Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 26 (1.7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3315709-3316406-3316432--53414-3347194- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 26 DJESqKLT 629 Mann, den es in der wissenschaftlichen Weit geben kann, dafür gewonnen, und ich habe an Herrn Dr. Oppenhejmer die Bitte, daß er wenigstens für einen Monat im Laufe des Herbstes seine Person zur Verfügung stellt und durch eine Agitationstournee sich dafür einsetzt. Dann werden wir das Kapital zusammenbringen. Wir haben die Verpflichtung vor der ganzen Welt übernommen, diese Sache durchzuführen, und wenn wir jetzt auf halbem Wege stehen bleiben, so sind wir vor der Welt blamiert. Dazu ist es notwendig, daß wir bis fende dieses Jahres die Summe aufbringen. Es ist die Pflicht aller Landsmannschaften, mit allen Kräften diese Agitation zu unterstützen. Herrn Dr. Oppenheimer bitte ich, das Material seiner Eindrücke und Studien in Palästina in einer konkreten, leicht faßlichen Schrift zusammenzufassen, damit wir sie für die praktische Agitation und für die Beschaffung der Geldmittel verwenden können. Böhm: Ich schließe mich dem Danke der Vorredner an Dr. Ruppin gern und vollständig an. Jeder hat hier das Gefühl, daß die Arbeit bei ihm in den besten Händen ist. Es wäre aber dringend zu wünschen, daß Dr. Ruppin in seinem Bestreben, ein beschleunigtes Tempo in der Palästinaarbeit einzuschlagen, nun auf das eifrigste unterstützt werde. Wir haben gesehen, daß die P. L. D. C, als sie gegründet wurde, mit tausend Schwierigkeiten in der Leitung zu kämpfen hatte. So hörea wir, daß der J. C. T. es abgelehnt hat, ihr ein Darlehen zu gewähren. Wir haben gesehen, daß in den leitenden Kreisen nicht das nötige Verständnis für die P. L. D. C. vorhanden ist. Ich verlange von der Leitung, daß sie dieser Institution endlich genügende Mittel zur Verfügung stellt. Sie muß auch die Propaganda für diese Institution in den Vordergrund stellen. Was uns ferner fehlt, ist ein System für die Sammlungen. Ich habe bereits für die Siedlungsgenossenschaft in der „Welt" einen Vorschlag zur Kontingentierung der Beiträge gemacht, und wir in Österreich würden den auf uns entfallenden Anteil von Kr. 4000 aufbringen. So ließe sich das überall durchführen. Wenn Ihnen dieser Vorschlag nicht zusagt, so machen Sie einen andern Vorschlag. Ferner handelt es sich um ein System der Arbeit. Wir möchten verhindern, daß sich jede einzelne Institution aus juristischen Gründen selbständig macht. Wenn die Palästinaarbeit eine der wichtigsten ist, dann muß die Leitung alle unsere Institutionen zusammenfassen und gleichzeitig jeder einzelnen Institution ihre Rolle, die sie bei Durchführung dieser Arbeit spielen soll, zuweisen. Ich bitte daher die Leitung, daß uns ein kurzes Expose vorgelegt wird, wie sie sich das Zusammenarbeiten der Institutionen denkt. Präsident Wolffsohn: Ich möchte feststellen, daß die Leitung tatsächlich für die P. L. D. C. eingetreten ist und auch beim N. F. dafür gewirkt hatte, und daß von ihrer Seite keine Störungen gemacht wurden. Was die andern Fragen anbetrifft, so glaube ich nicht, daß sich das alles vereinigen läßt. Wir können unmöglich alles durcheinandermischen. Die Leitung befaßt sich mit all diesen Dingen. Ich habe absichtlich schon von frühern Versammlungen her sämtliche Institutionen auf die