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Die Welt · 1910-06-17 · 24 (17.6.1910) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
24 (17.6.1910)
Date
1910-06-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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die jüdischen Deputierten nicht taten, das tat der sympathische Minister des Innern für sie. Talaat Bej bedauerte, daß niemand das Wort ergriffen habe, um die Sache des jüdischen Krankenhauses zu verteidigen, das, seinen Worten zufolge, wahrhafte Dienste leistet, ohne Zögern alle- Verwundeten und Verunglückten aufnimmt, die die Polizei ihm überweist, ohne irgendwelchen Rassen- oder Glaubensunterschied zu machen. Bei der Lektüre dieses Parlamentsberichts stieg aber doch vielen, selbst Gleichgültigen, die Schamröte ins Gesicht. Wackere nationale Vertreter! Sie laufen selbst den Schweigern des preußischen Abgeordnetenhauses den Rang ab. Aus der Provinz Saloniki. Bei der Herzlfeier des Vereins „Bn6-Zion" wurden 65 Bäume für den Herzlwald gespendet. — Die Gemeinde übertrug die Direktion der großen Talmud-Thora an den bekannten Schulmann Izchak Epstein aus Jaffa, unter der Bewilligung absoluter Aktionsfreiheit. Adrianopel. In der Vorstadt Karagatsch wird die Gründung eines jüdischen Kindergartens vorbereitet, da viele jüdische Kinder in den Kongregationsschulen unwürdig behandelt und dem Judentum entfremdet werden. — Am Sonntag den 29. Mai fand die große Prozession der „F6te-Dieu" statt. Nicht weniger als 13 jüdische Mädchen, Schülerinnen der Schulen St. Halene und des Instituts der Schwestern von Agram, marschierten in dem Zuge mit. Weißgekleidet, weißverschleiert, das Messebuch zwischen den gefalteten Händen, murmelten sie Litaneien, die sicher nichts mit dem Schema-Israel zu tun hatten. Sie durchzogen so die Hauptstraße von einem Ende zum andern, zwischen zwei Hecken jüdischer Läden hindurch, hierauf zur Kapelle, wo man sie niederknien und in christlich-devotischster Weise beten sah. („Aurore.") Palästina Zum Besuch des Chacham-Baschi in Palästina. Jaffa, 12, Juni 1910. Heute ist hier der Chacham- Baschi aus Konstantinopel eingetroffen. Er wurde vom Jaffaer Kaimakam und zahlreichen jüdischen Vertretern aus dem ganzen Land feierlichst empfangen. Man bereitete Rabbi Nah um in den Straßen große Ovationen. Der Chacham-Baschi reist heute nach Jerusalem weiter. Ein Geschenk des deutschen Kaisers Der jüdische Juwelier M. A. Sokolska in Jerusalem erhielt vom deutschen Kaiser eine goldene Adlernadel sowie ein Dankschreiben des Freiherrn v. Mirbach als Anerkennung für die gute Ausführung des silbernen Schlüssels zum Hospiz der Kaiserin Auguste Viktoria- Stiftung auf dem Ölberge. Ber Saba Die Stadt Ber Saba war lange ganz verlassen und unbewohnt. Vor etwa sechs Jahren hat es die türkische Regierung unternommen, daselbst eine neue Stadt zu errichten. Sie hat Ber Saba zum Sitz eines Kaimakams gemacht und eine Abteilung Soldaten dahin gelegt. Es gelang ihr in der Tat, in relativ kurzer Zeit die völlige Pazifierung der Gegend, die von Beduinen bewohnt ist, durchzuführen. Allmählich wird Ber Saba ein städtisches Zentrum für die Umgebung. Gegenwärtig zählt die Stadt 200 Häuser mit ca. 500 Familien. Auch zwei jüdisch-aschkenasische Familien, von denen die eine einen Verkaufsladen und die andere eine Mühle im Betriebe hat, haben sich hier angesiedelt In der Umgebung von Ber Saba wird hauptsächlich Gerste angebaut, die nach Gaza mit Kamelen transportiert und von da mit Dampfschiffen direkt nach England gesandt wird. Dieser Handel ist sehr bedeutend. Vor drei Jahren sind 25 große Schiffe mit Gerste für 5—6 Millionen Frs. nach Europa abgegangen. In den letzten zwei Jahren hat die Gegend durch Mangel an Regen Mißernten gehabt. Trotzdem schreitet die Entwicklung der Stadt fort. Das Klima von Ber Saba ist sehr gesund. Auch die Lage ist nicht ungünstig. Von Gaza aus kann man Ber Saba per Wagen in ca. 4 Stunden erreichen. Wenn der jetzt bestehende Reitweg von Ber Saba nach Hebron in eine Fahrstraße umgewandelt wird, dann wird Ber Saba Anschluß an die Chaussee Hebron-Jerusalem haben und dann auch von Jerusalem