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Die Welt · 1910-06-17 · 24 (17.6.1910) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
24 (17.6.1910)
Date
1910-06-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Mo. 24 DIE-J^KELT 591 Gelegenheit fallen lassen, da dieser Skandal noch viel weniger als die let2te päpstliche Enzyklika dazu angetan ist, um die Sympathien des englischen Volkes für die Eliminierung der für Katholiken beleidigenden Ausdrücke im englischen Krönungsakt zu gewinnen, für die jetzt die englischen Katholiken alle Hebel in Bewegung setzen. Ein angesehener East End Jude namens Cohen wurde verhaftet, da die Haushälterin Mutalaitis erklärte, er habe sie in Hesselstreet festgehalten und geschlagen, als Casimiera fortgelaufen wäre. Er wurde jedoch bald auf eine Bürgschaft von £ 100, die für ihn gewährleistet wurde, freigelassen. Der Bauer Minelga hält sich jetzt in London auf. Er erschien aber nicht vor Gericht, da seine Drahtzieher fürchteten, der Rechtsanwalt der Friedlands werde ihn einem Verhör unterwerfen. Als er in London ankam, wollte ihn Airs. Levy, die älteste Tochter Friedlands, sprechen. Mutalaitis aber verhinderte sie, ihn zu sehen. Die unglückliche Mutter der Kinder, . deren Leben eine herzzerreißende Tragödie gewesen ist, erzog die altern Kinder zum Judentum. Das älteste Mädchen spricht gut jüdisch und ist mit den hebräischen Segenswünschen gut vertraut. Sie zitierte im Gerichtshof ein paar Gebete vor dem greisen Präsidenten des Jewish Board of Deputies, Geheimrat D. L. Alexander, der ihr einen Kuß auf die Stirn drückte. Friedland erzählte einem Berichterstatter, daß seine Tochter mehrere Male fortlaufen wollte. Kurz vor seiner Abreise nach England war eine Flucht geplant. Sein älterer Sohn sollte die Flucht ausführen und war mit Pferd und Wagen bereit, sie über die Grenze zu schaffen. Die Tochter betete den ganzen Tag und las die Psalmen. Der Plan gelang jedoch nicht. Hätte die preußische Polizei Minelga nicht gezwungen, mit einem Teile der Kinder nach Rußland zurückzukehren, so wäre er nach London gegangen, wo er eventuell Jude geworden wäre. Rußland Der Antrag auf Aufhebung des Ansiedlungsrayons Letzten Dienstag ist der Duma der von uns bereits angekündigte Initiativantrag des Deputierten Friedmann zugegangen. Der Antrag fordert die gänzliche Aufhebung des Ansiedlungsrayons und ist von 165 Deputierten unterfertigt worden. Da die Duma am 18. d. M. in die Sommerferien geht, wird der Antrag erst in der Herbstsession zur Verhandlung gelangen. Gegen die Judenausweisungen Berlin. Die Demokratische Vereinigung hatte für den 8. d. M. eine Protestversammlung gegen die Ausweisung russischer Juden und die Vergewaltigung Finnlands nach der Viktoriabrauerei einberufen, die von mehr als 1200 Personen besucht war. Herr Dr. Breitscheid erstattete das-Hauptreferat, in dem er ausführte: Nicht das russische Volk, sondern der russische Zarismus trage die Verantwortung für die unerhörten Greuel, die man in Rußland gegen die Juden verübe. Der Tschin habe ein besonderes Interesse an einer verschwommenen Judengesetzgebung, weil er aus der Unklarheit derselben finanziellen Vorteil ziehe. In packenden Worten schilderte Dr. Breitscheid sodann die Schrecken des Rayons, in dem sogar die Gebeine der Toten ausgegraben würden, wenn der Tote kein Wohnrecht an dem Begräbnisort gehabt habe. Zur Verfolgung träte noch blutiger Spott. Der Redner schilderte dann die Form der Ausweisungen. Nicht Alter, nicht Geschlecht noch das Geheimnis der Schlafzimmer werde geschont. Das ganze Verfahren sei ein Hohn auf die Kultur und ein Schlag ins Gesicht der Menschheit. Tief bedauerlich sei, daß diese Regierung der Barbarei mit Deutschland befreundet sei. Ganz ähnlich verfahre man in Rußland gegen Finnland, und man muß auch gegen diese Vergewaltigung protestieren, obwohl die Finnen selbst reaktionär genug gewesen seien, an andern, insbesondere an den Juden, zu sündigen. Leider hat man ja gegenüber der brutalen Gewalt nur Worte des Protestes, und der Redner bedaure, daß nicht einmal die breite Masse der deutschen Juden ihre Stimme erhebe. Wir müssen darauf hoffen, daß dieses verächtliche Regime in den Flammen der Revolution untergehen wird. Alierdings kann man nicht mit freiem Herzen über andere Länder urteilen, so lange wir nicht bei uns selbst die Gleichberechtigung der Juden durchgeführt haben. Auch bei uns bestehe eine unsichtbare Judengesetzgebung. Auch bei uns gäbe es einen Judenrayon. Gesellschaftlich und politisch seien die Juden bei uns Menschen zweiter Klasse, und es sei die Ehrenpflicht eines jeden freiheitlich Gesinnten, dahin zu wirken, daß dieser