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Die Welt · 1910-06-03 · 22 (3.6.1910) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
22 (3.6.1910)
Date
1910-06-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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544 DIEJaKELT No. 22 I 1 hervor, in der die Herren Rechtsanwalt Dr. Nußbaum und Oppenheim er die bekannten Einwände gegen die zionistische Idee vorbrachten. Dies gab neben Herrn Zahnarzt Nußbaum dem Referenten Gelegenheit zu einer inhaltlich und stilistisch hervorragenden Erwiderung, die großen Eindruck machte. Oldenburg. Eine prachtvolle Feier vereinigte am 24. Mai die Spitzen der Judenheit des Oldenburger Landes und eine große Reihe von Gästen. Die Tagung des Landesgemeinderats, der geordneten Vertretung der Juden Oldenburgs, wurde verbunden mit der 25jährigen Jubiläumsfeier des Herrn Gustav Schwabe in Varel als Mitglied dieser Behörde. Der Jubilar ist weit über die Grenzen seiner Heimat als wackerer Förderer aller jüdischen Interessen und als charaktervoller Verfechter des historischen Judentums bekannt. Die Feier gestaltete sich zu einer rührenden Huldigung für den verdienten Mann. Herr Landrabbiner Dr. Mannheim er brachte die Wünsche der Oldenburgischen Judenheit, Herr Gemeindevorsteher Josepf aus Jever sprach im Namen der Landessynagoge, Herr Rabbiner Dr. Rosenack-Bremen im Namen der Kaiser- Friedrich-Loge zu Bremen, Herr Lehrer Bern heim im Auftrage der Synagogengemeinde Varel, Herr Rechtsanwalt Dr. Klee-Berlin überbrachte dem Jubilar, der seit Jahren ein treues, eifriges Mitglied der zionistischen Bewegung ist, die Grüße der zionistischen Organisation und insbesondere die privaten Glückwünsche des Herrn Präsidenten Wolffsohn, eine Aufmerksamkeit, die dem Jubilar sichtlich ganz besondere Freude bereitete. Im Namen der zionistischen Vereinigung Bremen sprach Herr Schragenheim aus Bremen. Eine bei Tisch vorgenommene Sammlung, die Herr Landrabbiner Dr. Mannheimer anregte, soll, den Intentionen Gustav Schwabes entsprechend, dem jüdischen Nationalfonds zufließen. Sie wird den Grundstock seiner Eintragung ins Goldene Buch bilden. Im Anschluß an das Festmahl hielt Herr Rechtsanwalt Dr. Klee vor großer Versammlung einen Vortrag über das Thema .„Soziale Fragen im Judentum". Er führte u. a. aus: Das Judentum darf nicht lediglich als historischer Faktor, der früher einmal die Weltkultur beeinflußt hat, wie Roosevelt in seinem Berliner Universitätsvortrag ausgeführt hat, angesehen werden. Gibt es eine katholisch-soziale Bewegung, einen evangelisch-sozialen Kongreß, so hat das Judentum als eine Weltanschauung der Lebensbejahung, doppelt die Pflicht, seinen Anschauungen Platz zu schaffen auch im Leben der Gegenwart. Die Juden sollen und dürfen auf die Beeinflussung der Kulturwelt im Sinne der jüdischen Weltanschauung, nicht verzichten, wenn sie sich nicht selbst aufgeben wollen. Im Anschluß daran erörterte der Redner eingehend das jüdische Erziehungsproblem in Schule und Haus.. Die Überhebung des Westjudentums gegenüber dem Ostjudentum, die sich immer noch in einigen Kreisen finde, müsse schwinden. Vom Ostjudentum her komme wertvolle Befruchtung. Der Redner ging dann, anknüpfend an die Tatsache, daß der Jubilar seine stärksten und besten Kräfte der