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Die Welt · 1910-05-20 · 20 (20.5.1910) · page 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
20 (20.5.1910)
Date
1910-05-20
Page
– (sequence 35)
Language
German
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No. 20 — DIE^EELT - 471 dringend, die Kongreßeinladungen in Rußland, Galizien, Rumänien, Kroatien und Bosnien, kurz überall, wohin Ihre Bekanntschaft reicht, energisch zu betreiben, ohne Rücksicht darauf, ob die betreffenden Personen von der vorbereitenden Kommission schon eingeladen sind oder nicht. Es hat sich, wie Sie wissen, ein furchtbarer Kampf gegen den Kongreß entsponnen und wir müssen alles aufbieten, um den Kongreß gleich das erstemal zu einem Erfolge zu machen. Ich rechne mit Bestimmtheit auf Ihre energische Mitwirkung, bitte um häufige Nachrichten, wobei Sie mich im Vorhinein entschuldigen müssen, wenn ich nicht jeden Brief gleich beantworte. Mit herzlichem Zionsgruß Ihr' ergebener Th. Herzl. Basel wurde definitiv als Kongreßort bestimmt. Datum 29., 30., 31. August." „Wien, 24. Juli 1897. Sehr verehrter Herr Doktor! . . . Ihren Vorschlag, eine Vorkonferenz schon am 27. in Basel abzuhalten, akzeptiere ich und werde es in Nr. 9 der „Welt" verlautbaren. Ich bitte Sie, sofort eine hebräische Einladung (kurz) zu verfassen und für Rechnung der vorbereitenden Kommission drucken zu lassen, dann sie unverzüglich an die hervorragendsten Zionisten Rußlands zu verschicken. Betonen Sie in der energischsten W7eise, daß dieser erste Kongreß unbedingt gelingen muß, weil sonst die Zionssache auf Jahre zurückgeschlagen wird. Zum Gelingen ist unerläßlich, daß Russen in großer Zahl kommen. Erklären Sie ferner, daß man sich selbstverständlich auch der hebräischen Sprache auf dem Kongreß wird bedienen können. Das kommt auch in Nr. 9. Die Einladung unterfertigen Sie als Mitglied der vorbereitenden Kommission usw. mit der Bezeichnung „Schriftführer" (was Sie für die hebräischen Agenden sind) und mit meinem Namen als „Vorsitzender der Kommission". Laden Sie freundlichst den..........., — alle in meinem Namen besonders ein. Sollten Sie noch andere wissen, denen eine spezielle Einladung (ein paar schriftliche Zeilen außer der gedruckten Einladung) zu schicken ist, so gebe ich Ihnen hierfür pouvoir. Ich verlasse mich darauf, Dr. Ehrenpreis, daß Sie das alles unverzüglich und mit größter Energie tun werden. Die Zeit drängt, ich bin erdrückt von Arbeit und muß mich auf die Mitarbeiter verlassen können. Geben Sie mir bald Bericht, daß alles vollzogen ist und seien Sie herzlichst gegrüßt von Ihrem ergebenen Th. Herzl." * * * Im Sinne dieses Briefes versandte ich an russische Vereine und Gesinnungsgenossen ein hebräisches Einladungsschreiben, dessen Entstehungsgeschichte für jenes Anfangsstadium unserer Arbeit recht bezeichnend ist. Da es in Djakoyar, wo ich damals wohnte, keine hebräische Druckerei gab, die Einladungsbriefe jedoch ohne jeden Verzug abgehen mußten, blieb mir nichts anderes übrig, als mich an den Setzkasten zu siellen und selbst das Schriftstück zu setzen; dabei mußte der Text dem zufällig (zum Drucke von Neujahrskarten) vorhandenen hebräischen Buchstabenvorrat angepaßt werden. Herzl bestätigte den Empfang eines Exemplars dieses Einladungsschreibens mit folgendem Brief: „2. August 1897. Sehr verehrter Herr Doktor! Herzlichen Dank für die prompte Ausführung meiner Bitten. An Ussischkin schreibe ich heute. Ich bitte Sie dringend in diesen letzten Wochen nicht zu erlahmen, insbesondere die hebräischen Blätter in Rußland zu überwachen, Aufklärungen, Berichtigungen in jedem kritischen Falle zu schicken. In größter Eile mit herzlichem Zionsgruß Ihr ergebener Th. Herzl.'4 In solcher Hetzjagd verlebte Herzl die Augustwochen 1897 bis zum Kongreß. Dann kam das große Erlebnis von Basel, wo Herzl seinen sieg- und schmerzensreichen Weg begann, und wo uns alle die Schauer geschichtlichen Geschehens schicksalsschwer durchzitterten. Eine Landspende Von Dr. M. J. Bodenheimer, Köln Wieder naht ein Erinnerungstag an unseren großen Führer. Da taucht vor meinem Auge ein wunderbares Erinnerungsbild auf. Wir stehen einsam am späten Abend auf dem Deck des Schiffes, welches uns an das Gestade Palästinas führt. Unter unsern Füßen auf dem Vorderdeck hat sich das lebhafte orientalische Volk aus aller Herren Ländern beruhigt und auf Teppichen und Matten eine improvisierte Ruhestätte gefunden. Tief purpurrot schimmert das Meer. Hier und da ein blitzendes Auftauchen wie von dahinschießenden Delphinen und wunderbares Leuchten, das die dunkelschimmernde Fläche blitzartig erhellt. Die Märchenwelt des alten Griechenland taucht farbenschillernd hell und lebensfreudig vor unserm Auge empor, befinden wir uns doch an der Stätte, die Homer, Euripides, Anakreon und Dutzend andere Dichter besungen. Da war unsere Brust zum Zerspringen erfüllt mit geflügelten Hoffnungen. Ein neues Wunder schien über unserm Haupt zu schweben, unserer Sehnsucht die Erfüllung zu winken. Greifbar nahe sahen wir ein Ziel vor uns, welches ein geknechtetes Volk durch Jahrhunderte ersehnt, und vor mir Stand jener Mann, der von der Vorsehung ausersehen schien, der Welt dieses Wunder zu zeigen. Wie ein Bogen sich strafft, so schienen sich seine Muskeln zu spannen. Der schwarze Bart verwehte im Wind. Dann legte er sinnend, das dunkle Auge in die Ferne schweifend, die Hand auf meine Schulter. „Mein Freund", sagte er, „was werden wir tun, wenn jenes Fürstenwort Wirklichkeit wird?" „Dann", sagte ich, „müssen wir eine Landgesellschaft bilden, eine Gesellschaft mit gewaltigem Kapital, um die Staatsländereien und die Domänen zu erwerben und in Kultur zu setzen, und so wird der Exodus beginnen." „Jawohl", sagte unser Führer; „eine Landgesellschaft, 3*

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