Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1910-06-24 · 25 (24.6.1910) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
25 (24.6.1910)
Date
1910-06-24
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316406-3316431--53398-3347177
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

614 DiE3^LT No. 25 Arbeitern und wird „Kinerether Kommune" genannt, da sie aus ehemaligen Arbeitern der Farm Kinereth besteht. Da nur ein Teil der Besitzer des Bodens von Chederah in der Kolonie wohnen, die übrigen hingegen noch im Auslande weilen, sind die allgemeinen Lasten, die die Kolonie zu tragen hat, für die geringe Zahl der Einwohner viel zu hoch. Es wird daher eine Bestimmung vorbereitet, wonach die im Auslande weilenden Besitzer von Boden in Chederah gezwungen werden sollen, entweder nach/Chederah überzusiedeln, um an den allgemeinen Steuern in vollem Maße teilzunehmen oder ihren Besitz zu veräußern. An sich gibt es in unserer Kolonie noch Platz für viele neue Ansiedler, insbesondere wenn größere Flächen als bis jetzt für Pflanzungen verwendet werden sollten. Zweifellos werden auch neue Kolonisten herzukommen, da sich die Gesundheitsverhältnisse in den letzten Jahren wesentlich gebessert haben. Wenn auch im Hochsommer das Malariafieber häufig auftritt, so sind doch ernstere Fälle, insbesondere das Schwarzwasserfieber, welches in frühern Jahren so viele Opfer dahingerafft hat, in den letzten Jahren nicht mehr vorgekommen. Es ist auch zu hoffen, daß die Eukalyptuswälder, von denen unsere Kolonie die ausgedehntesten in ganz Palästina besitzt, und die zur Gesundung der Kolonie so sehr beigetragen haben, zu einer ausgiebigen Einnahmequelle für die Lotterie werden. Es gibt in unserer Kolonie über 250 000 Eukalyptusbäume, die zum überwiegenden Teile der J. C. A., zum Teil auch einzelnen Kolonisten gehören. Die Wälder der J. C. A. hat Herr E. Berlin aus Jaffa für 9 Jahre gepachtet, und es wird in nächster Zukunft festgestellt werden können, inwiefern dieses einheimische Holz verwertet werden und das vom Auslande importierte ersehen kann. Eine jüdische Deputation vor König Georg V. Mittwoch den 22. ds., um 12 Uhr, hat der König eine Huldigungsdeputation von den Vertretern der Anglo-Jewish Association und des Jewish Board of Deputies in St. James- Palace empfangen. Der Nachfolger des Rabbiners Dr. Horovitz Herr Rabbiner Dr. Nobel-Hamburg wurde zum Nachfolger des vor wenigen Monaten verstorbenen Rabbiners Dr. Horovitz in Frankfurt a. M. gewählt. Dr. Nobel war, bevor er sein Amt in Hamburg angetreten hatte, Rabbiner in Könisberg i. Pr. und Leipzig. Er ist ein hervorragender Talmudkenner und Hebraist, ein geistreicher Redner und philosophisch geschulter Schriftsteller. Rabbiner Nobel nahm bekanntlich vor Jahren an der zionistischen Bewegung aktiven Anteil. Jubiläum des Rabbiners Dr. Cohn in Basel Herr Rabbiner Dr. A. Cohn in Basel, der vielen Gesinnungsgenossen von den Baseler Kongressen her in bester Erinnerung ist und der u. a. auf dem ersten Kongreß seinen Sympathien für die zionistische Bewegung Ausdruck gegeben hat, feierte am 13. d. M. sein 25jähriges Amtsjubiiäum als Rabbiner der Baseler jüdischen Gemeinde. Aus diesem Anlaß fanden in Basel verschiedene Festlichkeiten statt und wurden dem Jubilar zahlreiche Ehrungen erwiesen. Einige seiner ehemaligen Schüler stifteten zu Ehren des Tages eine Anzahl Ölbäume für den Herzlwald. NOTIZEN Die Gesundheitsverhältnisse der Juden Schon von alters her haben gerade die Juden, wie aus den verschiedenen Vorschriften der Bibel hervorgeht, besondere Sorgfalt auf eine vernunftgemäße Lebensweise gelegt, und auch heute noch sind die Juden verhältnismäßig sehr mäßig. Wir wollen hier nicht alle Vorschriften über Reinlichkeit und Mäßigkeit, über Reinhaltung des Körpers usw. aus der Bibel anführen, sondern dem nur entgegen halten, daß noch zur Zeit des Königs Ludwig XIV. bei den Hofleuten das Waschen morgens als überflüssig betrachtet wurde. Der Schmutz wurde mit Schminke und Essenzen überkleistert. Auf die Reinlichkeitsbestrebungen der Juden ist auch zurückzuführen, daß in dem äußerst ungesunden, engen Ghetto zu Frankfurt a. M. die Kindersterblichkeit viel geringer als unter dem Frankfurter Patriziat in der übrigen Stadt gewesen sein soll. Auch heute noch ist der Anteil der Juden an der Tuberkulose- und Syphiliserkrankungein verhältnismäßig geringer, wie auch eine verminderte Kindersterblichkeit bei ihnen besteht. Dr. Ratner erklärt, das