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Die Welt · 1910-06-24 · 25 (24.6.1910) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
25 (24.6.1910)
Date
1910-06-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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600 — tende Steigerung verspricht, die Rentabilität der Agrikultur doch nahe bis an diejenige der heutigen Pomikultur getrieben werden kann, und daß die Viehzucht vorläufig noch weit höhere Erträge in Aussicht stellt. Damit dürften die landwirtschaftlich-technischen Gesichtspunkte genügend besprochen sein. Zur Frage eines Kolonialfonds Von Dr. Aron Sandler, Breslau In Nr. 23 der „Welt" widmet Herr Dr. Boden heim er meinem Vorschlage, einen Kolonialfonds zu gründen, eine Kritik, die eine eingehende Erwiderung erheischt. Er legt großen, ubermäßig großen Wert darauf, zwei Vorschläge des Herrn Prof. Warburg, die die P. L. -D. C. betrafen, streng auseinanderzuhalten. Da der Passus nicht sehr klar gehalten ist, so will ich auf diese beiden Vorschläge kurz eingehen. Der Vorschlag des Direktoriums der P. L. D. C. an das Direktorium des N. F. betraf nur die Erhöhung des Kredits der P. L. D. C. auf 10000 zum Zwecke der möglichst baldigen Aufnahme der Parzellierungstätigkeit. Der andere von Herrn Dr. B. erwähnte Vorschlag hat aber mit der P. L. D. C. eigentlich nichts zu tun. Als bekannt wurde, daß ein gewisses Terrain, welches vorläufig für Parzellierungszwecke noch nicht in Betracht kommt, augenblicklich billig erworben werden kann, empfahl das Palästinaressort dem Hauptbureau des J. N. F., dieses Terrain provisorisch aus den Mitteln des J. N. F., — falls sich nicht unterdessen private Reflektanten finden sollten, — anzukaufen. Da indes dieses Terrain für die im Tätigkeitsbereich des J. N. F. liegenden Kolonisationsmöglichkeiten nicht in Betracht kam, so empfahl das Palästinaressort dem N. F., diesen Kauf durch Vermittlung der P. L. D. C. oder der A. P. C. vornehmen zu lassen, damit das Terrain später wieder veräußert werden könne; die P. L. D. C. oder die A. P. C. sollten also in diesem Falle nur als Treuhänder figurieren. Der Vorschlag ist übrigens inzwischen gegenstandslos geworden, da sich eine Gruppe Auswanderungslustiger aus Rußland für das betreffende Gebiet interessiert. Wenn nun Herr Dr. B. Wert darauf legt, zu betonen, daß er nur gegen den letztern Vorschlag Bedenken bezüglich der Statuten, gegen den erstem aber nur Zweifel bezüglich der Kreditfähigkeit der P. L. D. C. gehegt hätte, und daß er viel eher gene'gt gewesen wäre, eine Erhöhung des Kredits zu bewilligen, als einen neuen Fonds zu schaffen, so muß ich es nach meiner Erinnerung viel positiver aussprechen, daß Herr Dr. B. sich damals der Kreditbewilligung ausgesprochenermaßen abgeneigt zeigte. Er war bezüglich der Kreditwürdigkeit der P. L. D. C. nicht bloß „noch im Zweifel", sondern schätzte sie sehr gering ein, so daß ich zu der Annahme berechtigt war, daß eine Kreditbewilligung nicht zu erwarten sei. Um so mehr war ich überrascht, als ich kurz darauf von dem Beschluß erfuhr, der zur Voraussetzung hatte, daß die Bedenken sich in fabelhaft kurzer Zeit zerstreut hatten. Schon damals war es übrigens meine Ansicht, daß man ein Institut nicht auf seine Kreditfähigkeit prüfen könne, ehe man es überhaupt in die Lage versetzt hat, seine