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Die Welt · 1910-06-10 · 23 (10.6.1910) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
23 (10.6.1910)
Date
1910-06-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 23 biEMEELT 555 Juden hätten die wichtigsten Zweige des sozialen Lebens in ihre - Hände genommen, und es sei daher die heiligste nationale Aufgabe * der russischen Presse, die Regierung in ihrem Kampfe gegen die Juden zu unterstützen. ... Nach Jerusalem Unter ungewöhnlich kritischen Umständen ist der Patriarch der ottomanischen Judenheit nach Jerusalem gereist. Läßt er seine Herde auf Wochen allein, um in das heilige Land zu ziehen? In das „Judenland", das als politisch in Synagogen nicht apostrophiert werden darf? Und doch, es ist geschehen; Freitag, den 3. Juni wurde die Ausreise angetreten. Dem hohen Reisenden mochte nicht allzu wohl zu Gemüte sein bei der Vorstellung, welchen Dingen er wohl entgegengehe. Soeben hat er die Schauernachricfit von der Manifestation gegen das fran_ zösische Wesen beim Jubelfeste der Allianz in Mikweh-lsrael erhalten. Was wird ihm dort blühen, wenn seine Haltung den zionistischen Dingen gegenüber in Palästina bekannt wird? Wird man ihn am Ende für das volksverräterische Auftreten seines Freundes Fresco verantwortlich machen? Wer weiß das alles! Jedenfalls hat Rabbi Nahum einen wichtigen Instinkt bewiesen, wenn er noch jetzt, unmittelbar vor seinem Aufbruch, versucht — wie er sagt, wenigstens — die Angelegenheit des roten Zettels einer Entscheidung zuzuführen, um — seinen Worten zufolge — die Aufhebung des Einwanderungsverbotes den Palästinensern zum Geschenke zu machen. Wenn solche Schritte mit der nötigen Energie wirklich getan wurden, so bleibt doch ihr Ausgang mehr als zweifelhaft. Es ist ja nun glücklich das xtemal, daß diese rosigen Versprechungen ausgegeben werden. In Jerusalem selbst findet Seine Eminenz harte Arbeit vor. Er, dem es nicht einmal gelingt, Flieden in der eigenen Gemeinde, Frieden mit der aschkenasischen Gemeinde, Frieden zwischen zwei Alliance-Associationen zustande?.u bringen, soll die Dinge in der Stadt des dereinstigen Weltfriedens, gegenwärtig aber leider eines Weltenhaders, zur Ruhe bringen. Wir wünschen es der Jerusalemer Judenheit jedenfalls von Herzen. . . . ohne daß es nötig wird, durch die öffentliche Gewalt „störrige Rabbiner in Ketten nach der Hauptstadt zu führen". Zur Frage eines Kolonialfonds Von Dr. M. J. Bodetiheitner Herr Dr. Sandler hat vor kurzem in verschiedenen Zeitungen einen Plan entwickelt, neben dem Nationalfonds einen Kolonialfonds zu schaffen, welcher den Zweck haben soll, das nötige Kapital im Wege von Sammlungen aufzubringen, um es der P. L. D. C. zu ermöglichen, als Parzellierungsgesellschaft landwirtschaftliche Grundstücke in Valeur zu setzen und den Erwerbern dieser Grundstücke gleichzeitig Kredite für Inventar und dergleichen zu gewähren. Zur Begründung der Notwendigkeit dieses Fonds sucht Herr Dr. Sandler nachzuweisen, daß das erforderliche Kapital der P. L. D. C. auf dem Wege des Aktien Vertriebes nicht zu beschaffen sei, weil die meisten Zionisten nicht in der Lage seien, Aktien von 20 M. zu erwerben. Das Vorbild, wie man große Geldmittel für solche Zwecke aufbringen könne, sieht Herr Dr. Sandler in dem Nationalfonds, und hält derselbe es für eine Kleinigkeit, in zwei bis drei Jahren einen Fonds von 300 000 M. auf diesem Wege der Sammlung zu schaffen. Herr B. Goldberg in Wilna ist in einem Briefe, der unten veröffentlicht wird, gegen diesen Vorschlag mit sehr zutreffenden Gründen aufgetreten, und auch Herr Ussischkin hat sich in einem Schreiben vom 19. April 1910, das in verschiedenen Zeitungen veröffentlicht worden ist, gegen diesen neuen Fonds ausgesprochen. Herr Ussischkin machte statt dessen den gewiß erwägenswerten Vorschlag, die Gesellschaft Geulah, welche ca. 60 000 Rubel Kapital besitzt, mit der P. L. D. C, die zurzeit ca. 100 000 M. eingezahltes Aktienkapital hat, zu verschmelzen. Herr Ussischkin geht hierbei von dem sehr richtigen Standpunkt aus, daß es keinen Sinn habe, die bestehenden Institute und Fonds weiter zu Vermehren, solange keine Notwendigkeit hierzu besteht, daß es dagegen zweckmäßig ist, verwandte Unternehmungen, welche einzeln wegen ihres ungenügenden Kapitals sich nicht entwickeln können, zu vereinigen. Herr Dr. Sandler, welcher seinen Vorschlag zur Gründung eines Kolonialfonds auch der Redaktion der „Welt" zur Veiöffentlichung eingesandt