Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 23 (10.6.1910)
- Date
- 1910-06-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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No. 23 DIE LT 563 4. Das E. A. C. hat Agronomen und Veterinäre^ in Palästina anzustellen, die teils in den Schulen,? teils als Wanderredner Vorträge über Landwirt- \ schaft (speziell Garten-, Gemüse- und Viehzucht) zu halten haben. 5. Die Leitung der P. L. D. C. resp. das E. A. C. wird aufgefordert, die Parzellierungstätigkeit der P. L. D. C. im Sinne ihrer Statuten so schnell wie möglich aufzunehmen. 4. Bericht der Agrarkreditbank-Commission. 5. Zionistische Institutionen: a) Jüdischer Nationalfonds; b) Siedelungsgenossenschaft; c) die Banken; d) das Palästinaamt; e) die „Welt"; f) der Jüdische Verlag. 6. Finanzlage der Organisation. 7. Zeit und Ort des nächsten Kongresses. 8. Verschiedenes. Die Sitzungen des E. A. C. und die europäische Presse Über die jüngsten zwei Sitzungen des Engeren Aktionskomitees haben die hervorragendsten Tageszeitungen Deutschlands, Österreich-Ungarns, Englands und anderer Länder ausführliche Notizen und Mitteilungen gebracht. U. a. berichteten die „Times", die „Frankfurter Zeitung", die Wiener „Zeit" und der „Pester Lloyd" eingehend über die Verhandlungen, namentlich soweit dieselben die palästinensischen Unternehmungen der zionistischen Organisation zum Gegenstande hatten. Verbandstag der zionistischen Ortsgruppe Bayerns Der Verbandstag der zionistischen Ortsgruppen Bayerns, der seit mehrern Jahren nicht mehr zusammengetreten war, tagte am 29. Mai in Nürnberg unter der Leitung des Verbandsvorsitzenden Herrn Dr. Bamberger .(Nürnberg) und in Anwesenheit des Parteisekretärs der zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herrn K. Blumenfeld (Berlin). Außer den Nürnberger Parteigenossen, hatten fast sämtliche bayrischen Plätze, an denen Ortsgruppen oder einzelne Mitglieder vorhanden sind, Vertreter entsandt, so München, Bamberg, Augsburg, Regensburg, Würzburg usw. — Die studentische Korporation „Jordania", München, sandte einen Delegierten, und auch der V. J. St. war vertreten. Nach verschiedenen Begrüßungsansprachen wurde in die Tagesordnung eingetreten, die wie folgt, festgesetzt worden war: 1) Organisationsreform der zionistischen Vereinigung für Deutschland (Referent Herr Parteisekretär Blurnenfeld, Berlin). -- 2) Neuorganisation des Bayrischen Gruppenverbandes (Referent Herr Rechtsanwalt Dr. Münz, Korreferent Herr Parteisekretär Blumenfeld). — 3) Bericht der Ortsgruppen. — 4) Praktische Palästinaarbeit (Referent Herr Dr. Bamberger, Nürnberg). — 5) Jüdische Gemeinde-Politik (Referent Herr Dr. Elias Strauß, München). Von den durchweg hochinteressanten Referaten, an die sich rege Diskussionen anschlössen, interessierten besonders die Ausführungen des Parteisekretärs, welcher in fesselnder Form die von der Parteileitung Deutschlands geplante Reform der Organisation und Agitation auseinandersetzte. Es wurde nachstehende Resolution einstimmig angenommen: Der Verbandstag beschließt: 1) Einen Ausschuß von drei Mitgliedern zu wählen, die in Nürnberg ihren Wohnsitz und das Recht der Kooptation haben sollen. — 2) Der Verband erblickt in der finanziellen Stärkung der zionistischen Vereinigung für Deutschland das beste Mittel zum Ausbau der Organisation. -- 3) Der Verband beschließt, einen bayrischen Zionistentag im Herbst nach Nürnberg einzuberufen. In der Debatte über Punkt 4: „Praktische Palästinaarbeit" verteidigte der Parteisekretär unter Beifall die Tätigkeit des Aktionskomitees, und die Versammlung gab in ihrer großen Mehrheit dem Wunsche Ausdruck, daß die praktische Palästinaarbeit des Präsidenten Wolffsohn, im Sinn-e der Kongresse nachdrücklichst gefördert wird. Punkt 5 mußte, da die Zeit sehr weit vorgeschritten war und der Beginntermin der geplanten öffentlichen Versammlung heranrückte, leider von der Tagesordnung abgesetzt werden, wobei die Wichtigkeit dieses Punktes von verschiedenen Seiten in Anbetracht des geplanten bayrischen Revisionsgesetzes hervorgehoben wurde. Eine