Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1910-05-27 · 21 (27.5.1910) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
21 (27.5.1910)
Date
1910-05-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3316406-3316427--53293-3347068
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 21 513 den Nationalfonds, der geringen Summe gegenüberzustellen, die zum Ankauf von zionistischen Wertpapieren (der Banken, der P. L. D. C, Palästina-Industrie-Syndikat, Agudath Netaim usw.) verwendet wird. Daß wir noch nicht auf dem richtigen Wege sind, beweist weiter die Tatsache, daß nennenswerte Kapitalien der Zionisten noch nicht in zionistischen Aktien angelegt sind. Wenn wir von dem Gründungsjahr der Londoner Bank absehen, sind in der späteren Zeit absolut nicht den Geschenken entsprechende Werte für rein ökonomische Okjekte frei geworden. Dazu kommen noch folgende Momente: Die Gelder für Realunternehmungen müssen des weiteren Marktwert haben. Unsere Papiere sind meist unverkäuflich. Ein Kaufmann, ein Familienvater kann jeden Augenblick in die Lage kommen, sein Geld für sich, für sein Geschäft, für die Ausbildung und Selbständigmaehung seines Sohnes, für die Ausstattung seiner Tochter zu gebrauchen. Die zionistischen Aktien sind fast unverkäuflich. Sie repräsentieren weniger wie Liebhaberwerte; in den Augen nicht nur der Umwelt, sondern auch die Besitzer rangieren sie mit dem Kapital wenn nicht auch a fonds perdu, so doch im Konto als quantite negligeable. Ein Bank- oder Industrieanteil muß sein: 1. sicher, 2. leicht verkäuflich, 3. jährlich gut verzinsbar, 4. gewinnreich (Kursgewinne, Barausschüttung usw.). Über den einen oder andern Punkt sieht der Käufer hinweg, wenn ein anderes Moment um so stärker lockt. Ich betone, ich spreche lediglich von Unternehmungen, die auf rein wirtschaftlicher Grundlage sich begründen. v So sehr die Versuchung mich lockt, so kann ich an dieser Stelle nicht auf die bestehenden Verhältnisse in reformatorischer Absicht weiter als in nachfolgendem eingehen. Aus dem Gesagten ergibt sich leicht, welche Maßregeln für unsere bestehenden kommerziellen Institutionen zu treffen sind, resp. welche Gesichtspunkte mehr berücksichtigt werden müssen. Spenden, seien sie welcher Art auch immer, dürfen nicht von den Banken geleistet werden, so lange diese nicht mit großen Überschüssen arbeiten. Wir dürfen nicht denken, die Aktien, welche heute die Zionisten sich kaufen, werden in ihrem Werte geringer geschätzt als alle andern Wertpapiere. Wir bewegen uns so in einem circulus vitiosus und werden so nie das Mißtrauen unserer Kreise, geschweige weiterer jüdischer, beseitigen. Also man verlange nicht, daß Dividenden an den N. F. abgeführt werden, daß unsere Banken für Expeditionen (El-Arish), für Unglücksfälle (Pogrome) usw. aufzukommen haben. Jede Sache für ihren Zweck! Unsere Aktienunternehmungen müssen aktiv werden in ihrem Wirkungskreise. Wenn wir heute für den N. F. ca. 400 00.0 Jt, für Schekel und Landesbeiträge 200 000 jf6, für weitere Sammlungen usw. weitere 400 000 geschenkt erhalten können, dann muß auch die Summe, die in Wertpapieren angelegt wird, eine entsprechende sein. Eine entsprechende Summe ist aber eine solche nur, wenn sie die Summe der Spenden um ein vielfaches übertrifft. Heute ist gerade das strikteste Gegenteil der Fall. Wir besitzen allein 120 000 Aktionäre für eine Bank und nur ein Kapital von 5 Millionen Mark. Das ist ein Unikum