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Die Welt · 1910-06-10 · 23 (10.6.1910) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
23 (10.6.1910)
Date
1910-06-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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564 DIE3§$&LT No. 23} In der Sitzung vom 16. Mai wurde die Wahl des Präsidiums und des Bureaus vorgenommen. Es wurden gewählt: Dr. Bela Oesterreicher (Präsident), Dr. Ludwig Grün, Leopold Lebowitsch und Hermann Kopp jr. (Vizepräsidenten), Dr. Josef Schönfeld und Dr. Eugen Sipos (Schriftführer). Herr David Kohn, Kassierer der Landesorganisation, erstattete den Finanzbericht. Zugleich legte er das Budget für das Jahr 5671 vor, welches angenommen wurde. Gg. Ludwig Batö berichtete über die Tätigkeit des L. K. Das vorige Schekeljahr hat den ungarischen Zionisten schöne Erfolge gebracht. Es wurden ca. 2200 Schekolim gesammelt gegen 1600 im Vorjahre, so daß eine Zunahme von ca. 40°/o zu konstatieren ist, wobei noch zu bemerken ist, daß in Ungarn Schekel und Landesbeitrag zugleich entrichtet werden. Für das laufende Jahr ist eine eifrige Agitation behufs Inkasso des Schekels eingeleitet worden. Auch ist eine rege Agitation in den verschiedenen ungarischen Badeorten, wie Trencsenteplicz, Pöstyen usw. entfaltet worden. Neue Vereine sind in mehreren Städten gegründet worden, neben einer Anzahl neuer Schekelgruppen. Das L. K. hat eine energische Aktion zur Erlangung der Genehmigung für die Statuten der Landesorganisation eingeleitet. — Das Monatsblatt der Organisation „Magyarorszägi Cionista Szervezet" entspricht nicht mehr den Anforderungen der Bewegung, und es sei daher dessen Ausgestaltung zu einer Halbmonatsschrift geplant. Zu diesem Zwecke ist der Preßfonds geschaffen worden. Dr. Ludwig Dömeny legt den Bericht des ungarländischen Bureaus des J. N. F. vor. Der N. F. wird auch in Ungarn stets populärer und hat insbesondere in der jüngsten Zeit erhebliche Fortschritte aufzuweisen. In der Periode vom 16. Mai 1909 bis 10. Mai 1910 wurden in Ungarn 7200.97 Kr. gesammelt, ca. 30°/o mehr als im Vorjahre, und es steht zu hoffen, daß die Steigerung anhalten u/ird. Die Zahl der N. F.-Kommissäre ist von 90 a'jf 177 gestiegen, und es gibt bereits Schulen, in d§nen die Religionslehrer durch die Kinder sammeln lassen. Präsident Dr. Oesterreicher schlägt die Annahme einer Resolution vor, wonach die Konferenz ihre Erwartung ausspricht, daß das A. C., dem sie volles Vertrauen entgegenbringt, das Oppenheimersche Projekt verwirklichen werde. Der Präsident beantragt ferner, den Ministerpräsidenten telegraphisch zu begrüßen und ihn zugleich urn Genehmigung der Statuten zu ersuchen. Hierauf folgte die allgemeine Debatte über die erstatteten Berichte. Nachdem die Misrachisten die Bitte vorbringen, daß ihnen in dem Engeren L. K. eine größere Vertretung gewährt werde, tritt der Präsident für die Erhöhung der Zahl der L. K.-Mitglieder von 5 auf 6 ein, damit ein Misrachist hineingewählt werden könne. Dr. Färb stein stellt den Antrag, daß außerdem der jeweilige Vertreter des Misrachi für Ungarn dem L. K. ex offo angehöre. Dr. Schönfeld und Dr. Kahan sind dagegen. Der Antrag, wonach die Zahl der Mitglieder der E. L. K. von 5 auf 6 erhöht werde, wird einstimmig angenommen, der Antrag Dr. Färbsteins abgelehnt. Lebowitsch wünscht, daß das ungarische Parteiorgan auch eine hebräisch-deutsch-jüdische Beilage erhalte. Hierauf fanden die Wahlen statt. Die Vorschläge des Kandidierungsausschusses wurden angenommen. Es wurden ins Engere Landeskomitee gewählt: Dr. Bela Oesterreicher (Präsident), Ing. Armin Beregi, Alexander Horväth, Dt. Nison Kahan, David Kohn, Leopold Lebowitsch, Dr. Ludwig Dömeny (als N. K.-Kommissär) und Ludwig Batö (als Redakteur). Delegiertentag des Schweizerischen Zionisten- Verbandes Der Delegiertentag des Schweizerischen Zionistenverbandes hat Sonntag den 5. Juni in Zürich stattgefunden. Die Wahlen für das Landeskomitee ergaben folgendes Resultat: Dr. F. Pinkus, Zürich, Präsident; D. Dobranicki, Zürich, Sekretär; Dr. C. Levy, Biel; Moritz Levy, Liestal; J. J.Weil, Basel; Direktor Bloch, Lausanne. Ein Bericht über die Verhandlungen folgt in der nächsten Nummer. Herzl-Feiern Gablonz« Sonntag den 29. Mai veranstaltete der Verein „Theodor Herzl" im engsten Kreise seiner Mitglieder eine Herzlfeier. Nach der Eröffnung durch Herrn Markus Kohn trug Frl. Regine Bohrer einen warm empfundenen Prolog über Herzl vor. Hierauf würdigte Herr Dr. Hugo Low in längerer Rede die Bedeutung Herzls in der neuern Geschichte der Juden. Anschließend daran ] sprach Herr Dr. H. Baneth über die persönlichen Gründe, die Herzl zum Zionismus