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Die Welt · 1910-05-27 · 21 (27.5.1910) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
21 (27.5.1910)
Date
1910-05-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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— „weibische Getränke" wie Kaffee oder Tee verachtete er aus vollem Herzen — hinunterschluckend. Und Chune begann zu erzählen. Neues und Altes, Tagesereignisse und Erinnerungen durcheinandergemischt. Zynisch-roh im Ausdruck1 bäuerisch in allen Formen, doch so kaustisch, treffend, knapp. Ein wunderliches Gemisch jüdischen Geistes und slawisch-moldauischer Bauernlist. Er erzählte keine Witze, er war nicht geistreich, aber alle Situationen, die er schilderte, alle Worte, die er fand, waren so ursprünglich, so unmittelbar, humorvoll, daß wir aus dem Lachen gar nicht herauskamen. Und dabei war seine Erzählung eine epische. Es rollte sich vor unsren Augen ein Bild auf: das Leben des bukowinischen Juden in seinen Kämpfen und Leiden und Freuden. Besteht ja das Leben des Juden eigentlich nur darin, die Schwierigkeiten und die Feindseligkeiten zu überwinden, durch Geist, durch W7itz, durch Schlagfertigkeit. Gewiß, Chune Goj und seine Zeitgenossen hatten den ungeschlachten und verschmitzt-barbarischen rumänischen oder ruthenischen Bauern oder den ausschweifenden, verbuhlten Adel zu ihren Oberwindungsobjekten, und ihr Geist formte sich danach. Chune Goi versteht die heutige Welt nicht mehr, obwohl er einer der wichtigsten Agitatoren des „Herrn Abgeordneten" und Kultuspräsidenten dazu war. — Er nannte diesen immer im nieratisch feierlichen Tone: mein Freund der Gestzgeber — Aber die Begriffe „nationaler Kampf", „nationale Autonomie", o o o o o o o o o o o o o o ■ . ■ The Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Ltd. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die dreizehnte ordentliche Generalversammlung der Aktionäre des Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank; Ltd. am Dienstag den 28. Juni 1910, um 4 Uhr nachmittags, in Berlin, Hotel Esplanade, Bellevuestraße 17/18, mit folgender Tagesordnung stattfinden wird: Tagesordnung: 1. Entgegennahme der Berichte des Direktoriums und der Revisoren und Rechnungsablegung für das Jahr 1909. 2. Wahl von Direktoren und Rechnungsrevisoren. 3. Beschlußfassung über Verwendung des Reingewinnes pro 1909. 4. Durchführung der gewöhnlichen Tagesordnung und Eventualia. Statutengemäß bleiben die Zessionsbücher und das Mitgliederregister der Gesellschaft vom 15.—28. Juni 1910 (beide Tage inklusive) geschlossen. In Gemäßheit der Statuten müssen Vollmachten wenigstens einen vollen Tag vor dem für die Abhaltung dieser Versammlung festgesetzten Termine, somit vor dem 26. Juni 1910, im Gesellschaftsbureau Brook House, Walbrook, London, E. C, niedergelegt werden. In Gemäßheit der Statuten und der vom Direktorium diesbezüglich getroffenen Bestimmungen müssen Besitzer von Inhaberaktien, welche an der die jetzt das Um und Dran der Bukowinaer Politik sind, blieben ihm unklar. Wozu diese Geschichten? Irägt er. Wozu die Sprachenfrage? Redet denn nicht das ganze Land „Jüdisch"? Er hat einmal auch an den Landespräsidenten dieselbe Frage gestellt. Der liebenswürdige Landespräsident ist ihm die Antwort schuldig geblieben. Aber das Leben hat ihm die Antwort erteilt. Chune fühlt sich nicht mehr heimisch. Es wird alles ganz, ganz anders. Andere Zeiten, andere Vögel und andere Lieder .... Er ist aber dennoch nicht melancholisch geworden. Solange es noch ein Gläschen Kognak gibt und eine gesunde Kehle zum Schlucken, ist das Leben noch lebenswert. Und über die Judenfrage zerbricht er sich im Grunde auch nicht den Kopf. Er glaubt in seiner gesunden Bauernseele an seine und seines Volkes Kraft. „Gatt wird helfen," — schließt auch er seine Ausführungen. Aber er sagt es ohne resignierten Seufzer. Kann es denn anders sein? Sein, Chunes, Gott hat ihn immer stark und aufrecht erhalten, ihn und sein Geschlecht. Und Chune hofft .... Es war schon gegen 2 Uhr nachts, als Chune ,uns verließ. Ebenso brüsk, wie er gekommen ist, ging er weg, ohne Gruß, in irgendein anderes Cafehaus oder in eine Weinstube, wo „echter" rumänischer Wein seiner wartet. So verlebt der Alte seine Greisenjahre. Der letzte Vertreter der Bukowinaer Judeneichen, der letzte Sohn eines Ghettos, dem seine Ghettokrankheit noch nicht zum Bewußtsein gekommen ist. Der letzte jüdische „Bauer"..... (fooooooo^ ^ooooooo Generalversammlung teilnehmen und ihr Stimmrecht ausüben wollen, ihre Aktienzerfikate vor dem 26. Juni 1910 im Gesellschaftsbureau, Brook House, Walbrook, London, E. C. deponieren, um dagegen die zum Einlaß und zur Abstimmung berechtigenden Depotscheine in Empfang zu nehmen. Brook House, Walbrook. London, E. C, den 23. Mai 1910. Im Auftrage des Direktoriums: H. Neumann, Sekretär. Herzl und die „Welt" Wir erhalten folgende Zuschrift: „In seinen sehr interessanten Erinnerungen an Herzl und die „Welt" sagt Herr Dr. Siegmund Werner: „ . . . Herzl achtete strenge darauf, daß jede Leistung für das Blatt honoriert wurde. Darüber gab es mit manchem unserer Gesinnungsgenossen lange Kontroversen. Herzl ließ sich aber in diesem Punkte nicht beirren." Herr Dr. Siegmund Werner geht in der Verallgemeinerung zu weit. Tatsächlich wurden manche Leistungen für das Blatt, auch recht erhebliche, nicht honoriert.' Lange Kontroversen gab es darüber auch nicht, denn die betreffenden Mitarbeiter erklärten eirtfür allemal bestimmt, daß ihnen gegenüber von einem Honorar nie die Rede sein dürfe, und Herzl versuchte gar nicht erst, sie andern Sinnes zu machen, da er wußte, daß dies nutzlos sein würde. Um die Veröffentlichung dieser kleinen Richtigstellung bittet Dr. Max Nordau. j^g^ AUS DER BEWEGUNG

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