Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 23 (10.6.1910)
- Date
- 1910-06-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3315709-3316406-3316429--53348-3347125- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
566 : DIE| ladung annahm, Rabbiner der Gemeinde Emanu-El zu werden, war ausdrücklich festgesetzt worden, daß ich das Recht haben sollte, meiner Überzeugung freien und ungehinderten Ausdruck zu geben. Ich habe zugleich das Recht der Gemeinde anerkannt, ihre Nichtübereinstimmung mit irgendwelchen Meinungen, die ich haben mag, kundzugeben, und wir kamen überein, daß es mir frei stände, meine Verbindung mit der Gemeinde zu lösen, wenn ich mich jemals unfähig fühlen sollte, meine Ansichten mit denen, an welchen die Gemeinde festhält, in Einklang zu bringen. Was ich in meiner Pessachpredigt sagte, enthält Überzeugungen, die ich, so lange ich fortfahre, euer Rabbiner zu sein, mich verpflichtet fühle, weiter zu vertreten, um eine wirkliche Reform des Judentums durch eine Wiederbelebung seines wahren Geistes und seiner heiligen Traditionen herbeizuführen." Dr. Magnes führt dann weiter aus, er sei zu der Schlußfolgerung gekommen, daß es für seine weitere Amtstätigkeit nötig sei, die Unterstützung der Gemeinde zu finden, und wenn er diese Unterstützung für seine Bestrebungen nicht finden könne, so fühle er sich unfähig in seiner gegenwärtigen Position zu verbleiben. Die Gemeinde hat die Angelegenheit in einer privaten Zusammenkunft erwogen und das Resultat ist, daß Dr. Magnes das Amt des Rabbiners des Tempels Emanu-El am ersten Oktober niederlegt. Aufführung eines hebräischen Dramas in New=York Mit staunenswerter Energie haben die jungen Mitglieder des „Dr. Herzl Zion Club" seit Monaten alle Vorbereitungen getroffen, um das von Salkind (London) verfaßte hebräische Drama „Der Auszug aus Ägypten" in würdiger Weise aufführen zu können. Und ihre Bemühungen waren nicht vergebens. Das Stück wurde dieser Tage in „People's Theater" in Anwesenheit eines zahlreichen distinguierten Publikums aufgeführt, und zwar von den zum „Dr. Herzl Zion Club" gehörenden 15—16jährigen jungen Leuten und Mädchen, die sowohl durch ihr natürliches, fließendes Hebräisch, wie auch durch die ganz vorzügliche Dar- , Stellungskunst die Aufführung zu einer ungemein wirkungsvollen Propaganda für die Neubelebung der hebräischen Sprache und für den Zionismus zu gestalten wußten. Den eifrigen jungen Hebräern gebührt rückhaltlose Anerkennung. Der Klub wurde gleich nach dem Tode unseres verstorbenen Führers Herzl ins Leben gerufen und hat seither die Gründung einer Reihe ähnlicher Klubs im ganzen Lande zur Folge gehabt, die sich voraussichtlich zu einem Verband zusammenschließen werden. „Ungarischer Zionistenverein" Unter dem obigen Namen besteht hier seit einem Jahre eine Vereinigung eingewanderter ungarischer Juden, die sich in erfreulicher Weise entwickelt. Der Verein feierte unlängst sein einjähriges Bestehen und benutzte diese Feier zu einer lobenswerten Propaganda für die jüdisch-nationale Idee. Der Verein bedeutet eine wahre Umwälzung in den geistigen Bestrebungen der ungarischen Juden Amerikas, die bisher allem Jüdischen gegenüber in völliger Passivität und Gleichgültigkeit verharrten und den zionistischen Gedanken zum Teil sogar bekämpften. Der „Ungarische Zionistenverein" propagiert unsere Bestrebungen in magyarischer Sprache und wendet alle Mittel an, seine Landsleute für den Zionismus zu gewinnen. New-York zählt heute ungefähr sechzigtausend ungarische Juden und es ist traurig, daß man bisher so gut wie gar nichts unternommen hat, um sie für die zionistische Bewegung zu gewinnen. Diesem Mangel will nun der „Ungarische Zionistenverein" abhelfen, der seine Tätigkeit auch auf die Heranziehung deutscher, westösterreichischer und böhmischer Juden New-Yorks ausdehnen will. Die landwirtschaftliche Versuchsstation in Palästina In der Konferenz, die vor kurzem im Hause des Herrn Louis Marshall-New York stattfand, ist die Gründung einer Gesellschaft unter dem Namen: „Jewish Agricultural Experiment Station" beschlossen worden, die die Einrichtung, Erhaltung und Förderung landwirtschaftlicher Versuchsstationen in Palästina zur Aufgabe hat. Die Summe von 50 000 Dollar, die die laufenden Ausgaben der Station auf fünf Jahre bestreiten soll, ist bereits gezeichnet. Dazu kommen noch die Kosten der Ausrüstung, die von Jacob Schiff und Julius Rosenwald getragen werden. Dank dem Entgegenkommen des Departement of Agriculture der Vereinigten Staaten, welches