Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 25 (24.6.1910)
- Date
- 1910-06-24
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 25 DIE3EIELT 615 lieh, daß die russische Orthodoxie im „Hamodia" endlich ein gutes journalistisches Sprachrohr gefunden hat, das der Zahl und Bedeutung ihrer Anhängerschaft angemessen ist. Vereinsliederbuch Jung-Juda Wie bereits vor einiger Zeit mitgeteilt wurde, beabsichtigt der Ausschuß der Jüdischen Turnerschaft, das Vereinsliederbuch „Jung- Juda" in dritter völlig veränderter Auflage neu herauszugeben, da die beiden ersten Auflagen in verhältnismäßig kurzer Zeit vergriffen wurden. Im jüdischen Vereinsleben Hat sich immer mehr das Bedürfnis nach einem allgemeinen jüdischen Liederbuch bemerkbar gemacht, und dieses Bedürfnis wird jetzt, wo die jüdischen Jugendorganisationen in steter Zunahme begriffen sind, noch stärker werden. In größerm Maße als bisher werden die allbeliebten Studenten-Kommers-, Wander- und Turnlieder Aufnähme finden, aber auch der speziell jüdische Teil wird beträchtlich ausgebaut werden; ebenso wird eine Bereicherung des Notenteiles eintreten. Das neue Büchlein wird also die Benutzung allgemeiner Liederbücher unnötig machen. Da das Liederbuch bereits in nächster Zeit herauskommen wird, werden schon jetzt alle Vereine und Privatpersonen ersucht, die in ihren Vereinen üblichen Gesänge, vor allem auch neue Vereinslieder und etwaige neue Kompositionen an den Ausschuß der Jüdischen Turnerschaft, Berlin, Alexanderstr. 39, einzusenden. Büchereinlauf S. A. Horodezky: Rabbi Nachman von Brazlaw, Berlin 1910. Verlag M. Poppelauer. Bibliothek der Aufklärung: Babisnius und Behaismus, Der Islam in seinem Verhältnis zur modernen Zivilisation, 2 Vorträge von Hippolyte Dreyfus und Baron Carra de Vaux. Neuer Frankfurter Verlag 1910. Das altjüdische Erziehungs- und Unterrichtswesen, Vortrag von S. Frankfurter, Wien. Verlag R. Löwit. J, Zangwill: „Die graue Perrücke", „Der Meister", rf,Der Mantel des Elijah". Berlin 1910. Verlag Siegfried Cronbach. Fr. Porges: „Die Helden", eine Dichtung. Selbstverlag des Verfassers, Wien 1910. „Großstadtjuden". Roman von Adolf Dessauer, 1910. Verlag Wilhelm * Braumüller, Wien und Leipzig. Milon haloschaum-hibreth (Gesamtwörterbuch der alt- und neulebräischen Sprache), Elieser Ben-Jehuda, Band II, Lieferung 1—3. Bal-Machschowes (Dr. J. Eljaschef), üesamtschriften, 1. Band, ')10. Verlag Schreberk, Wiina. M. J. Berdyczewski: L'eretz awoth, 2 Erzählungen. Verlag loriah, Odessa, 1910. Bibliothekah gdaulah. Verlag Tuschiah, Warschau 1910. Lierung 15/17. — M. Teitelbaum: Haraw mi' Ladi, I. Teil. B. Schatz: „Bezalel", seine Vergangenheit, Gegenwart und Zuunft. (Jargon.) Verlag Zionistische Kopekenbibliothek, Odessa. Dr. F. Sapir: Überblick über den IX. Zionistenkongreß in iamburg (Jargon). Verlag Zionistische Kopekenbibliothek, Odessa. Dr. M. Braun: Geschichte der Juden und ihrer Literatur erlag H. Markus. Preis 2 Mk. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. 4. Jahrgang, Hetf 3.4. Koebnersche Verlagsbuchhandlung, Breslau. r^a C^^L SPRECHSAAL 1^7 J5^=: Sehr verehrliche Redaktion! Zu den unter dem Titel „Der Kampf gegen die Wanderarmen" i Nr. 23 der „Welt" erschienenen Ausführungen mögen Sie mir inige Bemerkungen gestatten, die darlegen sollen, daß man zu der geplanten Organisation nicht unbedingt den schroff ablehnenden Standpunkt einnehmen muß, den jener Artikel vertritt. Ich habe ie Berichte und Vorschläge genau studiert und Beratungen über en Gegenstand beigewohnt und bin zu der Überzeugung gelangt, •-■ß gegenüber dem jetzigen Status die geplante Zentralisation esentliche Vorteile bringen kann. Die Ausschaltung des individuellen -d persönlichen Momentes aus der Wohlfahrtspflege, die von der uorganisation befürchtet wird, ist doch jetzt schon bei der Unter-; tzung der Wanderarmen zur Tatsache geworden; bis in die nisten Gemeinden herunter bestehen die Passantenkassen, an ü'-;en die Wanderarmen abgefertigt werden; von einer individuellen | Handlung der Einzelfälle ist da keine Rede mehr. Der Grad der : Dürftigkeit veranlaßt Schwankungen in der Höhe der Almosen von höchstens 1—2 Mk. Eine eingehende Würdigung der persönlichen Verhältnisse und eine