Hauptarbeit in Angriff zu nehmen. Ich möchte indes nicht allzusehr durch diese Darlegungen vom Hauptpfade abirren. Ich bitte das Wesentliche vom Un wesentlichen zu trennen und bei der Beurteilung der Frage, ob sich die Gründung eines K. F. empfehle, sich möglichst nur mit den Hauptargumenten zu befassen. Diese aber werden von Herrn Dr. B. teils übersehen, teils in einer Form wiedergegeben, die, — selbst auf die Gefahr der Wiederholung hin, — eine Aufklärung der dabei entstandenen Irrtümer erfordert. Herr Dr. B. hält die Erörterung im Grunde für überflüssig, weil die Angelegenheit eigentlich bereits erledigt sei; denn der N. F. iiat „durch die Erhöhung des Kredits der P. L. D. C. auf einen Ü st rag von £ 10000 materiell die Schaffung des geplanten Kolonisationsfonds gegenstandslos gemacht, da ja der Hauptzweck dieses Fonds die Kreditierung der P. L. D. C. sein sollte, um sie in die Lage zu setzen, die Parzellierungsarbeit in Palästina zu unternehmen." Das ist ein Irrtum. Freilich sollte der Fonds auch d:is zum Ankauf von Boden notwendige Kapital liefern, das nun durch die Krediterhöhung beschafft ist. Aber der Kredit des N. F. dient eben ausschließlich dem Zwecke des Landerwerbs und der Parzellierung; ob auch dem Zwecke der ersten Bewirtschaftung,- ist mir nicht bekannt, aber bereits zweifelhaft. Aus welchen Mit ein aber werden der Wegebau, der Brunnenbau, die kostspieligen Ameliorationen, eventuell auch (falls der Parzellenkäufer nicht in v e: Lage ist, selbst zu bauen) der Häuserbau bestritten? Hier S^ELT - ■ ' . Mo. 25 wird die P. L. D. C. mit ihren beschränkten Mitteln bald in die Enge kommen und einer Verstärkung ihrer Betriebsmittel bedürfen. Also gerade jetzt nach der Bewilligung der Krediterhöhung ist zur Nutzbarmachung dieses Kredits neue Geldbeschaffung — nicht überflüssig, sondern notwendig. Ob diese Geldbeschaffung besser auf dem Wege des vermehrten Aktien Verkaufs oder durch die Begründung eines K. F. zu bewerkstelligen ist, ist nur eine Frage der Technik, die auf Grund der praktischen Erfahrungen zu entscheiden ist. Weiterhin ist Herr Dr. B. der Meinung,daß ich der P. L. D. C. einen schlechten Dienst erwiesen hätte, als ich ihre Fähigkeit, selbst Kapital zu werben, „in Abrede stellen mußte". Ich glaube nicht, daß es der Sache dienlicher gewesen wäre, nach jahrelangem Warten die Tatsache weiter zu verschleiern, daß der Aktienverkauf nur geringe Fortschritte mache, und durch dieses Schweigen den Beginn der Parzellierungstätigkeit immer weiter hinauszuschieben. Das kann nicht im Interesse derer liegen, die die sofortige Aufnahme der Arbeiten wünschen. Es ist ratsamer, auf den Mangel öffentlich hinzuweisen und zu seiner Umgehung und Beseitigung neue Vorschläge zu machen. Ein solcher Schritt vermag das Renommee der Gesellschaft um so weniger zu schädigen, als es sich vorläufig, wie ich bereits schrieb, nur darum handelt, die Gesellschaft in den Sattel zu heben. Es ist ein billiger Rat, daß „keine Mühe zu groß" sein dürfe, um die Werbearbeit mit aller Energie zu leisten. Mein Vorschlag entspringt gerade der Überzeugung, daß die Schwierigkeit eines bedeutenden Absatzes von Aktien in diesem ersten Entwicklungsstadium der Gesellschaft kaum zu überwinden ist. Darin stimmen mit mir viele tätige Zionisten Deutschlands und Österreichs überein, und es sollte mich wundern, wenn