für das Projekt der landwirtschaftlichen Versuchsstation lebhaftes Interesse zeigte und dem Unternehmen weitgehende Förderung versprach, wird die Station auf [ELT No. 23 Grund wertvoller, in mancherlei Hinsicht einzig dastehender landwirtschaftlicher Berichte in Betrieb genommen werden. Ein anderer, wissenschaftlich wertvoller Beitrag für die Versuchsstation bildet die über 25 000 Exemplare zählende Pilze-Kollektion des verstorbenen Professors Keilermarin, die von Herrn Rosenwald erworben und als Geschenk der genannten Gesellschaft übermittelt wurde. Herrn Aaronsohn aus Palästina wurde das Amt des leitenden Direktors der Station übertragen. Er ist jetzt auf dem Wege nach Palästina, und es ist zu erwarten, daß er Mitte Juni mit der Tätigkeit auf der Haifa-Station beginnen wird. Neben den Ausrüstungen und der Sammlung, die er von Amerika mitbringt, verfügt er auch über eine eigene große landwirtschaftliche Bibliothek und Sammlung, die er im Laufe von 14 Jahren in Palästina, Nord-Afrika und Süd- Amerika erworben hatte und nun der Versuchsstation zur Verfügung stellen wird. Präsident der Gesellschaft ist Herr Julius Rosenwald, Vize- Präsident Herr Moritz Löb, Schatzmeister Paul M. Warburg, Sekretär Henriette Szold. Es mag noch erwähnt werden, daß der türkische Gesandte in Washington, der in dem neuen Unternehmen ein wertvolles Glied in der Entwicklung seines Landes erblickt, Herrn Aaronsohn tatkräftige Unterstützung versprach. Ein Moses=Denktnal Das große Mosesdenkmal, das von dem bekannten Bildhauer Hermami Matzen in Cleveland aus weißern Tennesseemarmor in der Größe von 3 Metern demnächst fertiggestellt sein wird, ist für die Nordfassade des neuen Gerichtsgebäudes in Cleveland, Ohio, bestimmt. Die Initative für die Errichtung des Denkmals geht von der Loge des unabhängigen Ordens Bnei Berith in Cleveland aus. Ein Lehrstuhl für jüdische Literatur an einer amerikanischen Universität Der Präsident der Yale University macht bekannt, daß diese Universität einen Lehrstuhl für jüdische Literatur errichtet hat. Als Lektor ist Mr. Eugene Lehman bestimmt worden. Lehman erhielt bekanntlich vor einigen Jahren von der Yale University einen Preis für eine Schrift über den Zionismus. Dr. Abrahamsohn in Amerika Der bekannte Misrachist Rabbiner Dr. Hermann Abrahamsohn aus Särbogärd weilt seit einiger Zeit im Auftrage des Frankfurter Zentralkomitees der Jaffaer Tachkemonischule in New- York, um für diese Schulanstalt Propaganda zu machen und Jahresbeiträge zu werben. Dr. Abrahamsohn versteht es in ausgezeichneter Weise, in weiten Kreisen der amerikanischen Judenheit. für die Tachkemonischule tatkräftiges Interesse wachzurufen und kann schon jetzt seine Mission als gelungen betrachten. Seinen Aufenthalt benuht Dr. Abrahamsohn auch dazu, für die zionistische Idee im allgemeinen agitatorisch zu wirken. Dieser Tage hielt er im Ungarischen Zionistenverein in New-York einen glänzenden Voitrag, der diesem Verein eine größere Anzahl neuer Mitglieder einbrachte. Aus Schweden Mit Bezug auf den in Nr. 15. der „Welt" veröffentlichten „Brief aus Stockholm" von Zioni ist uns von Herrn Isidor Adolf Bonnier, Synagogenvorsteher der Mosaischen Gemeinde zu Stockholm, eine sehr umfangreiche Berichtigung zugegangen, die sich jedoch nur zum kleinsten Teile mit den von unserm Korrespondenten berichteten Vorfällen beschäftigt, vielmehr eine eingehende Aufzählung der Wohltaten enthält, die die Stockholmer Gemeinde den armen aus Osteuropa eingewanderten Juden jahraus, jahrein erweist, „obgleich sie dazu offiziell gar nicht verpflichtet ist". Die „Hilfskommission für arme und kranke Juden" zahle jährlich an die bedürftigen Ausländer namhafte Reisegelder und Mietsbeträge, verteile an sie Holz, Kleider, koschere Lebensmittel usw. Ferner erhalten die eingewanderten jüdischen Mädchen von Damen der Stockholmer Gemeinde unentgeltlich Unterricht in der schwedischen Sprache; jeden Sommer sende die Gemeinde 40—50 Immigrantenkinder in eine Ferienkolonie, auch sei man eben im Begriffe, für die kleinsten Kinder der eingewanderten Glaubensgenossen einen Kinderhort einzurichten usw. — Dies ist ja alles recht schön und anerkennenswert, hat aber mit den von unserm Berichterstatter geschilderten Zuständen und Vorkommnissen nicht das geringste zu tun. Ferner wendet sich Herr Bonnier gegen nebensächliche Dinge, die das Wesentliche im Berichte unseres Korrespondenten unberührt lassen. So z.B. stellt er fest, daß Herr Prof. Dr. Klein nicht, wie unser Korrespondent angegeben hatte, aus Galizien,