in 8—10 Stunden mittelst Wagen zu erreichen sein. Die Gründung von Ber Saba stellt den ersten systematischen Kolonisationsversuch der türkischen Regierung in Palästina dar und verdient deshalb besonderes Interesse. Personalnachricht Der bekannte Phiiozionist und Freund unsers verewigten Führers Herzl, Reverend William Hechler, der 25 Jahre hindurch als Kaplan der englischen Botschaft in Wien verdienstlich gewirkt hat, ist in den Ruhestand getreten und wird demnächst zu dauerndem Aufenthalt nach London übersiedeln. In Würdigung seiner langjährigen Dienste als Seelsorger und als Zeichen der Hochachtung, haben die englische Kirchengemeinde in Wien, sowie eine Reihe anderer Mitglieder der englischen Kolonie dem scheidenden Reverend Hechler, eine elegant ausgestattete. Adresse nebst einem Ehrengeschenk in Gold gewidmet, deren Überreichung vor einigen Tagen in Anwesenheit einer Reihe angesehener Mitglieder der britischen Kolonie auf der englischen Botschaft durch den Vorsteher Sir Fairfax Cartwright erfolgt ist. Ein jüdisches Denkmal für König Eduard Der Gedanke, dem verstorbenen König ein jüdisches Denkmal in Whitechapel zu errichten, erfreut sich auch In London großer Beliebtheit. Letzte Woche fand die erste Massenversammlung im Jewish Workingmen's Club statt, die die nötigen Schritte zur Realisierung dieses Plans unternehmen sollte. Den Vorsitz führte Stadtrat Gordon. Als Hauptredner fungierte der Chief Rabbi Dr. Adler, der die kursierenden Gerüchte über die Judenunfreundlichkeit des neuen Königs durch sehr interessante Beweise zerstreute und einen Brief von Lord Rothschild verlas, in welchem er seine Sympathie mit dem Gedanken ausdrückt und den Vorschlag macht, sich direkt an den König zu wenden, damit er erkläre, in welcher Form er die Ausführung des Denkmals wünsche. Die Mittel sollen durch öffentliche Sammlungen von nicht weniger als 6 Pence aufgetrieben werden. Die angesehensten Mitglieder der Londoner Gemeinde haben sich der Sache angeschlossen und versprechen namhafte Summen. Man hofft, daß auch die Juden des Auslands, denen Eduard VII. ein treuer Freund stets gewesen ist, sich an der Sammlung beteiligen werden. Die Versammlung wählte ein Komitee mit Mr. Lauda, dem Redakteur der „Jewish World", als Schriftführer. Mr. Levis Cohen, der Bürgermeister von Adelaide, Australien, erließ einen Aufruf zur Errichtung eines Denkmals für König Eduard. Der Vorschlag wurde mit Enthusiasmus aufgenommen und die für diesen Zweck veranstaltete Sammlung ergab in zwei Tagen den Betrag von 4000 Pfd. ^L^l SPRECHSAAL 7^^-* r=C °° J^=: Sehr geehrte Redaktion! Bezugnehmend auf die in einer der letzten Nummern der „Welt" veröffentlichten Anregungen für die Agitation in der Sommerfrische möchte ich noch die Aufmerksamkeit auf einen Brauch lenken, der für den „Bezalel" zu einer Einnahmequelle werden kann. Ich meine die „Reiseandenken", die für jeden Sommerfrischler ein Gegenstand größten Ärgers sind. Man will jemand eine Freude machen, und man bereitet ihm eine Unannehmlichkeit, indem man ihm noch ein Nähkästchen aus Muscheln, noch einen Handschuhkasten aus Holz mit der Aufschrift „Gruß aus Karlsbad", oder auch unbrauchbare Uhranhänger, geschmacklose Trinkbecher usw. überreicht und seinen feurigen Dank erwartet. Ich schlage vor, daß der „Bezalel" kleine Verkaufsstände in jedem größern Kurort eröffnet, der von Juden viel besucht wird, wie z. B. in Heringsdorf, Swinemünde,, Norderney, Karlsbad, Marienbad usw. Dort könnten Bezalelerzeugnisse feilgeboten werden, die evtl. einem jüdischen Händler in Kommission zu übergeben sind; in der „Welt" oder andern Zeitungen, am schwarzen Brett im Kurhause könnte hierauf hingewiesen werden, und ich bin fest überzeugt, daß jeder Gebende und jeder Beschenkte an einem geschmackvollen Gegenstand des „Bezalel", wie sie in den verschiedenen Ausstellungen gezeigt werden, mehr Freude haben wird, obwohl „Bezalel, Jerusalem" darauf steht, als mit den üblichen Reiseandenken, die trotz aller speziellen Inschriften doch in Berlin, in Solingen oder Paris angefertigt werden. Hochachtungsvoll H. Fried m ann.

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