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Die Welt · 1910-05-27 · 21 (27.5.1910) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
21 (27.5.1910)
Date
1910-05-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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514 DIE LT No. 21 ziellen, vorsorglichen Charakter des Juden sehr entspricht.*) Ich bin überzeugt, die Juden gehören in viel höherem Prozent Lebensversicherungen an als ihre andersnationalen Mitbürger. Dann existieren für die Versicherungen Rückversicherungen. Es müßte nicht nur Ehrensache, sondern Selbstverständlichkeit sein, daß die jüdische Lebensversicherung durch geschickte Verträge mit den zionistischen Banken und den bestehenden Rückversicherungen sich ihre Existenz aufs beste sichert. Dazu kann man noch bedenken, daß die Begründung einer jüdischen Versicherung größern Sils eine Notwendigkeit ist. Kleine Versicherungen (Aussteuer usw.) jüdischen Charakters bestehen schon. Man sieht daraus, daß die Idee praktisch schon durchgeführt ist. Es bedarf also nur noch einer größern Durchführung, und zwar so, daß auch die zionistische Idee daraus Vorteile zieht. Die Arbeit der Gesellschaft Die Arbeit der Lebensversicherung besteht in erster Linie in der Versicherung ihrer Mitglieder. Sie interessiert dadurch Pausende für ein jüdisches Institut, sie erhält jüdische Beamte, wobei bei Sicherheit der Verhältnisse vielleicht das Haupthaus nach Palästina verlegt werden kann. Wenn Palästina in absehbarer Zeit große Institute bekommen soll, so muß hierfür jetzt der Grund gelegt werden. In zweiter Linfe kann die Gesellschaft sich vermöge ihrer großen Kapit alien an allen möglichen Unternehmungen beteiligen. Und zwar muß folgendes System diese Versicherung beherrschen: Bei Überschüssen werden diese nicht sofort verteilt (also Gewährung sogenannter;;Prämien"), sondern es wird den Versichernden eine Anweisung auf eine Gewinnbeteiligung an dem II. Reservefonds angewiesen. Die Auszahlung des Gewinnes erfolgt nicht sofort, sondern erst nach einer gewissen Zeit, wenn der Reservefonds eine bestimmte Summe weit überschritten hat. Mit dem II. Reservefonds arbeitet die Gesellschaft in jüdischem Sinne, sie unterstützt die Arbeit im Golus, leiht den Banken wie dem I. C. T. in London, der Kredit Union in Lemberg, der Anglo Levantine Co. in Konstantinopel, gibt Gelder bei der Begründung neuer Unternehmungen, Kredite und Hypotheken auf jüdische Volkshäuser usw. Ihre Aufgabe ist es so recht, jungen Vorschußkassen Geld zu leihen, kleine Versicherungsgesellschaften ins Leben zu rufen usw. Ich weiß Fälle, wo bei völliger Sicherheit des Kapitals trotz alledem keine Gelder für jüdische Unternehmungen zu erlangen waren. — Ein Institut, das in diesem Sinne arbeitet, ist die Notwendigkeit des Tages. Vor allem aber liegt ihre Schwerkraft in der Arbeit in Palästina. Schon die Begründungjeiner energischen Vertretung in Palästina wird dem Unternehmen Geld von Sichversichernden zuführen, das sonst fremden Gesellschaften zugute käme. Aber selbst wenn d e Summen, die der Gesellschaft aus Palästina zufließen, so bescheiden sind, daß mit ihnen nicht *J Die modernen Lebensversicherungen zahlen heim Todesfälle die volle Versicherungssumme aus, desgleichen wird dieselbe auch mit einem bestimmten Alter (etwa 60 — 70 Jahre) zurückerstattet. Die Gesellschaft wird auch, wenn das Legat es anders vorsieht, z. B. .Spende der Versicherungssumme an den jST. F., doch den Betrag den Verwandten überweisen, da die Versicherung unter allen Umständen von dem Odium einer Kachmones-Gesellschaft