differenzierte Behandlung der einzelnen Bedürftigen lassen sich in der Armenpflege überhaupt fast nur bei ortsansässigen Armen durchführen. Alle Nachteile, die der Artikel der „Welt" von einer Zentralisation befürchtet, haften schon dem jetzigen System an. Man mag die Umgestaltung der früheren mehr patriarchalischen und gemütvollen Methoden der jüdischen Wohltätigkeit in. die mehr bürokratischen und schematischen der Gegenwart bedauern, man wird in diesem Umschwung eine Entwicklung sehen müssen, bedingt durch Verschiebungen in der sozialen und psychischen Struktur der modernen deutschen Judenheit, die sich von uns nicht beeinflussen lassen. Geht man nun von dem gegen- «wärtigen Modus der Wanderarmenfürsorge aus, so wird man zugestehen können, daß die geplante Organisation manche Verbesserungen verheißt. Es wird eine Verminderung des Herumwanderns von Stadt zu Stadt und Dorf zu Dorf stattfinden. Von meinem Standpunkte als Arzt, der die unheilvollen Einflüsse der ruhelosen Wanderschaft auf das Nervensystem und die Psyche einer ohnehin nervös belasteten Menschenkategorie kennt, begrüße ich jede Maßregel, die zur Einschränkung desWanderns ohne pekuniäre Benachteiligung der Wanderarmen führt, aufs wärmste. Die neue Zentralisierung bedeutet für viele und zwar die bedürftigsten Wanderjuden, diejenigen nämlich, die Deutschland als Übergangsland zur Auswanderung nach Amerika usw. durchziehen, wesentliche Erleichterungen; sie kommen bei einer Einschränkung der Zahl der Unterstützungsstationen leichter, rascher und bequemer zu ihrem Reiseziel. Zugunsten einer Zentralisation des Wanderarmenunterstützungswesens fällt aber besonders ins Gewicht, daß das, was Ihr Artikel als Aufgabe der jüdischen Wohltätigkeits-Institutionen bezeichnet, die Organisation der Armen für ihren Kampf ums Dasein, weit eher unter der neuen Zentralisation erreicht werden dürfte, als unter dem seitherigen Zustande, der diesem Zwecke nicht gerecht werden kann. Erst durch Zusammenfassung großer Verbände und großer Geldmittel können jene Einrichtungen geschaffen und wirksam ausgestaltet werden, welche durch Beschaffung von Arbeit, durch planmäßige Erziehung und Anleitung bei der Arbeit die Organisation der Armen für den Kampf ums Dasein versprechen. Kleine Vereine können diese Institutionen, für die wir in Deutschland bei den christlichen Konfessionen gute Vorbilder haben, nicht errichten und unterhalten, große Zweckverbände werden es eher leisten. Ich möchte keineswegs behaupten, daß die geplante Organisation bedenkenfrei gutgeheißen werden kann, es gibt noch manches zu erwägen und zu überlegen. Die hiesigen Organisationen haben beispielsweise bis jetzt ihren Anschluß abgelehnt. Auch soll nicht geleugnet werden, daß unter den Befürwortern des Planes sich solche Männer befinden können, die dadurch der persönlichen Berührung mit den Wanderarmen zu entgegen hoffen. Jedenfalls aber ist der Hilfsverein der Deutschen Juden über jeden Verdacht erhaben, als hätten ihn zu seiner zustimmenden Haltung andere Motive gedrängt, als die Erkenntnis, daß hier ein Fortschritt in der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland geplant ist, der den Armen selbst von größtem Nutzen sein kann. Die Stellung des Hilfsvereins sollte nicht Gegenstand des Angriffes sein, vielmehr Veranlassung geben zum Nachdenken darüber, ob der Zentralisationsgedanke, der auf den ersten Blick unsympathisch erscheinen muß, nicht doch in der Richtungslinie der von dem Hilfsverein inaugurierten und von den Zionisten stets rückhaltlos anerkannten modernen großzügigen Phase der jüdischen Wohlfahrtspolitik liegt. Hochachtungsvollst! Dr. Julius Moses, Mannheim. Bei der Jüdischen Kolonialbatik in London sind eingegangen: Für Lilienblum Memorial: Durch die Federation of American Zionists, New-Britain Conti. pr. Bnai Zion..................$ 12.85 Für das Hygienische Institut: Durch die Sammelstelle Moskau...........Rbl. 12.50 Bei der Administration der „Welt" in Köln sind für das Hygienische Institut eingegangen: Durch die Sammelstelle des Jüdischen Nationaifonds für Österreich in Wien Kr. 25.—...........Jt 20.18 r Rechtsanwalt BERNHARD DAVID GRETE DAVID, geb. Engel VERHEIRATET HAMBURG, Hansastraße 75. V_ „J