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Die Welt · 1910-07-01 · 26 (1.7.1910) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
26 (1.7.1910)
Date
1910-07-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Fortgang der Kolonisation zu rechnen sein wird, die noch nicht einmal Landarbeiter sind, sondern es erst werden wollen. Solch ungeschulte Elemente als Bauern anzusetzen, wie es die Ica vielfach in ihrer ersten Zeit z. B. in Argentinien getan hat, heißt nichts anderes, als den Menschen ins Leben hineinstoßen und ihn schuldig werden lassen; es ist ein Wunder zu nennen, wenn unter solchen Umständen auch nur ein geringer Prozentsatz der Kolonisten aushielt und emporkam. Was wir dringend brauchen, ist danach ein Betrieb, in dem physisch vollkräftige, aber landwirtschaftlichtechnisch ungeschulte Männer ihre Arbeitskraft einsetzen können, ohne daß sie gezwungen wären, selbständig zu disponieren, ein Betrieb, in dem sie in möglichst kurzer Zeit zuerst zu den technisch-professionellen Handgriffen ihres neuen Gewerbes und später zu dem nötigen Wissen um die Bedingungen der Tier- und Pflanzenzucht erzogen werden, kurz, eine Lehrschule. Diese Schule darf aber nichts kosten, sondern muß rentieren. Sie kann daher nur ein Großbetrieb sein, der unter die Bedingungen gestellt wird, die die höchste Rentabilität gewährleisten. Die Bedingungen sind von zweierlei Art: Erstens: Es muß ein mit völlig ausreichendem Kapital ausgestatteter, ausreichend großer, in nicht zu ungünstiger kommerzieller Lage belegener Großbetrieb sein, der von einem erprobten Fachmann mit allem Raffinement moderner landwirtschaftlicher und wissenschaftlicher Technik betrieben wird. Daß ein solcher Betrieb in absehbarer Zeit in Palästina zu hoher Rentabilität gebracht werden kann, habe ich bereits festgestellt. Zweitens: Das allein würde hier aber nicht genügen. Wir haben, zwar nicht im ersten Versuch, wo wir mit geschulten Arbeitern rechnen dürfen, wohl aber in spätem Versuchen, wo immer ein Teil des Arbeiterstammes aus „Rekruten" bestehen wird, die herangezogen werden sollen, mit einer minderwertigen Arbeiterschaft zu rechnen, die die Rentabilität herabdrücken wird, da ihre Entlohnung, und sei sie noch so mäßig, zuerst den Wert ihrer Arbelt übersteigen wird. Wir brauchen aber eine Rentabilität, die die von voll ausgebildeten Bauern weit übertrifft, und das ist eine Bedingung, die in allen Kulturländern der normale Großbetrieb selbst der höchsten technischen Vollendung" nicht mehr erfüllt. Seine Arbeiter könnten zwar, wollen aber nicht die entsprechende Arbeitsleistung hergeben. Sie haben keine Veranlassung, im Interesse eines fremden Herrn das Letzte an Kraft und Aufmerksamkeit zu leisten, und so sinkt die Rentabilität der Großbetriebe trotz ihres unermeßlich technisch-wissenschaftlichen Vorsprungs vor den Bauern immer mehr unter deren Rentabilität herab. Darum müssen wir in unserer Siedlungsgenossenschaft auch die zweite, die psychologische Bedingung der Rentabilität schaffen. Wir müssen die Kraft des Selbstinteresses als Motor einfügen und haben nach allen Erfahrungen der Wirtschaftsgeschichte dann die gegründete Aussicht, durch den guten Willen der Arbeiter reichlich zu ersetzen, was ihnen an technischer Schulung abgeht. Das heißt: Unser technisch raffinierter Großbetrieb muß gleichzeitig landwirtschaftliche Arbeiterproduktivgenossenschaft sein, d. h. ein Betrieb, dessen voller Reinertrag allen Arbeitern im weitesten Sinne inkl. des leitenden Beamten unverkürzt zufließt. Nur läßt sich dieses Ziel nicht mit einem Sprunge erreichen. Es bedarf noch einer Vorbereitungsperiode des der Form nach kapitalistischen Großbetriebes, der aber seinem ökonomischen Inhalt nach bereits Genossenschaft ist, nämlich des Großbetriebes mit starker Gewinnbeteiligung der Arbeiter. Die zionistische Jahreskonferenz in Berlin Präsenzliste der Jahreskonferenz am 27. und 28. Juni 1910 Professor Belkowsky Herbert Bentwich Dr. Bodenheimer A. Böhm A. Boruchow Dr. M. Braude Dr. Franzie-Berenstein Joseph Cowen M. Feldstein Dr. J. Feuchtwanger Louis Fränkel Dr. Friedemann 1. L. Goldberg 1 Goldberg Rechtsanwalt Gronemann Dr. Arthur Hantke Dr. Hans Gideon Heymann Leo Jaffe ■I. H. Kann Dr. N. Katzenelsohn J. Kremenezky M. Levy Dr. Sch. Lewin J. L. Magnes Dr. Emil Margulies Dr. A. Marmorek A. Podlischewski S. Rosenbaum J. Rosoff Dr. Ruppin Dr. Salz Julius Simon N. Sokolow Hermann Struck Dr. Schlössinger Löbel Taubes Davis Trietsch H. Urysohn O. Warburg D. Wolffsohn Die Verhandlungen In Anwesenheit von 40 Teilnehmern wurde die Jahreskonferenz Montag, den 27. Juni eröffnet. Der erste Verhandlungstag brachte zunächst den Beschluß, die Debatte über den Bericht des E. A. C. für vertraulich zu erklären. Der Präsident des E. A. C. eröffnete die Konferenz um 10 Uhr vormittags mit einer Begrüßungsansprache und leitete sodann die Debatte über den der Konferenz vorliegenden Bericht ein, den wir im nachfolgenden wiedergeben. Bericht des Engern Aktionskomitees Die innere Lage unserer Bewegung seit dem letzten Kongreß ist dergestalt, daß sie eine sehr ernste Beratung verlangt. Es war vielleicht nicht zu vermeiden, daß die entgegengesetzten Ansichten, welche so nachdrücklich in Hamburg zum Ausdruck kamen, auch weiterhin das Thema der Diskussion bildeten, sowohl in unsern Landesorganisationen, wie auch in der zionistischen Presse. Es steht indessen zu befürchten, daß diese Diskussionen in verschiedenen Ländern den

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