Zustand beseitigt würde. Der zweite Redner, Herr von Gerlach, geißelte die Theorie der sogenannten Intervention in die innern Verhältnisse fremder Staaten. Leider gäbe es dieses System, nur gegen Rußland, nicht aber z. B. gegenüber der Türkei, die kulturell himmelhoch über der russischen Hölle stehe. Die neue Türkei habe Palästina den Juden geöffnet und aus ihren Gesetzen Freundlichkeit kundgetan. Im übrigen sei eine Volksbewegung im Ausland gegenüber Rußland nicht aussichtslos, wenn man es nur versteht, dahin zu wirken, daß das russische Portemonnaie leide. In der Diskussion sprach von zionistischer Seite Herr Dr. Klee. Derselbe dankte den Veranstaltern der Versammlung namens der Berliner Juden, denn die Demokratische Vereinigung sei die einzige, die dieses Gebot der Menschenpflicht erfüllt habe. Er forderte die Versammelten auf, sich nun auch praktisch für die Lösung der Judenfrage einzusetzen, indem sie sich derjenigen Bewegung anschlössen, die eine Heimat für die Gehetzten- und Vertriebenen in Palästina schaffen wollen. Nachdem noch Herr Stadtverordneter Waldeck-Manasse und andere gesprochen hatten, nahm die Versammlung einstimmig eine Resolution an, in der sie gegen die Vergewaltigung der Juden und Finnen seitens des Zarismus protestierte. Eine Intervention Amerikas Francis Burton Harrison. ein jüdischer Deputierter des amerikanischen Parlaments, brachte im Parlament eine Resolution ein, der Präsident der Vereinigten Staaten möge seinen Einfluß auf die russische Regierung dahin geltend machen, daß den Judenverfolgungen und den Progromen in Rußland ein Ende gemacht werde. Die Resolution betont, es seien deutliche Anzeichen vorhanden, daß den Juden in Rußland ein neuer Ausbruch von Fanatismus des Pöbels droht. Der Kongreß müsse daher mit aller Entschiedenheit aussprechen, daß er die Judenverfolgung und die Beschränkung ihrer natürlichen Menschenrechte als barbarisch und als eine Beleidigung für das Gewissen der zivilisierten Menschen betrachte. Einige jüdische Deputierte hielten es aber für zweckmäßiger, daß die Resolution nicht von jüdischer Seite ausgehe. Die Resolution wurde der Kommission für ausländische Angelegenheiten überwiesen. Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Die Minen von Es-Salt und der Hafen von Haifa Nachdem sich vor einigen Wochen die Kammer mit dieser Angelegenheit befaßt hatte, wurde vergangene Woche im türkischen Senat über sie verhandelt. Vor einem Jahre etwa wandte sich die französische Finanzgruppe, der nun die Es-Salt-Konzession erteilt wird, vertreten durch den Araber Nasif Bej El Halidi, unter Vermittlung des Betriebsdirektors der Hedschasbahn, Muchtar Bej, an die Regierung und suchte um Konzession für die Phosphatlager in der Kasa Salt, für den Bau der 440 km langen Linie von der Hedschasbahn nach Es-Salt und des Hafens in Haifa nach. Sie verlangte einen Zinsfuß von 5°,o für die zu stellenden Kapitalien und verpflichtete sich, bei der Herstellung des Bahnbaus 25 000 kg Phosphat, nach der Herstellung 100 000 Tonnen zum Preise von einem halben Pfund pro Tonne zu transportieren, was dem Staate jährlich 50 000 Pfund eingebracht hätte. Der Arbeitsminister verwarf den Plan des Bahnbaus des Hafens und der Bahn auf Kosten der Gesellschaft, nahm aber im Prinzip den Betrieb der Phosphatgruben durch die Gesellschaft an. Nach langen Verhandlungen, die sich über sechs Monate hinzogen, fügte sich die Gesellschaft dem Standpunkt der Regierung und erklärte sich damit einverstanden, daß diese selbst Bahn und Hafen mit den ihr von der Gesellschaft bei ermäßigtem Zinsfuß von 3 lh % geliehenen Geldern erbaue. Die Kammer ratifizierte diese Abmachung, ebenso nun auch der Senat, in dem freilich der frühere Großwesir Ferid Pascha heftige Opposition machte. Gegenwärtig ist die Konvention dem Sultan zur Bestätigung unterbreitet. Die Anleihe für die Bauten beträgt 12 l/a Millionen Francs. Die vier Schweiger Es hat sich ein Vorfall begeben, der sogar die duckmäuserischsten aller hiesigen Juden endlich revoltiert hat. In der Kammersitzung vom 31. Mai befaßte man sich mit dem Budget des Ministers des Innern, das mehrere Subventionen an Hospitäler der Hauptstadt vorsieht. Honeos Effendi (Grieche) schlägt vor, die vorhandene Summe im Verhältnis zur Volksziffer der Nationalitäten zu verteilen. Daghavarian Effendi verteidigt die Sache der armenischen Krankenhäuser und Risa Nur Bej die der muselmanischen. Bei dieser Sitzung waren auch einige „ottomanische Deputierte" jüdischen Glaubens zugegen, ergriffen aber das Wort zur Wahrung der Interessen des „Höpital national Or Ahaim" nicht. Was aber

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