Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 26 (1.7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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ö30 ' DIE3 einfache Sammlungen etwas skeptisch gegenüber, denn ich habe in dieser Beziehung ziemlich schlechte Erfahrungen. Auf die Anfrage des Herrn Dr. Bodenheimer möchte ich erwidern: Ich bin bereit, wenn mein Gesundheitszustand es zuläßt, von Mitte September bis Ende Oktober mich der Bewegung zur Verfügung zu stellen, Ich bin auch bereit, die verlangte Broschüre zu schreiben. Im übrigen glaube ich, man wird es in Palästina nicht verstehen, wenn wir noch länger warten. Es ist absolut nötig, an die Arbeit zu gehen. Die Mittel müssen — dafür wird die Leitung zu sorgen haben — herbeigeschafft werden. Die Arbeiterschaft in Palästina wartet, und wenn die Sache noch weiter verzögert wird, so wird das sehr viel böses Blut machen. Ich möchte nun etwas über das Palästinaamt sagen. Ich bin im allgemeinen von dem, was das Palästinaamt geleistet hat, mehr als befriedigt. Ich muß aber dem Leiter dieses Amtes den Vorwurf machen, daß er die beste Arbeitskraft, die kostbarste Kraft, über die das Amt verfügt, mit Dingen beschäftigt, die untergeordnete Arbeitskräfte erledigen könnten. Das ist seine Arbeitskraft selbst. Sie muß von jeder andern Bureautätigkeit entlastet werden. Mehr als 18 Stunden kann der Mensch nicht arbeiten; es müssen dem Amt die Mittel zur Verfügung stehen, um sämtliche andern Bureauarbeiten abzustoßen. Das wollte ich hier sagen. (Lebhafte Zustimmung, Beifall.) Hierauf unterbreitete die von der Jahreskonferenz eingesetzte Einigungskommission ihre Vorschläge in der Frage der künftigen Gestaltung der Leitung. Die Vorschläge der Kommission wurden einstimmig angenommen. (Vgl. S. 632.) Die Sitzung wird sodann geschlossen. Vormittagssitzung vom 29. Juni 1910. Präsident Wolffsohn eröffnet die Sitzung um 10 Uhr, und es gelangt eine Anzahl Begrüßungsschreiben zur Verlesung und hierauf der Punkt „Anerkennung neuer Föderationen" zur Verhandlung. Wolffsohn: Herr Bentwich hat eine Reihe von Petitionen der Vereine der Maccabeans aus ganz England mitgebracht. Allerdings sind auch von manchen Maccabeans, so aus Glasgow, Einwendungen eingetroffen. (Es wird der Brief aus Glasgow verlesen, in dem appelliert wird, die Föderation nicht zu bewilligen, da dies zur Zersplitterung des Zionismus in England führen würde.) Bentwich: Ich habe auch die offizielle Unterschrift des Vereins zu Glasgow, die bestätigt, daß eine Versammlung die Petition angenommen hat. Der Verein besteht aus 400 Mitgliedern, und hier protestieren nur 10. Wolffsohn: Ich möchte die Sache der Maccabeans zuerst erledigen lassen, obwohl sie eigentlich im Zusammenhang mit der amerikanischen Föderation erledigt werden sollte. Diese haben nämlich vorgeschlagen, die Angelegenheit bis zur nächsten Sitzung des großen A. C. zu verschieben, während Herr Bentwich den Antrag stellt, den Maccabeans sofort die Rechte einer Föderation zu erteilen. Um ganz gerecht zu sein, muß ich auch mitteilen, daß die englische Föderation dagegen protestiert und erklärt hat, (mit Ausnahme Montefiores) zurückzutreten, falls die Föderation bewilligt wird. Die bezügliche Resolution gelangt zur Verlesung. Taubes: Ich möchte wissen, wie die Bestimmung bezüglich der Föderationen lautet, denn ich glaube, daß wir verpflichtet sind, sie anzuerkennen. Wolffsohn [Nachdem er den bezügl. Beschluß verliest]: Sie sehen, die Föderation kann sich nur mit Genehmigung des E. A. C. bilden. Dr. Hantke: Die Frage' zwischen der englischen zionistischen Föderation und den Maccabeans ist eine Unannehmlichkeit. Wir haben uns gestern geeinigt, alle Differenzen zu beseitigen. Das gilt doch nicht nur für den Kontinent. Wenn wir uns auf eine viel schwierigere Frage geeinigt haben, sollten die beiden Personengruppen in England sich doch auch einigen können. Es muß möglich sein, in einem Lande mit einer Sprache, das überdies auch nicht sehr groß ist, mit einer Organisation auszukommen. Ich bitte den Präsidenten um Auskunft, ob er nicht eine Beruhigung erzielen könnte dadurch, daß wir die Maccabeans nicht anerkennen, daß aber beide Parteien separat Schekel erhalten und ihre Delegierten zum nächsten Kongreß separat wählen. Sollte dieses möglich sein, würde ich beantragen, diese Lösung anzunehmen. Wolffsohn: Es ist dies schwer zu sagen. Ich habe beide Parteien privatim aufgesucht und zu einer Sitzung zusammengebracht. Diese und auch eine zweite Sitzung waren aber resultatlos. Wenn die Herren nicht selbst die Initiative ergreifen, so läßt sich nichts machen. Daß die Maccabeans mit besondern Wahlen sich zufriedengeben werden, glaube ich annehmen zu können, weil die Föderation schon früher nichts dagegen hatte, daß Mr. Bentwich 5000 Schekel erhielt und besonders bezahlt hat. Ich