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Die Welt · 1910-05-20 · 20 (20.5.1910) · page 58

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
20 (20.5.1910)
Date
1910-05-20
Page
– (sequence 58)
Language
German
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494 DIE30KELT No. 20 fuhr, wo er von Wilhelm II. empfangen worden sollte. Der Brief lautet: HatV'i) von Alexandrien, 24. Oktober 1898. Lieber Doktor, nur wenige Worte in aller Eile. Über die Umstände unserer Expedition, die geheim bleiben mußte, werden Sie bald alles erfahren. Vorlaufig nur die Anzeige, daß vielleicht aus Palästina ein zur Publikation in der „Welt" bestimmtes Manuskript von einiger Wichtigkeit kommen wird. Ich werde am Tage der Absendung Ihnen telegraphieren: Manuskript abgeschickt, worauf Sir* alle Vorkehrungen treffen wollen, damit es an erster Stelle der nächsten Nummer nach dem Eintreffen erscheint. . . . (folgen private Nachrichten an mich). Alle Details überlasse ich Ihnen. Herzliche Grüße Ihr treuergebener Th. Herzl. Nachschrift. Reservieren Sie sich jedenfalls für diese Nummer alle besten Artikel, die Sie haben. Vielleicht bekommen Sie noch rasch <>in gutes Feuilleton von L. Kellner, auch eine gute Woche von Erwin,*) gute Weltchronik. Die Ziffer der Auflage telegraphiere ich noch. Und nun folgte noch eine ganze Reihe von Anordnungen betreffs der Druckerei, der Expedition usw. usw. Man beachte den Widerspruch. Oben die Überlassung der Details, in der Nachschrift eine Detaillierung bis ins kleinste. Gewiß trug die Wichtigkeit dos Geschehnisses dazu bei, aber es handelte sich eben um die „Welt", und das ließ ihn nicht ruhen. Allerdings hatte der Feuereifer Herzls die gute Folge, uns alle immer wieder bis aufs äußerste anzuspornen. Wir taten wirklich alle unser Bestes. Wir taten es aber auch, weil wir wußten, mit welch schweren persönlichen Opfern Herzl die „Welt" förderte. Nicht nur, daß er dem Blatte seine Zeit und Arbeit widmete, er hat es auch jahrelang aus seiner eigenen Tasche bezahlt. Unsere Mitarbeiter konnten sich über ihre Honorare wahrlich nicht beklagen, und Herzl achtete strenge darauf, daß jede Leistung für das Blatt honoriert wurde. Darüber gab es mit manchem unserer Gesinnungsgenossen lange Kontroversen. Ilerzl ließ sich aber in diesem Punkte nicht beirren. Es wäre noch manches von Herzls Verhältnis zur „Welt" zu sMgen, von seiner Stellung zu don Redakteuren, den Beamten der Administration und anderes mehr. Das ginge aber wohl weit über den Rahmen eines Artikels hinaus. - Während meiner zweiten Redaktionszeit war Herzl viel zu sehr in Anspruch genommen, um so wie früher mitzutun. Auch damals aber mußte ich mehrmals in der Woche mit ihm konferieren, die Hauptgeschehnisse berichten und seine Wünsche entgegennehmen. Erst kurz vor seiner letzten Erkrankung hörte auch das vollständig auf. In der Konferenz des großen A. C. im April 1904, die an die bereits arg erschütterte Gesundheit Herzls allzu große Anforderungen stellte, trat er zum letzten Male mit der alten Liebe und dem alten Feuereifer für die „Welt" ein, die von einigen russischen A. C.