hatte, hat zwischenzeitlich diesen Aufsatz zurückgenommen. Es läge demnach auch für mich keinerlei Veranlassung vor, auf diesen Vorschlag zurückzukommen, wenn nicht Herr Dr. Sandler die Veröffentlichung des Briefes von Ussischkin in der „Jüdischen Rundschau" und der „Jüdischen Zeitung" mit ' einem Begleitschreiben veisehen hätte, in welchem sich einige Behauptungen befinden, die den Tatsachen nicht entsprechen. In diesem Schreiben stellt Herr Dr. Sandler den Sachverhalt so dar, daß er zu seinem Vorschlag erst veranlaßt worden sei, weil der Nationalfonds der P. L. D. C. den gewünschten Kredit verweigert hätte. „Da sich aber d?e Herren vom Nationalfonds weigerten, diesen Kredit zu bewilligen und der Verkauf von Aktien der P. L. D. C. keine Aussicht auf Beschaffung des notwendigen Kapitals bot, eben deshalb machte ich den Vorschlag, einen neuen Fonds zu begründen." Es ist nicht zu begreifen, wie Herr Dr. Sandler zu dieser Sachdarstellung kommt, und ist es darum notwendig, den Vorgang klarzustellen. Professor Warburg hatte der Nationalfondsverwaltung den Vorschlag gemacht, der Nationalfonds solle, da er selbst Ländereien nicht verkaufen dürfe, solche Ländereien durch die P. L. D. C. erwerben und behufs Parzellierung bewirtschaften, indem der Nationalfonds dieser Gesellschaft die nötigen Mittel hierzu zur Verfügung stelle. Diesen Vorschlag habe ich als Präsident des Nationalfonds abgelehnt, weil hierin eine Umgehung der statutarischen Verpflichtungen des Nationalfonds zu erblicken gewesen wäre, da der N. F. hierbei in Wirklichkeit die ganze Gefahr des Landerwerbs selbst übernommen hätte. Dieser Besprechung wohnte zufällig Herr Dr. Sandler bei, welcher damals schon die Idee des Kolonialfonds propagierte. Da ich diesen Fonds sowohl hinsichtlich der Aussichten als auch wegen seiner unbestimmten und uferlosen Zwecke für völlig überflüssig und verfehlt halte, so erklärte ich im Gegenteil Herrn Dr. Sandler, daß ich als Präsident des Nalionalfonds viel eher geneigt wäre, eine Erhöhung des der P. L. D. C. gewährten Kredits zu bewilligen als der Schaffung eines solchen neuen Fonds, welcher nur Verwirrung hervorrufen könnte, zuzustimmen. Für die Frage der Bewilligung oder Ablehnung eines solchen Kredits komme jedoch die Kreditwürdigkeit der P. L. D. C. in Betracht, über die ich mich noch im Zweifel befände. Herr Professor Warburg selbst klärte bei dieser Unterredung Herrn Dr. Sandler darüber auf, daß ich nicht aus statutarischen Bedenken, sondern lediglich aus dem oben erwähnten Grunde mich nicht für die Krediterhöhung einsetzen wolle. Offenbar hat Herr Dr. Sandler den früheren Vorschlag des Herrn Professors Warburg, der etwas ganz anderes bezweckte als die Erhöhung des Kredits der P. L. D. C, mit diesem verwechselt. Daß eine Ablehnung des Vorschlages auf Krediterhöhung der P. L. D. C. seitens des Nafionalfonds sich nicht auf die Statuten stützen konnte, mußte sich übrigens für Herrn Dr. Sandler aus der einfachen Tatsache ergeben, daß ja der Nationalfonds früher schon der P. L. D. C. einen Kredit von 3000 bzw. 4000 Pfund bewilligt hatte, und es sich lediglich um dessen Erhöhung handeln konnte, die aber bei der Unterredung mit Professor Warburg noch gar nicht in Betracht kam. Selbst wenn aber einige Direktoren des Nationalfonds sich in privatem Gespräch gegen diesen Kredit ausgesprochen haben sollten, ist unverständlich, wie dies für Herrn Dr. Sandler Veranlassung zur Publikation seines Vorschlages hätte bilden können, da ja das Direktorium des Nationalfonds noch gar keine Gelegenheit gehabt haben konnte, sich über diese Frage durch einen Beschluß auszusprechen. Ich habe Herrn Dr. Sandler selbst den Weg angegeben, den er gehen müsse, wenn er den von ihm befürworteten Kolonialfonds begründen wolle, indem ich demselben den Rat gab, einen begründeten Antrag dem Direktorium des Nationalfonds behufs Prüfung einzureichen. Statt dessen hat Herr Dr. Sandler es vorgezogen, seine Vorschläge direkt durch die Presse der großen Öffentlichkeit zu übergeben und bereits erreicht, daß einige geringfügige Beträge für einen solchen Fonds gespendet worden sind, deren Verwaltung und Verwendung voraussichtlich nur Schwierigkeiten hervorrufen wird, ohne daf3 hiermit etwas bezweckt wird. Im übrigen kann ich mich beschränken, darauf hinzuweisen, daß der N. F. durch die Erhöhung des Kredits der P. L. D. C auf einen Betrag von £ 10000 materiell die Schaffung des geplanten

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