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Die Welt · 1910-06-10 · 23 (10.6.1910) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
23 (10.6.1910)
Date
1910-06-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Österreich Radautz. Auf Einladung der jüdisch-akademischen Ferialvereinigüng „Chermonia" weilte Reichsratsabgeordneter Dr. Arthur M'ah ler zwei Tage in unserer Stadt. Bei dieser Gelegenheit erstattete Dr. Mahler am ersten Tage im Tempel seinen Rechenschaftsbericht als Delegierter am IX. Zionistenkongreß, der von der massenhaft besuchten Versammlung mit stürmischem Beifall und einer einstimmigen Vertrauenskundgebung für den Referenten und für den Präsidenten des E. A. C. aufgenommen wurde. Am folgenden Tage sprach Abg. Dr. Mahler über „Die Juden als Kulturelement". Nach einer eingehenden Behandlung der Gesetze, Sitten und Gebräuche der . alten semitischen Völker sprach der Referent von den Gesetzen der Juden und wies nach, daß die Juden -es waren, die den Geboten und Verboten eine ethischmoralische Grundlage, der Welt den Monotheismus, die Ethik und Moral — die Grundlage aller Kultur — gegeben haben. Er besprach hierauf die segensreiche Tätigkeit der Juden für die Menschheit nach dem Verluste ihrer politischen Selbständigkeit. Die Juden wurden von dieser Zeit an die Vermittler der verschiedenen Kulturen, indem sie überall, wohin sie kamen, Kultur brachten und verbreiteten. Auf die Neuzeit übergehend, behandelte der Referent die Mitwirkung und Leistungen der Juden auf allen Gebieten der Kunst und Wissenschaft und kam zur Schlußfolgerung, daß die Juden unermeßlich mehr ihrem Volke und der Menschheit gegeben hätten, wenn sie sich auf eigner Scholle unbehindert hätten ausleben können. Tosender Beifall folgte den trefflichen Ausführungen. Abends fand im Hotel Zentral zu Ehren des Gastes ein Kommers statt, bei dem derselbe von den Herren: Dr. Harth, Dr. Menkes, Dr. Lauterstein, kais. Rat Terner, Nathan Harth, Israel Mensche 1, Bezirksschulrat Seidner und cand. jur. M. Jahr als Präses der „Chermonia" als wahrer jüdischer Volksvertreter gefeiert wurde. Cie B ezalelausstellung, welche von der „Chermonia" in der Zeit vom 26. April bis 4. Mai 1. J. veranstaltet wurde, erfreute sich eines überaus guten Besuches uud brachte dem Bezalel einen reichlichen Erlös für verkaufte Gegenstände sowie zahlreiche Mitglieder. Kozman. Der hiesige jüd.-nat. Verein „Dorschej Zion" hielt vor kurzem seine ordentliche Generalversammlung ab. In den Vorstand wurden folgende Herren gewählt: jur. Simon Händler, Obmann, Josef Essner, Obmannstellvertreter, NuchimWalter, Kassierer, Moses Tannenbaum, Jakob Holder, Moses Haßner, Samuel Intner, Nathan Seidmann, Rafael Leitner und Isak Teifer, Ersatzmänner, Wolf Meiseiniann, I. Schriftführer, Dawid Seidmän, II. Schriftführer, Isak Einhorn und Aron Melzer, Revisoren, Mathias Händler, Samuel Fritz und Sigmund Wolf, Schiedsrichter. Der neugewählte Ausschuß hat beschlossen, aus Anlaß des 50. Geburtstages Theodor Herzls eine große Herzl-Feier zu veranstalten, und hat Professor Herr Dr. Leo Kellner bereits sein Erscheinen als Festredner zugesagt. England London. Am Sonntag den 29. Mai fand eine öffentliche Versammlung der E. Z. F. in „Shorditch Town Hall" aus Anlaß des „Schekeltages" statt. Der Präsident "der E. Z. F., Dr. Charles Dreyfuß, führte den Vorsitz. In einer sehr anregenden Rede schilderte er die praktischen Resultate und Erfolge des Zionismus in Palästina und spornte mit großem Eifer die Anwesenden an, durch Zahlung des Schekels die Sache zu unterstützen. Nach ihm sprach das frühere Parlamentsmitglied Herr B. S. Straus, der in seiner Rede ausführte, daß er deshalb den Zionismus unterstütze, da er einsehe, daß es höchste Zeit für die Juden sei, auch einmal etwas für sich selbst zu tun. Herr L. J. Greenberg sprach die Hoffnung aus, daß bald der Tag kommen möge, an dem es nicht mehr nötig sein werde, Propaganda für die Sammlung des Schekels zu machen, sondern an dem jeder Zionist es als Ehrenpflicht ansehen werde, den Schekel ohne Aufforderung dazu zu zahlen. Kreta Canea (Kreta). Infolge der Übersiedelung des Herrn Äbot France, Vorsitzenden der-hiesigen zionistischen