Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 26 (1.7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Baum sind das, was politische und praktische Arbeit einander sein sollen. Die beiden Arbeiten sind Parallelaktionen. Wie der Orangenbaum ohne die Stütze nicht aufwachsen kann, so kann die praktische Arbeit in Palästina nicht gedeihen, wenn ihr nicht durch gleichzeitige politische Arbeit Licht und Luft geschaffen wird. Aber die politische Arbeit allein ist vollständig leer, wenn ihr nicht durch die praktische Arbeit ein Inhalt gegeben wird. Politische Arbeit ohne gleichzeitige praktische Arbeit ist dasselbe, als wenn man allein die Stütze ohne den Orangenbaum in die Erde stecken und davon Früchte erwarten wollte. Als ich vor ungefähr 2 lU Jahren hier vor Ihnen stand und Ihr Vertrauen mich zur Leitung des Palästinaamtes berief, habe ich Ihnen von vornherein gesagt, daß Sie von der Einrichtung des Palästinaamtes nicht den Anbruch eines goldenen Zeitalters erwarten dürfen, da dieses Amt sich erst langsam im Lande einleben müsse. Aber ich versprach Ihnen, meine besten Kräfte für die Arbeit einzusetzen, und dieses Versprechen glaube ich gehalten zu haben. Als das Palästinaamt begründet wurde, war noch absolut keine Übereinstimmung über die Zielpunkte der praktischen Tätigkeit. Der Nationalfonds hatte einige Stück Landes. Es gab eine Meinung, daß der Nationalfonds nichts Besseres tun könne, als diese Landstücke sofort wieder zu verkaufen. Die andern wieder glaubten, der Nationalfonds müsse auf diesen seinen Landstücken landwirtschaftliche Betriebe einrichten. Dagegen wurde wieder geltend gemacht, daß jede administrative Wirtschaft unrationell sei, viel Geld koste usw. Wir haben diese Schwierigkeiten gelöst, indem wir auf dem Boden des Nationalfonds durch die P. L. D. C. und den Verein Ölbaumspende Wirtschaften eingerichtet haben. Es ist dadurch ein Weg gezeigt worden, wie der Nationalfonds Boden erwerben und für sich erhalten kann. Es ist in Palästina ferner durch die Hilfe des Nationalfonds ein Stadtviertel gegründet worden, das zu dem schönsten und gelungensten gehört, was der Zionismus in Palästina geschaffen hat. Es war, als man mit diesem Vorschlage an den Nationalfonds herangetreten ist, ein lebhafter Widerstand dagegen. Man hatte dagegen Bedenken erhoben, ob sich der Nationalfonds an städtischen Unternehmungen beteiligen darf. Es hat sich aber hier wie überall gezeigt, daß eine einzige Tat mehr wert ist als hundert prinzipielle Erwägungen. Man gibt heute überall zu, daß diese Sache das gehalten hat, wofür sie begründet wurde, nämlich die Position und das Prestige der Juden in Palästina zu erhöhen. Wenn Sie früher nach Palästina kamen, so fanden Sie das jüdische Leben atomisiert. Wollten Sie es auf einem Punkte sehen, so entglitt es Ihnen unter den Händen. Wenn Sie jetzt nach Jaffa kommen, so sehen Sie in dem neuen Stadtviertel jüdisches Leben pulsieren wie vielleicht nirgends sonst in der Welt. Das jüdische Viertel ist ein um so größerer Erfolg, als der Nationalfonds sein Qeld sicher angelegt hat. Ich glaube, das sollte den Nationalfonds ermutigen, einer andern Gesellschaft ein Darlehen zu geben, die auf ähnlicher Basis arbeiten will und bezüglich welcher noch in der Generalversammlung des Nationalfonds gesprochen werden wird. Der Bezalei für den das