Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 21 (27.5.1910)
- Date
- 1910-05-27
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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528 DIE^EELT No. 21 Eliza Orzeszko gestorben In Qrodno verschied am 18. d. M. die berühmte polnische Schriftstellerin Eliza Orzeszko im Alter von 68 Jahren. Sie war eine der fruchtbarsten und beliebtesten Romandichterinnen der Gegenwart, und ihre Werke zeichnen sich nicht allein durch feine Psychologie und prächtige Natur- und Milieuschilderungen, sondern auch durch einen hohen Adel der Gesinnung und ungewöhnlichen Idealismus aus. Einen bedeutenden Platz in ihrer literarischen Produktion nehmen ihre Romane aus dem jüdischen Leben ein, namentlich „Meir Ezofowicz" (1877), „Eli Makower" (1875), „Gedalie" u. a., in denen sie jüdische Typen aus Polen und Litauen mit bewundernswertem Realismus und zugleich mit feinsinnigem Verständnis für die zartesten Regungen der jüdischen Seele schildert, einem warmherzigen Verständnis, wie es bei nichtjüdischen Schriftstellern sonst äußerst selten anzutreffen ist. Als sie im Jahre 1907 das Jubiläum ihrer 40jährigen literarischen Tätigkeit beging,da war ihr Ehrentag ein Festtag für die gesamte polnische Gesellschaft, und auch die Juden nahmen an der Feier lebhaften Anteil. Eliza Orzeszko sah übrigens die Juden nicht nur mit dem Auge der Künstlerin an, sie waren ihr nicht bloß Objekt ihres künstlerischen Schaffens, sondern sie nahm auch menschlichen Anteil an ihren Leiden und Hoffnungen und bekundete insbesondere Interesse für die nationalkulturellen Bestrebungen im modernen Judentum. Bereits im Jahre 1882, zur Zeit der ersten Pogrome in Rußland, schrieb sie eine Broschüre „Über Juden und Judenfrage", in der sie die Rechte der Juden in sehr entschiedener Weise verfocht und ihrem tiefen Schmerz und Abscheu über die menschenunwürdige Behandlung Ausdruck gab, die man dem jüdischen Volk zuteil werden lasse. Wir werden die Bedeutung der großen polnischen Schriftstellerin noch in einem besondern Aufsatze eingehend würdigen. Der ioo. Geburtstag Abraham Geigers Das liberale Judentum in Deutschland und andern Ländern feiert am 24. d. M. den 100. Geburtstag des Vorkämpfers der jüdischen Reformbewegung, Abraham Geiger. Geiger wurde im Jahre 1810 in Frankfurt a. M. geboren und war seit 1832 Rabbiner in Wiesbaden, Breslau, Frankfurt a. M. und Berlin. In seiner Studentenzeit in Bonn war er mit Samson Raphael Hirsch, dem nachmaligen Führer des orthodoxen Judentums, befreundet, schlug aber alsbald entgegengesetzte Wege ein und redete einer Reformierung des religiösen Lebens, einer Emanzipation von den Zeremonialgesetzen,. soweit sie ihm mit den Forderungen des modernen Lebens nicht vereinbar schienen, das Wort. Im Jahre 1835 begründete er die „Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie", die er später in Breslau, Frankfurt und Berlin weiterführte und die der Sammelpunkt für die wissenschafttichen und praktisch religiösen Bestrebungen der liberalen und reformatorischen Richtung in Deutschland wurde. Von den Schriften Abraham Geigers seien erwähnt: „Was hat Mohammed aus dem Judentum aufgenommen?", „Urschrift und Übersetzungen der Bibel", „Das Judentum und seine Geschichte". Geiger publizierte auch wissenschaftliche Aufsätze und Monographien in hebräischer Sprache. Eine eingehende Würdigung der Persönlichkeit