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Die Welt · 1910-05-20 · 20 (20.5.1910) · page 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
20 (20.5.1910)
Date
1910-05-20
Page
– (sequence 34)
Language
German
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gegeben. Die Vorbereitungsarbeiten, mit denen ein Exekutivkomitee betraut wurde, gerieten bald ins Stocken. II Vier Jahre später, Anfang März 1897, tagte abermals In Wien im zionistischen Vereinslokal in der Rembrandtstraße einje bescheidene zionistische Versammlung, um über die Einberufung eines zionistischen Weltkongresses zu beraten. Unter den Anwesenden haben sich abermals einige von den Teilnehmern der Vorkonferenz von 1893 eingefunden (Bambus, Salz und Schreiber dieser Zeilen); es erschienen ferner einige alte und neue Gesinnungsgenossen (Prof. Kellner, Dr. O. Thon, Kremenezky, York-Steiner). Am obern Tischende aber saß ein völlig neuer Mann und präsidierte: Theodor Herzl, — der Erwecker, dessen wir harrten. Zwischen der ersten und der zweiten Wiener Vorkonferenz hatte sich nämlich etwas sehr wichtiges begeben, — das Erscheinen des „Judenstaates". Das war ein neues Wort, getragen von einem neuen Geiste, gesprochen von einem neuen Manne. Dieses Neue schwebte über unsern Beratungen und gab ihnen das Gepräge. Ich habe am Vorabend dieser Konferenz, bei dem von den nationaljüdischen Hochschülern zu Ehren der Konferenzteilnehmer veranstalteten Bankett, Herzl zum erstenmal gesehen. Er erschien mir ausgeglichen und voller Kraft, groß, breitschulterig, kerngesund, von seltener, suggestiver Schönheit; bestimmt, knapp, fast geschäftsmäßig in Bewegung und Ausdruck. Während des Abends sprach Herzl. Er war noch kein Redner im üblichen Sinne; man sah es ihm an, daß er vöm Schreibtische kam. Er sprach unsicher, fast eingeschüchtert, rang nach Worten mit einer Stimme ohne Umfang, die Sätze kunstlos, abgehackt; aber er war unendlich mehr als ein Redner! Mit dem Seherauge, das ins Weite blickte und der gebietenden Bewegung der edlen Hand erschien er mir wie ein Prophet und Menschenbezwinger. An jenem unvergeßlichen Abend hatte ich das Gefühl, einer Persönlichkeit begegnet zu sein, die berufen ist, in unserer Geschichte Epoche zu machen. III Die Konferenz dauerte drei Tage. In eingehenden Beratungen wurden alle Einzelheiten des einzuberufenden Kongresses durchberaten, mit deren Durchführung ein Komitee unter Vorsitz Herzls betraut wurde. Während der ganzen Dauer der Beratungen zeigte Herzl eine geradezu schülerhafte Wißbegierde: er sprach selbst sehr wenig, hörte vielmehr mit angespannter Aufmerksamkeit die Ausführungen der andern an, die er sich als „Anregungen" ununterbrochen notierte. Er betrachtete sich offensichtlich als „Lehrling" im Zionismus, der von erfahrenen Gesinnungsgenossen das „Handwerk" erlernen wollte. Dann begann die Arbeit, die schwere und beispiellose Arbeit der „creatio ex nihilo", Herzl stampfte Menschen förmlich aus dem Boden, kommandierte, organisierte, eiferte an. Er lebte die Sommermonate 1897 ein fieberhaftes, ruheloses Leben, nur von einem Gedanken beherrscht: den Kongreß zu einem großen Erfolge der zionistischen Idee zu machen. IV Aus jenen arbeits- und sorgenreichen Tagen stammen folgende an mich gerichtete Briefe Herzls, die ich — mit einigen Weglassungen — hier-folgen lasse: „7. V. 97. Sehr verehrter Herr Doktor, Ihr Brief vom 14. April enthält so viel Anregungen, daß ich ihn nicht kurz beantworten wollte, und zu einem langen Brief hatte ich bisher nicht die Zeit, — habe sie auch heute nicht. Ich werde zur Beratung Ihrer Sektionsanträge in den nächsten Tagen eine Komiteesitzung einberufen und Ihnen das Resultat schreiben .... Wollten Sie mir nicht etwas von der schon sehr drückenden Last der Korrespondenz, für den Kongreß abnehmen und die von Ihnen für die Sektionen genannten Herren direkt einladen? Diesen müßte man ja mehr als die gedruckte Voranzeige schicken. Sie sind als Mitglied der vorbereitenden Kommission zur Einladung legitimiert und können sich weiters auf mich berufen. Bitte um sofortige Antwort u. Verzeichnis der Herren, denen Sie schreiben wollen. Mit herzlichem Zionsgruß Ihr ergebener Herzl." „Wien, 24. Juni 1897. Sehr verehrter Herr Doktor! Sie müssen entschuldigen, daß ich nicht alle Ihre Berichte beantworten konnte, ich habe wirklich ungemein viel zu tun. Die gedruckten Voranzeigen des Kongresses sind heute schon überholt, wie Sie aus der „Welt" ersehen. Das Arbeitsprogramm wird vielleicht schon in Nr. 6 veröffentlicht werden können. Sie tun der Sache einen außerordentlichen Gefallen, wenn Sie bei allen Ihren Bekannten in der dringendsten Weise die Einladung zum Kongresse vorbringen oder wiederholen. Sie wissen so gut wie ich, daß der Kongreß gleich bei seiner ersten Veranstaltung vollständig gelingen muß, um die Intriganten zu zerschmettern. Sie werden aus verschiedenen Blättern ersehen, mit welchen Mitteln gegen den Kongreß gewühlt wird. Die Antwort muß sein: — die Größe des Kongresses. Es wird ein reiner Zionistenkongreß sein. Im Vertrauen kann ich Ihnen schon sagen, daß München aufgegeben ist, und wir höchstwahrscheinlich nach Zürich gehen werden. In Zürich wird man uns keine Schikanen bereiten .... Mit Zionsgruß Ihr gern ergebener Th. Herzl." „Wien, 28. Juni 1897. Sehr verehrter Herr Doktor! ... Ich ziehe mich diese Woche aufs Land zurück, um die Kongreßvorarbeiten, namentlich das Arbeitsprogramm zu Ende zu führen. Das hebräische Referat ist Ihnen reserviert. München ist aufgegeben, mußte aufgegeben werden. Wir gehen nach Basel. Farbstein ist dort für uns tätig. Ich bitte Sie recht

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