Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 19 (13.5.1910)
- Date
- 1910-05-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 19 DIE^ELT 423 auch neues Leben in ihr pulsieren. Was für den Erfolg jeder Bewegung wesentlich ist, sei der Friede. Von 5fr. A. Cohen und Mr. Plaxmann wurde ein Dankesvotum an Herrn Wolffsohn vorgeschlagen und mit großem Beifall einstimmig angenommen. Begeisterte Reden wurden noch von Dr. Dreyfus, Dr. Strauß, Dr. Daiches und Herrn Raskin gehalten. Von der neuen Halle begaben sich die Gäste in das Herzl-Moser-Institut, wo eine Rezeption stattfand und viele Trink- . Sprüche ausgebracht wurden. Auch wurde eine Huldigungsadresse von den Ancient Maccabaeans an Herrn Wolffsohn überreicht, Abends fand eine große öffentliche Versammlung im Albert Hall unter dem Vorsitz von Dr. Dreyfus statt. Der große Saal war von einem begeisterten Publikum gefüllt. Dr. Dreyfus eröffnete die Versammlung mit einer Ansrjrache, in der er folgendes ausführte: Dr. Herzl hat die einzig richtige Lösung der Judenfrage vorgeschlagen, die Gründung einer jüdischen Gemeinschaft im eigenen Lande. Der Zionismus ist eine Notwendigkeit durch die materielle Judennot im Osten und die moralische Not im Westen. Wir sind eine stolze Rasse, und „wir wollen nicht" geduldet werden. Uberall dort, wo man uns die bürgerliche Freiheit gegeben hat, haben wir gezeigt, daß wir gute und nützliche Bürger sein können. Jetzt aber wissen wir, daß es nicht nötig ist, immer verstreut zwischen den Völkern zu leben. Wir haben ein Ideal, für das wir kämpfen können, und es gibt keinen guten Juden, der sich auf die Dauer nicht unserer Bewegung anschließt. (Großer Beifall.) Nachdem eine von Mr. Israel Cohen und Mr. Salomon Goldberg vorgeschlagene Resolution, die den gleichen Wortlaut hatte, wie die in Manchester beschlossene, angenommen worden war, ergriff Präsident Wolffsohn das Wort, von lautem Beifall begrüßt. F> schilderte die Entwicklung des Zionismus von seinem Entstehen bis heute. Der Zionismus wurde nicht erst jetzt erfunden 5 er wurde auch nieht von Herzl erfunden. Der Zionismus sei so alt als das Judentum selbst, und alle Führer der Juden von Abraham an waren Zionisten. Aber niemals war der Zionismus so notwendig als heute, nie war seine Erfüllung so wichtig. Wenn nur jeder Jude in der ganzen Welt den Schekel bezahlte, dann würde es um uns besser stehen. Die zionistische Bewegung hat schon viel erreicht. Ihre Führer arbeiteten so viel, als sie nur mit ihren beschränkten Mitteln konnten, und auch die Massen arbeiten mit. Redner hob mit lobender Anerkennung die Arbeit der Zionisten in Leeds hervor. Es unterliege, sagte er weiter, keinem Zweifel, daß, jemehr die Juden sich im Zeichen des Zionismus vereinigen, wir die Mithilfe der Nationen für unsere Bestrebungen finden würden. Die neuen Verhältnisse in der Türkei, welche immer gastfreundlich gegen uns gewesen ist, seien sehr günstig und werden gewiß noch günstiger werden. Es gäbe keinen Zweifel, daß die Türkei die Berechtigung unseres Verlangens einsehen wer da. Schon vieles haben wir in Palästina zustandegebracht. Wir haben die A. P. C. mit ihren Filialen gegründet, auf unsere Initiative oder unter unserer Mitwirkung sind eine große Reihe Institutionen, die an der wirtschaftlichen und kulturellen Aufhebung der jüdischen Bevölkerung arbeiten, gegründet worden. Redner verbreitete sich ausführlich über die praktischen Ergebnisse dieser Institutionen. Leider haben viele unsere Bewegung verlassen, aber diese sind niemals Zionisten gewesen. Wenn nur die Majorität des jüdischen Volkes sich uns anschließen werde, so würden wir unser Ziel leicht erreichen. Es gäbe keine andere Lösung der Judenfrage als den Zionismus. Redner schloß seine Ausführungen mit einem Appell an die Nationen, das jüdische Volk in seinem Daseinskampf zu unterstützen. (Stürmischer Beifall.) Es sprachen noch unter großer Begeisterung der Versammlung Mr. Victor Brightman-Leeds, Herr Dr. Salis Daiches-Sunderland, Herr Dr. Umanski-Leeds und Herr P. M. Raskin-Leeds. Nach der Versammlung besuchte Herr Wolffsohn die Ortsgruppe der Ancien Maccabaeans und wurde als Ehrenmitglied -1 vifgenommen. Am folgenden Tage stattete Herr Wolffsohn dem Herzl-Moser-Hospital einen Besuch ab und wurde dort von Dr. Umanski und andern Mitgliedern des Komitees begrüßt. Donnerstag den 5. Mai abends fand in London ein Bankett zu Ehren von Herrn und Frau Wolffsohn statt. Es war vom Vhavath-Zion-Verein veranstaltet. Mr. L. J. Greenberg führte den \<>rsitz. Ein Blumenstrauß wurde Frau Wrolffsohn von Frl. Sloboii}'.sky