Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 26 (1.7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3315709-3316406-3316432--53417-3347197- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Kongreß das Recht, eigene Schekolim zu verkaufen und eigene Delegierte zu wählen, zu belassen. Die Jahreskonferenz wurde Mittwoch abend 9 Uhr mit einem Dankesvotum für den Präsidenten Wolffsohn, das Herr Böhm aussprach, geschlossen. Der Einigungsbeschluß Der von der Jahreskonferenz einstimmig angenommene Beschluß der von Dr. Marmorek beantragten Einigungskommission lautet: Die Jahreskonferenz beschließt, daß der nächste Kongreß spätestens im Sommer 1911 stattfindet. Die Jahreskonferenz beauftragt das E. A. C, in wichtigen Fragen allgemeiner Natur einen aus drei Mitgliedern bestehenden Beirat zuzuziehen. Die Namen der Gewählten werden erst nach ihrer Zustimmung veröffentlicht werden. Die Jahreskonferenz beschließt, daß die Sitzungen des großen Aktionskomitees von jetzt bis zum nächsten Kongresse mindestens alle vier Monate einmal stattfinden. Die Jahreskonferenz beauftragt das A. C, Maßnahmen im neuen Organisationsstatut zu treffen, die dem großen Aktionskomitee eine intensivere Mitarbeit an der Führung der Geschäfte ermöglichen. Insbesondere wird für das neue Organisationsstatut vorgeschlagen, daß neben dem E. A. C. auch das große Aktionskomitee aus seiner Mitte einen Vorsitzenden wählen soll, dem Sitz und Stimme im E. A. C. verliehen werde. Neben dem E. A. C. soll auch der Vorsitzende des großen Aktionskomitees berechtigt sein, Sitzungen desselben einzuberufen. Das große Aktionskomitee soll nur bei Anwesenheit von mindestens 15 Mitgliedern beschlußfähig sein. Die Jahreskonferenz beschließt, dem nächsten Kongreß folgende Vorschläge zu unterbreiten: 1. den Sitz des Zentralbureaus nach einem größern jüdischen Zentrum zu verlegen; 2. zu veranlassen, daß am Sitz des Zentralbureaus mindestens drei Mitglieder des E. A. C. ihren Wohnsitz haben; 3. daß der Präsident des Aufsichtsrates des I. C. T. vollberechtigtes Mitglied des E. A. C. ist; 4. daß das E. A. C. aus fünf bis sieben Abgliedern besteht. Die Jahreskonferenz spricht die Meinung aus, daß eine gedeihliche Arbeit im E. A. C. nur möglich ist, wenn dessen Zusammensetzung den verschiedenen Strömungen in der Bewegung Rechnung trägt; 5. daß das E. A. C. den Vorsitzenden aus seiner Mitte wählt. Die Jahreskonferenz erklärt alle Mißverständnisse, welche in der Bewegung in letzter Zeit sich bemerkbar gemacht haben, für geklärt und behoben. Die Jahreskonferenz macht es jedem Zionisteu zur Pflicht, alle unliebsamen Vorkommnisse zu vergessen und mit erneuter Energie für die gemeinsamen Aufgaben des Zionismus zn wirken. Ganz^ besonders hofft die Jahreskonferenz, daß jene Mitglieder der Bewegung, welche glaubten, sich von der aktiven zionistischen Arbeit zurückziehen zu sollen, wieder zu derselben zurückkehren werden. Die Jahreskonferenz erwartet von der zionistischen Presse, daß sie durch ihren Ton und ihre Haltung zur Beruhigung der Gemüter beitragen wird. - Die Mitglieder der Jahreskonferenz scheiden "mit dem freudigen Bewußtsein, daß die zionistische Organisation geeint und gefestigt mit erneutem Kraftgefühl ihrem hohen Ziele entgegenschreitet. * * * Die unten angeführten Delegierten gaben vor der Abstimmung folgende Erklärung ab: Wir erklären, daß wir prinzipiell an unserm Standpunkte festhalten, den Präsidenten des Aktionskomitees durch den Kongreß wählen zu lassen, um des Friedens willen aber bei der Abstimmung über Punkt 5 der Einigungsbedingungen uns der Stimme enthalten und bis zum nächsten Kongreß nicht gegen diesen Beschluß agitieren werden. Dr. Friedemann Gronemann J. Kremenezky Hantke Dr.Feuchtwanger Dr. Katzenelsohn Louis Fränkel Dr. Bodenheimer S. Rosenbaum Dr. S. Franzie-Berenstein Dr. Heymann Hermann Struck H. Uryson. Die Versammlung in Berlin Die Berliner zionistische Vereinigung veranstaltete Montag den 27. Juni, abends um 9 Uhr, anläßlich der Jahreskonferenz eine große Volksversammlung, die nach der Viktoriabrauerei einberufen war. Die Versammlung sollte ursprünglich unter freiem Himmel stattfinden, mußte aber schließlich wegen des schlechten Wetters im Saal abgehalten werden, der nicht imstande war, die Fülle der Besucher zu fassen, da fast 3000 Personen unserm Rufe gefolgt waren. Die Versammlung war ein lebendiger Beweis für die Einheit des jüdischen Volkes und die Größe unserer Bewegung, da zahlreiche Mitglieder der Jahreskonferenz aus allen Ländern sich als Redner zur Verfügung gestellt hatten. Nach den einleitenden Worten des Vorsitzenden, Herrn Dr. Witkowsky, der den Dank allen denjenigen aussprach, die trotz der anstrengenden Beratungen der Jahreskonferenz das Opfer gebracht hatten, in dieser Versammlung zu erscheinen, nahm als erster Redner, von stürmischem Beifall begrüßt, der Präsident des E. A. C. Herr David Wolffsohn das Wort. Er sprach von der Not des Tages, Nie habe die Notwendigkeit des Zionismus in größerer Klarheit erkannt werden können als jetzt, wo in Rußland wieder unerträgliches Unrecht unsern Brüdern zugefügt werde. Als weitere Redner schlössen sich ihm die Herren Dr. Emil Margulies-Prag, Dr. Alexander Marmorek- Paris, Rechtsanwalt Dr. Rosenbaum-Minsk, Rabbiner Dr. Magnes-New York und Rechtsanwalt Dr, Klee- Berlin an. Nur wenige Minuten standen jedem Redner zur Verfügung, aber die Versammlung gestaltete sich dadurch besonders eindrucksvoll, daß jeder Redner