auf dieser Erde. Und wenn wir auch das Vermögen der Ostjuden, die als Aktionäre figurieren, geringschätzen, die 20 000 und mehr Zionisten des Westens sind um so wohlhabender. Daß auf sie durchschnittlich — wie sich jeder ausrechnen kann, und wie jeder Zionist in praxi finden kann — nur eine Beteiligung von 40 cJ6 (höchstens 60 <J6) kommt, zeigt von einem ungesunden Zustande. Gewiß ist der lebende Idealismus die Triebkraft unseres Tuns, aber altruistische Momente beherrschen die Welt und unser Geschlecht nicht allein. Es gibt Idealisten, die nebenher krasse Realisten sind. Ich möchte fast sagen, sie bilden die Regel. Gewiß nicht den Zionismus in die Abhängigkeit des goldenen Kalbes zu bringen ist unsere Aufgabe. Aber das Wesen des Kapitalismus verstehen und ihn für die Kolonisation Palästinas auszunützen, ist nicht unehrenhaft. Auch der Materialist, der pekuniär (lediglich aus geschäftlichen Erwägungen heraus) sich an einer Sache beteiligt, wird ein Interesse für die Aktionen seines Unternehmens gewinnen. Man spendet gewöhnlich nur Überflüssiges. Die Zionisten aber müssen mit ihrem Vermögen an der Sache beteiligt werden, dann gibt es kein Renegatentum mehr, keinen Indifferentismus. Daß wir uns aber mit unserm Vermögen beteiligen, wird sich dann mehr und mehr von selbst ergeben, wenn die zionistischen Papiere nicht wertlose oder geringwertige Anteile, sondern erste Börseiischeinc sind. Die jüdische Lebensversicherung Während es also bei dem Bestehenden gilt, diese Gesichtspunkte energisch durchzuführen, gibt es anderseits noch andere Wege, wo durch Ausnutzung rein wirtschaftlicher Momente große weitere Geldmittel für unsere Sache von selbst frei werden. Auf dem letzten Kongreß liefen verschiedentlich Mitteilungen ein, daß Lebensversicherungen bei verschiedenen Gesellschaften zugunsten des N. F. abgeschlossen wurden. Der N. F. wird also in späterer Zeit Gelder erhalten, deren Genuß heute fremde Betriebe erhalten. Das ist doch schade, daß auf diese Weise erst nach Jahr und Tag unsere Bestrebung das Geld ausnutzen darf. Wir vernachlässigen viel zu sehr, welcher Vorteil darin liegt, mit großen Geldmitteln schon jetzt zu hantieren. Ich möchte heute also auf einen Vorschlag Goldbergs (Wilna) zurückkommen (Welt 1909), der mich selbst schon seit Jahren interessiert. Denn gerade in dieser Idee finde ich die beste Synthese aller nötigen Faktoren einer wirtschaftlichen Unternehmung, bei der der rein-jüdische Charakter der Bewegung und ihren Anhängern Vorteile bietet. Ich denke an eine jüdische Lebensversicherung. Lebensversicherung muß, wenn sie Vorteile gegenüb bestehenden bieten soll, folgende Bedingungen erfüllen: 1. Geringere Geschäftsunkosten. 2. Geringere Sterblichkeit. Diese Vorteile hätte eine zionistische Lebensversicherung. 1. Die Akcjuisition der Mitglieder kann mit ganz geringen Ausgaben verbunden sein. Es ist natürlich Ehrensache der Partei, ihrer vielen Funktionäre, für sie zu werben. Um so mehr, je stärker die Gesellschaft wächst und reich wird. 2. Es ist eine so oft bewiesene und beglaubigte Tatsache daß die Sterblichkeit der Juden eine ist (aus vielen Faktoren: " geringe hygienisches Leben usw.). Dadurch Lebensversicherung gute Chancen. Nun kommt noch als weiteres Moment hinzu, daß die Idee der Lebensversicherung dem praktischen und kommer- Eine den bedeutend geringere Alkoholverseuchung, bietet eine jüdische

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.