und der vielseitigen Wirksamkeit Abraham Geigers behalten wir uns für die nächste Nummer vor. Organisation für hebräische Sprache und Kultur Das Zentralkomitee ersucht uns um Aufnahme der folgenden Zeilen: Da uns nur noch wenige Monate von dem Kongreß für hebräische Sprache und Kultur trennen, zu dem nur unserer Organisation angehörende Vereine von mindestens fünfundzwanzig beitragzahlenden Mitgliedern Delegierte zu entsenden berechtigt sein werden, ersuchen wir alle Mitglieder und Gruppen unserer Organisation, mit verstärktem Eifer neue Mitglieder für unsere Organisation zu werben und an Orten, wo noch keine Gruppen der Organisation bestehen, die Gründung von solchen Vereinen zu beschleunigen. Die eingezogenen Mitgliedsbeiträge bitten wir umgehend an unsernjSchatzmeister Herrn S. Hurwitz, Berlin W., Kurfürstendamm 51, zu senden. Hebräischer Lehrerverband in Galizien und der Bukowina Zu Beginn dieses Monats hat in Lemberg die 5. Generalversammlung des Hebräischen Lehrerverbandes in Galizien und der Bukowina stattgefunden. Der Tagung wohnten über 50 Lehrer bei. Der Obmann Herr Sofermann konnte in der Eröffnungsansprache die erfreulichen Resultate der Verbandstätigkeit für die Verbreitung der hebräischen Sprache und die nationale Erziehung der Jugend mitteilen. Es wurde ein Fonds zur Gründung eines Verlages behufs Herausgabe hebräischer Lesebücher für Kinder gebildet. Bei der Jüdischen Kolonialbank in London sind eingegangen: Für das Hygienische Institut: Durch die russische Sammelstelle in Moskau . . . . . Rbl. 140.— Für den Bezalel: Per Federation of Zionist Societies of Canada from Nordau Zion Club, Toronto............Doli. 20.— Für das Mikro-Biologische-Institut sind eingegangen: Bei der Jüdischen Kolonialbank in London: Durch Com. Federajici Zion din Romania, Galatz: Harlau: Verein „Bnoth Zion", Dr. Niemerower, Colombe Weintraub 10; Eva Dr. Abeles, Pepie D. Zaharie, Jeanette Löbel, Fanny Cohn und Rosa Lazarovici ä 5, Bernh. Baiduff, Mathilde J. Wechsler ä 3, Etty Bacal, Leon Bacal, Amalie Goldenberg, Josica und Marica, Z. A. Großmann und Osias Segall ä 2, Lisa Cohn 1, total Lei 56.— Tulcea: Verein „Bnei Zion"............ . „ 5.— Bukarest: „Chowwe Zion David".......... „ 15.— Constanta: Ad. Bernhard und L. Margulies ä 5, Sigm, Bujes und H. Gheldmann ä 2........ total „ 14.— zusammen Lei 90.— Infolge des auf den 26. Mai fallenden bürgerlichen Feiertages erscheint die „Welt" einen Tag später. Bekanntmachung der am Donnerstag; den 23. Juni 1910 abends 9 Uhr in den Räumen unseres Bureaus, Bleibtreustr. 34/35, stattfindenden ordentlichen Gesellschafter-Versammlung mit folgender Tagesordnung: 1. Vorlegung des Geschäftsberichts, der Bilanz und des Gewinn- und Verlustkontos für das Geschäftsjahr 1909. 2. Antrag auf Entlastung des Geschäftsführers und des Aufsichtsrats. 3. Antrag auf Erhöhung des Stammkapitals der Gesellschaft gemäß dem Beschluß der Gesellschafter-Versammlung vom 28. Juni 1909. 4. Geschäftliche Mitteilungen. Palästina-Industrie-Syndikat m. b. H. In Vertretung des abwesenden Geschäftsführers: O. Warburg. ppa. Awadiowitz. f Dr. Alexander Marmorek * Dr. Rachel Marmorek, geb. Steinberg V beehren sich anzuzeigen, daß ihre Vermählung am 4. Mai 1910 in Wien stattgefunden hat. Paris, 6, Rue Freycinet. f Die Geburt eines Sohnes zeigen an Joseph Wilhelm Hackenbroch und Frau Martha geb. Feuchtwanger. Frankfurt a. M.