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Die Welt · 1910-05-20 · 20 (20.5.1910) · page 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
20 (20.5.1910)
Date
1910-05-20
Page
– (sequence 52)
Language
German
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488 ' "" ''DIE3 Gebieten zionistischen Schaffens. Wir dürfen, ohne unbescheiden zu sein, sagen: Wir haben ein vortreffliches Menschenmaterial und einen vorzüglichen Nachwuchs. Wir haben an allen neuen Aufgaben der Organisation, so an den praktischen Arbeiten in Palästina, nach besten Kräften mitgewirkt. Daraus schöpfen wir die Hoffnung, daß wir wieder einrücken werden in die zentrale Stellung, die wir unter Herzl eingenommen haben. Sein Geist ist so lebendig unter uns, daß er auch der deutschen Organisation wieder einen frischen Hauch eingeben wird. Wir können den schweren Eriimerungstag nicht würdiger begehen, als daß wir alle den Vorsatz in uns reifen lassen, unsere Reihen wieder dichter zu schließen und einträchtig zusammenzumarschieren, auf daß wir helfen, das jüdische Volk dem Ziele näherzubringen, das ihm sein Held und Liebling gesteckt hat. Aus meinen Erinnerungen Von Tobias Markus, Florenz. Von der Redaktion der „Welt" aufgefordert, ihr für die Herzl- Nummer einen Beitrag einzuschicken, habe ich aus meiner Korrespondenz mit unserm unvergeßlichen Führer und meinem treuen Freund einige Briefe ausgewählt. Dieselben enthalten Details über den ersten und den zweiten Basler Kongreß, usw., welche, obgleich privater Natur, dennoch von allgemein zionistischem Interesse sein dürften. Ich lasse dieselben hier folgen, begleitet von unerläßlichen Erklärungen unter Anführung von Nebenumständen. * * * Das große Ereignis war eingetreten. Das über die ganze Erde zerstreute jüdische Volk hatte durch das Genie eines seiner Söhne einen politischen Mittelpunkt erhalten. Dr. Th. Herzl hatte einen Kongreß der Juden nach Basel einberufen. Nur ein kleiner Teil der Judenheit hatte den Mut und das Vertrauen, dem Rufe zu folgen, aber diejenigen, die gekommen waren, sahen sich reichlich belohnt. In den letzten Augusttagen des Jahres 1897 kamen zweihundertvier Abgesandte des jüdischen Volkes aus allen Teilen der Diaspora in Basel zusammen, um nach fast zweitausend Jahren zum ersten Male über jüdische Angelegenheiten öffentlich zu beraten. Die Eröffnung des Kongresses durch den Einberufer, der Zauber seiner Persönlichkeit, seine Vortragsweise, der Inhalt der groß angelegten Rede, das alles zusammen wirkte wie eine Offenbarung; die Begeisterung wuchs mit jedem Satze, und als der Schluß kam und der erste Zionistenkongreß als eröffnet erklärt wurde, da durchzitterte ein heiliger Schauer die Versammlung, ein Rauschen ging durch den Saal, eine freudige Erregung bemächtigte sich der Teilnehmer, und unter dem mächtigen Eindrucke des Geschehenen dauerte es lange, bis die Kongreßarbeiten ihren Fortgang nehmen konnten. Als diese im Flusse waren, übergab Herzl den Vorsitz, um sich für einige Minuten zur Erholung zurückzuziehen. Auf ein Zeichen, das er mir gegeben, ging ich zu ihm, grüßte ihn mit einem heizlichem Masol tow und jejascher koach. Sein erstes Wort war der Wunsch, ich möchte seinen Eltern statt seiner ausführlich über alles schreiben und berichten, was und wie es vorgegangen, auch ihn zu entschuldigen, daß er es nicht selbst tue. Ich übernahm bereitwilligst diese Mission und schrieb sofort. Der folgende Brief des Vaters, Jacob Herzl, läßt erkennen, welchen Eindruck die Nachricht von der Eröffnung des ersten Zionistenkongresses auf die Eltern Herzls gemacht hat. Der Brief lautet: „Jschl, den 7. September 1897. Sehr geehrter Herr Markus! Indem ich Sie vom Zionistenkongreß aus Basel bereits glücklich 2u Hause angelangt hoffe, kommen meine Frau und [ELT —- - -......