Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 20 (20.5.1910)
- Date
- 1910-05-20
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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462 DiEÄELT No. 20 Maßgebend für die günstige Erledigung war das obenerWIhnte Privilegium mit dem es folgende Bewandtnis hatte: Low Herzl, der Urgroßvater Simon Herzls, hatte sich um die kaiserliche Armee, in den langwierigen Türkenkriegen sehr verdient gemacht und erhielt dafür die Bewilligung, überall in den kaiserlichen Ländern sich niederlassen zu dürfen und Grundbesitz zu erwerben/ Das Privilegium selbst soll Prinz Eugen in Belgrad ausgestellt haben. Die Verdienste Low Herzls um Kaiser und Reich müssen recht bedeutende gewesen sein, da sie nach ein und einem halben Jahrhundert das Gesuch seiner Nachkommen günstig beeinflußten. Simon Herzl und seine Verwandten konnten nun ungestört in Semlin wohnen und Grundbesitz erwerben. Er starb 85 Jahre alt im Jahre 1879 und war mit Rebekka Biliz, einer Spaniölin, verheiratet, die ihn um neun Jahre überlebte. — Herzls mütterlicher Großvater war der Pester Bürger Hermann Diamant. Aus der Tatsache, daß der Name Diamant gerade in jenen jüdischen Gemeinden Westungarns vorkommt, die wie Waagneustadtl, Beckö, Verbö u. a. von jüdischen Exulanten aus Ungarisch Brod, die sich nach dem Kuruzzenüberfall von 1683 nach Ungarn flüchteten, gegründet wurden, läßt sich mit einiger Wahrscheinlichkeit vermuten, daß dieser Zweig von Herzls Aszendenten aus Mähren stammt. Was nun die Abstammung von Loebel, Herzls väterlichem Urgroßvater betrifft, so existiert darüber folgende Familientradition: Zwei Brüder spanisch-jüdischer Abkunft, namens Loebel, waren von der Inquisition gezwungen, ihr Judentum zu verleugnen und in einen Orden einzutreten.. Doch nur widerwillig fügten sie sich der Gewalt und warteten sehnsüchtig auf die Möglichkeit, zu entfliehen und den Väterglauben wieder anzunehmen. Die Gelegenheit zur Flucht bot sich ihnen erst, als sie auf Befehl ihres Ordens von Innsbruck aus in geheimer Mission abreisten. Nachdem sie eine Reihe gefährlicher Abenteuer überstanden hatten, gelang es ihnen, in die Türkei zu entkommen, wo sie zum Judentum zurückkehrten. Einer der beiden marannischen Brüder, der so mannhaft Gefahren für sein Judentum bestanden hatte, war der Ahne Theodor Herzls. Theodor Herzl Von Dr. Adolf Agai-Porzö, Budapest Sehr geehrter Herr Redakteur! Wenn auch innig befreundet, standen wir, Theodor Herzl und ich, uns gleichwohl gegnerisch gegenüber. In der zionistischen Frage natürliche Ich kann es mir füglich erlassen, mich hierüber des weitern auszulassen. Wünschen Sie ja doch von mir "lediglich Persönliches, Erinnerungen aus der Zeit, da wir, verkehrten wir auch selten, stets in den herzlichsten Beziehungen zueinander standen. Denn nicht allein räumlich, sondern auch zeitlich und politisch voneinander geschieden, hätten wir, zumal in letzter Zeit, gar wenig Anlaß und wenig Gelegenheit, uns in altgewohnter Weise miteinander auszusprechen. Er, der Wegweiser nach Palästina; ich, der ungarische Jude. Anfangs setzte es zwischen uns gar manchen leidenschaftlichen Streit, der damit schloß, daß wir uns unversöhnt — in den Armen lagen. Als ich Zeuge war seines kühnen ersten Flügelschlags, sagte ich, was so viele neben mir sagten: Utopistischer Schwärmer! Und wir baten ihn, den mächtigen Wiederhall seiner ersten Reden dahin zu verwerten, unseren bedrängten Glaubensgenossen lediglich im Sinne der Wohltätigkeit, und ja nicht im nationalpolitischen Verstan- >€L?~^* > Simon Low Herzl (1794-1879) Rebekka Herzl (1803—1888) (Theodor Herzls Großeltern) de, — da wir an eine Palingenesis,an eine Auferstehung unseres Volkes nimmer glauben konnten, — Hilfe zu bringen. Meinte er doch selber, das Mittel der Auswanderung wäre: „unsere gequälten Juden wegzulieben." Mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgte ich nunmehr seine Tätigkeit. Als ich nach seinen ersten Erfolgen vermeinte, die Bewegung könnte in meinem Sinne in Fluß erhalten werden, bat ich ihn, über mich zu verfügen. Was ich zu tun und zu leisten vermag, wollte ich mit Begeisterung in den Dienst des erlösenden Gedankens stellen. Es sollte anders kommen. Pro—ne puis. Contre— ne daigne. Magyar je suis. In dieser Auslegung möchte ich den Wappenspruch der Rohans auf mich angewendet wissen. Ich höre und verstehe all Ihre Einwendungen, Sie die meinigen vielleicht auch. Drum bleibt mir nur übrig, Ihnen die karge Ausbeute meiner persönlichen Erinnerungen an Theodor Herzl zu beliebiger Verwendung anheimzugeben. Zunächst möchte ich auf den bedeutenden Altersunterschied hinweisen, der zwischen uns beiden bestand. (In diesem Sinne will ich auch die „zeitliche" Entfernung gedeutet wissen.) Als wir uns näher traten, war er 25, ich 50 Jahre alt, woraus Sie ersehen können, daß ich bereits ein angejahrter Knabe bin. Beide zünftige Feuilletonisten. Er noch in herbis, um in kürzester Zeit als Mitarbeiter an der „N. Fr. Presse" seine außef^ gewöhnlich rasch groß gediehene Begabung in entzückenden Artikeln zu betätigen. Ich kann an dieser Stelle die Bemerkung nicht unter-