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Die Welt · 1910-05-27 · 21 (27.5.1910) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
21 (27.5.1910)
Date
1910-05-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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der Notwendigkeit eines Zusammenschlusses, der nunmehr in Krakau erzielt worden ist. Er beweist wieder klar die Hinfälligkeit allen Qeredes über die Differenz zwischen Ost und West. Die Juden haben überall Feinde. Ist es hier die drohende Änderung des Propinationsgesetzes, so sind es anderwärts die Hausierverordnungen. Geht in Galizien das herrschende System mit Willkürakten gegen die Juden vor, so zwingt man sie in Wien oder Prag zur Taufe und ruiniert den jüdischen Mittelstand mit Hilfe der Sozialdemokraten durch die berüchtigte österreichische soziale Gesetzgebung, welche die Juden wie zwischen kreisenden Mühlsteinen zerreibt. In Galizien stehen die Juden zwischen Polen und Ruthenen, in den Sudetenländern zwischen Deutschen und Tschechen. Alle nationalen Schlachten werden auf ihrem Rücken geschlagen, und es ist deshalb mit Freuden zu begrüßen, daß sie nunmehr ihre Lethargie auch in Westösterreich überwinden. Die Krakauer Beschlüsse sind aber auch noch aus einem andern Grunde bemerkenswert. In ganz Österreich sind es die Zionisten, die die nationale Arbeit leisten. Tiefgehende Streitigkeiten theoretischer und leider auch persönlicher Natur haben es bisher verhindert, daß für den Kampf der Juden um ihr Recht überall nach gleichem System unter einheitlicher Leitung vorgearbeitet wurde. Nunmehr haben sie das gemeinsame Terrain festgestellt. Mögen sie nunmehr einig und geschlossen an die Lösung ihrer Aufgaben schreiten! Sie werden damit den Zionisten anderer Länder ein schönes und nachahmenswertes Beispiel geben, wie man inneren Zwiespalt durch Arbeit für das Volk überwindet, j. 1. Sonntag, den 15. Mai wurde im Saale des Vereins „Haschachar" in Krakau die zweite Konferenz der jüdisch-nationalen Partei Österreichs eröffnet. Die Versammlung war von ca. 30 Delegierten aus Galizien, der Bukowina und aus Westösterreich besucht, die das zionistische Zentralkomitee Galiziens, den Wiener Judischen Nationalverein, den jüdisch-politischen Verein in Prag und die jüdischnationale Partei der Bukowina vertraten. Es waren auch alle vier Mitglieder des reichsrätlichen jüdischen Klubs, die Herren Dr. Gabel, Dr. Mahler, Stand und Dr. Straucher anwesend. Als Gast nahm an der Konferenz auch Herr Dr. Wladimir Jabotinsky teil. Reichsratsabgeordneter Dr. Gabel eröffnete die Konferenz mit einer längeren Rede, in der er auf die wichtigen Aufgaben hinwies, die die Konferenz zu erledigen habe. Er führte u. a. aus: Seit der ersten Konferenz der jüdischen Nationalparteu die vor vier Jahren stattfand, hat die jüdisch-nationale Partei in Österreich gar nichts für ihre Organisation getan, trotzdem das Leben uns zwingt, eine starke, ganz Österreich umfassende Organisation ins Leben zu rufen. Selbstverständlich muß die Grundlage dieser Organisation und die Idee, von der sie getragen wird, der Zionismus sein. (Beifall.) In das Präsidium der Konferenz wurden gewählt: Reichsratsabgeordneter Dr. Strauch er als Präsident, Dr. Ringel und Dr. Stricker (Wien) als Vizepräsidenten, Redakteur Frostig und Redakteur Geller (Czernowitz) als Sekretäre. Abg. Dr. Straucher betonte, daß die Konferenz bestrebt sein müsse, ohne lange Debatten eine starke, gut disziplinierte Partei zu schaffen, denn der Mangel an Disziplin könne zur Vernichtung der jüdisch-nationalen Partei in Österreich führen. Weissglas (Zastawna) beantragte folgende Resolution, die einstimmig und ohne Debatte angenommen wird: „Die 2. Konferenz der jüdischen National-Partei in Österreich spricht ihre Entrüstung aus über die barbarische Behandlung der Juden in Rußland durch die dortige Regierung im allgemeinen und insbesondere über die unmenschliche Ausweisung jüdischer Familien aus Städten und Ortschaften, wo