andere Gesinnungsgenossen (einschl. Herrn Dr. Bodenheimer) hierbei bessere Erfahrungen gemacht haben sollen. Die Überzeugung, daß die P. L. D. C. „segensreich wirke", daß sie „nach kaufmännischen Gesichtspunkten geleitet" wird, daß sie „in der Lage ist, einen stets wachsenden Gewinn abzuwerfen", diese Überzeugung kann erst gewonnen werden, wenn die Gesellschaft bei ihrer Tätigkeit Gelegenheit gefunden hat, ihre Betriebsart zu demonstrieren und ihre Rentabilität zu erweisen. Zu dieser Überzeugung wird die Öffentlichkeit vor der Aufnahme der Arbeiten nicht gelangen, und die guten Ratschläge werden wohl angebracht sein, wenn wir der Gesellschaft zunächst die Betriebsmittel verschafft haben. Dann freilich, wenn die Maschine in Gang ist, dann glaube ich in Übereinstimmung mit Herrn B. die P. L. D. C. der Überzeugung und dem Vertrauen des Publikums überlassen zu dürfen. Heute sind die guten Lehren etwas verfrüht. Mein „größter Irrturn" aber ist, daß ich das Geheimnis des Erfolges des N. F. nur in der Entgegennahme der kleinen und kleinsten Spenden erblickt hätte, ohne die großen Imponderabilien zu berücksichtigen, das stolze Bewußtsein des Spenders, an dem Aufbau einer großzügigen Institution mitzuarbeiten. Es gibt Dinge, die man nicht ausspricht, weil sie gar zu selbstverständlich sind. Ich bin nicht so töricht, zu glauben, daß man für jeden beliebigen Zweck große Summen erhalten kann, wenn man klenste Spenden entgegennimmt. Selbstredend ist jenes stolze Bewußtsein die Voraussetzung des Gelingens, und die Samrnelmethode stellt nur eine geschickte Ausnutzung der darin ruhenden Möglichkeiten dar. Wenn ich die gleiche Methode für den K. F. empfohlen habe, so war ich eben der Meinung, daß auch hier die von Herrn Dr. B. gerühmten Voraussetzungen zutreffen. Denn auch die der P.L.D.C. zugrunde liegende Idee ist ,,von großen Gesichtspunkten getragen"; auch die P. L. D. C. ist „ein Volksinstitut von unbegrenzter Entwicklungsmöglichkeit", und auch den Spender für den K. F. wird es mit Stolz erfüllen, an den Bestrebungen mitgearbeitet zu haben, möglichst große Landsirecken Palästinas in jüdische Hände zu bringen. Ich sehe darin eine ebenso bedeutsame Aufgabe wie in der Erwerbung von Boden im Sinne des Jüdischen Nationalfonds; ja zurzeit dürfte das Interesse im erstem Falle noch lebendiger sein als im zweiten, weil die P. L. D. C. die Möglichkeit hat, sofort mit der Arbeit zu beginnen, während der N. F. unter den heutigen Gesetzen dazu nicht in der Lage ist. Ich bedaure, daß Herr Dr. B. diesen wichtigen Punkt ganz mit Schweigen übergeht; er ist bedeutsam genug, um eine Wiederholung zu rechtfertigen. Die Türkei kennt ein Ersitzerrecht, das dem Bearbeiter eines Stück Bodens nach 10 Jahren (doch werden oft schon früher Ansprüche erhoben, die zu Prozessen führen) das bearbeitete Land als Eigentum zuspricht. Die P. L. D. C. fordert daher 1k—'il2 der Kaufsumme als Anzahlung und deren völlige Abzahlung im Laufe von 5—7 Jahren. Das Ersitzerrecht hat also für sie keinerlei Bedeutung. Der N. F. aber, der das Land in Erbpacht gibt, kann nach Ablauf einiger Jahre zu jeder Minute, zu der der Pächter Ansprüche auf das Land erhebt, den Boden verlieren, und zwar den vollen Wert verlieren, da er bisher nichts als die jährliche Pachtsumme erhalten

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