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Die Welt · 1910-05-20 · 20 (20.5.1910) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
20 (20.5.1910)
Date
1910-05-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Wahrheit herumdrückt. Um ihn keinen großen Schriftvergleichsweise heranbringt; denn sie schildern das steller nennen zu müssen, heißt man ihn den „glänzenden Leben, wie Herzl in seinen besten und schönsten Feuilletonisten". Ein Feuilletonist? Nun ja. Aber nicht Feuilletons getan. Daran aber erkennt man den Dichter, in dem Sinne, wie es die Herren meinen. Herzl war daß er seine Stoffe unmittelbar aus dem Leben bezieht, ein Feuilletonist wie Speidel einer war, wie Kürnberger daß er Leben formt und Leben spendet. Das hat Herzl einer war: Ein großer Schriftsteller in Feuilletonform, getan, und darum nenne ich ihn einen Dichter. Und er war außerdem 'ein Dichter. Freilich, der Vergleich mit den Engländern hinkt In diesem Zusammenhang erscheint es mir von doch ein wenig; denn Stevenson ist ein populärer Wichtigkeit, auch noch ein anderes, weit verbreitetes Schriftsteller, Charles Lamb und Addison sind Klassiker, Vorurteil zu zerstören. Es betrifft die sogenannte deren Namen jeder gebildete Engländer kennt. Theodor französische Schreibweise Herzls. Herzl'hat jahrelang Herzl aber ist, als Dichter zumindest, dem deutschen in Paris gelebt; daraus folgerte man natürlich, daß er Leser kaum bekannt. Ich rede nicht von seiner engern französisch schreibe. Indessen sehen wir ihn bereits Wiener Heimat, noch von seiner weiteren: dem Judenzu Beginn der Neunziger Jahre, um welche Zeit er tum. Ich rede mit Absicht von Deutschland, weil ein zum erstenmal für längere Zeit nach Paris kam, im Dichter demjenigen Volke gehört, in dessen Sprache Vollbesitz seines Stiles, und dieser Stil ist weit mehr er schreibt. . Auch Herzl, soweit er eben Dichter ist, eigentümlich zu nennen als französisch. Gallische Elemente sind allerdings darin vorhanden wie in der Sprache fast jedes kultivierten Schriftstellers; aber ebenso und vielleicht in noch höherem Maße lassen sich lateinische Einflüsse nachweisen (er hat manchmal eine prachtvolle lapidare Kürze und Prägnanz des Ausdrucks, die direkt auf Tacitus zurückgeht); manches ist jüdisch, wie insbesondere sein Raisonnement und der Ton des Witzes, und in gewissen humoristischen Wendungen erinnert er geradezu an die Engländer. Dieser letzte Einschlag, der englische, tritt mit den Jahren sogar immer stärker hervor, in dem Maße, wie Herzl mit der englischen Sprache und Kultur näher bekannt wurde. Auch seine feuilletonistischen Ahnen lebten in England, nicht in Paris, wie man allgemein vergraben. Wenn ich ein deutscher Verleger wäre, annimmt. Wer sind denn die Pariser Feuilletonisten, ich würde ihn heben. Ich würde aus Herzls sämtlichen die sich mit Herzl vergleichen ließen? Man nennt da Schriften eine passende Auswahl treffen; würde sondern, immer den unvermeidlichen Jules Janin, den Vater der was des Dichters ist, und nach dem strengsten lite- Lundisten. Nun, Jules Janin war ein Montagsplauderer, rarischen Maßstab greifen. Es käme da noch immer ein Theaterkritiker, ein Literaturrezensent von Qeein halbes Hundert kleiner Meisterwerke zusammen, schmack und Bedeutung — ein Feuilletondichter wie aus dem besten zusammengesetzt, was nicht nur die Herzl war er nicht. Kann sein, daß Daudet, wenn Nation, sondern alle Nationen auf diesem Gebiet herer Feuilletons geschrieben hätte, ähnlich geschrieben vorgebracht haben. Zwei schmächtige, elegante Bände hätte, wie Herzl schrieb. Aber Daudet zog es vor, stelle ich mir vor; sie würden nicht viel Platz in An¬ Romane zu verfassen. Und dasselbe gilt für Coppee, spruch nehmen, aber sie dürften in jeder Bücherei einen mit dem Herzl eine gewisse Verwandtschaft des Ehrenplatz beanspruchen — so zwischen Charles Lamb Gemütes verbindet. Hingegen lassen sich aus der und Ludwig Boerne etwa. Und es würde eines von englischen Literaturgeschichte einige Namen anführen, den unausschöpflichen Werken, zu denen man immer die ähnliche Vorstellungen erwecken wie die Erwieder zurückkehrt, an denen man sich immer wieder innerung an gewisse Herzische Feuilletons. Ich will erfrischt. Zudem ein Werk, an dem man den Geschmack nur zwei nennen: Stevenson und Charles Lamb, seines Besitzers erkennt; denn im Bücherschrank keines obwohl sich auch noch andere, wie etwa Addison und wahrhaft gebildeten Literaturfreundes dürfte es mir sogar Thackeray mühelos heranziehen ließen. Sie alle fehlen, dieses vorläufig noch ungedruckte, feine und haben mit Herzl eine viel größere Ähnlichkeit als Jules kostbare Buch, mit dem der Dichter Herzl das deutsche Janin oder Saint Beuve, die man wohl, um ihn zu ehren, Volk beschenkt hat. Basrelief von Dr. J. Sapir, Odessa. ist dem deutschen Volke zu eigen. Aber wer weiß das? In Deutschland haben es die Feuilletondichter, gleichgiltig, ob sie JudenoderChristen sind, schwerer als in irgend einem andern Staat. Kürnberger mußte dreißig Jahre warten, ehe man begriff, daß seine Feuilletons nicht nur den Lesern der Zeitung, für die er schrieb, sondern der Nation gehören. Speidel wartet noch immer auf seine literarische Auferstehung, und auch Herzl wartet. Er hat bei Lebzeiten wohl mehrere Sammlungen seiner Feuilletons herausgegeben, darunter eine zweibändige im W7iener Verlag, die seine reifsten Arbeiten enthält. Wer kennt diese Sammlungen? Ich glaube nicht, daß es eine von ihnen zu einer zweiten Auflage gebracht hat. Und doch liegt da ein Schatz

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