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Die Welt · 1910-05-20 · 20 (20.5.1910) · page 47

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
20 (20.5.1910)
Date
1910-05-20
Page
– (sequence 47)
Language
German
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No. 20 DIE^ELT 483 sehr sind sie geistig regsam Es ist eine wahre Freude,- möglichst unbeachtet in einer der Schulen dem Unterricht beizuwohnen, ganz gleich ob es sich um eine Kolonistenschule, um Tachkemoni in Jaffa oder das dortige Gymnasium handelt. Und es lohnt wohl, zu erleben, wie die Mädchen unter Mossinsohns Leitung Propheten oder Psalmen lernen, mit welcher Freude, die an Begeisterung grenzt, sie seine Abendvorlesungen besuchen. Ich weiß, daß gerade dieser Unterricht arg angegriffen wurde. Wir werden darüber noch sprechen, vorläufig freue ich mich und gehe vom Herzl-Gymnasium, das noch zur Miete wohnt, ins nahe „Achusat Bajith", deren Wohnkolonie „Altneuland" heißen wird, und wandere durch die Herzlstraße zu Frau Dr. Thons Spitzenschule. Eigentlich gehört die Schule dem segensreichen Frauen-Kultur- Verein, aber Frau Dr. Thon leitet die Arbeit in Jaffa mit derselben ruhigen Mütterlichkeit und europäischen Sauberkeit, die das Hospital in Jaffa auszeichnet, das sie in kurzer Zeit mit Hilfe ähnlich gesinnter Damen umgestaltet hat. Unsere hochherzigen Freunde, das Ehepaar Moser aus Bradford, kannten die — — Bude von früher. Sie honorierten ihre Freude an der Veränderung mit einer Gabe von 1000 Frank. Solcher Kulturarbeit bedarf es überall. Haifa, dessen jüdisches Gemeinwesen täglich größer wird, hat gar kein jüdisches Spital. Herr Dr. Elias Auerbach, unser lieber Gesinnungsgenosse, ist dabei, eines zu schaffen. Vielleicht wird es das erste Hospital im Lande, mit Herzls Namen als Panier. Eine kleine Wohnkolonie Herzliah wurde dieser Tage in Haifa bezogen, und ein Hotel Herzliah hat uns vor einigen Tagen seine gastlichen Räume geöffnet. Von der Terrasse dieses Hauses zieht der Blick hinüber in das weitgeschwungene Halbrund der Bucht von Akka. Wie gleißende Brillanten leuchten weiße Siedlungen zwischen dem türkisfarbenen Meere und den Hügeln von Galiläa. Ganz unvermittelt lugt des Heraions Schneekuppe über den Bergen empor. Immer wieder meint man, eine lichte Wolke täusche den Blick. Am Abend, wenn die Sonne die Glut ihres feuerigen Balles ins Meer,taucht, bekommen die Berge irdische Gestalt, und die fliegenden Schwäne auf dem blauen Grunde werden zu kleinen Segelboten — auf flüssigem Kupfer. Kaum jedoch hat die Sonne ihr Bett bestiegen und die Vorhänge ihres Alkovens verhängt, geht ein Zittern durch das Gewässer, das flüssige Metall wird zu hartem Blei, zu stumpfer Masse. Die Berge erglühen eine Weile in wehmütiger Abendstimmung. Oben jedoch im blauen Himmelszelte wurde das „kleine Licht" entzündet, es schwebt in einem azurnen Bogen, wiegt sich leise, haucht zarte Lichtwellen herab und scheidet immer tiefere Schatten ab, je heller seine Silberstrahlen leuchten.--- Nächte von Galiläa, wie nehmet ihr die Sinne gefangen! An dieser Stelle oder nahe bei hat Theodor Herzl seinen Traum von Altneuland geträumt. Straße in Rischon-le-Zion Zwei Tage mit Dr. Herzl in Palästina von M. Meerowitch, Rischon=le»Zion. Nur zweimal habe ich Dr. Herzl gesehen und gesprochen, als er in Palästina war, aber der Eindruckdieses Zusammentreffens haftet unauslöschlich in meinem Gedächnis und in dem aller Palästinenser, die das Glück hatten, Herzl zu jener Zeit im Lande der Väter zu sehen. * * Herzl in Rischonle-Zion! Keiner wollte es glauben, so unerwartet, so überraschend kam uns die freudige Kunde. Es war am 27. Oktober 1898. Gegen 5 Uhr abends bog ein Wagen mit europäischen Reisenden in die Hauptstraße der Kolonie ein. Einer von uns erkannte in der Reisegesellschaft unsern verewigten Führer. Herzl! Herzl! Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht, und in einer Minute strömte die gesamte Einwohnerschaft der Kolonie auf die Straße. Herzl war inzwischen in Begleitung seiner Freunde zu den Rothschild'schen Weinkellereien gefahren, um diesezubesichtigen. Er verweilte dort über eine Stunde und machte folgende Eintragung ins Fremdenbuch: JaaA LoJLz ft*<4*ok-4s-*^ £Ü^t Ct ^~***r ^^d^Lyi^y^^e^-^ C-^tz-k^^tAji^^, *r H. . ti. ^'wt ^o<r*3«xwi ^-X>V^<^v>t^X^-^>*w ^ryt. v<w\ V^wv Jb*r*rJ-C*r A^h4u^ 0<4^x^fM Während Herzls Aufenthalt in den Kellereien war die Erwartung, nein, die Sehnsucht der ganzen Bevölkerung, Herzl zu sehen, Herzl zu hören aufs höchste gestiegen. Das Beth-Am (Versammlungshaus) wurde rasch festlich geschmückt und im Laufe einiger Minuten war es gedrängt voll. Männer, Frauen, Kinder, alle eilten herbei, viele Frauen brachten selbst die kleinen Kinder aus der Wiege mit. Man stieg auf die Bänke, erkletterte die Fenster, eine ungeheure Spannung hatte sich aller Gemüter bemächtigt. Ich befand mich unter denen, die Herzl entgegengingen, um ihn nach dem Beth-Am zu geleiten.

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