nationaljüdischen Weltanschauung verdanke, und daß grade in diesen Tagen der 50. Geburtstag Theodor Herzls gefeiert wurde, eingehend auf die Frage ein: Wie ist das jüdische Volk zu erhalten? — Er gab einen Überblick über die historische Entwicklung und die Bedeutung der zionistischen Bewegung. Lang anhaltender, lebhafter Beifall belohnte den Redner für seinen in sachlicher und formeller Hinsicht gleich wertvollen Vortrag. Aschaffenburg. Zu einer vielversprechenden Veranstaltung wurde die öffentliche Versammlung vom 24. vor. Mts., in der Herr Martin Levigard aus Frankfurt a. M. über „Die Judenfrage" sprach. In von Herzen kommenden, zu Herzen sprechenden Ausführungen behandelte der Redner sein Thema. An überzeugenden Beispielen zeigte er, daß bloße Philanthropie eine Lösung der Judenfrage nicht gebracht habe und nicht bringen könne, und schloß unter starkem Beifalle mit der Begründung der programmatischen Leitsätze des Zionismus. In der anschließenden Diskussion berührte Herr Löwenthal die Stellung eines Teils der Orthodoxie der zionistischen Bewegung gegenüber und behauptete u. a., daß es eine Judennot, besonders in Deutschland, nicht gebe. Demgegenüber vertraten der Referent und H. L. Perlmutt er-Frankfurt a. M. unter stürmischem einmütigem Beifalle die zionistischen Ideen. Insbesondere fanden die Ausführungen lebhaften Anklang, daß die innere Gleichgültigkeit, die stete Folge äußerer Sorglosigkeit und die Ursache aller jüdischen Katastrophen, nicht genug bekämpft werden könne. Das Ergebnis des Abends war, daß sich die Anwesenden fast ohne Ausnahme als Schekelzahler anmeldeten. Leipzig, Am 4. Mai sprach hier Herr Parteisekretär Blumenfeld über „Die Zukunft der.Juden". Er behandelte als die beiden, für die weitere Entwicklung wichtigsten Fragen das jüdische Nationalitätsprinzip und das jü disc he Wirtschaftsproblem. Reicher Beifall lohnte den Redner für sein tief angelegtes Referat. Bonn. Im hiesigen jüdischen Jugendbund sprach der Sekretär der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Blumenfeld, über „Die Probleme der jüdischen Geschichte im 19. Jahrhundert." Der Redner zeigte, daß das Problem der jüdischen Geschichte im letzten Grunde ein Organisationsproblem sei. Er erörterte die Gründe, aus denen die Gemeinde aufgehört habe, den Mittelpunkt der Organisation zu bilden, erklärte, wie auch die Alliance Israelite versagt habe, und wie der Zionismus berufen sei, die ganze Judenheit organisatorisch zusammenzufassen. So klang der Vortrag und das Schlußwort der Diskussion aus in einer hoffnungsfrohen Würdigung des Zionismus, der eine Sache nicht nur der Judenheit, sondern darüber hinaus der Menschheit sei. Berlin. Am 19. Mai fand eine Versammlung der hiesigen Ortsgruppe der Organisation für hebräische Sprache und Kultur statt. Auf Vorschlag des Herrn Dr. Weil wurde die Begründung einer Unterabteilung für Mitglieder, die noch nicht Hebräisch sprechen können, beschlossen. Österreich Prag. Die jüdisch-nationale akademisch-technische Verbindung „Barissia" teilt allen gesinnungsgenössischen Korporationen die Gründung einer Tochterverbindung, der jüdisch-nationalen akademisch-technischen Verbindung „Jordania" mit. Dieselbe steht mit der „Barissia" in einem Kartell, dem K. P. J. V. (Kartell Prager Jüd.