Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1910-06-10 · 23 (10.6.1910) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
23 (10.6.1910)
Date
1910-06-10
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316406-3316429--53350-3347127
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Aus Palästina Das hebräische Gymnasium in Jaffa (Bericht über das I. Semester 5670). Die Direktion des Gymnasiums versendet einen, Bericht über die Tätigkeit der Anstalt im abgelaufenen Halbjahr, dem wir folgendes entnehmen: Schülerzahl Die Zahl der Schüler am Schlüsse des vergangenen Schuljahres betrug 139. Von diesen mußten 15 aus verschiedenen Gründen Schule und Land verlassen. Neu hinzugetreten sind 68 Schüler, so daß die Schülerzahl bis heute auf 192 gestiegen ist. Neues Gebäude „Herzlia" Unsere Übersiedlung in das neue eigene Haus wird ein wichtiges Ereignis in der Entwicklungsgeschichte des Gymnasiums sein. Bekanntlich hat auf dem VIII. Kongreß Herr Jacob Moser aus Bradford 8.0 000 Frs. für den Bau eines Gebäudes gespendet, das den Namen Gymnasia Ibrith Herzlia tragen wird. Der J. N. F. hat dafür ein Terrain im Werte von 30 000 Frs. an der Grenze des neu entstandenen jüdischen Stadtviertels „Achusath- Baith" in Jaffa zur Verfügung gestellt, und Herr Moser hat nach Einsichtnahme in den Plan des Architekten Josef B a r s k y seine Spende auf 99 500 Frs. erhöht. Der Bau wurde im August 1909 begonnen, ausschließlich mit jüdischen Arbeitern ausgeführt und soll jn kurzem zum Einzüge fertig sein. Das Gebäude bietet einen prächtigen Anblick dar und wird dem neuen jüdischen Stadtviertel zur Zierde gereichen. Gymnasial-Fonds . Während in Jaffa Lehrer und Freunde des Gymnasiums mit unermüdlichem Eifer für seine innere und äußere Entwicklung arbeiteten, waren unsere Freunde Dr. Mos sin söhn und Scheinkin mit der finanziellen Sicherstellung unseres jungen Institutes beschäftigt. Sie stellten sich zur Aufgabe, einen großen Gymnasial- Fonds zu schaffen, und machten zu diesem Zwecke eine Reise nach Europa. Der Fonds soll ein unantastbares Kapital sein, dessen Zinsen das Gymnasium in den Stand setzen sollen, unter Zuhilfenahme des Schulgeldes alle Ausgaben zu bestreiten. Die Existenz eines solchen Fonds ist für die Sicherstellung und die Selbständigkeit unserer Lehranstalt von höchster Bedeutung. Wir hoffen im Laufe der nächsten Jahre für diesen Fonds einen Betrag aufzubringen, dessen Zinsen für die Deckung des jährlichen Budgets genügen werden. Was wir haben — was wir brauchen In seiner vierjährigen Existenz hat das Gymnasium hinreichend Beweise geliefert, daß es einem wirklichen Bedürfnis der jüdischen Jugend und des jüdischen Volkes entspricht. Vor vier Jahren wurde die Anstalt mit 17 Schülern eröffnet, ohne genügende Lehrkräfte und ohne Lehrmittel. Heute besitzt die Schule 14 Lehrer, von denen die meisten höhere Bildung haben und in ihrem Fache Spezialisten sind, 192 Schüler aus Palästina und vielen Diaspora- Ländern, ein prächtiges Gebäude, zum Einzüge beinahe fertig, und sämtliche Möbel und Lehrmittel für den Handelskursus, den die in diesem Jahre eröffnete fünfte Klasse abschließt. — Wir haben uns überdies zahlreiche Freunde und Mitglieder (Aktionäre) in allen Ländern erworben, und die Sympathie aller Juden, die sich für die Erziehungsfrage in Palästina interessieren, ist uns sicher. Noch aber sind wichtige Bedürfnisse der Schule ungedeckt, lind wir werden erst dann unser Institut als vollständig ausgebaut ansehen können, wenn auch diese Bedürfnisse befriedigt sind. Viele Institute und Einzelpersonen haben uns bisher schon gefördert, der „Hilfsverein der Deutschen Juden" hat uns s. Z. die erste Hilfe geleistet, als wir die Lehrmitel für den untern Kursus brauchten. Für die Herausgabe der nötigen Lehrbücher bekamen wir von Herrn Jacob Schiff 5000 Frs. in bar, und auch Herr Zeitlin hat uns jüngst 5000 Frs. zugesichert und weitere 5000 Frs. in Aussicht gestellt. Ferner hat uns Herr Isak Goldberg aus Wilna 50 Dunam Land in der Nähe der Kolonie Artuf geschenkt, die zum Sommeraufenthalt für Lehrer und Schüler dienen sollen. Was uns jetzt noch not tut, ist folgendes: 1) In kurzer Zeit wird die letzte Arbeit am Gebäude des Gymnasiums beendet sein. Wir erkennen aber zu unserm Bedauern, daß der von Herrn Moser so großmütig gespendete Betrag von 99500 Frs. nicht alle Kosten decken wird. Unsere Baukommission hat so manche nötige Maßregel treffen müssen zur Sicherung, Verschönerung und Verstärkung des Gebäudes. So hat sie den Architekten Barsky zum ständigen Aufseher bestellt, hat eine große Anzahl teurer Steine aus der Ferne gebracht und