glaube, wenn Herr Bentwich damit zufrieden ist, so könnten wir das akzeptieren. Bentwich: Ich bin einverstanden, wenn wir in diesem Jahre separat Schekel bekommen und separat wählen. [ELT - -= No. 26 Wolffsohn: Ich schlage vor, die Jahreskonferenz beschließt, die Anerkennung den Maccabeans noch nicht zu geben; damit die Arbeit aber nicht gestört wird, ihnen bis zum nächsten Kongreß Schekel zu geben. Vielleicht finden Sie eine positivere Form. Dr. Hantke erklärt sich mit der Fassung der Anträge des Herrn Präsidenten einverstanden und ersucht, mit Rücksicht und unter Zugrundelegung der gestrigen Verständigung, daß man davon Abstand nehme, in dieser Sache Partei zu ergreifen, und daher einen Beschluß nicht fassen soll. Redner ist der Ansicht, daß eine endgültige Regelung der Frage am nächsten Kongreß bei Anwesenheit aller beteiligten Faktoren stattfinden soll. Er bringt folgenden Antrag schriftlich ein: „Nachdem in der gestrigen Sitzung der Jahreskonferenz über wichtige Differenzen innerhalb der Organisation eine einstimmige Verständigung erzielt worden ist, wünscht die Jahreskonferenz nicht, bei einer Differenz zwischen der E. Z. F. und dem 0. A. M. Stellung zu nehmen. Sie hofft vielmehr,, daß der allgemeine Friedensschluß auch diese Frage zur endgültigen Regelung führen wird. Infolgedessen beauftragt die Jahreskonferenz das E. A. C, dem O. A. M. auch im nächsten Kongreßjahr das Recht zur Einziehung von Schekeln und damit zur Wahl von Delegierten zu erteilen. Die Jahreskonferenz wird in ihren Entschlüssen auch dadurch bestimmt, daß überhaupt eine allgemeine Neuregelung der Organisation durchgeführt werden muß, die auch diese Einzelfragen regeln wird. Die Jahreskonferenz hofft, daß auf dem Kongreß bei Anwesenheit beider Teile aus England und Amerika eine endgültige Regelung leicht wird getroffen werden können." Es wird in diesem Sinne beschlossen: „Die Frage des Ordens Knights of Zion und der amerikanischen Federation wird vorläufig abgesetzt, da die amerikanischen Delegierten nicht anwesend sind." Präsident Wolffsohn: Wir gelangen zur Frage des Organisati onsstatuts. Es wurde gestern vorgeschlagen, eine Kommission von 7 Mitgliedern zu wählen. Bodenheimer: Wenn wir zu einem Resultat kommen wollen, dann darf die Kommission nicht so groß sein. Ich möchte dieser Kommission den speziellen Auftrag geben, in Fragen, die die Landsmannschaften berühren, sich mit denselben in Verbindung zu setzen. Ich schlage eine Kommission von 3 Personen vor. Simon: Ich schlage vor: eine kleinere Kommission von 3 Mitgliedern in Deutschland und eine größere von 7 zur endgültigen Beratung. Zur Entscheidung der Föderationsfrage soll die Kommission ein Gutachten des Kongreßgerichts verlangen. Wolffsohn: Ich schlage die Wahl einer Kommission von 3 Mitgliedern vor, die aus jedem Lande ein Mitglied hinzuwählen kann. Dr. M argulies schlägt vor, 5 Herren zu wählen, aber nicht bloß solche, die aus Deutschland sind. Trietsch: Man soll das Schiedsgericht nicht schon jetzt einsetzen, sondern es vorbereiten. Es soll auch Vorsorge getroffen werden, daß eventuell Ersatzmänner bestimmt werden. Man muß den Parteien anheimstellen, einzelne Herren abzulehnen. Wolffsohn: Es wird vorgeschlagen, eine Kommission zu wählen, die sich mit allen Landsmannschaften in Verbindung setzen soll, damit für die nächste Sitzung des Großen Aktionskomitees ein neuer Organisationsentwurf vorliegt. Dr. Bodenheimer formuliert diesen Antrag, wie folgt: Es wird eine Kommission von 5 Mitgliedern bestellt behufs Durchberatung des Entwurfs und Vorbereitung eines Berichtes für die nächste Sitzung des Großen A. C. Dr. Feucht wanger ist der Ansicht, daß die Differenzen zwischen den Landesorganisationen und Föderationen dadurch entstanden sind, daß keine Bestimmung hierüber im Organisationsstatut enthalten war, und beantragt daher, daß zu der eben gewählten Kommission auch ein Vertreter der Misrachi-Föderation zugezogen wird. Rosenbaum: Ich schließe mich vollkommen dem Antrag Dr. Bodenheimer an. Dr. Marguli es: Es schadet doch nichts, wenn Sie bis zur nächsten Sitzung des Großen A. C. tatsächlich d;e Kommission von 5 Leuten einsetzen. Diese Kommission kann doch das Material, das von den Landsmannschaften kommt, sichten und bearbeiten und der A. C.-Sitzung schon ein Elaborat vorlegen. Für die Kommission werden folgende Herren vorgeschlagen: Dr. Bodenheimer, Gronemann, Boris Goldberg (falls er nicht annimmt, Herr Rosenbaum), Dr. Emil Margulies, Dr. Münk. Wolffsohn: Herr Dr. Feuchtwanger, wir haben eben beschlossen, daß die Kommission aus 5 Mitgliedern besteht. Wenn Sie der Ansicht sind, daß auch noch ein Vertreter einer jeden Föderation hinzugefügt wird, so würde ich vorschlagen, Herrn Dr. Münk als den Sekretär dieser Kommission zu betrachten, dann könnten wir auf diese Weise noch ein Mitglied hinruwählen.