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Die Welt · 1910-05-20 · 20 (20.5.1910) · page 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
20 (20.5.1910)
Date
1910-05-20
Page
– (sequence 31)
Language
German
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No. 20 DIE3^ELT 467 gewiß schon sehr deutlichen philosophischen Erzählung „Däumerle und Bäumerle". Die praktischen Leute lachten ihn aus. Nur das taten sie? Wir wissen Schlimmeres von ihnen, aber wir wollen davon schweigen. Er litt heimlich Martyrien und verzagte dennoch nicht. „Denn er, er glaubte unverbrüchlich an die Zukunft. Er fing an, zu bauen". . . Ein Hauch aus Zarathustras Höhenlied umfängt uns bei diesen Worten, die wie mit starken Händen jegliche Resignation und Wehmut abstreifen. Herzl kannte die rauhe Genugtuung, verkannt, vom Pöbel und dessen Witzlingen verhöhnt zu werden. „Er kannte die grimmige und reine Bergfreude der Einsamen . . . Die Einsamen aber wachsen dabei und härten sich für die äußersten Aufgaben." Gerade in seiner Unerschütterlichkeit lag das Bezwingende. Das große Beispiel, das er uns gab, konnte nicht vereinzelt bleiben. Da lernte er eine andere Freude kennen, die berauschender und edler sein mag als die des Einsamen. Von dieser Freude des Führers sind die Schlußworte der philosophischen Erzählung durchpulst, wenn sie auch nüchtern klingen wollen. „Die Mehrheit sagt uns immer, was vernünftig ist. Zum Schlüsse waren diejenigen die gescheitesten Leute, welche die engen Gassen verließen, um in der grünern Freiheit zu leben." Aber nicht lange währte die Freude. Eine leise Melancholie . senkte ihre Schatten wie eine Todesahnung. Der Tod! Ein sanfter Begleiter war ihm der Gedanke an den Tod. „Ein Traum in dem Traume, den wir als unser Leben bezeichnen. Mittsommertag, Spätsommertag, bald will es Herbst werden. Du gehst vorbei, nicht anders als die Hummel da, die den Winter nicht erreichen wird". . . Solcher Stimmungen bieten die beiden Bände die Fülle. Tiefe Traurigkeit beschleicht uns, wenn wir in dem Feuilleton „Nauheim" lesen: „Alles so furchtbar interessant, ein Totentanz in der lieblichen kleinen Landschaft. Man möchte die Menschen hier fragen: Wie bist du krank geworden? Und du? Und du? Was hast du deinem Herzen zugemutet oder was haben sie dir angetan?" Die Schauer des Alterns nahm er vorweg und ward doch nur viertindvierzig. . . Zwei Jahre vor dem Tode tröstete er sich mit dem Gedanken: „Ich halte auch diesen Übergang für schmerzlos, das Altern ist die allmähliche Akkommodation an das Ende der Dinge". . . „Das Geringe, was uns umgibt, schwindet im Werte. Nur das Größere, Fernere sehen wir noch". . . Sein Geist nahm den Höhenflug über den Alltag hinaus. Wenn wir dieses reiche Leben überblicken, und das Reinmenschliche hervorheben wollen, so drängt es uns, ein Wort allen andern voranzustellen, das mit einem Schlag das ganze Wesen Herzls kennzeichnet: die Herzensgüte. Nicht jene weiche, sentimentale, im Egoismus wurzelnde, sondern die starke, werktätige, aus Altruismus erblühte Liebe. Diese strahlt aus den Lustspielen, die er um die Schwächen der Menschen und die Melancholie des Alltags spinnt, sie schimmert aus den Bildern des Elends und tröstet die Mühsalbeladenen. Sie klammert sich verständnisvoll zärtlich an die Kinder, um sie aufzurichten, zu veredeln, zu erziehen. Sie spielt und träumt mit den Kleinen wundervolle unschuldige Spiele. „Kinder träumen das Leben als eine noch unbestimmte Melodie, und wir, da wir hr Wachstum begleiten, träumen es nicht anders mit innen. Was uns da umgibt, ist voll göttlicher Geheimnisse. In ihrer Ahnungslosigkeit sind sie unsere Lehrmeister. Sie zeigen uns erst das Leben, weil sie selber das Leben sind, rätselhaft und lieblich. Sie öffnen uns die Augen für das Alltägliche, siehe, es ist größer als das Ungewöhnliche, schon darum, weil es endlos und gleichförmig wiederkehrt ... So wird unser Leben durch sie inniger." Was sind das für arme Leute, die keine Kinder haben, rief Herzl in seinem Glück. Schon daraus ersehen wir, daß ihm der Alltag viel bot. Und dennoch der Flug über den Alltag hinaus? Dazu mochte ihn der Gedanke bewogen haben, seine Kinder in eine bessere, vollere, einheitlichere Lebensmöglichkeit emporzuheben. Sie sollten auf festerm Boden stehen und auf fruchtbarerm Erdreich wurzeln. „Denn im Spiele wie in der Arbeit ist nur nach einem zu streben: nach der höchsten Entwicklung der eigenen Art." Seine Kinder sollten auch engern innigem Anschluß finden an ihr Volk, an die Menge. „Die Menge, aus deren Schoß es ewig aufsteigt, mit deren Leiden wir Fühlung suchen müssen, wenn wir selbst zu einer neuen Sittlichkeit hinauf wollen." Wieder eine Etappe weiter zur Vervollkommnung: die ebenfalls aus innerlicher Notwendigkeit geborene Liebe zu seinem Volke. Diese leuchtet sonnengleich aus all seinen Werken und Worten der letzten Lebensjahre. Sie ist es auch, die ihm den Weg wies und mit Blüten bestreute, den schmalen schroffenreichen Weg zu übermenschlichem Wollen. Die erhabene Größe seines edlen Wollens machte ihn zu einer kulturhistorisch bedeutenden, hoch über den Alltag emporragenden Erscheinung und verlieh ihm unsterblichen Ruhm. ^S^^G^^^fr^fr^fr^^ Felix Dahn, Breslau Wer feinem Volke, dient der Ulenfdiheit auch. *3 ßeinrich von Schullern, Wien (Für die ßerzlnummer der „Weif".) Hbfdiied 5m Grkerhaus zu Finkenheim Da ward ich einft geboren, 3n feiner Stuben Uräumerei Hab ich mich ganz verloren. Das 6rkerhaus zu Finkenheim, Sie reifjen es graufam nieder; nie mehr in feine ffille Welt Schau ich im heben wieder. Und wenn ich auch ein König war', Ein Herr in reichen Landen — Wer gäbe mir das Grkerhaus Grad fo, wie's einft geftanden? — Wer ihn gekannt und uerftanden und daher geliebt hat, der feiert in Crauer den heutigen Gedenktag. Zu diefer Gemeinde will auch gezählt fein

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