schließlich, da die jüdischen Arbeiter im* Durchschnitt teurer bezahlt werden mußten, dafür dem Unternehmer eine Vergütung gewährt. Für sämtliche Extra-Unkosten sind noch ca. 25000 Frs. erforderlich. — 2) Vor Einzug in das neue Haus müssen wir für Möbel irr den geräumigen Klassenzimmern, in cler Aula und in der Kanzlei sorgen, und besonders für Turngeräte, die nicht.nur unsern. Kindern, sondern überhaupt der ganzen Jugend Jaffas von großem Nutzen sein werden. Die Kosten hierfür belaufen sich laut Anschlag auf ca. 15000. Frs. — 3) Wir stehen vor Beginn des höhern Kursus und müssen uns vor allem im Laufe dieses Sommers ein Kabinett für Physik, Chemie und Naturgeschichte anschaffen, damit das Gymnasium seinem Zweck entspricht. Die Kosten betragen 15000 Frs. — 4) brauchen wir eine Turnhalle, deren Notwendigkeit übrigens in Westeuropa anerkannt wurde, wie wir in der „Jüd. Turnzeitung" gelesen haben. Wir hoffen, daß es unsern Freunden gelingt, uns den nötigen Betrag von ca. 10000 Frs. aufzutreiben. — Und 5) entbehren wir noch einen botanischen Garten. Dieser existiert in der ganzen Gegend, ja im ganzen Lande nicht und ist von großer Wichtigkeit für unsere Kinder wie auch für die Lehrer des ganzen Landes, welche auf diese Weise bei uiis ihre Kenntnisse iri der Botanik ergänzen können.* Zahlreiche Freunde aus Palästina versprachen uns, den Garten reich zu beschenken; was wir aber an exotischen Pflanzen brauchen, wie auch für die Bearbeitung und Nivellierung des Terrains, wird sich wohl auch auf ca. 10000 Frs. belaufen. Insgesamt benötigen wir also zur Ausgestaltung der Anstalt noch ca 75000 Frs. Unser edler Freund Herr Moser, der jüngst hier war, hat sich persönlich von der Wichtigkeit dieser Bedürfnisse überzeugt und uns wieder, in großherziger Weise Sein Interesse bewiesen durch Zusage von 25000 Frs. unter der Bedingung, daß unsere Freunde und Gesinnungsgenossen die restlichen 50000 Frs. beitragen und auf diese Weise ihre Teilnahme an unserer Arbeit-für die Hebung der jüdischen Kultur im Lande unserer Vorfahren praktisch betätigen. Eine Rabbinerschule iu Jerusalem In den nächsten Tagen wird in Jerusalem, ein Institut eröffnet werden, das nicht bloß für Jerusalem und Palästina, sondern für die gesamte türkische Judenheit von großer Tragweite sein kann. Herr Dr. Paul Nathan hat nämlich seinen letzten Aufenthalt in Jerusalem u. a. auch dazu benutzt, um hier eine Rabbinerschule ins Leben zu rufen, in der in erster Reihe sephardische Jünger sowohl den traditionellen Anforderungen als auch den Ansprüchen der Zeit entsprechend zu Rabbinern ausgebildet werden sollen. Die Hauptlehrer sind die Chachamim ~Ben Zion Koinkah und Usial, Dr. Grünhut und der Gelehrte I. M. Pines. Sämtliche Gegenstände werden im Hebräischen vorgetragen, jedoch werden auch die arabische und die türkische Sprache unterrichtet werden. Demonstration gegen die Griechen In Jaffa fand am 25. Mai eine Demonstration gegen die Griechen wegen des Verhaltens Griechenlands in der Kretafrage statt. Die Demonstranten versuchten zunächst in griechische Läden einzudringen. Es gelang ihnen auch; einem Griechen, der einen Verkaufsladen von Spirituosen hat, die Schaufenster einzuschlagen. Sie wurden aber bald von der Polizei zurückgedrängt und zogen darauf vor das Serail (Regierungsgebäude). Hier hielt der Kaimakam, der inzwischen von einigen Konsuln um Wahrung der Ruhe ersucht wurde, eine beschwichtigende Rede. Die Demonstration nahm sodann einen friedlichen Charakter an. Am jungtürkischen Klub lieferten die Demonstranten die Fahnen ab, nachdem Protestreden gegen Griechenland gehalten wurden. Achusath Baith — Tel Awiw Die von der Häuserbaugesellschaft „Achusath Baith" in Jaffa errichtete Kolonie hat nun den Namen „Tel Awiw" erhalten, die hebräische Bezeichnung für Herzls „Altneuland". Die orthodoxe Reisegesellschaft aus Ungarn Die orthodoxe Reisegesellschaft aus Ungarn, die bereits am ,17. Mai in Jaffa eingetroffen ist, zählt ca. 70 Teilnehmer, darunter etwa 1% Personen von außerhalb Ungarns. Zirka fp Teilnehmer werden in Palästina dauernd verbleiben. Dem ungarischen Kolel sind von den verschiedenen Mitgliedern der Reisegesellschaft ca. 40 000 Frs. gespendet worden, die für den Bau von 20 Häusern verwendet werden sollen. Ein Hamburger Teilnehmer hat dem deutschen Kolel 8000 Frs. überwiesen. Leider wird die Reisegesellschaft bloß zwei Kolonien, Petach Tikwa und Rischon le Zion, besuchen. Jüdisches Krankenhaus in Hebron Die Aschkenasim und Sefardim in Hebron haben sich vereinigt, um ein allgemeines Jüdisches Krankenhaus zu bauen. 1 >• j-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.