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Die Welt · 1910-06-24 · 25 (24.6.1910) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
25 (24.6.1910)
Date
1910-06-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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hat. Das Mittel, die Pächter in 3—4 jährigem Turnus wechseln zu lassen, ist nicht anwendbar. Abgesehen davon, daß sich Pächter unter diesen Bedingungen nur ausnahmsweise fänden, würde dieser Modus dazu führen, unter Vernachlässigung jeder Bodenverbesserung den ärgsten Raubbau zu treiben. Zum Schluß erhebt Herr Dr. B. den Schreckensruf, den ich in meinem ersten Artikel bereits vorausgesagt habe: schon wieder ein neuer Fonds! Ich habe auf diesen Vorwurf dort sehr ausführlich geantwortet und nachgewiesen, daß~nicht eine neue Belastung, sondern eine Entlastung der Sammler eintreten würde. Ich habe nicht die Absicht, den ganzen Abschnitt zu wiederholen, und bitte Herrn Dr. B., ihn in der„Jüd. Rundschau"oder der,,Jüd. Zeitung" nachzulesen. Wie all dieses, so übergeht Herr Dr. B. auch das Argument, daß gerade im jetzigen Moment viele Nichtzionisten füi einen K. F. spenden würden, die für eine N. F.-Spende nicht zu haben sind, daß sich ferner die Sammlung nur über ca. 3 Jahre erstrecken soll u. a. m. Ich muß noch zum Schluß einige speziellere Bemerkungen in Kürze zurückweisen.— Ich habe im ersten Artikel in aller Ausführlichkeit Zweck und Bestimmung des K. F. präzisiert, und Herr Dr. B. wiederholt sie zu Beginn seiner Erwiderung in kurzen Worten. 55 Halbzeilen nach dieser Präzisierung des Zweckes unseres Fonds meint Herr Dr. B., er halte den Fonds „wegen seiner unbestimmten und uferlosen Zwecke" für überflüssig und verfehlt. Es sei unrecht gewesen, meine Vorschläge, statt sie dem Direktorium des N. F. einzureichen, direkt durch die Presse der großen Öffentlichkeit zu unterbreiten. Ohne weiter zu erörtern, weshalb ich eine gleichzeitige Veröffentlichung für ratsam hielt, kann ich mich darauf beschränken, mitzuteilen, daß ich das Expose gleichzeitig an die Herren Wolffsohn uud Prof. Warburg, sowie an mehrere Redaktionen sandte, und daß mir Herr Wolffsohn darauf erwiderte: „In der „Welt" wird Ihrem Wunsche gemäß das Expose" in der nächsten Nummer schon abgedruckt werden." Daß dies nicht geschehen ist, hat zu einer Korrespondenz mit der Redaktion der „Welt" geführt, die an dieser Stelle nicht weiter interessiert. Es liegt mir nur daran, festzustellen, daß Herr Wolffsohn an der sofortigen Veröffentlichung gar nicht Anstoß genommen hat. Und endlich: Ich hätte bereits durch mein Vorgehen erreicht, daß einige geringfügige Beträge für den Fonds gespendet wurden. Daraus, daß ich selbst noch nichts für den Fonds gespendet habe, und daß ich andere tatsächlich abgehalten habe, für ihn zu spenden, ergibt sich, daß ich solche Sammlungen gar nicht betrieben habe, weil eben der Fonds noch nicht begründet worden ist. Wenn nun einige eifrige, vielleicht übereifrige Zionisten schon vorher einige Mark dafür spenden, so könnte diese Tatsache füglich in der Polemik unerwähnt bleiben. Es fehlte nur noch, daß die paar Pfennige addiert und die Gesamtsumme als das bisherige Resultat meines Appells hingestellt worden wäre. * * # Ich wende mich nun Herrn Goldberg-Wilna zu und bedaure 'unächst, daß Herr G. nicht auch mein Antwortschreiben der „Weit" ur Veröffentlichung übergeben hat. Ich beschränke mich auf einige Bemerkungen. Herr Goldberg stellt den Unterschied zwischen der Zweckbestimmung des N. F. und des K. F. fest und meint, es lohne nicht, wegen „dieser letzten Unbequemlichkeit" einen neuen Fonds zu schaffen. Ich habe oben bereits ausgeführt, daß die P. L. D. C. imstande ist, ihre Kolonisationstätigkeit sofort aufzunehmen, während der N. F. hierzu außerstande ist, da er das Land nicht verpachten kann und nicht verkaufen darf. Die kleine „Unbequemlichkeit" betrifft also einen Punkt, der entscheidend ist für „ja" oder „nein", — für Kolonisieren oder Warten. Herrn Goldberg ist dieser Unterschied nicht zum Bewußtsein gekommen, denn unter „erstens" empfiehlt er die Aufnahme der Tätigkeit des N. F. im Sinne der Verpachtung auf 99 Jahre, eine Tätigkeit, die eben heute gar nicht angängig ist. Unter „zweitens" empfiehlt er die Kreditgewährung an die Parzellierungsgesellschaft. Aber abgesehen davon, daß mir eben diese Bewilligung bei der Unterbreitung meines Vorschlages noch unwahrscheinlich war, habe ich bereits oben dargelegt, daß auch nach der Kreditbewilligung, ja gerade infolge derselben, die Aufbringung neuer Kolonialgelder notwendig ist. Somit entfallen die beiden Voraussetzungen, auf die sich der erste, der Hauptabschnitt der Goldbergschen Darlegungen stützt. Was er sonst vorbringt, ist minder bedeutsam. Wenn er sich vor den „neuen Quittungen, neuen Kommissaren, neuem