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Die Welt · 1910-06-03 · 22 (3.6.1910) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
22 (3.6.1910)
Date
1910-06-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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no. 22 - die: des thoratreuen Judentums wohl vereinbar ist. Der Bericht des Vereinsvorstands, der sich an den Vortrag des Herrn Gellis anschloß, hob den von der Jugendsektion veranstalteten Sijum auf Massecheth Schabbos hervor, dem Rabbiner und Kultusvorsteher beiwohnten, sowie daß im letzten Berichtsjahre an Aktien unserer Finanzinstitute allein an 300 Kronen gesammelt wurden. Hierauf wurde die Wahl des neuen Vorstands vorgenommen, die im wesentlichen keine Veränderung brachte. Schweiz Delegiertentag der schweizerischen Zionisten Der Delegierten tag der schweizerischen Zionisten vereine findet Sonntag den 5. d. M. in Zürich statt. Zürich. Gegen Ende des Winter-Semesters 1909 10 ist an den beiden Hochschulen Zürichs eine jüdisch-nationale Verbindung „Maccabäa" in den Farben blau-weiß-gelb begründet worden. Die Verbindung steht auf der Basis des Basler Programms und vertritt den Standpunkt der unbedingten Satisfaktion. Die Verbindung „Kadimah" in Bern, die aus verschiedenen Gründen nicht weiter bestehen konnte, ist nunmehr in der „Maccabäa" Zürich aufgegangen. Das Lokal der „Maccabäa" befindet sich im „Cafe Splendid", Beatengasse. Herzl=Feiern Köln. Die Herzlgedenkfeier, die am 28. Mai im Hotel Berlin stattfand, nahm einen der Würde der Feier angemessenen ernsten Verlauf. Es war ein zahlreiches Publikum erschienen, welches den von Herrn To bar gesprochenen Prolog in tiefer Bewegung anhörte. Darauf hielt Herr Dr. Martin Rosenblüth die Gedenkrede, in der er Herzls Bedeutung für das Judentum und den Zionismus darlegte, Herr Tobar las „Das lenkbare Luftschiff" aus Herzls philosophischen Erzählungen. Mit einer Sammlung für die Ölbaumspende schloß der stimmungsvolle Abend. Berlin. Sonntag den 22. v.M. wurde in der Philharmonie das Andenken Theodor Herzls gefeiert. Schriftsteller Heinrich York-Steiner aus Wien, der von den zionistischen Korporationen Berlins berufen war, die Gedenkrede zu halten, schilderte das Leben und Werden Herzls, sein uneigennütziges Wirken für das jüdische Volk. Er charakterisierte auch den sittlich-ernsten Schriftsteller und vornehmen Stilisten. Schauspieler Klein las dann einige Arbeiten Herzls vor. Ein Gedicht Israel Auerbachs, von Herrn Klein vorgetragen, schloß die würdevolle Feier, der ein zahlreiches Publikum beigewohnt hatte. Hamburg. Die zionistische Ortsgruppe von Hamburg-Altona veranstaltete anläßlich der 50jährigen Wiederkehr des Geburtstages Theodor Herzls eine Versammlung, die dem Gedächtnis Herzls gewidmet war. Im Arbeitssaal der Henry-Jones-Loge hatte sich ein überaus zahlreiches Publikum eingefunden. Eingeleitet wurde die Feier mit Harmoniumspiel und einem von Herrn Dr. Friede mann verfaßten, von Herrn Referendar Zadik in schwungvoller Weise vorgetragenen Prolog. Hierauf hielt Herr Dr. Richard Huldschiner die Gedächtnisrede, in der er auf Herzls große Bedeutung für den Zionismus hinwies. Posen. Die National-jüdische Frauenvereinigung veranstaltete eine Herzlgedenkfeier im Sternschen Saale. Die Feier wurde durch ein Orgel-Präludium, gespielt von Herrn. Neum^nn, eingeleitet. Den folgenden Prolog, dem Gedenken Herzls gewidmet, deklamierte Frl.. Ar an ka Keller vom Stadttheater. Die Gedenkrede hielt Herr Kareski. Anschließend rezitierte Frl. A. Keller Tri. Herzls kleines Idyll „Unter dem Lebensbaum". Die von Frau Berggruen- Cr ist eil er vorgetragenen Lieder „Jephtas Tochter" und die „Zerstörung .Jerusalems", Musik von Löwe, aus den Hebräischen Gesän gen \des Lord Byron, dienten der Hebung der festlich-ernsten Stimmung. Hieran schloß sich die Aufführung eines leibenden Bildes, die Huldigung an Herzl darstellend. Frl. Cohn-Gnesen deklamierte den Monolog, einen Treueschwur an Herzl. Die Gedenkfeier fand ihren Abschluß in dem Vortrag eines Posthudiums <Jurch Herrn Neu mann. Wien. (Jüdisch - akademische Verbindung „Unitas".) Am 17. Mai fand auf der Verbindungsbude eine interne Herzlfeier statt. Neben den Alten Herren und ihren Frauen waren zahlreiche Gäste erschienen. Nach der Begrüßung durch den Präses, J. U. C. Max Bandler, wurde von dem seirierzeitigen Beschlüsse, den Geburtstag Theodor Herzls durch Pflanzung 'eines Unitengartens zu feiern, Mitteilung gemacht, md mit Freuden konstatiert, daß bereits über 100 Bäume zu diesem Zweck eingezahlt worden sind. Hierauf folgten interessante Referate, welche das Leben- und-Wirken Herzls beleuchteten, M. U. C. Theodor