in der „Hygienischen Rundschau" mit dem mäßigen, ja geringen A 1 k o h o 1 g e n u ß bei der jüdischen Bevölkerung, sowie durch die Eigentümlichkeit der religiösen Speisegesetze. Durch das Schächten, d. h. durch das Ausbluten der Tierkörpers —- der Genuß des Tierblutes ist ja in der Bibel streng verboten — geht der Gehalt des Blutes an Giften, Gegengiften, Leichengiften und Abwehrstoffen (Toxinen, Antitoxinen, Ptomainen, Opsoninen usw.) nicht in unsern Körper über. Manche Fleischsorten werden als unrein verboten, wodurch parasitäre Krankheiten vermieden werden, wie schon die Trichinose wegen des Verbotes des Schweinefleisches. Der Talmud:;hat bereits vor Jahrtausenden eine strenge Fleischschau angeordnet und ihr einen ganzen Traktat gewidmet. So ist es denn auch gekommen, daß die Rabbiner auf dem Gebiete der Lungenkrankheiten bei Tieren eine sehr große Erfahrung hatten und die Tuberkulose mit ihren Abarten (Perlsucht, Höhlenbildung, Rippenfellentzündung usw.) kannten. Mäßiger Alkoholgenuß, Reinlichkeit und strenge Befolgung sehr vernünftiger Ernährungsregeln haben die Juden vor Jahrhunderten vor dem Würgengel Tuberkulose geschützt, bevor man an den Tuberkelbazillus oder das Tuberkulin dachte. Dasselbe gilt von der Syphilis. Schon im alten Judenstaat war jegliche Prostitution und Ausschweifung geradezu verfemt. Man sollte nur an die Fortpflanzung denken und sich dafür gesund halten, weshalb überall in den rabbinischen Schriften die Mahnung zum züchtigen, reinen Lebenswandel auftaucht. Daher kommt es auch, daß die Rückenmarksschwindsucht (Tabes) bei den Juden verhältnismäßig selten ist. Preisausschreiben für eine jüdische Novelle Die Jugeridschriftenkommission der Großloge für Deutschland VIII U. O. B. B. erläßt ein Preisausschreiben für eine Erzählung oder Novelle, die sich für die jüdische Jugend eignet und jüdisches Leben oder jüdische Gestalten derart schildert, daß die jüdische Sittenlehre anschaulich hervortritt, ohne daß die Tendenz sich aufdringlich bemerkbar macht. Es kommen zwei Preise zur Verteilung, ein erster von sechshundert und ein zweiter von vierhundert Mark. Die Einreichung der Arbeiten hat bis zum 31. Januar 1911 an die Adresse des Herrn D. Wolff, Kleiststr. 12, Berlin W. 62, zu erfolgen. Die Arbeiten sind mit einem Kennwort zu versehen; dasselbe hat auf einem verschlossenen Briefurnschlag wiederzukehren, der eine Karte mit dem Namen des Verfassers enthält. Die Prüfung der eingegangenen Arbeiten und 'die Zuerkennung der Preise wird durch eine Kommission erfolgen, welche die Jugendschriften-Kommission der Großloge und des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich gemeinsam ernennen. Die Verteilung der Preise erfolgt bis spätestens Ostern 1911. Die preisgekrönten Arbeiten bleiben Eigentum der Großloge. Die Verfasser übernehmen ' die Verpachtung, die Arbeiten bis zum 11. August 1911 druckfertig herzustellen. Daily News über die Renaissance der hebräischen Sprache Das führende liberale Organ in England „Daily News" brachte jüngst an leitender Stelle einen größern Artikel über die Renaissance der hebräischen Sprache und Literatur. Das Blatt hob hervor, daß man in Europa nicht genügendes Verständnis für die Tragweite dieser kulturell-nationalen Bewegung habe, der eine größere Bedeutung zukomme als vielen andern Bestrebungen. Der Hinweis auf die Verbreitung der hebräischen Sprache in den palästinensischen Kolonienund auf die immer mehr erstarkende Organisation („Ibriah") für hebräische Sprache in Europa beschloß den äußerst interessanten und mit vielem Sachverständnis geschriebenen Aufsatz der „Daily News". „Hamodia", Organ für das orthodoxe Judentum Unter diesem Titel erscheint seit kurzem in Poltawa ein neues hebräisches Wochenblatt, das von RabbinerE. A. Rabinowitz, dem frühern Herausgeber der Monatsschrift „Hapeles", redigiert wird. Die neue Zeitung vertritt mit viel Geschick und publizistischem Elan die Interessen des traditionellen Judentums in Rußland. Die bisher erschienenen fünf Nummern machen sowohl formal wie inhaltlich einen vorzüglichen Eindruck. Wohltuend berührt auch der im Gegensatz zur seinerzeitigen Kampfmethode des „Hapeles" durchaus friedfertige, sachliche Ton des neuen Blattes, das sich gemäß dem Programmartikel der Redaktion möglichst auf die Defensive, die Abwehr der Angriffe und Vorstöße gegen die gesetzestreue Richtung beschränken will. Es ist jedenfalls erfreu-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.