durch Herrn Blumenfeld eingeleitete Sammlung von Jahresbeitragszeichnungen für die zionistische Vereinigung Deutschlands ergab die Summe von 175 Mk. Der Verbandstag wurde sodann mit Dankesworten an die Erschienenen, insbesondere an den Parteisekretär, geschlossen. Die Versammlung, welche im Anschluß an den Verbandstag im großen Saale des Restaurant Goldschmidt stattfand, war sehr gut besucht. Der Referent, Herr Parteisekretär Blumenfeld, sprach in zweistündiger, meisterhafter Rede über jüdische Kolonisationsarbeit. Er schilderte in chronologischer Form die verschiedenen jüdischen Kolonisationsbestrebungen, ausgehend von der Gründung des Barons Hirsch in Argentinien, (der I. C. A.), zeigte in klarer Weise die Gründe des Fehlschlags der verschiedenen Koionisatiotisversuche, um endlich auf die palästinensischen Kolonien ausführlich einzugehen. . Redner schloß seine glänzenden Ausführungen, denen die Anwesenden in großer Spannung lauschten, mit dem Bibelwort: „Sch'or joschuw" „Ein Rest wird zurückkehren". In der Debatte nahm nur ein Gegner wiederholt das Wort, der sich vom Standpunkt des Naturwissenschaftlers und Arztes auf die biologische Wissenschaft, sowie auf den Darwinismus berief und die zwingende Notwendigkeit der Assimilation darzutun versuchte. Der Referent führte den Herrn sehr schlagfertig ad absurdum. Eine zwanglose Zusammenkunft im Cafe Habsburg vereinigte noch zahlreiche Teilnehmer des Verbandstages zu Ehren des Parteisekretärs. Launige Ansprachen wechselten mit zionistischen Chorgesängen. Auch eine praktische zionistische Arbeit wurde dadurch geleistet, daß eine Ölbaum spende für den Parteisekretär in namhafter Höhe durch den Nationalfondsverwalter Herrn Meyer, gesammelt wurde. VIII. Landeskonferenz der ungarischen Zionisten Zudem in Nr. 20 der „Welt" veröffentlichten kurzen telegraphischen Bericht sind noch folgende Einzelheiten nachzutragen: Die Konferenz wurde von Dr. B61a Oesterreicher, dem (; Präsidenten des Landeskomitees eröffnet. Dr. Oesterreicher wies darauf hin, daß die Notwendigkeit der Schaffung einer jüdischen Heimstätte immer gebieterischer an uns herantrete. Das gesamte Judentum ohne Unterschied der religiösen Gruppierungen, wie sie n insbesondere in Ungarn bestehen, habe die unabweisbare Pflicht, i an diesem Werke mitzutun. Hernach referierte Ing. Armin Beregi über „Paiästinaarbeit". In anschaulicher Weise schilderte er das Wirken sämtlicher Parteiinstitutionen in Palästina und gab auch einen Überblick über diejenigen Palästinawerke, die noch zu schaffen oder im Entstehen begriffen sind. Schließlich besprach er in fesselnder Weise die wissenschaftlichen Grundlagen des Oppenheimerschen Projekts. Herr Leopold Lebowitsch befaßte sich in seiner großangelegten Rede mit der Lage der Juden in Ungarn. Im Lande gäbe es zwar keinen offiziellen Antisemitismus, doch müsse man sich über das gewalttätige Vorgehen der ungarischen Grenzpolizei gegenüber der ausländischen, insbesondere galizischen Juden beklagen. Oft werden galizische Juden, die schon seit Jahrzehnten in Ungarn wohnen, sich hier verheiratet haben und als angesehene Kaufleute oder Gewerbetreibende tätig sind, ohne weiteres ausgewiesen. Am Schlüsse seiner Rede beschäftigte sich Herr Lebowitsch mit den Einwänden patriotischer und religiöser Natur, die gegen den Zionismus erhoben werden. Dr. Franz Kassai sprach über'die Lage der Ostjuden und hauptsächlich über die Pogrome. Er schilderte die einst relativ günstige Lage der russischen Juden und kam dann auf die jetzigen Verhältnisse zu sprechen. Es sei charakteristisch, in welch zynischer Weise die europäische Presse die jüngsten Greueltaten behandle. Eine vierzeilige Notiz, und damit ist die Sache abgetan. Die Lösung der Judenfrage liege unter solchen Verhältnissen einzig und allein in der Verwirklichung des zionistischen Gedankens. Am Abend des ersten Tages fand im Konferenzsaale ein Bankett statt, an dem über 150 Personen teilnahmen. Das Begrüßungsschreiben des Präsidenten Wolffsohn wurde mit großem Jubel aufgenommen. Es wurden mehrere Toaste ausgebracht, und für den N. F. gesammelt.