Ortsgruppe, nach Smyrna, hat sich unser Gruppenvorstand wie folgt rekonstituiert: Ehrenpräsident: Se. Eminenz der Großrabbiner von Kreta, Herr A. Eblagon; Präsident: Jaques Hiskia; Sekretär und Nationalfondskommissär: Viktor P. Albert; Beirat: Prof. Elie Osme; Schatzmeister: Leon A. Eblagon. Mit großem Bedauern sehen wir unsern bisherigen hochverdienten Vorsitzenden Mr. Abot France aus unserer Mitte scheiden, hoffen aber, daß er an seinem neuen Wohnorte Gelegenheit haben wird, weiterhin, und zwar in erhöhtem Maße, für die zionistische Sache zu wirken. Schweden Stockholm. Sonntag den 29. Mai 1910 veranstaltete der schwedische Zionistenverein in Stockholm eine Soiree zugunsten der Bibliothekfonds. Das Fest fand in den eleganten Räumen des Hotel Continental statt und wurde von circa 150 Personen besucht. Ein abwechlungsreiches Programm unterhielt die Gäste aufs beste. Der Klavierkünstler Herr O. Portnoff, der vortreffliche Geigenspieler Herr Leo Lew, der Sänger Herr J. Tarschys, die Sängerin Frl. Anna Grünwald und die Deklamatorin Frl. Greta Scheike erfreuten die Gäste durch ihre Kunst. Auch dieses Fest ist wie das Schekelfest als gelungen zu betrachten und hat unser Verein wieder neue Mitglieder gewonnen. Es wurde eine fliegende Post veranstaltet und eine größere Menge N. F.-Marken verkauft. Südafrika Johannesburg. Bei der Gedenkfeier für den verstorbenen König Eduard, die die South African Zionist Federation in der Zionist Hall veranstaltete, wurde eine Resolution gefaßt, wonach die südafrikanischen Zionisten auf den Namen Eduards VII. einen Ölbaumhain in Palästina pflanzen zum Zeichen der Dankbarkeit für das außerordentliche Wohlwollen, daß der verewigte König der Sache des jüdischen Volkes stets entgegengebracht hat. Der Zionismus in Tunesien Tunis. Die Organisation der tunesischen Zionisten macht erfreuliche Fortschritte. Neben einer starken Gruppe in der Hauptstadt Tunis, die sich gut entwickelt, besteht ein vielversprechender Verein in Beja, der bereits 110 Mitglieder zählt. Die hiesigen Gesinnungsgenossen sind eben im Begriff, ein zionistisches Wochenblatt in jüdisch-arabischer Sprache herauszugeben, dessen erste Nummer bereits in den nächsten Tagen erscheinen wird. Brief aus Amerika (Von unserm Berichterstatter) Die Jahresversammlung der amerikanischen Zionisten Die 13. Jahresversammlung (Konvention) der Federation of American Zionists wird am 3., 4. und 5. Juli d. J. in Pittsburg, Pa. stattfinden. Pittsburg war bereits der Sitz einer frühern Jahresversammlung im Jahre 1904, die eine der erfolgreichsten Tagungen in der Geschichte der zionistischen Bewegung in Amerika war. Die Wahl Pittsburgs als Versammlungsort wurde auch durch die Erwägung veranlaßt, daß hierdurch die Teilnahme einer größern Anzahl von Vertretern westlicher und nördlicher Vereine gesichert erscheint. Die Konvention wird u. A. der Förderung der Oppenheimerschen Siedlungsgenossenschaft in Palästina ihre besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Der Rücktritt des Dr. Magnes Der Kampf, der sich während der letzten Wochen zwischen Herrn Dr. J. L. Magnes und der Gemeinde des Tempels Ernanu-El in New York abspielte, ist nunmehr zu Ende. Der Grund dieses Meinungsstreites war, wie schon früher berichtet wurde, die Predigt, die Herr Dr. Magnes am jüngsten Pessahfeste hielt, und in welcher er auf die gefährlichen Folgen der Reformbewegung in Amerika hinwies. Herr Dr. Magnes hat, wie es für einen Zionisten nur natürlich ist, verschiedene Vorschläge betreffs des Ritus und der synagogalen Verwaltung gemacht, in der Absicht, den jüdischen Geist im Kreise seiner Gemeinde zu stärken und sie in nähere Berührung mit den wirklichen Quellen des jüdischen Lebens zu bringen. Aber der Geist der Reform hat offenbar einen zu starken Halt in den Vorstehern und Mitgliedern des Tempels und die ernsten Vorstellungen des Dr. Magnes blieben erfolglos. In einem Briefe, den Dr. Magnes an den Vorstand des Tempels richtete, gab er nochmals einen Überblick über die Lage, in der er sich befinde, nachdem er drei Jahre lang das Amt des Rabbiners versehen habe. Er sagt darin: „Als ich im Jahre 1906 die Ein-

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