Ko-hn sprach über die Biographie JKELT 545 Herzls, anschließend daran rezitierte er die Menorah; A. H. E. B. Dr. Karl Pollak sprach über „Herzl und die Unitas", A. H. Dr. S. H. Löbl über „Herzls zionistische Gründungen", J. U. C. Ernst Skutezky über „die zionistische Bewegung nach Herzl". Mit Absingung des Bundesliedes schloß die erhebende Feier. Lemberg. Die zionistisch-akademische Verbindung „Hasmonäa" veranstaltete Sonntag den 22. v. M. eine imposante Herzl-Gedenkfeier, welche sehr gut besucht war Die Tendenz-Rede hielt Gg. Salomon Schiller. Einige Tage zuvor und während des Abends verteilten die Hasmonäer Aufrufe in jüdischer und polnischer Sprache, in denen zur energischen Sammlung für den Herzlwald aufgefordert wird. Paris. Am 21. v. M. fand im Salle Lancry eine Herzlgedenkfeier statt, der ein zahlreiches, distinguiertes Publikum beiwohnte. Dr. Alexander Marmorek führte den Vorsitz. Dr. Max Nord au war durch Unwohlsein am Erscheinen verhindert. Mit tiefer Ergriffenheit hörte die zahlreiche Versammlung die Gedenkreden der Herren Dr. L. Reich, N. Slouchz (hebräisch), Dr. Jacob söhn und Frl. Schach an. Für den Herzlwald wurde ein größerer Betrag gesammelt. Konstantinopel- Zum ersten Male ist in der türkischen Hauptstadt eine Gedenkfeier für unsern großen Führer abgehalten worden. Ein organisatorisches Komitee unter Iniative des Herrn Ziffer hatte die Zeremonie vorbereitet. Von dem Vorstande der Gemeinde Hasköj war die große schöne Synagoge „Mahallem" zur Verfügung gestellt worden, die mit ihren prachtvollen, dunkel marmorierten Mittelsäulen, ihrer bildergeschmückten Zentralkuppel und der in allen Farben des bunten Scheibenlichts schimmernden Frauenempore einen zauberhaften Eindruck machte. Es verdient, festgehalten zu werden, daß die Hergabe der Synagoge wiederum, wie schon die zweier anderer Hasköjer Tempel, dem ausdrücklichen Verbote des Großrabbinats zuwider erfolgt ist. Die Feier wurde eingeleitet durch einen religiösen Gesang der vier Chachamim, einen Gesang zu Ehren Zions. Alsdann bestieg Herr Elnekowe, Herausgeber des „Judio", den Almemor, um in einleitenden Worten die vorherrsche Periode kulturell zu zeichnen und den Wandel zu schildern, der sich seit dem Auftreten des Zionismus vollzog. Hierauf ergriff Herr Kabak das Wort, charakterisierte in hebräischer Sprache Theodor Herzl als die Zentralkraft des neuern Judentums, als Brennpunkt aller jüdischen Rassenenergieen und schilderte die Macht und den Glanz seiner Gesamtpersönlichkeit. Endlich hielt Herr Redakteur Maurice Cohen das Hauptreferat in spaniolischer Mundart Es war durchglüht von einer Gewalf der Empfindung, die die vielen Hunderte der Zuhörer zu Tränen hinriß. Die Stimmung der - Synagogenversammlung war eine wunderbar feierliche, als nach Verhallen der letzten Worte des Redners aus dem Hindergrunde plötzlich von einem Schülerchor die zionistische Hymne erklang. Den Abschluß der würdigen Feier bildete das Sabbat-Minchah-Gebet, dem zum Schlüsse ncch einmal die stehend mitangehörte jüdische Hymne folgte. — Es war eine der schönsten und gelungensten Veranstaltungen, die man sehen konnte, eine, die bewies, daß das Gotteshaus durchaus nicht herabgewürdigt zu werden braucht, wenn man jüdischen Worten in sie Eingang gewährt. Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Die Herzlfeier Es war vorauszusehen, daß die eindrucksvolle Feier, mit der die größte Synagoge Hasköjs das Andenken des hervorragendsten Juden der Neuzeit beging, bei den offiziellen Hütern des ottomanischen Judentums Unwillen, ja Wut erwecken würde. Das Großrabbinat hat natürlich pflichtschuldigst Lärm geschlagen. War nicht auch Sünde über Sünde begangen worden? Hatte man nicht gewagt, das allerhöchste Verbot der Synagogenöffnung für weltliche Akte zu übertreten? Hatte man nicht den Vertreter von Ideen gefeiert, die ein ottomanischer Großrabbiner, der die Interessen der. A. I. U. vertritt, nicht teilen darf? Haben nicht „Untergebene" des Pontifex Maximus, eine ganze Reihe der Hasköjer Rabbiner, würdige Greise mit schneeigen Bärten, die Auflehnung mitgemacht und Tränen der Trauer um Theodor Herzl vergossen? Das Großrabbinat, das immer dann fix arbeitet, wenn es antizionistische Aktionen gilt, hat daher schleunigst ein Rundsehreiben zur Versendung gebracht, nicht etwa an die Synagogen vorstände, sondern an die — Presse, worin '„zum* zweiten Male" das Verdikt über die Synagogen verhängt wird. Dieses Meisterstück der administrativen. Logik und Weisheit verbietet im übrigen allen Nichtrabbinern und Nichtrabbinatskandidaten, in Synagogen das Wort

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