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Die Welt · 1910-06-10 · 23 (10.6.1910) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
23 (10.6.1910)
Date
1910-06-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Kolonisationsfonds gegenstandslos gemacht hat, da ja der Hauptzweck dieses Fonds die Kreditierung der P. L. D. C. sein sollte, um sie in die Lage zu setzen, die Parzeliierungsarbeit in Palästina zu unternehmen. Es ist hieraus schon ersichtlich, daß Herr Dr. Sandler mit seinem Plan den falschen Weg gewählt hat, um der P. L. D. C. zu nützen. Das geht auch daraus hervor, daß derselbe, um die Notwendigkeit des Kolonisationsfonds zu beweisen, die Fähigkeit der P. L. D. C, selbst Kapital zu werben, in Abrede stellen mußte. Ich glaube nicht, daß Herr Dr. Sandler der P. L. D. C. hierdurch einen großen Dienst geleistet hat. Ich bin vielmehr der Auffassung, wenn man die P. L. D. C. für ein segensreiches Institut hält, so darf keine Mühe für unsere Gesinnungsgenossen zu groß sein, um die Werbearbeit für dieses Institut mit aller Energie zu leisten. Ich bin nicht der Auffassung, daß für die finanziellen Institute, an welchen eine Beteiligung durch Aktienzeichnungen möglich ist, keine erfolgreiche Propaganda gemacht ^werden könnte. Im Augenblick, wo die große Öffentlxhkeit die Oberzeugung gewinnt daß diese Institute segensreich wirken, daß sie nach kaufmännischen Grundsätzen geleitet werden und in der Lage sind, einen stets wachsenden Gewinn abzuwerfen, wird es auch möglich sein, für diese Institute eine erfolgreiche Propaganda einzuleiten, und werden ganz andere Summen aufzubringen sein, als durch kleine Spenden für einen Fonds von im wesentlichen altruistischem Charakter. Der größte Irrtum des Herrn Dr. Sandler besteht aber m. E. darin, daß er als das Geheimnis des Erfolges des N. F. den Umstand betrachtet, daß er jede Spende, sei es auch die kleinste, entgegennimmt. Ich g'aube, im Augenblick, wo der Kolonialfonds begründet werden würde, würde Herr Dr. Sandler von dieser Ansicht bekehrt sein. Wir haben genügend Fonds, die gerne jede Spende entgegennähmen und dennoch keine Popularität gewinnen können. Das Geheimnis des N. F. besteht m. E. darin, daß sowohl der Zweck wie die praktische Arbeit desselben von großen Gesichtspunkten getragen wird und die sichtbaren Erfolge desselben es für jedermann erkennbar machen, daß es sich hier um ein Volksinstitut von unbegrenzter Entwicklungsmöglichkeit handelt. Man kann heute schon sagen, daß es jeden, der auch nur eine kleine Spende für den Nationalfonds beisteuert, mit-einem gewissen Stolze erfüllt, zu diesem, dem gesamten jüdischen Volke gehörenden Vermögen etwas beigesteuert zu haben. Herr Dr. Sandler führt übrigens selbst aus, daß die Schaffung von immer neuen Fonds die Sammelarbeit wesentlich erschwert. Daraus hätte Herr Dr. Sandler richtiger die Konsequenz gezogen, daß es notwendig ist, die bestehenden großen Einrichtungen aktionsfähig zu machen, anstatt zu diesen vielen Fonds noch einen neuen zu schaffen. Der obenerwähnte Brief des Herrn B. Goldberg hat folgenden Wortlaut: Wilna, 12./25. April 1910. Sehr geehrter Herr Doktor! Ich empfing Ihr Geschätztes vom 18. er. wegen der Gründung eines jüdischen Kolonialfonds. Ich bin ganz Ihrer Meinung, daß die reale Arbeit in Palästina viel zu wenig von unserer Organisation vorwärts gebracht wird und für dieselbe viel mehr geleistet werden könnte. Ich weiß ferner, wie traurig es steht mit dem Bestreben, etwas wirklich Reales für Palästina zu leisten, wenn wir in Palästina keinen Vorrat an Land, welches man jedem ernsten Reflektanten anbieten könnte, besitzen. Wegen des Mangels an einem Landfonds und einem aktiven Parzellierungsinstitut werden die allermeisten Bestrebungen, sich in Palästina niederzulassen, unausgenutzt gelassen. Es treffen bei mir fast tagtäglich Anfragen von Herren mit 2—5000 Rubel und mehr ein, die gerne Rußland verlassen wollten, wenn sie nur eine Möglichkeit sähen, wie sie sich zu einer Wirtschaft in Palästina durchzuschlagen vermöchten. Wir müssen dieselben jetzt mit bloßen Ausreden nb>peisen. Es wird demnächst eine Agrarbank entstehen, die P. L. D. C. beginnt im kurzen ihre Parzellierungsarbeit und dergl. Mit einem Worte: statt das vorhandene Bestreben, nach Palästina zu gehen, ernst zu unterstützen, sind wir gezwungen, die berühmte Nordausche Wartepolitik zu predigen. Und trotzdem bin ich entschieden gegen einen neuen Koloniaifonds. Wie ich Ihre Idee verstehe, soll sich der Kolonialfonds vom Nationalfonds dadurch unterscheiden, .daß beim ersteren derselbe Zweck — Geulas