-------.No. 20 ich, Ihnen hiermit herzlich zu danken für Ihren ebenso ausführlichen wie erhebenden Bericht über die erfolgreiche Tätigkeit unseres Sohnes am Zionistenkongreß. Wir waren beim Durchlesen Ihres begeisterten Berichts zu Tränen gerührt und haben es sehr bedauert, nicht persönlich #m Kongreß teilgenommen zu haben, um Zeugen der Zustimmungskundgebung zu sein, die unserm Sohne in Anerkennung seiner Bemühungen im Dienst des Zionismus geworden sind. Empfangen Sie und Ihre w. Frau Gemahlin wiederholt unsern besten Dank für Ihre Gratulation und seien Sie beide von meiner Frau und mir herzlichst begrüßt. Hochachtungsvoll Jac. Herzl." Auf unserer Reise zum II. Kongreß nach Basel wollte es der glückliche Zufall, daß wir am Bahnhof Innsbruck mit unserm Führer zusammentrafen. Sofort veranlaßte er, daß wir neben ihm ein Coupe erhielten, und so blieben wir während der ganzen Fahrt zusammen. Bei dieser Gelegenheit ergab es sich, daß meine Frau ihn fragte, ob er Professor Vämbery kenne, was er verneinte. Darauf sagten wir ihm, daß nicht bloß wir, sondern auch unser Bruder, Bildhauer Beer, mit Vämbery befreundet seien. Sofort ersuchte er mich, Erkundigungen einzuholen, wo er augenblicklich zu treffen wäre. Ich ermittelte von Basel aus, daß Prof. Vämbery sich in Mühlbach (Tirol) zur Villeggiatur aufhalte. Einen Tag nach Schluß des Kongresses wünschte unser Führer, daß wir (Bildhauer Beer, meine Frau und ich) direkt nach Mühlbach reisen sollten, um Vämbery für unsere Bewegung zu gewinnen. Herzl selbst reiste am gleichen Tage infolge einer telegraphischen Einladung zum Großherzog von Baden nach Karlsruhe; die Depesche hatte den Zusatz: „Kommen Sie nur in Reisekleidern." In Mühlbach suchten wir Prof. Vämbery auf. Dieser, der Vertraute und gewesene Lehrer des Suitatis Abdul Hamid, war der geeignete Mann, unserm Führer den Weg zum Sultan zu ebnen. Wir machten uns sofort an unsere Aufgabe und stießen auch sofort auf große Schwierigke:ten. Vorerst wollte Professor Vämb6ry vom Zionismus nichts hören. Für alles, was wir für unsere Sache auch anführen mochten, hatte er Gegengründe, die nicht leicht zu bekämpfen waren. Wir ließen uns nicht entmutigen, und endlich nach drei Tagen angestrengter Arbeit fiel die Zitadelle. — Prof. Vämbery gab nicht ,nur seinen Widerstand auf, sondern versprach uns, sein möglichstes zu tun, um Dr. Herzl beim Sultan einzuführen, doch müsse er ihn früher behufs einer Vorbesprechung in Budapest besuchen. — Ich zögerte natürlich nicht, unserm Führer das Resultat unserer Bemühungen mitzuteilen. Der folgende Brief betrifft diese Angelegenheit: „Wien den 17. Sept. 1898. Hochverehrter Herr und Freund! Ihren lieben Brief habe ich mit Dank erhalten und werde nach Ihrem Ratschlage vorgehen. Mitte Oktober bin ich von London zurück und werde dann nach Pest fahren. Ich werde dem Mann meine Ankunft früher anzeigen. Heute muß ich mich sehr kurz fassen, begrüße Sie, Ihre hochverehrte Frau und Freund Beer aufs herzlichste. Ihr ganz ergebener Th. Herzl." Prof. Vämbery hat Wort gehalten. Die Resultate der Begegnung unseres Führers mit ihm zeigten sich bald. — Am 20. Mai 1900 erhielt Beer (damals noch in Paris) aus Konstantinopel eine Karte von Herzl mit den Worten: „In treuer Erinnerung an den Anfang". Die Karte enthielt noch Grüße mit den Unterschriften von Wolffsohn, Oskar Marmorek und Boris Barbasch. Arn 2. August 1902 bekamen wir hierher nach Florenz eine Karte aus Konstantinopel mit Grüßen von Herzl und Wolffsohn. Um dieselbe Zeit schrieb uns Prof. Vämbery unter anderm: „Nun wird Ihre Frau mit mir zufrieden sein, ich habe den Zionismus beim Sultan hoffähig gemacht." Am 20. Januar 1904 kam uns eine Depesche vom Bahnhof Florenz ins Haus: „Komme morgen vormittag 10 Uhr, bitte Beer,

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