Tagesordnung gesetzt, damit Sie die Möglichkeit haben, über alle Institutionen zu sprechen. Dr. Katzen eis oh n: Wir haben den Kredit nicht abgelehnt, sondern bewilligt. Der Antrag auf 10 000 Pfund für die P. L. D. C. wurde im Board unter gewissen Bedingungen bestätigt. Wir wollten 75 % des Bodenwertes belehnen. Das ist für eine Bank ein ganz hübscher Kredit. Sie können daraus ersehen, wie man aus einer zufällig gemachten Bemerkung des Dr. Ruppin uns gleich den Vorwurf macht, daß wir nicht der Arbeit in Palästina entgegenkommen. Wir haben einen so zuvorkommenden Vorschlag gemacht, daß wir Dreiviertel des Wertes des Bodens bevorschussen. Zu dem Referat des Dr. Ruppin möchte ich sagen: auch ich gehöre zu den Touristen, denen die Oliven in Palästina zu klein sind. Es hat „nach mehr geschmeckt". (Heiterkeit.) Und ich wollte gern mehr davon sehen. Es ist sehr erfreulich, was wir von Dr. Ruppin gehört haben. Besonders über Achusath Baith in Jaffa. Ich war noch nicht da, als das Viertel fertig war. Ich glaube, daß wirklich etwas sehr Schönes geleistet wurde. Wir haben in Jerusalem und in Haifa Häuser gebaut. Aber es „schmeckt alles nach mehr". Redner bespricht sodann die Verhältnisse des Bezalel und sagt weiter: Ich möchte mit einer kleinen Bemerkung über Landkauf schließen. Alles spricht jetzt darüber, daß man Land kauft. Herr Dr. Ruppin hat ein sehr gutes Prinzip geäußert, die Begeisterung soll man nicht im Mund führen, sondern im Herzen. Was Landkauf anbetrifft, so schadet das Sprechen, es wäre sehr gut, wenn wir darüber gar nicht sprächen, sondern Land kauften. Dr. Heymann: Herr Böhm, der s. Zt. auf dem Haager Kongreß mit mir zusammen in der damaligen Palästinakommission tätig war, wird sich erinnern, daß uns damals Herr Dr. Tschlenow die größten Schwierigkeiten in der Frage einer Betätigung der A. P. C. in Palästina in Sachen des Agrarkredits, der Parzellierung und des Bodenkaufes gemacht hat. Dr. Bodenheimer: Herr Böhm hat hier eine Anregung gegeben, die nicht neu ist. Sie ist schon in einer der letzten Sitzungen des E. A. C. beraten worden. Auf Grund eines Beschlusses des E. A. C. hat sich das Zentralbureau damit beschäftigt, einen Plan auszuarbeiten, wie die Agitation und die Arbeit der Sammeltätigkeit für die Palästinaarbeit auf die verschiedenen Organisationen zu verteilen wäre. Darüber hat das Zentralbureau bereits einen Plan ausgearbeitet oder ist im Begriffe, einen Plan auszuarbeiten. Sie sehen, man beschäftigt sich mit dieser Frage, aber man kann diese Dinge nicht überstürzen. Dr. Ruppin: Es wird mir gesagt, daß Herr Dr. Katzenelsohn gemeint hat, ich kenne die Korrespondenz zwischen J. C. T. und P. L. D. C. nicht. Ich kenne die Korrespondenz sehr gut. Ich stelle meine persönliche Auffassung vollständig zurück. Der J. C. T. hat unerfüllbare Bedingungen gestellt. Er hat gesagt, wir sind bereit, das Darlehen zu geben, wenn die P. L. D. C. ein Drittel des Betrages selbst aufbringt und wenn die A. P. C. Garantie übernimmt. Wie soll die A. P. C. eine Garantie leisten? Das bedeutet ja auch ein Mißtrauen gegen uns. Wir sollen ein Drittel dazu geben. Ich mache kein Hehl daraus, daß wir zwar arm, aber anständig sind. Die Sicherheit liegt ja darin, daß wir den J. C. T. ebensowenig schädigen wollten wie die P. L. D. C. Dr. Margulies: Der Fall, den wir bisher gehört haben, ist in gewisser Beziehung