sie bereits jahrzehntelang wohnen. Die Konferenz fordert den reichsrätlichen jüdischen Klub auf, einen Protest bei den maßgebenden Kreisen einzulegen gegen die barbarischen, der Zivilisation hohnsprechenden Vorgänge in Rußland." Reichsratsabgeordneter Dr. Gabel referierte sodann über die Tätigkeit des jüdischen Klubs im österreichischen Parlament, sowie über die zu schaffende Organisation der jüdischen Nationalpartei in Österreich. Dieser Organisation sollen alle Vereine angehören, die auf jüdisch-nationalem Boden stehen. Die einzelnen Kronländer sollen sich im Rahmen der Reichspartei autonom betätigee. Es soll eine Reichs-Exekutive und eine Reichs-Konferenz ins Leben gerufen werden, die dem jüdischen Klub im Parlament Direktiven erteilen sollen. An der Debatte, die sich über das Referat des Abgeordneten Dr. Gabel entpspann, beteiligten sich die Herren Dr. Pachtmann, Dr. Malz, Dr. Salz, Abgeordneter Mahler, Tropp, Dr. Diamand, Dr. Stricker, Dr. Ringel, Dr. Löwenherz, Dr. Frucht, Dr. Laufer, Dr. Kadisch und Abgeordneter Dr. Straucher. Alle Redner betonten die Wichtigkeit der Schaffung einer starken Reichsorganisation, die die zionistische Partei in Galizien und die jüdisch-nationale Partei der Bukowina und Westösterreichs" umfassen soll. Der Bericht des Abgeordneten Dr. Gabel über die Tätigkeit des Jüdischen Klubs wurde zur Kenntnis genommen. Zur endgültigen Redaktion des von Dr. Gabel unterbreiteten Statutenentwurfs wurde eine Kommission eingesetzt. Vor Beginn der Nachmittagssitzung hielt Gesinnungsgenosse Jabotinsky ein interessantes Referat über die Lage des Zionismus in der Türkei. Der Statutenentwurf der in der Vormittagssitzung eingesetzten Kommission wurde nach längerer Debatte in Hauptpunkten angenommen. In die Reichsexekutive wurden gewählt: Aus der Bukowina: Weißglas, Dr. Frucht, Dr. Laufer und Dr. Diamand; aus Galizien: H. Tropp, Dr. Salz, Dr. Waldmann, Dr. Pachtmann, Dr. Löwenherz, Dr. Ringel, Dr. Schreiber; Aus Westösterreich: Dr. Schalit und A. Böhm. Zum ersten Vorsitzenden der Reichsexekutive wurde Herr Dr. A. Salz (Tarnow) und zu stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Frucht und Dr. Schalit gewählt. Im Anschlüsse an die Konferenz fand abends eine große Volksversammlung statt, in der sämtliche vier Reichsratsabgeordnete Reden hielten. Die Versammlung nahm einen glänzenden Verlauf. Es herrschte große Begeisterung. Am folgenden Tage wurden Referate über die bevorstehende Volkszählung, sowie übe die Ausgestaltung der Kultusgemeinden erstattet. Es wurde in allen Punkten vollste Einmütigkeit erzielt. Man erwartet von der Tätigkeit der neu gegründeten Reichsexekutive bedeutende Erfolge für die Ausbreitung des jüdisch-nationalen Gedankens in Österreich. Ein Beitrag zur Lösung der Geldfrage im Zionismus I. Von zweierlei Systemen Es gibt in extremis zwei Möglichkeiten Geld für ein Unternehmen zu bekommen: 1. Man läßt sich etwas schenken (ich drücke mich approximativ aus). Mau appelliert dal)ei an die ideale Gesinnung des Publikums. Mehr oder minder wendet man sich damit immer an den Raclnnones der angegangenen Subjekte. In concreto auch bei den meisten Sammlungen für den Zionismus. 2. Man benutzt die wirtschaftlich-realen Interessen. Also man verspricht Dividende, Kursgewinne oder spätere große Geld Verteilungen, Man betreibt das Unternehmen lediglich sub specie, Business (Geschäft). Zwischen diesen beiden Möglichkeiten gibt es Kombinationen. Im allgemeinen muß man annehmen, daß die größten Mittel durch den Modus II frei werden. Großkolonisation wurde bis jetzt (wenn wir von den Staaten abseilen, die vermöge ihrer Staatsgewalt mächtige Steuern, Zölle u. dgl. zur Hand haben) von Gesellschaften wohl nur auf die zweite Weise in die Wege geleitet. Die zionistische Partei hat jedoch jährlich größere Einnahmen aus den Gesehenken als aus den Kapitalsanlagen. Es wäre leicht, die große Summe der jährlichen Gaben für

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