überreicht, und hebräische Begrüßungsschreiben vom Chief K;thbi Dr. Adler und dem Dayan Rev. Feldman sowie Briefe 1 Herren Joseph Cowen. Dr. Strauß-Bradford und B. S. ^' i;niß- London vorgelesen. Den Haupttoast brachte Mr. Greenr" rtf auf „unsern Gast" aus, worauf Herr Wolffsohn in launiger Weise erwiderte, indem er Reminiszenzen an einige interessante Episoden aus der Geschichte der Bewegung vorführte. Es wurden ferner von Herrn Ginsberg, Paul Goodman und Norman B e n t w i c h Trinkspr üch e geh a 11en. * .. * Sonntag den 8. d. M. fand eine private Konferenz mehrerer führenden Zionisten in London unter dein Vorsitz des Präsidenten Wolffsohn statt, um die Lage der zionistischen Bewegung in England zu besprechen. Die Verhandlungen endeten mit der Annahme folgender Beschlüsse: 1. Eine Konferenz von sechs Vertretern der English Zionist Federation und sechs Vertretern des Order of Ancient Maccabaeans soll Sonntag den 29. Mai in London stattfinden. 2. Dr. Charles Dreyfus soll den Vorsitz in der Konferenz der zwölf Vertreter führen. 3. Die Maccabaeans werden die von ihnen benötigten Schekelblocks direkt vom Zentralbureau bekommen. Deutschland Gründung des Gruppenverbandes Rheinland der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Köln. Sonntag den S. Mai fand im •Sitzungssaale des Zionistischen Zentralbureaus die konstituierende Sitzung des Gruppenverbandes Rheinland statt. 35 Delegierte aus 1<:> Städten der Rheinprovinz und Westfalens waren zur Tagung erschienen. Der Parteisekretär der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Blumenfeld, war als Vertreter des Berliner Zentralbureaus erschienen. Herr Max Gold reich begrüßte als Vorsitzender der Kölner Ortsgruppe die Versammlung und bat Herrn Dr. Bodenheimer als Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, die Gründungsversammlung zu leiten. Herr Dr. Bodenheimer dankte in seiner Eröffnungsrede den Delegierten für ihren zahlreichen Besuch und übermittelte ein Begrüßungsschreiben des Herrn Präsidenten Wolffsohn. Das Hauptreferat erstattete der Parteisekretär über die Organisationsreform der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Der Schwerpunkt seiner Ausführungen lag darin, daß eine Neuorganisation der deutschen Landsmannschaft nur dann möglich sei, wenn die Berliner Zentrale finanziell gekräftigt werde. Die bisherige Propaganda sei zu ungleichmäßig auf die einzelnen Landesteile verteilt gewesen, es habe ihr auch an jeder Einheitlichkeit gefehlt. Hauptaufgabe der deutschen Organisation sei es, zunächst Männer in gesellschaftlich hervorragender Stellung für die zionistische Sache zu gewinnen, worauf dann die Gründung von Ortsgruppen mit mehr Erfolg unternommen werden könnte. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland müsse auch der Zahl der Schekelzahler nach einen entsprechenden Platz in der Gesamtorganisatioii erringen. Es komme jetzt darauf an, die Gründung des Gruppenverbandes zu beschließen und durch den Gruppenverband die Schaffung eines starken Organisationsfonds anzubahnen. Die Versammlung nahm die Ausführungen des Redners mit großem Beifall auf. Nachdem nunmehr die Vertrauensmänner über die Lage in ihren Ortsgruppen Bericht erstattet hatten, wurden sofort die Vorträge füi die nächsten Tage festgelegt. Der Parteisekretär wird am 10. cl. M. in Siegburg, am 11. in Trier, am 12. in Bonn, am 17. in Düsseldorf, am 18. in Essen sprechen. Man war sich darüber klar, daß der westfälische Gruppenverband im Industriebezirk als Sonderorganisation bestehen bleiben müsse, doch soll die Einheitlichkeit der Agitation in beiden Bezirken gewahrt bleiben. An der Spitze des rheinischen Gruppenverbandes steht nach dem Vorschlag des Parteisekretärs ein geschäftsführender Ausschuß. In diesen Ausschuß, der in Kürze zusammentreten wird, wurden die Herren Carl Bahr, Heinrich Dülken, Adolf Pollak, A. Reinhard und Jakob Schnelling, sämtlich in Köln, gewählt.. Die für den Organisationsfonds vorgenommene Sammlung ergab einen Betrag von 400 Mark, der aber natürlich nur als erster Anfang zu betrachten ist. Herr Blumenfeld schlug vor, die zionistische Sammeltätigkeit zunächst hauptsächlich auf den Verkauf von Aktien der Palestine Land Development Co. zu konzentrieren. In der Diskussion betonte Herr Dr. Bodenheimer, daß den Sammlungen für den Nationalfonds dadurch kein Eintrag geschehen soll. Herr Goldreich und Herr Hooflen äußerten Bedenken, die einmal eingeleitete Tätigkeit für die Oppenheimers che Siedlungsgonossensehaft zu unterbrechen. Nachdem die Versammlung konstatiert hatte, daß die