symptomatisch, und ich habe, so oft ich auf Kongressen war, immer und immer wieder dasselbe konstatiert. Es kommt immer jemand und sagt: wir haben verlangt, die Bank hat es nicht gegeben. Dann ist immer der Direktor aufgestanden und hat irgendeine harmlose Erklärung gegeben. Glücklicherweise haben wir heute jemanden hier, der die Sache doch anders dargestellt hat, und wir sehen nun, was eigentlich der Fehler jst; man ist formal-juristisch. Meine Herren, vergessen Sie nicht, wir haben alle diese Gesellschaften doch nur deshalb gegründet, weil wir irgendeine äußere Form dafür haben müssen, aber nur als Form. Sie stellen sich nun auf einen formal-juristischen Standpunkt. Das ist nicht die Einheitlichkeit in der Führung, die wir haben wollen, das ist nicht das, was die Bewegung verlangt; sie will, daß die Leitung die einheitliche Führung der ganzen zionistischen Bewegung ist, und daß man nicht immer sagt, das wird der Direktor der Institution so und so machen. Auch Herr Dr. Tschlenow hat sich nicht gegen die Bewilligungen als solche gewendet, sondern nur gegen die Betonung dieses formal-juristischen Standpunktes, und Herr Dr. Bodenheimer hat in einem ausgezeichneten juristischen, aber nur juristischen Schriftsatz erwidert. Das Palästinaamt stellt uns den Zustand dar, wie wir ihn wünschen, eine einheitliche Leitung für alle Institutionen an Ort und Stelle. Diesen Geist wünschen wir auch in der Leitung zu haben. Bezüglich der P. L. D. C. möchte ich feststellen: Wir sind froh, daß sie den Kredit bekommen hat; wir konstatieren aber, daß wir sehr lange haben warten müssen, und daß Herr Prof. Warburg sich beklagen mußte (in dem bekannten Schriftwechsel mit Cowen), daß er ihn nicht bekommen konnte. Es sind eben immer Kräfte am Werk, welche die Räder zurückziehen. Wenn wir eine so zuverlässige Leitung in Palästina haben, so soll man sich in London, Köln und Libau nicht an die Räder hängen, damit wir doch einmal vorwärts kommen. Präsident Wolffsohn: Nachdem wir beschlossen hatten, der P. L. D. C. 7000 Pfund zu geben, kommt Dr. Tschlenow mit seinem Memorandum, daß wir halten warten sollen. Doch haben wir den Beschluß in erster Linie nur gefaßt, weil uns Prof. Warburg und Dr. Ruppin sagten, daß die Sache äußerst dringend und nicht zu verschieben ist. Dr. Katzenelsohn: Ich wollte gern ein Dankes wort für Herrn Dr. Ruppin aussprechen, aber das haben ja schon andere getan, da wir ja alle die Arbeit des Palästina-Amtes schätzen. Bezüglich des Kredits an die P. L. D. C. muß ich sagen, daß eine Gesellschaft, die bereits 3—4000 Pfund im Lande investiert hat, nicht arm genannt werden kann. Wir haben uns nicht lange gesträubt, das Darlehen zu bewilligen. Wir haben sofort erklärt, daß wir bereit sind, zwei Drittel zu gewähren. Für das dritte Drittel müssen Sie eben selbst sorgen. Es ist ja nicht Sache des J. C. T., Landkredite zu gewähren. Nun sagt Dr. Ruppin, daß wir darauf bestanden, daß die A. P. C. von jedem Kaufe wissen sollte. So haben wir es nicht gemeint. Auch wegen des formalistischen Standpunktes sollten Sie uns nicht so viele Vorwürfe machen. Bei großen Summen muß formalistisch vorgegangen werden, namentlich bei Angelegenheiten in Palästina, wo die Verhältnisse ja noch so unsicher sind, Dr. Oppenheimer: Was die Geldbeschaffung für die Siedlungsgenossenschaft anbelangt, so stehe ich der Beschaffung durch 2