Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 22 (3.6.1910)
- Date
- 1910-06-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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als vertraulich erklärt. Es wurde einstimmig beschlossen, eine energische Aktion für den Preßfonds einzuleiten. Sodann wurde die Frage der Anteilnahme an der Berliner Vorkonferenz erörtert und beschlossen, dieselbe nur in dem Falle zu beschicken, wenn sie tatsächlich nur eine Aussprache zwischen den Landsmannschaften darstellen werde, da ja die Verhandlungen mit dem E. A. C. auf der Jahreskonferenz selbst stattfinden werden. Es wurde einstimmig betont, daß es notwendig sei, in Berlin in der Frage der Leitung zu einer Einigung zu kommen, um dem Provisorium, welches für die Bewegung schädlich sei, ein Ende zu bereiten. Sollten die Berliner Verhandlungen zu einem Resultate führen, so sollte noch in diesem Jahre ein außerordentlicher Kongreß abgehalten werden, der sich ausschließlich mit der Schaffung einer definitiven Leitung zu befassen hätte. Als seine Vertreter zur Vorkonferenz nominierte das Z. K. die Gg. A. Böhm, Dr. Emil Margulies und Dr. Isidor Margulies, denen einstimmig gefaßte Beschlüsse zur Richtschnur für ihr Verhalten auf den Weg gegeben wurden. Bezüglich der Jahreskonferenz wurden gleichfalls einige als vertraulich erklärte Beschlüsse auf Grund der Parteitagsresolutionen gefaßt. Schließlich wurde noch die Eintragung des frühern Präsidenten Dr, Isidor Margulies in das Goldene Buch des J. N. F. beschlossen. Konferenz des Westgalizischen Distriktskomitees Am 15. Mai 1910 fand in Rzeszow die Konferenz des westgalizischen Distriktskomitees unter dem Vorsitze des Adv. Dr. Goldberg aus Oswiecim statt. Die Konferenz wurde vom Vorsitzenden des Distriktskomitees Advokaten Dr. Wahrhaftig aus Krakau eröffnet, wonach Dr. Feldblum den Bericht über die Tätigkeit des Komitees im verlaufenen Jahre erstattete. Dem Berichte entnehmen wir folgendes: Die westgalizische Organisation umfaßt 53 Ortschaften und besteht aus 1500 organisierten Mitgliedern, die regelmäßig die Parteisteuern abführen. Für rein zionistische Zwecke wurden in der Berichtsperiode über 20000 Kronen gesammelt, wovon dem Nationalfonds allein 14980 Kronen zugeflossen sind. Das Komitee veranstaltete sehr viele Agitations-, Festversammlungen und Vorträge. Der Bericht hebt hervor, daß sich die Institutionen zur Förderung der Kenntnis der hebräischen Sprache stark entwickelt haben; es mehren sich von Tag zu Tag hebräische Schulen, Zirkel und literarische Vereine. Vor allem zeigt die Jugend einen recht großen Fleiß in der Erlernung der hebräischen Sprache, worin allen andern die Stadt Tarnow voranschreitet, in welcher mehr als 400 Personen an dem hebräischen Unterrichte teilnehmen. Es wird jedoch auch die allgemeine Kulturarbeit nicht vernachlässigt, in welcher Richtung wissenschaftliche und Hochschul- Yereine, Toynbeehallen- und Anaphalbeten-Kurse eine sehr erfreuliche Tätigkeit entfaltet haben. Auch auf dem ökonomischen Gebiete hat das Distriktskomitee mehrere wirksame Aktionen unternommen, so hat es Organisationen von kleinen, jüdischen Kaufleuten geschaffen, und in Kürze wird es in Krakau eine jüdische Kreditbank, als Filiale der jüdischen Kreditunion in Lemberg, errichten. Nachdem dem abtretenden Distriktskomitee das Vertrauensvotum erteilt wurde, referierten die Gesinnungsgenossen Leser über die Organisation und Fett aus Rzeszow über unsere nächsten Aufgaben. Es wurde beschlossen, eine rege Agitation zugunsten des Projektes der Siedlungsgenossenschaft Oppenheimers zu entfalten und den jüdischen Schulverein in Lemberg nach Kräften zu fördern. Die Konferenz wurde mit der Wahl des neuen Distriktskomitees geschlossen, in welches die Gg. Leistner, Dr. Feldblum, Leser, Dr. Brenner, Pitzel, Dr. Thon, Dnger, Dr. Zimmermann aus Krakau, ferner Dr. Salz und Ing. Leuchter aus Tarnow, Dr. Syrop aus Neu-Sandez, Dr. Hopfen und Wang aus Rzeszow gewählt wurden.. Am Abend desselbe Tages fand in Rzeszow eine massenhaft besuchte Volksversammlung statt, auf der Gg. Blitz über Eindrücke von der Reise in Palästina und Dr. Feldblum über Die Lage der Juden in Galizien referierten. Konferenz des Ostgalizischen Distriktskomitees Sonntag den 22. v. M. fand im Lokale des Vereins „Tikwath-Zion" in Lemberg die Jahreskonferenz des ostgalizischen Distriktskomitees statt. 23Städte waren durch74Delegierte vertreten.Nach derBegrüßungsrede des Obmanns Dr. David Schreiber und der Wahl des Präsidiums erstattete der Vorsitzende den Tätigkeitsbericht des Distrikts- Komitees. Der Redner konstatierte einen Aufschwung in der Parteiarbeit, die sich insbesondere in der Unterstützung der Parteiinsti- 'utionen äußert. Dieser Aufschwung sei aber größtenteils auf das Konto der Stadt Lemberg zu setzen, während die Provinz nicht Reichen Schritt halte. In seinen weitern Ausführungen kritisierte der Hedner den unter der jüdisch-akademischen Jugend Platz greifenden Indifferentismus. An den Bericht schloß sich eine lebhafte Debatte. Dem D.