Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 26 (1.7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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No. 26 DIE ELT 631 Dr. Heymann: Ich schlage vor, daß die einzelnen Föderationen einen der fünf Herren bitten, ihre Interessen wahrzunehmen. Dr. Gronemann: Ich habe die Sache so verstanden, daß die Kommission ein Generalreferat vorbereitet. Da versteht es sich von selbst, daß sie*bei ihren Beratungen Vertreter-der verschiedenen Föderationen zuzieht. Der Antrag Dr. Feuchtwanger wird abgelehnt, der Antrag Dr. Bodenheimer angenommen und folgende Herren in die Kommission gewählt: Dr. Bodenheimer, Dr. Münk, Dr. Emil Margulies, Boris Goldberg (eventuell Rosenbaum) und Gronemann. Wolffsohn: Ich wiederhole also, daß die Kommission ihren Bericht drei Wochen vor der Sitzung des Aktionskomitees gedruckt vorlegen muß. Somit wäre die Frage der Organisation erledigt bis auf die Differenzen des Ordens Knights of Zion mit der Federation of American Zionists Hierzu hat die Federation beantragt, die Sache dem Kongreßgericht zur Erledigung zu übertragen. Ich glaube aber, daß es zweifelhaft ist, ob dieses Gericht imstande sein wird, die Sache zu erledigen. Dr. Marmorek: Das Kongreßgericht ist selbstverständlich kompetent, die Sache zu behandeln. Es hat bereits einmal in einer ähnlichen Angelegenheit ein Urteil abgegeben, in welchem dem E. A. C. unrecht gegeben wurde. Der Redner ist der Ansicht, daß diese Sache dem Kongreßgericht übergeben werden soll. Dr. Bodenheimer bemerkt zu dem Fall, den Dr. Marmorek angeführt hat, daß das Urteil des Kongreßgerichts nicht rechtskräftig war, da das Gericht seine Kompetenzen überschritten hat. Dr. Hantke: Wenn wir die Sache nicht gleich entscheiden, so werden wir sie dadurch nur noch verschlimmern. Nachdem aber die Federation sich damit zufrieden gibt, daß die Sache vor das Kongreßgericht gebracht wird, so sollen wir uns damit einverstanden erklären. Jedenfalls muß sich das Kongreßgericht hüten, irgend einer der beiden streitenden Parteien unrecht zu tun; ich beantrage lochmals, den Vorschlag Dr. Schlössingers anzunehmen. Wolffsohn bittet die Sache im Sinne der Ausführungen Dr. Hantkes zu erledigen und meint, daß wir mit der Überweisung der Angelegenheit an das Kongreßgericht die Bedingung verknüpfen müssen, daß sich das Gericht mit allen drei Parteien in Verbindung setzt. Der Antrag Schlössinger-Magnes wird angenommen. Wir kommen nunmehr zu den Anträgen Bernstein-Kohan und Rappaport: 1. Vereinigung aller Bureaus für die zionistische Tätigkeit in Palästina zu einem Bureau, das unter Kontrolle und kollegialer Leitung der in Palästina wohnenden Mitglieder des A. C. stehen soll; 2. der Kongreß hält es für wünschenswert, daß das Palästinaamt und das Informationsbureau in Jaffa zu einem Amte vereinigt werden. Rosoff beantragt, diese Frage der Organisationskommission zu überweisen. Dr. Hey mann hält die Frage für eine politische und nicht für eine organisatorische. Wenn wir diese Anträge, die :üer vorliegen, annehmen, so schaffen wir hiermit nur Verwirrung, ich bitte Sie darum, daß wir, schon mit Rücksicht auf Dr. Ruppin, Jiese Anträge glatt ablehnen. Dr. Lewin spricht sich für den Vorschlag Rosoff aus. Präs. Wolffsohn: Es ist heute auch ein Brief des Herrn Scheinkin eingetroffen, in welchem er wieder das Ersuchen stellt, die Sache der Jahreskonferenz vorzulegen. Nach längerer Debatte, in welcher Dr. Hantke die Briefe ausführlich bespricht, wird der Antrag des E. A. C, die in diesen Briefen gestellten Forderungen abzulehnen, angenommen. Zur Verhandlung gelangt nunmehr die Angelegenheit der Schaffung eines Ehrengerichts. Präs. Wolffsohn: Es wird endlich Zeit, daß wir ein Ehrengericht schaffen, dem sich alle Zionisten unterwerfen. Dr. Marmorek beantragt, mit Rücksicht auf die Angelegenheit York-Steiner den. Punkt zurückzustellen und ihn erst in Gegenwart der Herren aus Österreich wieder aufzunehmen. Dr. Friede mann: Wir verhandeln ja nur prinzipiell über die Einsetzung eines ständigen Ehrengerichts. Dr. Marmorek stellt den Antrag, daß Maßnahmen getroffen werden, um dem Kongreßgericht auch die Kompetenz eines Ehrengerichts zu übertragen. Präs. Wolffsohn: Mit solchen Maßnahmen allein ist nichts ^etan. Die Jahreskonferenz müßte .ein Ehrengericht einsetzen und hm die Angelegenheit York-Steiner überweisen. Das ist eine Affäre, der wir ein Ende machen müssen. Die Korrespondenz zwischen ■^öln und Wien in dieser Sache läuft schon durch