Palästinaamt die administrative Arbeit leistet, ist in guter Entwicklung begriffen. Er beschäftigt heute die vierfache Zahl von Arbeitern, die er früher beschäftigt hat. Der Bezalel ist weiter entwicklungsfähig. Er ist dazu bbrufen, eine Kleinindustrie ins Leben zu rufen. Palästina ist heute für eine Großindustrie im allgemeinen noch nicht reif. Es fehlt nicht nur an Eisen und Kohlen, es fehlt auch an guten und billigen Verkehrsmitteln, an durchgebildeten Werkmeistern usw. Der Bezalel hingegen beschränkt sich auf die Hausindustrie und ist heute bereits seines Absatzes so sicher, daß er das Drei- oder Vierfache seiner jetzigen Produktion verkaufen könnte. Wir werden in der Sitzung des Nationalfonds mit einem Vorschlage hervortreten, auf dem Nationalfondsland in Lydda einen Teil des Silberateliers des Bezalel unterzubringen. Das wird, ich glaube, der erste Versuch sein, um Hausindustrie auf das flache Land zu verpflanzen. Das wird eine wertvolle Unterstützung der Siedlungsgenossenschaft sein, wie schon Dr. Oppenheimer ausgeführt hat. Es ist sehr schwer, die Tätigkeitszweige des Palästinaamts einzeln aufzuführen. Es ist sehr viel Verwaltungsarbeit dabei. Sie ist notwendig und muß getan werden. Wir haben die Aufgabe, die uns durch die Erziehung der Kischinewer Waisen übertragen war, erfolgreich zu Ende geführt und aus 20 oder 30 Kindern'brave Handwerker zu machen gewußt, die sich jetzt in Palästina ernähren. Wir haben für die P. L. D. C. eine Wirtschaft in Kinereth errichtet, die nach modernen Grundsätzen geleitet wird, und der der Ruhm gebührt, daß sie ein Land, auf dem bis dahin kein Jude gearbeitet hatte, mit einem Schlage zu einem jüdischen gemacht hat. Dasselbe gilt von dem übrigen Nationalfondsland, wo früher keine jüdische Hand tätig war und wo jetzt jüdische Arbeiter beschäftigt sind, in Lydda und Hulda. Wir haben die sehr unsichern juristischen Verhältnisse in Palästina dadurch zu konsolidierenversucht, daß wir ein Schiedsgericht eingerichtet haben, das sich ein gewisses Ansehen zu erwerben verstanden hat. Wir haben die Viehversicherung in die Wege geleitet. Wir haben überall in der Welt auf Anfragen Informationen erteilt, gedruckte Informationen hergestellt und die wichtigsten Verhältnisse in Publikationen niedergelegt. Wir sind tätig als Sammelstelle des Nationalfonds, verschaffen armen Leuten Ermäßigungen für Schiffskarten, unterrichten die Presse über palästinensische Angelegenheiten usw. usw. Immerhin eine Verwaltungstätigkeit, die zwar im einzelnen klein ist, im ganzen aber eine große Masse von Arbeit erfordert. Und dann noch eins: Wir haben in diesen 2{h Jahren auch selbst etwas gelernt und hoffen, daß die gewonnene Erfahrung in Zukunft unserer Geschäftsführung zu statten kommen wird. Meine Herren! Ich habe die Überfahrt nach Europa benutzt, um das letzte Kongreßprotokoll zu lesen. Ich habe dort mehrere Vorwürfe gegen das Palästinaamt gelesen. Ich will darauf in einigen Worten eingehen. Da ist gesagt worden, das Palästinaamt arbeite zu langsam, es habe für die Ölbaumspende noch immer keine Bäume gepflanzt, oder die Bäume seien noch zu klein. Nun, dagegen können wir nichts machen, denn bis die Bäume groß werden, vergehen einige Jahre, und die Pflanzung der Ölbäume ist auch von der Jahreszeit abhängig. Man sagt, die Beamten im Palästinaamt seien zu nüchtern.