-K. wurde Decharge erteilt. Zum nächsten Punkte der Tagesordnung, Organisation, sprach Dr. Heinrich Rosmarin, welcher einige Abänderungen des Organisationsstatuts im Sinne des auf de=r IX. Landeskonferenz akzeptierten Organisationsstatuts vorschlug. Dem Berichte des N.-F.-Kommissärs Gg. H esc hei es entnehmen wir, daß die Sammlungen für den N.-F. die des Vorjahres um 2590 K übersteigen und rund 11390 K ausmachen. Darunter ist die Stadt Lemberg mit dem Betrage ron 4310 K vertreten. Sonst beteiligten sich 66 Ortschaften an den Sammlungen. Mit Bedauern müsse aber konstatiert werden, daß die Eingänge für die sonstigen Palästinazwecke," insbesondere aus der Provinz, verhältnismäßig gering waren. Gg. Dr. Josef Loewenherz entwarf einen Tätigkeitsplan für die Zukunft und Gg. Bodek besprach die Arbeit für unsere Palästinainstitutionen. Der Antrag des Gg. Lindenbaum auf Errichtung eines Palästi na-Bazars in Lemberg wurde angenommen. Die Wahlen in das Distriktskomitee ergaben folgendes Resultat: Dr. Isak Feld, Obmann; Dr. Heinrich Rosmarin, I. Vizeobmann; Dr. Josef Loewenherz, II. Vizeobmann; Salomon Langnas, D. H. Tieger, Nathan Lipschütz, David Schönfeld, Storch, Sand, Dr. ßickels und Melzer, alle in Lemberg, Nathan Tartakower (Brody), Paßweg (Przeniyslanyj, Chaim Katz (Giiniany) und Dr. Aschkenasy (Przemysl) als Ausschuß-Miiglieder. Deutschland Berlin. In der jüdisch-nationalen Frauenvereinigung fand am D.Mai die diesjährige Generalversammlung statt. Den Jahresbericht erstattete Frau Lina Wagner-Taub er, den Bericht der Kommission für Kunst und Geselligkeit Frl. Helene Schoyer. Über Krankenfürsorge sprach Frl. Marta Spiro und über Propaganda Frl. Emma Cohn. Es wurde konstatiert, daß nicht nur der Vorstand, sondern auch ein großer Teil der Mitglieder auf den verschiedensten Gebieten der national,]üdischen und zionistischen Idee mitgearbeitet haben. Ungefähr 20 Mitglieder haben allein in der Kranken fürs orge gearbeitet; dieselben haben ea. £60 Besuche bei 68 Patienten gemacht. Es waren meist Brüder und Schwestern aus dem Osten, die hier weder Freunde noch Bekannte haben. — Dank der Mithilfe von Frau Becki Engel hatte die Kommission für Kunst und Geselligkeit ganz besonders gut gearbeitet. Der Zyklus von Atelierbesichtigungen jüdischer Künstler hatte nicht nur einen ideellen, sondern auch einen materiellen Erfolg, indem von der Einnahme dieser Besuche die Unkosten des hebräischen Kursus gedeckt werden konnten. Das X. Stiftungsfest brachte einen großem Überschuß, der für die Siedlungsgenossenschaft bestimmt war. Die Sammlungen für die Genossenschaft werden fortgesetzt. Die jüdisch-nationale Frauenvereinigung wird es als ihre Ehrenpflicht betrachten, der Genossenschaft eine größere Summe überweisen zu können, ' In den vier öffentlichen Versammlungen sprachen Frl. cand. med, Resa Hirsch über „Frauenarbeit in Palästina", Frau Lina Wagner- Tauber über den „IX. Kongreß", KerrRabb. Dr. Emil Levy über „Die hebräische Sprache", und Herr Dr. Heinrich Loewe hielt einen Vortrag mit Lichtbildern: „Ein Gang durch die jüdische Geschichte". — Das Hauptaugenmerk aber richtete die Vereinigung wie immer auf die Erziehung der Jugend im nationalen Sinne. Die Ferienausflüge vereinigten allwöchentlich über 200 Kinder. Am Cbanukkafeste beteiligten sich übeiJ300 Kinder. In der am Purirn veranstalteten „Jüdischen Kinder-Matinee" waren 250 Kinder anwesend. Gerneinsam mit der „Berliner Zionistischen Vereinigung" hat die jüdisch-nationale Fraiienveieinigung die Herzlgedenkfeier und ein großes Purimfest veranstaltet. Den Kassenbericht erstattete Frl. Regina Krucz. Als Vorsitzende wurde Frau Lina Wagner-Tauber wiedergewählt, außerdem die Damen Frau Erna Fürst, Frl. Regina Krucz, Frl. Helene Schoyer, Frl. Marta Spiro, Frl. Emma Cohn und Frl. Doris Gold mann. Die Nationalfondspropaganda hat Frl. Paula ßaschwitz, die Materialienverwaltung Fr. Hedwig Sulmann, Schwäbische Straße IL inne. Es wurde beschlossen, zwecks intensiverer Arbeit ein eigenes Vereinslokal zu mieten. Im Anschluß an die Generalversammlung hielt Frl. Helene Hanna Cohn einen ausgezeichneten Vortrag über „Das Londoner Ghetto". Hanau. Am 23. v. M. fand hier eine zionistische Versammlung statt, in der Herr Parteisekretär K. Blumenfeld in überaus wirkungsvoller Weise über die „Zukunft des Judentums" sprach. Die temperamentvollen Ausführungen riefen eine lange Diskussion