Hoorez — wie beim zweiten erreicht werden soll, aber ohne das Prinzip der Nationalisierung des Bodens, welches jetzt störend bei der Parzellierung wirkt. Also um diese letzte Unbequemlichkeit zu umgehen, soll ein neuer Kolonialfonds geschaffen werden. Dies scheint mir nicht stichhaltig zu sein. Erstens ist eine Verpachtung auf 99 Jahre einer Enteignung im Sinne des Verkaufes fa>t identisch und ist dieser Umstand absolut kein Hindernis,; eine aktive Parzellierungstätigkeit z*i cntfä'ten; zweitens kann der Nationalfonds das nötige Kapital in Form von Kredit gewähren. Die Gelder des Koloniaifonds werden doch ebensolches Volksgut sein wie die Gelder des Nation ilfonds und sehe ich nicht ein, weshalb es ungefährlich ist, der P. L. D. C. die Gelder des Kolonialfonds in Form von Kredit zur Verfügung zu stellen und es dagegen mit Gefahr verbunden sein soll, ihr die Gelder des N. F. anzuvertrauen. Also wegen dieser beiden Motive, die die positive Grundlage Ihrer Jdee bilden, lohnt sich tatsächlich nicht, einen neuen Fonds zu schaffen. Das dritte Motiv, daß bei zwei Fonds mehr Geld herauskommen v\ ird, ist auch noch sehr zweifelhaft. Das abschreckende Beispiel des Kulturfonds sollte Ihnen doch eine Lehre sein. Lassen wir die sich gut entwickelnde Sammeltätigkeit, für den Nationalfonds nicht unterbrechen und nicht durch neue, analogen und fast identischen Zwecken dienenden Fonds stören. Andern Sie meinetwegen den einen oder andern Paragraphen des Statuts des N. F., aber schaffen Sie keinen neuen Fonds mit einer neuen Verwaltung, neuen Quittungen, neuen Kommissaren, neuem Schreibwerk usw. Man kann eben den Nationalfonds viel leichter von 400000 Mk. jährlich auf 600 000 und 700 000 Mk. bringen, als für einen neuen Fonds 50 000 Mk. aufbringen. Aber auch bei dem jetzigen Statute kann der N. F. nach dem sehr guten Beispiel von Schaffung des „Achusath-Baith" durch Kreditgewährung seitens des NationaÜonds unter Garantie des A. P. C. produktiv arbeiien und aus der P, L. D C. ein Parzellierungsinstilut schaffen, um so mehr, als die Agrarbank doch endlich nach einem oder zwei Jahren geschaffen werden wird, und der ganze von Ihnen geplante Kolonialfonds nur einen temporären Charakter hat. Wenn Sie doch Ihre Energie in neuer Weise betätigen wollen, so bemühen Sie sich, die erst von der A. P. C. herausgegebenen vierprozentigen, von der A. P. C. garantierten (in 18 Jahren amortisierbaren) Obligationen zu je 1000 Frs. abzusetzen. Sie tun dann eine gute, wichtige Sache, Sie gewöhnen das jüdische Publikum, palästinensische Wertpapiere als Kreditpapiere zu betrachten und helfen mit, eine Kreditbasis für Palästina auf dem Geldmarkt zu schaffen. Das ist ein Problem von ungemein wichtiger Tragweite. Aber schaffen Sie keine neuen Spendenfonds! Kredit für Paläs'ina bedeutet mehr als Spende für Palästina. Selbsthilfe! Durch den Kolonialfonds sind wir auf dem Wege zu der reinsten philantropischen Chibas-Zion. Ich warne Sie davor und rate entschieden davon ab. Mit Zionsgruß! Hochachtungsvoll B. Goldberg. Die jüdische Lebensversicherungsgesellschaft Auf den in Nr. 21 der „Welt" abgedruckten Aufsatz von Dr. Felix Theilhaber, „Ein Beitrag zur Lösung der Geldfrage im Zionismus", sind uns folgende zwei Erwiderungen zugekommen: I. Herr Dr. Theilhaber, der auf die schon mehrfach erörterte Idee einer jüdischen .Lebensversicherungsgesellschaft zurückkommt und sogar schon Pläne für die Einrichtung derselben ausarbeitet, macht es dem Leser, der den schwerwiegenden Bedenken Ausdruck verleihen will, die sich einem bei der Lektüre dieser merkwürdigen Darlegungen aufdrängen, keineswegs leicht! Stempelt er doch von vornherein seine Gegner zu „Wankelmütigen, die heute der Partei ein Almosen überweisen und denen ein Monatsbeitrag von 3—5 Mark für ihre Versicherung zu hoch ist, oder die mit diesem Gelde keinerlei' gewagte Unternehmung gemacht wissen möchten". Er teilt schon im voraus mit, daß er solchen Gegnern gegenüber „in dieser Sache keine weitem Worte verlieren" wird. „Sie mögen nur un ere Kreise nicht stören". Auf diese Weise kann es kaum ein Vergnügen heißen, mit Herrn Dr. Theilhaber zu polemisieren. Dennoch werde ich mich dieser Aufgabe unterziehen und werde mir gestatten, die Kreise des Herrn Dr. Theilhaber ungeachtet seiner freundlichen Bitte zu stören, soviel ich vermag. Es ist dies eben die Pflicht eines jeden Zionisten, dem es mit der praktischen national-jüdischen Arbeit ernst ist und der verhindern will, daß in leichtfertiger Weise mit großen Volksinteressen gespielt wird. * * *

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