sechs Monate, n dieser Sache kann nur ein Schiedsgericht urteilen. Ein solches •iuß auch diese Angelegenheit gleich verhandeln. Deshalb hat Herr Marmorek recht, wenn er verlangt, daß die Herren aus Österreich anwesend sein sollen. Die Herren sind hier wieder erschienen, kommen wir also zur Sache. Es liegt ein Antrag von Herrn York-Steiner vor. Ein Expose" über diese Angelegenheit ist ja hier verteilt worden. Wir werden selbstverständlich auf die Sache hier nicht eingehen. Es geht nicht an, daß Zionisten in derartigen Streitigkeiten vor ein anderes Gericht gehen als ein Schiedsgericht, das wir einsetzen. Dr. Emil Margulies gibt eine Darstellung des Streitfalles. Präsident Wolffsohn: Ich bin nicht in der Lage, Sie auf die Sache eingehen zu lassen. Wir können kein Urteil fällen, und darum darf auch nicht der Sachverhalt vorgetragen werden. Dr. Emil Margulies: Es handelt sich vorläufig um eine interne Angelegenheit unserer Landsmannschaft. Die Jahreskonferenz kann darüber vorläufig noch nicht entscheiden. Präsident Wolffsohn: Herr Böhm war in dieser Sache außerordentlich loyal. Er war einverstanden, die Sache nicht vor der Jahreskonferenz zu erledigen. Deswegen schlage ich vor, ein Schiedsgericht nicht für diesen Fall allein, sondern für alle Streitigkeiten innerhalb des Zionismus einzusetzen. Damit können Sie ja einverstanden sein. Ich möchte es nicht mit dem Kongreßgericht vereinigt wissen. Setzen Sie ein Schiedsgericht aus Personen zusammen, die über jeden Zweifel erhaben sind. Böhm: Ich erkläre, daß ich mich jedem Schiedsgericht unbedingt unterwerfe. Ich habe nichts zu verbergen, aber meine Ehre muß geschützt werden. Der Antrag auf Einrichtung eines Schiedsgerichts wird im Prinzip einstimmig angenommen. Es kommt nunmehr die Frage der Kompetenz, der Zusammensetzung und des Ortes des Ehrengerichts zur Verhandlung. Gronemann: Die Sache ist offenbar nicht spruchreif. Ich würde vorschlagen, eine Kommission hier einzusetzen, die Vorschläge macht, der nächsten Sitzung des großen A. C. Mitglieder des Schiedsgerichts zu nominieren. Wolffsohn: Dieser Antrag ist der weitestgehende, ich bringe ihn zur Abstimmung. Angenommen. Wir müssen also eine Kommission einsetzen. HerrTrietsch hat beantragt, daß sämtliche Mitglieder der Jahreskonferenz, die in Berlin wohnen, diese Kommission bilden. Ich bringe diesen Antrag zur Abstimmung. Angenommen. Wolffsohn: Der geschäftsführende Ausschuß der zionistischen Vereinigung für Deutschland wird die Mitglieder einberufen. Dr. Brau de: Ich beantrage, die Angelegenheit York-Steiner bis zur definitiven Einsetzung des Schiedsgerichts zu vertagen. Wolffsohn: Ich möchte Herrn Böhm fragen, ob er dem zustimmt. Böhm ist einverstanden. Der Antrag Brau de, die Angelegenheit York-Steiner dem Schiedsgericht zu überweisen, wird angenommen. Wolffsohn: Wir kommen jetzt zum Budget. Bezüglich der Preßangelegenheiten liegt ein Antrag vor, die Öffentlichkeit auszuschließen. Ich kann das Budget nicht zur Beratung stellen, bevor diese Angelegenheit erledigt ist. Ich schlage vor, die Sitzung für 1A > Stunden zu unterbrechen. In der Nachmittagssitzung werden wir die Angelegenheiten Presse und Budget erledigen. Schluß der Vormittagssitzung 4/23 Uhr. Nachmittagssitzung vom 29. Juni 1910 Die ersten Punkte der Tagesordnung wurden von der Jahreskonferenz in vertraulicher Sitzung erörtert. Es wurde eine Reihe wichtiger Beschlüsse gefaßt. Folgende Resolution Sokolow wurde angenommen: „Die Jahreskonferenz stellt fest, daß die auf dem Neunten Kongreß abgegebene Erklärung über die politischen Ziele des Zionismus die einzig authentische Darstellung unseres Programms bildet, und daß sonstige, von welcher Seite immer kommende Äußerungen, sofern sie nicht ganz mit dem Inhalt dieser Deklaration übereinstimmen, für die Partei keinerlei Geltung haben." Die Jahreskonferenz beschloß, es in der Frage der Knights of Zion, deren Regelung mit dem neuen Organisationsstatut in Verbindung steht, bis zum nächsten Kongreß beim Status quo zu belassen. Diese Angelegenheit soll auf Antrag Schlössinger dem Kongreßgericht zur Prüfung überwiesen werden. In der Angelegenheit des Order of Ancient Maccabeans beschloß die Jahreskonfe.renz mit Rücksicht darauf, daß auch diese Angelegenheit mit der Frage des Örganisationsstatuts eng verbunden ist, es beim Status quo zu belassen, das heißt, den Maccabeans die Anerkennung als Federation nicht zu erteilen, ihnen dagegen, um die zionistische Arbeit in England nicht zu stören, bis zum nächsten 2*