Schreibwerk" fürchtet, so wäre diese Furcht höchstens für Rußland berchtigt, wo bis vor kurzem für die P. L. D. C. sehr wenig geschehen ist, — nicht, aber für Deutschland, wo dann die Sammlung für den K. F. an die Stelle des mehr zurücktretenden Aktten Verkaufs einrücken und durch die geringem Schwierigkeiten einer Klein-;arnmlung eine Entlastung der Sammler eintreten würde. Auch Herrn Goldberg wäre es sympathischer, wenn wir Obligationen für 1000 Frs. absetzten und eine Kreditbasis für Palästina auf dem Geldmarkt schaffen helfen. Darin begegnen sich unsere Sympathien. Doch kann ich nur wiederholen, daß derlei Möglichkeiten erst vorliegen, wenn unsere Gesellschaften gezeigt haben, daß sie eine hohe Dividende abzuwerfen vermögen, wenn wir sie also zunächst einmal erst betriebsfähig gemacht haben. Für diese Aufgabe aber ist der Geldmarkt nicht zu haben. Wer in Deutschland Sammlererfahrungen gemacht hat, wäre in solchen Fällen, wo für eine noch gar nicht betriebsfähige Gesellschaft Obligationen ä 1000 Frs. (selbst nur unter Zionisten) abzusetzen wären, geradezu imstande, die Namen der wenigen Zeichner schon vorher anzugeben. So schafft man die Kreditbasis nicht. Gibt der K. F. die Möglichkeit, die ersten Betriebsmittel zu schaffen (und wenn behauptet wird, daß das nicht gar so leicht gehe, so geht es hundertmal leichter als auf dem Wege des Aktienverkaufs), so ist die Begründung des Fonds der erste Schritt zur Schaffung der Kreditbasis. Wir geraten hierbei durchaus nicht auf den Weg „zu der reinsten philanthropischen Chibas Zion". Ich bitte um Verzeihung, wenn ich zur Erwiderung hierauf wiederhole: Auch der Nationalfonds wendet ja die Methode, kleinste Spenden entgegenzunehmen, an, ohne sich dabei auf den Weg „zu der reinsten philanthropischen Chibas Zion" zu begeben. Es kommt nicht auf die Sammelmethode, sondern auf die Verwendung der Gelder an. Man kann in großzügiger Weise Gelder sammeln und sie im Sinne der kleinen Philanthropie verwenden, und kann anderseits, wie bei N. F. und K. F., kleine Spenden einsammeln und sie im Sinne der großzügigsten Kolonisationstätigkeit verwenden. Man kann mancherlei Argumente gegen den Kolonialfonds ins Feld führen (treffendere, als in Nr. 23 der „Welt" zu finden sind)'; aber ich sehe kein besseres Mittel, um der P. L. D. C. die notwendigen Gelder zuzuführen, und zwar auch aus den Taschen der überwiegenden Mehrzahl der Palästinafreunde, die Aktien, besonders höherwertige, nicht erwerben können oder wollen, — und nicht nur aus den Taschen der Reichern, die andernfalls das Geld allein — auch nicht gäben. Möglich, daß Herrn Dr. Bodenheimers Wunsch und Hoffnung, der Fonds möge nicht Zustandekommen, sich erfüllt. Dann erwarte ich, daß die Herren, entweder meinen Vorschlag durch einen bessern ersetzen oder aber — im Gegensatz zu den letzten Jahren — durch die Tat erweisen, daß ein massenhafter Absatz von Aktien (sagen wir: im Werte von 2—300 000^ innerhalb 2 — 3 Jahre) im Bereich der Möglichkeit liegt. Nous verrons. Die jüdische Lebensversicherung Der in Nr. 21 der „Welt" abgedruckte Artikel: „Ein Beitrag zur Lösung der Geldfrage im Zionismus" hat eine so nachhaltige Wirkung in jüdischen Kreisen geübt, daß ich 40—50 Zuschriften erhielt, auf die ich später noch zurükzukommen gedenke. In der „Welt" selbst erschienen in Nr. 23 zwei Artikel, die sich mit der Frage befassen. I. Die Entgegnung des Herrn S. Hoofien Herrn S. Hoofien „bereitet es kein Vergnügen", mit mir zu polemisieren, wie er selbst in der Einleitung bemerkt. Er gibt diesen Gefühlen auch deutlich Luft, indem er gleich zu Beginn von einem „unsinnigen Gedanken", später von der „absurden Idee" spricht. In dieser Tonart geht es weiter, und besonders schön ist der Satz: „Vorausgesetzt, was ich allerdings kaum glaube, daß eine Anzahl einfältiger*) Leute auf diesen schönen Plan hereinfallen würde, wäre das ganze Unternehmen doch nichts weniger als ein Verbrechen, und der gute Wille der Unternehmer wäre, wenn sie schon von vornherein dagegen protestierten, daß man ihre Kreise stört, kaum ein Miiderungsgrund:" Dann „erfaßt ihn bald ein Schrecken", bald „ein Grauen", wenn er an meinen Vorschlag denkt. Herr S. Hoofien, der mich in die Reihe der Verb rech er, und die Leute, die die Idee der Lebensversicherung verfechten, als Idioten hinstellt, wünscht sicher keine Antwort auf ein derartiges Pamphlet. Herrn S. Hoofien, der mir auch sonst derartige Lektionen erteilte, möchte ich nur höflichst bitten, mich nicht weiter beachten zu wollen. Ich von meiner Seite aus kann ihm wenigstens die Versicherung geben, daß ich auf Grund des alten, wie des neuesten Ereignisses absolut keine Lust verspüre, „zur Bereicherung seiner ökonomischen Kenntnisse" beizutragen. *) Ist von mir hervorgehoben worden.

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