führten und las als Beleg, hiefür Herzls Draniolet * „Im Speisewagen". Die Verlesung von Herzls schlichter Erzählung 1 „Die Menorah" durch Herrn Ernst Fleischer schloß den Abend.; Troppau. Am 19. Mai veranstaltete der hiesige zionistisch c Verein „Jeschurun" im Promenadesaal eine Herzlgedenkfeier, welche dach zahlreichen Besuch der Gg. ausgezeichnet war. Die Feier nahm dank dem wirkungsvollen Programm einen äußerst würdigen und imposanten Verlauf. Als Einleitung trug Fräulein Erna Hank am einen Prolog „Theodor Herzl" vor. Hierauf hielt Rabbiner Dr. S. Friedmann die Gedenkrede und feierte Herzl als den bedeutendsten Juden der letzten Jahrhunderte. Nach der glänzenden Gedenkrede trug Fräulein Gina Landerer aus Bielitz die Lieder „War ein kleines stilles Haus", die „Allmacht" von Schubert und das „Cedernlied" in wahrhaft künstlerischer Weise vor. Nun las Dr. Fritz Ekstein aus Herzls Werken die „Menorah" und Herzls Rede im Makkabäerklub. Die erhebende Feier beschloß Gg. Albert Schlesinger mit einem Lied „Jeschurun's Erwachen*, dessen Text eigens für diese Feier geschrieben wurde. Dem Her^lwald brachte diese .Feier einen schönen Erfolg, da der Reinertrag zu Pflanzung von Ölbäumen bestimmt wurde. Canea (Kreta). Auch hier, wurde die 50. Wiederkehr von Theodor Herzls Geburtstag durch eine Gedenkfeier in der neuen Synagoge begangen. Die Feier, an der nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung unserer Stadt teilnahm, hatte einen religiösen Charakter. Der Ehrenpräsident der hiesigen zionistischen Ortsgruppe, Se. Eminenz der Großrabbiner von Kreta, würdigte im Anschluß an eine Stelle des laufenden Wochenabschnitts die unvergänglichen Verdienste unseres verewigten Führers um das jüdische Volk. An die Rede des Großrabbiners schloß sich der Vortrag des Haskara-Gebets für das Seelenheil Herzls sowie ein Gebet für das Gedeihen der zionistischen Bewegung und das Wohlergehen ihrer gegenwärtigen Vorsteher. Jaffa. Der 50jährige Geburtstag Theodor Herzls wurde in den meisten palästinischen Städten und Kolonien feierlich begangen. In Jaffa fand Donnerstag den 19. Mai vormittags, eine Feier statt, an der sämtliche Schulen (mit Ausnahme der Alliance) teilnahmen. Nachmittags um 3 Uhr wurde eine zweite Feier im neuen jüdischen Stadtviertel unter zahlreicher Beteiligung der hiesigen Juden veranstaltet. Ansprachen hielten Oberrabbiner Kuk, Criacham Bachfo uth, Dr. Kohan-Bernstein, Dr. Thon, M.Scheinkin, Rabbiner Gutmann (für den „Misrachi"), Arbeiter Dawidsohn (für die „Poale Zion") u. a. In Jerusalem haben der „Bezalel", der Verein ,,Makkabim" und das Beth-Am Herzlfeiern veranstaltet. Im Beth-Am wurden auch 12 Bäume für den Herzlwald gespendet. In Haifa wurde im Hotel „Herzliah" unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Elias Auerbach eine besonders schöne Feier abgehalten. Es sprachen Dr. Auerbach Karniol, Koken und Herr Busaglo von der Allianceschule. Es wurde der Beschluß gefaßt, in Haifa einen Platz zu kaufen und ihn zum Andenken Herzls mit Bäumen zu bepflanzen. Deutschland Hamburg. Ein freies Komitee aus den Kreisen unserer zionistischen Ortsgruppe veranstaltete am 26. Mai im Hotel Esplanade einen literarischen Abend, der der jüdischen Mystik gewidmet war. Nach einigen einleitenden Worten über Mystik und Chassidismus las zuerst Martin Buber die beiden Stücke „Jerusalem" und „Das Rufen" aus seinem Werk „Die Legende des Baal-Schern" mit einer visionären Verinnerlichung, die im Lesen das Wort neu zu schaffen schien. Nach ihm sprach Emil Milan über „Das Buch Joram" von Rudolf Borchardt und bezauberte und verblüffte die Hörer durch die vollendete Virtuosität seiner Leistung. Im Einklang mit der Eigenart dieser Dichtungen war der intime Charakter der Veranstaltung dadurch gewahrt worden, daß nur eine beschränkte Zahl von Karten zum Preise von 5 Mk. an'Eingeladene abgegeben wurde. Ratibor. Unsere zionistische Ortsgruppe veranstaltete am letzten Sonntag einen Sommerausflug nach Schillersdorf, der den schönsten Verlauf nahm. Zahlreiche Mitglieder der benachbarten zionistischen Vereine aus Österreich, u.a. die Rabbiner Dr.Spira-Ostrau und Dr. Friedmann-Troppau, waren erschienen. An der Kaffeetafel begrüßte Zahnarzt Block die Ausflügler und brachte auf die österreichischen Gesinnungsgenossen ein Hoch aus. Der Obmann des jüdischen Volksverein „Zion" in Ostrau, Herr Süßmandl, feierte die zionistische Ortsgruppe Ratibor, Herr Josef Zanker-Oderberg die Damen. Der zionistische Charakter der Veranstaltung wurde durch Verkauf jüdischer Ansichtskarten, Herzlmarken, Versteigerung eines Nordäuporträts usw., betont.

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