frei gehalten werden soll. — Außerdem gibt es Einkauf in die Versicherung mit einmaliger Summe, wovon ein dem Zinsfuß viel übersteigender Quotient alljährlich in Auszahlung kommt, wogegen das Kapital in den Besitz der Gesellschaft übergeht usw. usw. operiert werden kann und darf (die Hauptsivmmeii des abendländischen Geschäftes müssen in der solidesten Weise verwaltet werden), so wird doch bald der I. Reservefonds seine Tätigkeit in Palästina aufnehmen können. Es ist ganz klar, daß die Gesellschaft einen solchen Fonds bald besitzen wird, wenn sie die Prämien nicht verteilt, sondern gutschreibt. Außerdem kann sich auch das Grundkapital der Versicherung in bescheidenderer Weise an dem palästinensischen Geschäfte beteiligen. Die sicheren Geschäfte für Palästina dürften bestehen in Übernahme von Aktien der zionistischen Palästinabank in entsprechender Zahl, in Beleihung von Land, das auf den Namen der Gesellschaft ins Grundbuch eingetragen wird. Außerdem gilt es für den Reservefonds in Erez Israel Sterbe- und Krankenkassen einzurichten, alle die Versicherungen zu inaugurieren, die unserer Siedelung den nötigen moralischen Rückhalt gewähren, so Versicherung der Kolonisten gegen Vertrocknung des Getreides, für das Vieh, gegen Brände, Überfälle usw. Die Bodenkreditfrage Wie schon oben erwähnt, soll ein Teil des Vermögens des Reservefonds, der eigentlich nicht mehr Vermögen der Gesellschaft, sondern nur noch ein derselben belassenes Kapital der Mitglieder der Versicherung ist, zu Bodenkredit verwandt werden. Wird die Präge des Bodenkredits bald akut, so kann eine Mitbeteiligung der Gesellschaft mit ihrem Stammkapital selbst erfolgen, falls z. B. der jüdische Nationalfonds für etwaige Verluste gut steht, andernfalls, d. h. in spätem Zeiten wird hierfür der erwähnte Reservefonds in Frage kommen. Ob nun die Sache so oder so erledigt wird, es bleibt sich gleich. Die Hauptsache ist die: Mit einer Lebensversicherung bekommen wir ein Institut, das mit Leichtigkeit über sehr große Summen verfügt und dessen wir uns bedienen können, wenn die Agrarkreditfrage gelöst werden soll. Eine Mitbeteiligung einer weitern Gesellschaft an dieser Sache wird stets nur nutzen können. Und gerade eine Lebensversicherung kann wie kein anderes Geldinstitut Kredite auf lange Zeit hinaus gewähren. Sie hat es nicht nötig, das Stammkapital bei einigermaßen gut gehendem Geschäftsgang zu benutzen. Wohl alle größern Versicherungen haben meist größere Eingänge denn Ausgänge zu verzeichnen. Die Begründung der Versicherung Hierzu bedarf es weder eines großen Apparates noch sehr vieler Personen. Ich habe schon erwähnt, daß es schon heute kleine jüdische Versicherangen gibt, die sich sogar zumeist auf einen kleinen lokalen Wirkungskreis erstrecken. Es gibt soviele kleine oder klein begonnene Lebensversicherungen, daß das Experiment nichts weniger als sicher durchführbar ist. Trotz alledem kann die Angelegenheit allenfalls! auch als Sterbekasse in der Weise begründet werden, daß die Beitragenden lediglich ihre Beiträge im Sterbefalle zurückerhalten und erst in dem Augenblick, wo die Zahl der Mitglieder eine genügend große und die Summe der geleisteten Einzahlungen eine respektabe ist, dieBegründung der Versicherung erklärt wird. Dabei kann dann noch immer die Vorsichtsmaßregel getroffen werden, daß die Versicherten im Falle eines sehr frühzeitigen Todesfalles (1—4 Jahre) lediglich die eingezahlten Summen erhalten, eine Vorsichts^ maßregel, die vielfach beobachtet wird und absolut nicht

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