-Mitgliedern hart kritisiert worden war. So hat er bis zuletzt liebevoll an seiner „Welt" gehangen. Darum soll an dem Tage, an dem man seinen 50. Geburtstag begeht, auch seiner liebevollen Tätigkeit für die „Welt" gedacht sein. Wer Ilerzl geliebt hat, wird auch seiner Lieblingsschöpfung, der „Welt", freundlich gesinnt bleiben. Möge sie, in seinem Geiste geführt, immer ihres großen Schöpfers eingedenk, möge sie seiner würdig bleiben! *) Dr. E. 11 oscnlie rger, der diu wöchentlichen Vfoersiehten unter dem Titel ..Die Wo<-he" schnell. Herzl legte darauf groüen Wart und hielt viel vordem ..wackern Erwin-, wie er ihn gerne nannte. Der König von Italien und Herzl Es ist allbekannt, welches Interesse der sich für jede edle Sache erwärmende König von Italien dem zionistischen Ideal entgegenbringt und wie sympathisch ihm die Erscheinung des Begründers der modernen zionistischen Bewegung gewesen ist. Diesen seinen Gefühlen hat er öfter Ausdruck gegeben, und hat insbesondere dem von ihm hochgeschätzten Florentiner Rabbiner Dr. Margulies gegenüber öfter erklärt wie leid es ihm tue um den so jäh ins Grab gesunkenen Held. Vor ungefähr zwei Jahren empfing er in Racconigi, seiner Sommerresidenz, Ernesto Segr6, einen angesehenen Turiner Seidenfabrikanten, der auch gründendes Mitglied des Circoio Sionistico Piemontese ist, um mit ihm wegen Ankauf eines Terrains, welches dem letztern gehörte, zu verhandeln. Nachdem das Geschäft abgeschlossen war, begann der König in seiner jovialen Art zu plaudern. Er sprach über dies und jenes und kam, da er wußte, daß der Fabrikant ein Jude sei, auf das Judentum und schließlich auf den Zionismus zu sprechen. Nicht gering war seine Freude, als er hörte, daß Segre Mitglied des neugegründetenTurinerZionistenvereins sei. Inmitten des Gesprächs erhob sich plötzlich der König und sagte: „Warten Sie einen Augenblick, ich will Ihnen etwas zeigen!" Er schritt seinem Schreibtische zu, öffnete ein Fach, langte hinein und holte eine Photographie heraus. „Wissen Sie auch, wen dieses Bild darstellt?" fragte der König. Das Bild, welches der König so pietätvoll aufbewahrte, war das Bild Dr. Herzls. # * * Über den gleichen Gegenstand schreibt uns Herr J. Moser in Bradford: „Als ich im April 1906 vom König von Italien in Privataudienz empfangen wurde, berührte der König im Laufe des Gespräches auch den Zionismus und sagte u. a.: Ich freue mich, Herrn Dr. Herzl persönlich gekannt zu haben. Ich hatte den Eindruck, mit einem sehr bedeutenden Manne zu sprechen. Ich bedaure seinen so frühen Tod. Seine Werke, die er mir sandte, habe ich mit großem Interesse gelesen. Ich vergegenwärtige mir, welch großer Verlust sein Tod für den Zionismus, für seine Freunde und Mitarbeiter und für das ganze Judentum sein muß." Die Herzl-Feier In allen Orten, an denen Zionisten wohnen, wird Herzls 50. Geburtstag würdig begangen. Und da es heute keine jüdische Gemeinde mehr gibt, in der sich nicht Zionisten befinden, so ist die Herzl-Feier eine Feier des ganzen Judentums. Die Landesorganisationen halten überall öffentliche Versammlungen ab, in denen Herzls Bedeutung für das jüdische Volk erörtert wird, und das Bestreben aller Zionisten ist darauf gerichtet, die Ehrung des verblichenen Führers zu einer imposanten Manifestation für sein Lebenswerk, die zionistische Idee, auszugestalten. Die Wiener Gesinnungsgenossen werden übermorgen vormittags im geschlossenen Zuge an Herzls Grab auf dem Döblinger Friedhofe defilieren. Und die Gedanken eines jeden Zionisten werden mit dem Zuge unserer Wiener Brüder an der uns allen geweihten Stätte weilen, an der Theodor Herzl den letzten Schlaf schläft.

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