Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 20 (20.5.1910)
- Date
- 1910-05-20
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 20 DIEI^ELT 461 Herz! und seine Mutter □□□ Vergötterung ist für sein Empfinden und Verhalten kein übertreibendes Wort. Sein erster Gedanke galt immer ihr; nach wochenlanger Abwesenheit vom Hause suchte er sie zuerst auf; ihr Rat wurde in den schwierigsten Lagen eingeholt; ihr Urteil über Menschen und Dinge gab mehr als einmal den Ausschlag. Eine solche Anbetung ist eine Gnade, ein Geschenk der Natur; aber Herzls Mutter hat das Ihrige getan, um eine solche Liebe zu verdienen. Wieder muß ich mich darauf beschränken ein Beispiel von Verzicht anzuführen, das aber vollkommen ausreichen wird, um die heroische Art dieser Mutter zu kennzeichnen. Als Theodor zum allerersten Male, eben flügge geworden, allein eine Studienreise antrat und das Herz der Mutter sich im ersten Trennungsschmerze wand, hatte sie die Kraft, ihm zu sagen: „Mein teures Kind, schreibe uns jeden Tag, denn wir sind ja im Geiste immer bei dir und leben ja nur mit dir; aber eine Korrespondenzkarte genügt. Was du an Eindrücken, Stimmungen und Gedanken unterwegs findest, das arbeite als Schriftsteller aus, denn das gehört nicht uns, sondern der Welt." Wie viele Mütter haben freiwillig ein solches Opfer gebracht? Die Briefe der Mutter an ihren Sohn atmen Liebe, Glück, Stolz, fromme Angst vor dem Neid des Schicksals, Weisheit, Beruhigung. . . . So oft es mir möglich ist, mache ich der Mutter Herzls meinen Besuch. Immer gehe ich innerlich zermalmt und doch geläutert, wie nach einer Tragödie von Sophokles oder Shakespeare, von dannen. Herzl am Schreibtisch Herzls Abstammung Von Paul Diamant, Wien Bekanntlich stammte Herzls Familie aus dem Königreich Kroatien. Erst Theodor Herzls Vater Jakob ist nach Budapest übersiedelt, während sein Großvater Simon Low Herzl in Semlin lebte. Von Interesse dürfte es sein, daß die Familie Herzl die erste war, die sich die vollkommene Gleichberechtigung mit ihren andersnationalen Mitbürgern in Semlin errungen hatte. Mehrere Mitglieder der Familie Herzl wollten sich zur Zeit des Bachregimes in Semlin ein Haus kaufen. Doch wurde ihnen die Umschreibung vom Magistrat als Grundbuchsbehörde nicht bewilligt. Gegen diesen Beschluß rekurrierten sie an das Generalkommando, das damals in dieser Gegend die oberste Regierungsbehörde war, wurden jedoch auch hier abgewiesen. Nun wandten sie sich an den Kaiser Franz Josef, indem sie ein altes Familienprivileg vorwiesen, das ihrem Vorfahren Low Herzl im 18. Jahrhundert verliehen worden war. Dieses Majestätsgesuch war von Erfolg gekrönt, und der günstige Bescheid wurde den Gesuchstellern folgendermaßen mitgeteilt: „Das hohe Landes General Commando intimiert das hohe Reskript dtto. 2. v. M. Abth. 21, Nr. 2242, wonach in Folge Allerhöchster Entschließung Sr. kaiserl. königl. Apostolischen Majestät.....dem Israeliten Baruch Herzl (Theodor Herzls Großonkel der für die anderen Familienmitglieder das Gesuch zeichnete) der fernere Aufenthalt in Semlin bewilligt wird .... Hiervon wird derselbe zu eigener Wissenschaft hiermit verständigt. Semlin, am 5.t August 1857. Major In wie, Bürgermeister.