-nat. Verbindungen). Präsidialverbindung ist für das laufende und kommende Studienjahr die „Barissia", und sind sämtliche Schriftstücke für die Verbindung „Jordania" ausschließlich an die Adresse der „Barissia" zu richten. Die Chargenwahl in der „Jordania" für das laufende Sommersemester ergaben folgendes Resultat: Cand. ing. Oskar EksteinX, Ing. Kurt Urbach XX, Med. Gustav Münk XXX. Karlsbad. Die nach Karlsbad reisenden Gesinnungsgenossen machen wir auf die jeden Mittwoch, 8 Uhr abends, im Restaurant Kirsch, Egerstraße, stattfindenden Zusammenkünfte aufmerksam. Das Programm derselben umfaßt einen Vortrag, eine Zeitungsrevue sowie zwanglose Diskussionen. Vorträge der zionistischen Kurgäste sind dem Verein Zion stets erwünscht. Teschen. Am 25. Mai d. J. fand hier die konstituierende Generalversammlung des Jüdischen Volksvereins, des ersten auf zionistischer Basis gegründeten Bürgervereins, statt. Namens des vorbereitenden Ausschusses begrüßte Herr Dr. Teller die überaus zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste, worauf Herr Dr. Fritz Eckstein (Troppau) in einer wirkungsvollen Rede die jüdische Frage im allgemeinen und die Ziele der zionistischen Bewegung im besondern erörterte. Nach Verlesung der Statuten erfolgte die Konstituierung des Vereins und Wahl des ersten Vereinsausschusses, dem folgende Herren angehören: Dr. D. Teller, Advokat, als Obmann, G. Zuckermandel, Kaufmann, als Obmannsstellvertreter, Fabrikdirektor K. Stein als Kassier und N. F.-Kommissär, Geschäftsführer M. Müller als Schriftführer, sowie die Herren Heinrich Altmann, J. Borger (Trzynietz), H. Goldfinger, S. Eisner, J. Huppert und F. Ringer als Ausschußmitglieder. Czernowitz, Die Chargenwahlen der Verbindung „Zephirah" für das 26. Semester ergaben folgendes Resultat: Präses cand. jur. Nachmann Morgenstern, Vizepräses jur. Mordko Rothfeld, Schriftführer phil. Zeinwel Bretschneider. Suczawa. Jüd.-nat. Verein „Theodor Herzl". Bei der jüngst abgehaltenen Generalversammlung dieses Vereins wurde R. R.-Abg. Adolf Stand wegen seiner ganz besondern Verdienste um die zionistische Bewegung im allgemeinen und um den Verein insbesondere zum Ehrenmitglied ernannt. Weiter wurde die Landtagskandidatur des Prof. Dr. Leon Kellner mit Genugtuung begrüßt und gleichzeitig beschlossen, Prof. Kellner die Sympathiekundgebung der Versammlung zum Ausdruck zu bringen. Die Wahl in den Vereinsausschuß ergab folgendes Resultat: Präses: Dr. B. Salamowicz, 1. Vizepräses: Abraham Körner, 2. Vizepräses: Adv.-Cand. Simon Holdengräber, 1. Schriftführer: Bankkassierer Abraham Hopmeier, 2. Schriftführer: Moses J. Strom inger, Kassierer: Wolf Rudner, Bibliothekar: Cand jur. Isidor Körner, Ökonom: Herman Grünseit, Nationalfondskommissär: Adv.-Cand.,Gabriel Scherzer, ohne Funktion: Sigmund Rohrlich, Mendel Smotricz, Ersatz: Karl Gottesmann. Ungarn Mattersdorf (Ungarn),;Arn S c h e w i 1 sc h ei - Pes s a ch fand die Jahresversammlung der hiesigen MisrachiVereinigung „Agudath Zion" statt. Herr Geliis 1116s hielt einen trefflichen Vortrag über „Zionismus und Volksempfinden", in welchem er an der Hand der Schrift des Rabbi Hirsch Kalischer :s. A. *Drischath Zion" überzeugend nachwies, daß der zionistische Gedanke mit den Idealen

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