Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 21 (27.5.1910)
- Date
- 1910-05-27
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Mo. 21 t>IE3^ELT 529 Der Jüdische Nationalfunds ist clasu bestimmt, in Palästina Grund und Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes su erwerben. Vom V. Zwnistenkongreß im Jahre 1901 gestiftet, hat er bereits die Hohe von über 2 Millionen Marli erreicht. MITTEILUNGEN DES HAUPTBUREAUS DES JÜDISCHEN NATIONALFONDS IN KÖLN Nationalfondspropaganda in den Kurorten. Zu diesem Thema wird uns von einem eifrigen Sammler geschrieben: „Mit dem Beginn der Reisesaison tritt die Agitation für den N. F. stellenweise in das Stadium der Ruhe. Sonst eifrige Sammler halten die Zeit für ungünstig, weil die wohlhabenden Juden sich in Kurorten aufhalten, und dieses Argument wirkt so entmutigend, daß kurzerhand und teils ohne Rücksicht auf die örtlichen Verhältnisse die Tätigkeit für den N. F. während der Hälfte des Jahres eingestellt wird, um leider in vielen Fällen nie wieder aufgenommen zu werden. Es ist an dieser Stelle bereits des öftern darauf hingewiesen worden, und es kann nie eindringlich genug hervorgehoben werden, daß keine Notwendigkeit bestellt, die Sammeltätigkeit während der Sommermonate zu unterbrechen. Wenn die Juden, von denen wir sonst unser Seherflein erhalten, sich in Kurorten aufhallen, dann muß eben in diesen Kurorten gesammelt werden, und bekanntlich sind die meisten Menschen als Kurgäste bedeutend freigebiger und für Appelle an das Portemonnaie empfänglicher als in der Stadt. Diese Tatsache sollte man sich in erster Reihe zugunsten des N". F. merken. Jeder Zionist, der in eine Sommerfrische reist, trage ein Sammelbüchfein bei sich. Es gibt, immer passende Gelegenheit, es kursieren zu lassen, und man kann eines guten Erfolges dann sicher sein. Für jegliche Art von Zusammenkünften, sei es bei der Table d'hote, im Restaurant, im Cafe uswt., ist die N-F.» Büchse ein geeignetes Mittel zum Sammeln, und jeder Kurgast, der speziell in einem jüdischen Hotel logiert, sollte daraufdringen, daß dort eine oder mehrere Büchsen aufgestellt werden. Diese Büchsen sind nicht, nur wichtig, um die einkehrenden Zionisfen zu einer Spende zu veranlassen, sondern sie sind ein ausgezeichnetes Propagandamittel für diejenigen Juden, denen diese Büchse mit hebräischer Inschrift auffällt und die sich dann nach dem Zweck usw. erkundigen. Die Landessammelstellen geben auf Wunsch gern Flugblätter, Aufrufe usw. an Hotelbesitzer und Restauraleure, die diese Flugschriften als Antwort auf etwaige Anfragen verteilen können. Die Sommerreise ist ein Anlaß zu einer starken Korrespondenz und kommt daher für den Verkauf von Herzl- und Nord au - marken in erster Reihe in Betracht. Man sollte niemals versäumen, bei der Versendung der beliebten Ansichtskarten, die in großen Mengen in jedem Kurort gekauft werden, auf die Benutzung der N. F.-Marken hinzuwirken. Es ist wünschenswert, daß in jedem Badeort ein ständiger Verkauf von Marken eingerichtet wird; dies kann am besten in einem jüdischen Lokal geschehen. In der Sommerfrische läßt sich ferner ein Sammelmittel ausgezeichnet anwenden, das bereits mehrfach vorgeschlagen, aber nie genügend beachtet wurde. Es ist dies eine Vergnügungssteuer, die bei allen möglichen Gelegenheiten erhoben werden sollte. Dafür muß allerdings stets ein Mitglied einer größern Gesellschaft sorgen. Es wird beispielsweise jedem gleichgültig sein, ob ein Billett für eine Dampfer- oder Eisenbahntour 3 JC oder 3.30 Jt kostet, oder ob er für ein gutes Kurkonzert 2 Jt oder 2.20 JC bezahlt. Diese kleine Steuer würde indes für den N. F. von größerer Bedeutung werden, wenn wirklich sich viele Gg. der kleinen Mühe unterziehen würden, dies durchzuführen. Es sei noch auf die Sammlungen zugunsten der Ölbaumspende hingewiesen, und zwar könnten diese in der Weise geschehen, daß man die Kurgäste veranlaßt, statt der üblichen meist wert- und geschmacklosen Reiseandenken Ölbäume zu stiften. Die in solcher Weise bedachten* Personen werden sicherlich ebenso erfreut sein, vielleicht noch mehr, als durch den Besitz von Bechern, Bildern, Nadelkissen aus Muscheln und ähnlichen Dingen, die weder dem Geber noch dem Empfänger Freude bereiten. Demjenigen Sammler, der mit schönen Erfolgen für den N. F. aus der Sommerfrische zurückkehrt, wird es ein stolzes Gefühl sein, die Arbeit für sein Volk nicht ausgesetzt zu haben, und cr wird mit frohem Mut an seine neue Aufgabe, die Winteragi1.al.ion herantreten. Herzlwafld~Propaganda. Die Sammelstelle des J. N. F. für Österreich versandte an ihre Kommissäre und Vertrauensmänner ein aus Anlaß des Geburtstages Theodor fierzls von ihr herausgegebenes Flugblatt mit folgendem Begleitschreiben: Wien, Mitte Mai 1910. An die geehrten N. F. K. und Vertrauensmänner. Sehr geehrte Herren Gg.! Am 19. Mai dieses Jahres begehen die Zionisten der ganzen Welt Theodor Herzls 50. Geburtstag. Auf die Bedeutung dieses Tages brauchen wir die österreichischen Gg. nicht aufmerksam zu machen; es erübrigt uns nur, Sie sehr geehrte Gg., zu bitten, mit allen Ihren Kräften an dem Werke mitzuarbeiten, das dazu bestimmt ist, den Mann zu ehren, dem wir unsere Weltanschauung, unser Ideal und unsere wiedergewonnene innere Festigkeit verdanken. Zionisten! Begehet diese Tage in festlicher Weise und benützet sie, um den Herzlwald z'u fördern. Die Reichen aber veranlasset zur Land spende, das ist ein Geschenk von Kr. 50.— zugunsten des Jüdischen Nationalfonds. Zur Propagierung des Herzlwaldes senden wir Ihnen Flugblätter, von denen Ihnen auf Ihren Wunsch noch beliebig viele Exemplare zugehen werden, wenn Sie innerhalb acht Tagen nachbestellen. Die Arbeit für den Herzlwald beginnt am 19. Mai und wird bis zu Herzls Jahrzeit, bis in die Woche des 3. Juli, fortgesetzt. Wir sind überzeugt, daß Österreichs bewährte N. F.-Kommissäre ihre bisherigen Erfolge weit übertreffen werden, und bitten daher auch Sie, sehr geehrter Herr Gg., dieser Arbeit Ihre ganzen Kräfte widmen zu wollen. Mit vorzüglicher Hochachtung und besten Zionsgrüßen Sammelstelle des J. N. F. für Österreich Wien, IX. Türkenstraße 9.