des gesamten Pachtzinses mittragen und alle Untergenossenschaften: Konsumvereine, Kreditgenossenschaft, Baugenossenschaft, Viehversicherungsgenossenschaft usw. verstärken und dadurch leistungsfähiger und vorteilhafter machen. , Für diese überaus wichtigen und die Rentabilität aller dort vereinigten Betriebe sehr stark steigernde Entwicklung muß in jedem Fall Land verfügbar sein, daher jene Bestimmung über das freizulassende Fünftel im Falle der Aufteilung. Das Verhältnis der neu eintretenden Siedler zu der Genossenschaft und dem Nationalfonds ist folgendermaßen gedacht: die Arbeiterproduktivgenossenschaft resp. der Genossenschaftsfonds tritt den neuen Siedlern einen Teil ihres Prachtrechtes ab. Sie bilden mit ihr gemeinsam eine Besitzgenossenschaft, die dem Nationalfonds gegenüber für den Eingang der gesamten Pacht verantwortlich ist. Der neue Siedler soll also nicht Unterpächter, sondern selbstständiger Pächter sein; und dasselbe gilt für solche Landwirte, Bauern und Gärtner, die sich selbstständig auf dem Lande anzusiedeln wünschen. Mit jedem neuen Siedler verkleinert sich also das Pachtland der Zentrale, wie wir den Großbetrieb nennen wollen, und entsprechend ihre Pachtverpflichtung. Um hier vorzugreifen, so ist mir mehrfach der „Einwand" gemacht worden, daß auf diese Weise schließlich ein Moment eintreten müsse, an dem die Zentrale nicht mehr Land genug habe, um ihren Großbetrieb aufrecht zu erhalten. Dazu ist zu bemerken, daß es wahrscheinlich immer möglich sein wird, in nächster Nähe des ersten Grundstücks genug neues Land dazu zu erwerben, um städtische Siedler in Masse anzusetzen. Wenn aber das selbst nicht möglich sein sollte, so wäre, wenn diese „Befürchtung" sich verwirklichte, das höchste und letzte Ziel erreicht, das sich die Kolonisation stecken kann. Dann wäre hier eben eine verhältnismäßig sehr volksstarke und gedeihende Stadt entstanden mit einer mehrtausendköpfigen Bevölkerung, und ich sehe nicht ein, wie jemand sich davor fürchten kann, der doch gerade die Ansiedlung zahlreicher kapitalschwacher jüdischer Elemente in Palästina wünscht. Wenn das aber einträte, so wäre auch auf der andern Seite dasjenige in vollstem Maße ereicht,,was der eigentliche Zweck unseres ersten Versuches ist: die Schaffung der Kreditbasis. Dann ist inzwischen längst der Zeitpunkt überschritten, wo das Großkapital sich mißtrauisch von der Beteiligung an diesem Unternehmen zurückhält, und es sind Dutzende, vielleicht Hunderte neuer Siedlungen enstanden, die nun, und zwar auf Grund der gemachten Erfahrungen, wahrscheinlich schneller und glatter denselben segensreichen Entwicklungsgang durchmachen, der den ersten Versuch so weit geführt hat. Der Nationalfonds bekommt seine Zinsen als erster Gläubiger einer volkreichen und wohlhabenden Stadt mit noch viel größerer Sicherheit als vorher, der Genossenschaftsfonds arbeitet, um das vielfache verstärkt, auf zahlreichen andern Gütern, und die ersten Arbeiter, die Pioniere, sind inzwischen längst zu wohlhabenden Bauern oder Gärtnern oder städtischen Rentnern geworden. Dieser Entwicklung sehe ich daher mit mehr, als nur mit Ruhe entgegen. Nichts kann mir mehr Freude machen als dieser „Einwand", der meine größten Hoffnungen als verwirklicht unterstellt. Kehren wir nun zu dem regelmäßigen Gang der Dinge zurück, wie man ihn wohl erwarten darf, ohne deshalb Utopist gescholten zu werden. Der .Artikel des Herrn Trietsch In Nr. 25 des „Frankf. Isr. Familienblatt" veröffentlicht Herr Davis Trietsch folgende Erwiderung: Soeben kommt mir die letzte Nummer der „Welt" mit der Antwort von Jacobus Kann auf meinen Artikel über die „Deutsche Palästina-Bank" zu Gesicht. Von der frühern Veröffentlichung dieser Replik hatte ich keine Kenntnis; — hieraus erklärt sich, weshalb ich „bisher keine Antwort darauf gefunden habe". Ich hatte den Geschäftsbericht der Deutschen Palästina-Bank pro 1909 in meinem Artikel behandelt. Herr Kann setzt meinen Ausführungen „Tatsachen" entgegen, die sich auf die Zeit vor 1906 (eine vorübergehende Verringerung des Kapitals) und auf die Zeit nach 1909 (die im Frühjahr 1910 erfolgte Beteiligung an deutschen Bergwerken) beziehen. Weiter beruft er sich darauf, daß ein deutsches Blatt irgend etwas in dem Bericht als „nicht klar" bezeichnet, und daß ihm etwas „scheint". Vielleicht haben diese Vermutungen des betreffenden Blattes für Herrn Kann ebenfalls die Bedeutung von „Tatsachen". Wenigstens spricht er ausdrücklich von solchen und hat doch nichts anders aufzuweisen! Dann gibt mir Herr Kann die gute Lehre, wenn ich wieder über die zurzeit von ihm geleitete Bank schreiben wolle, mich doch erst mit der Leitung dieses Instituts in Verbindung zu setzen, um Oberflächlichkeiten zu vermeiden. Herr Kann, der mir empfiehlt, bevor ich über etwas schreibe, erst Erkundigungen einzuziehen, antwortet ja gar nicht für die Anglo-Palästina-Bank, für die er glaubt, kompetent zu sein, sondern gegen die Deutsche Palästina-Bank, bei der er ebenfalls nicht vorher anfragt. Wäre es anders, so hätte er nicht nötig gehabt, sich auf Vermutungen und Zweifel dritter Instanzen statt auf wirkliche Tatsachen zu berufen. Übrigens ist ja Herr Kann uns nicht nur für die Anglo-Palästina- Bank, sondern auch für die „Jüdische Kolonialbank" mitverantwortlich, die als zionistisch-koloniales Finanzinstitut schon durch ihren Namen sich ebenso als in der Hauptsache palästinische Bank dokumentiert wie die Deutsche Palästina-Bank. Soll uns Herr Kann doch zeigen, daß die Gesamtheit der zionistischen Bankinstitute auch nur annähernd das finanzielle Resultat der Deutschen Palästina-Bank zeigt. Hier sind doch die beiden Fälle sicherlich parallel genug. In beiden Fällen besteht die Möglichkeit, in Palästina und anderwärts zu arbeiten, und