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Die Welt · 1910-05-20 · 20 (20.5.1910) · page 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
20 (20.5.1910)
Date
1910-05-20
Page
– (sequence 32)
Language
German
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VON HERZL'S Die letzte zionistische Publikation Theodor Herzrs*) Die Konferenz der Verständigung In der zweiten Woche des April fand die Beratung des großen Aktionskomitees statt. Jedermann weiß, welche Unruhe sich unserer armen, guten, prinzipientreuen, zionistischen Freunde der ganzen Welt und besonders in Rußland bemächtigt hatte, und mit welchen sorgenvollen Gedanken sie das Ergebnis dieser Beratung erwarteten, da sie befürchteten, daß die so mühsam ins Leben gerufene nationale Organisation des Judentums, welche die große nationale Aufgabe durchzuführen bestimmt sein soll, auch schon gefährdet sein könne. Was war denn die Ursache dieser Beunruhigung? Die falsche Auffassung von dem Angebot der englischen Regierung. Unsere Pflicht war es einmal, die Tatsache, daß die englische Regierung uns ein Territorium für unsere in Not befindlichen Massen angeboten hatte, dem Kongreß zu unterbreiten, denn wir hatten nicht das Recht dazu, einen den Armen gereichten Bissen Brot zurückzuweisen. Aber niemand durfte hieraus noch folgern, daß wir das Baseler Programm, unser eigenes Werk, verlassen hätten. Mich hat der Gedanke aufs tiefste gekränkt, daß man voraussetzen konnte, daß ich Palästina aufgegeben hätte. Ich habe alle Macht aufgewendet, um mit meiner Schlußrede in Basel die Besorgten mit einem alten Wahlspruche unseres Volkes zu beruhigen. Für uns kann Ostafrika nicht die Lösung der Judenfrage bedeuten. Die Judenfrage bleibt auch weiter bestehen, und nur di-e tiefsten, unter der Schwelle des Bewußtseins lebenden, noch nicht zur nationalen und wirtschaftlichen Erkenntnis herangereiften Schichten, welche sonst vergehen würden, wären auf diese Weise für das jüdische Volk zu retten. Es gibt keine kompliziertere politische Frage als die unsiige. Wir haben durchaus keine Almosen empfangen und unsere Politik ist keine Bettelpolitik. Wir sind mit der englischen Regierung als Nation in Verhandlung getreten und setzen diese Unterhandlungen als Nation fort. In der Ostafrikafrage fällt der Umstand stark ins Gewicht, daß der Kongreß von der territorial größten Macht der Welt offiziell als der Vertreter des jüdischen Volkes anerkannt wurde. Unsere Geschichte weiß kein ähnliches Beispiel mehr aufzuweisen. Darum war der Beschluß des Kongresses nur so richtig, daß eine Expedition ausgesendet werden möge, *) Im Mai 1904 wurde ich von dem Redakteur des neugegründeten Organs der ungarischen zionistischen Föderation „Zsidö Neplap" ersucht, ich möge von Herzl einen Artikel für das junge Blatt erwirken. Einige Tage vorher hatte die denkwürdige, mit erregter Spannung erwartete Konferenz des großen Aktionskomitees stattgefunden, von welcher man die Herstellung der durch das Ugandaprojekt und dessen Wirkungen arg erschütterten Parteidisziplin erhoffte. Ich richtete daher an Herzl die Bitte, sich in einem Artikel für „Zsido Neplap" über die Bedeutung dieser Konferenz zu äußern. Herzl sandte hierauf den vorstehend wiedergegebenen Artikel, verpflichtete aber die Redaktion, den Artikel nicht vor der 6. Nummer, welche am 3. Juni erscheinen sollte, zu publizieren. Das Manuskript war mit der Maschine geschrieben und augenscheinlich dem Sekretär Dr. Schalit in flüchtiger Weise diktiert worden. Das Original ist nicht mehr vorhanden und es ist mir daher nur möglich, den ins Ungarische übersetzten Artikel wieder ins Deutsche zu übertragen. S. Bettelheim, Preßburg. LEBENSWERK welche das Material zu einer meritorischen Entscheidung sammeln solle. So wird das Volk in der Lage sein, auf Grund einer Kenntnis der Tatsachen, und nicht von bloßen Phrasen, zur Erbringung eines endgültigen Beschlusses zu gelangen. Diesem Beschlüsse des Kongresses Geltung zu verschaffen, war und bleibt unsere Pflicht. Die Aufgabe der Beratung des Aktionskomitees war also durch die Sicherung der Beschlüsse des Kongresses, die Einheitlichkeit der Organisation zum Ausdruck zu bringen. Die Konferenz löste diese Aufgabe, indem sie folgende Beschlüsse erbrachte: „Das große A.-C. nimmt mit Befriedigung Kenntnis von den fortgesetzten Bemühungen des engeren A. C. in Palästina. Das große A.-C. setzt voraus, daß das engere A.-C. im Sinne des Beschlusses des VI. Kongresses die Entsendung der Afrikaexpedition zum Gegenstande seiner Sorgfalt machen werde. Immerhin steht aber jedermann, nachdem erst der VII. Kongreß betreffs der Kolonisation Ostafrikas beschließen kann, das Recht der Diskussion über diese sowie über die andern schwebenden Fragen auch weiterhin zu. Fernerhin hat das große A.-C. nach angemessener Besprechung die Mißverständnisse geklärt und beseitigt, welche in den letzten Monaten durch von beiden Seiten zu weit getriebene Polemik entstanden sind und die Arbeit unserer Organisation störten. * So bleibt demnach der Beschluß des VI. Kongresses bezüglich der zur Erforschung des Landes ausgesendeten Expedition in Geltung. Damit ist das dringendste Erfordernis unserer Bewegung, die Einheitlichkeit unserer Organisation, gesichert. Wollen wir denn nicht auch, daß der Zionismus erstarke und daß er der Vertreter des jüdischen Volkes werde? Und warum wollen wir es? Weil wir glauben, daß zur Erreichung eines großen Zieles auch eine große Kraft nötig sei. Diese große Kraft kann aber keine Privatgesellschaft und kein Konventikel liefern! Diese Kraft kann nur unsere nationale Organisation liefern. Und deren ausübendes Organ ist ja der Kongreß. Dr. Theodor Herzl. Herzl und die Maccabaeans Von Herbert Bentwich, London (Aus dem Englischen) Meine erste Erinnerung an Herzl knüpft sich an seinen denkwürdigen Aufenthalt in London im Jahre 1896. Er setzte damals im Klub der Maccabaeans den Plan seines Judenstaats auseinander, doch fanden seine Ausführungen hier eine etwas kühle, kritische Aufnahme, die ihn in der Folge Veranlaßte, sich mehr an die breiten Massen zu wenden. Einige unter uns waren gleichwohl durch seine Begeisterung entflammt worden, und als es uns bald darauf gelang, eine Pilgerreise nach dem Heiligen Lande zu veranstalten, erließ Herzl einen Aufruf, in dem er diese Palästinafahrt als eine Pionierreise begrüßte, die bestimmt sei, seine Pläne zu fördern. In der Tat haben die Maccabaeans, indem sie diesem Unternehmen das Prestige ihres Klubs liehen, vielleicht etwas Besseres geschaffen, als ihnen selbst zum Bewußtsein kommen mochte. Sicher ist, daß Herzl diese

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