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Die Welt · 1910-05-20 · 20 (20.5.1910) · page 59

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
20 (20.5.1910)
Date
1910-05-20
Page
– (sequence 59)
Language
German
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No. 20 DIE3^ELT 495 o o o o o o o € o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG 1 o o 0 o o o o IL O O 0 o o o o Der Zionismus und seine Institutionen War in dem Vorangegangenen nur von dem Lebenslauf, dem Wirken und der Persönlichkeit des Schöpfers der zionistischen Bewegung, Theodor Herzl die Rede, so möge hier eine kurze Darstellung der zionistischen Organisation und ihrer finanziellen und kulturellen Institutionen Raum finden. * * * Die alle Länder der Welt, in denen Juden leben, umfassende Organisation setzt sich zusammen aus Scliekelzahlern (jährlicher Beitrag 1.—), die in Landesorganisationen mit Landesparteitagen als oberste Instanz, sowie Distriktsorganisationen und Einzelvereinen zusammengefaßt sind. Je 200 Schekelzahler entsenden einen Delegierten zum Kongreß, dem zionistischen Parlament, das alle zwei Jahre zusammentritt und die Rechenschaftsberichte der Leitung (d. i. das Große Aktions- Komitee und dessen Arbeitsausschuß, das sogenannte Engere Aktions- Komitee) und der Partei-Institutionen entgegenzunehmen, den Etat zu bestimmen, die allen Zionisten gemeinsamen Fragen zu besprechen und die Neuwahl der Leitung vorzunehmen hat. Der erste Zionistenkongreß in Basel im Jahre 1897 formulierte die Leitsätze der Bewegung im Baseler Programm, dessen erster Punkt das Wesen des Zionismus in folgenden Worten definierte: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Die Leitung der wirtschaftlichen Arbeiten in Palästina obliegt dem Palästina-Ressort in Berlin, dessen ausführendes Organ das dem E. A. C. unterstellte Palästina-Amt in Jaffa ist. Die finanziellen Institutionen der Bewegung sind: die Jüdische Kolonialbank (The Jewish-Colonial-Trust) »mit dern^ Sitze in London, deren eingezahltes Kapital gegenwärtig £ 256. 482 beträgt und die für das abgelaufene Jahr einen Reingewinn von £ 6386.— zur Verteilung brachte. The Anglo-Palestine-Conpany in Jaffa mit Filialen in Jerusalem, Haiffa, Hebron und Beyrouth, ist das finanzielle Institut der Bewegung im Orient. Diese Bank hat in den letzten Jahren eine Dividende von 4 1/6% zur Verteilung gebracht. In Konstantinopel besitzt die zionistische Organisation ein Bankinstitut, die Anglo-Levantine Banking Company, die seit zwei Jahren besteht und eine günstige Entwicklung nimmt. Die letztgenannter Anstalten sind zu dem Zwecke ins Leben gerufen worden, um die wirtschaftliche Arbeit der Zionisten im Orient zu fördern. Der Jüdische Nationalfonds, dessen Bestimmung es ist, Grund und Boden in Palästina als unveräußerlichen jüdischen Besitz zu erwerben, wurde im Jahre 1901 geschaffen und hat eine fortgesetzte rapide Steigerung seiner Einnahmen zu verzeichnen. Während zum Beispiel das Jahr 1908 eine Einnahme von 276000 Mk. brachte, wurden im Jahre 1909 406000 Mk. eingenommen. Ein Teil der Einkünfte dieses Fonds dient für den besonderen Zweck der Aufforstung des Landes durch die Anpflanzung mit Ölbäumen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß der Ölbaum, der in Palästina heiniisch ist, sich am raschesten und rationellsten für eine im Großen durchzuführende Bewaldung und nach wenigen Jahren reiches Erträgnis abwirft. Zur Zeit reicht dieser ^Fonds bereits für die Anpflanzung von etwa 30000 Bäumen, von denen eine beträchtliche Anzahl bereits angepflanzt ist. Das Erträgnis der Ölbaumpflauzungen soll für Kulturzwecke im Lande und zwar in erster Linie für Bildurigsanstalten, eine jüdische Hochschule, Volksu. Mittelschulen, kunstgewerbliche und technisch Institute, die zum Teil bereits bestehen, zum Teil in kürzester Zeit errichtet werden, (Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem, Technikum in Haiffa) verwendet werden. Die Palestine»Land-DeveIopment=Company bezweckt auf kommerzieller Basis unter Anwendung moderner kolonisatorischer Methoden: 1. den Erwerb, die Amelioration und Parzellierung größerer Grundstücke in Palästina für eigene und für fremde Rechnung behufs Schaffung neuer Siedlungen (Kolonien), 2. die Anlage und Pflege extensiver und intensiver Kulturen für eigene und für fremde Rechnung, 3. die systematische Ausbildung und allmähliche Seßhaftmachung jüdischer Landarbeiter in Palästina. Eine andere Form der Kolonisation soll mit der Siedlungsgenossenschaft, die nach Vorschlag Dr. Franz Oppenheimers auf dem letzten Zionistenkongreß beschlossen wurde, versucht werden. Es ist dies eine Arbeiter-Produktivgenossenschaft, welche von Oppenheimer als die in der Mehrzahl der Fälle geeignetste Form der AnsiepÜung jüdischer Proletarier angesehen wird. Von den für die Schaffung dieser Genossenschaft in Aussicht genommenen Fonds von 100000 Frs. ist ein größerer Teil bereits eingezahlt. Zum Zwecke der Wohnungsfürsorge in den Städten Palästinas haben sich jüdische Baugenossenschaften gebildet, die mit Unterstützung des jüdischen Nationalfonds die Errichtung gesunder, schöner Wohnhäuser bezwecken. In letzter Zeil hat die Genossenschaft in Jaffa 60 neue Häuser mit allen modernen hygienischen Einrichtungen erbaut. Die Vorarbeiten für die Errichtung eines Jüdischen Nationalmuseums in Palästina sind so weit gediehen, daß die Errichtung dieses Museums in allernächster Zeit in Aussicht genommen ist. Auch die Arbeiten für die Gründung von Arbeiterwohnhäusern sind in die Wege geleitet worden. Ebenso ist die Errichtung eines mikrobiologischen Instituts ir Palästina bereits gesichert. Die zionistischen Institutionen, die wir in den vorstehenden Ausführungen nur ganz kurz und unvollständig streifen konnten, sind ihrem ganzen Wesen nach Volksinstitutionen im vollen Sinne des Wortes. Sie alle dienen dem hohen Zweck, das groüe Werk der jüdischen Ansiedlung im alten Heimatlande der Juden, das in den letzten 30 Jahren, in einer Reihe blühender Kolonien seinen Anfang genommen hat, zu fordern und zu Ende zu führen.

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