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Die Welt · 1910-05-13 · 19 (13.5.1910) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
19 (13.5.1910)
Date
1910-05-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seiten lebhaft begrüßt. Der Saal, in dem die Versammlung stattfand, war mit kleinen Zionsfahncn schön dekoriert und scli011 lange, ehe der Präsident erschien, von einem zahlreichen, distinguierten Publikum gefüllt. Herr Wolffsohn wurde, als er auf dem Podium erschien, von einem Chor unter der Leitung des Kantors Boyarsky mit „Boruch Ilabo" begrüßt. Dr. Dreyfuß, der den Vorsitz führte, begrüßte Herrn WolfTsolm mit einigen herzlichen Worten und erteilte ihm das Wort. Herr Wolffsohn, mit stürmischem, minutenlangem Beifall empfangen, dankte zunächst für den glänzenden Empfang, welcher ihm bereitet worden war. Er führte aus, seine Rede in London werde in einem Teil der Presse so dargestellt, als hätte er eine Kriegserklärung gegen seine Gegner abgegeben. Es war aber nicht eine Kriegserklärung, es war nur eine Warnung an die zionistischen Massen, sie sollten sich nicht irreführen lassen. Seine Absicht sei gewesen, die ganze Sachlage aufzuklären, und zu zeigen, wer recht hatte, und wie die Opposition handeln sollte, um Gutes für die Bewegung zu leisten. Er schilderte die Verhandlungen auf dem Hamburger Kongreß, insbesondere am letzten Abend, und sprach sein Bedauern aus, daß die Opposition bei ihrer Kampfesweise weiter verharre. In Manchester, wo der Präsident der English Zionist Föderation-wohnt und \vT0 neulich eine Konvention der Andern" Maccabaeans stattgefunden hat, seien Beschlüsse gogen die Leitung angenommen worden, die es nicht überflüssig erscheinen ließen, wieder über die Oppositionen zu sprechen, um so mehr, als vor einigen Tagen eine Versammlung in dieser Stadt stattgefunden hatte, bei der sogar ein persönlicher Angriff gegen ihn gerichtet wurde. Eiverlange mehr Respekt für die Person des Präsidenten. (Langanhaitender Beifall.) Es sei bedauerlich, daß die Herren von der Opposition immer zweifeln, ob es der Leitung um die Arbeit in Palästina ernst sei. Nur diejenigen, die nicht gewohnt sind, ihr eigenes Wort zu halten, könnten an dem Wort eines andern zweifeln. Die Opponenten verlangen praktische Arbeit. Für praktische Arbeit müsse man aber praktische Männer haben. Die Opposition sagt: Dr. Herzl war kein praktischer Geschäftsmann, und doch gründete er den I. C. T. Dr. Herzl hat allerdings gesagt: Es soll eine jüdische Bank gegründet werden. Die Ausführung hat er aber, da er ein kluger Manu war, Männern, die mit dem praktischen Wirtschaftsleben vertraut sind, überlassen. Mein Freund Kann, Lurje und ich, wir ha freu die Bank gegründet. Man sagt auch, daß Prof. Schapira den Nationalfonds gegründet hätte. Das stimmt nicht. Prof. Schapira hat zwölf Jahre gearbeitet; und da war das Resultat, daß man £ 40 der Bank überweisen konnte. Und die waren noch so angelegt, daß man sie nur mit der größten Mühe herausbekommen konnte. Sehen Sie sich nun aber den Nationalfonds von heute an, nachdem Männer wie Kremenetzky und Bodenheimer ihn übernommen haben! Man beruft sich auf Herzl. Da will auch ich Herzl anführen. Lesen Sie seine glänzenden, unter dem Titel „Palais Bourbon" gesammelten Aufsätze. Da finden Sie: „Die Weltverbesserer, die in allem zu weit gehen, möchten darum die Kaufleute aus dem öffentlichen Leben verbannen, weil diese notwendig ihre Auffassung in die politischen Amter mitbringen. Und doch ist es klar, daß außer Juristen nur noch die Kaufherren durch ihre Berufsbetätigung zu richtigen Führern der Volksgeschäfte geeignet werden. Ich meine natürlich nicht die Großwucherer und Großspieler. In Fächern, wo rasches Erfassen der Einstände und eilige Entschließung der Umstände erfordert werden, sind die Kaufleute sogar den Juristen überlegen." So urteilte Herzl! Ich kann Ihnen einige Beispiele davon geben, wie manche der Männer, die heute praktische Arbeit verlangen, diese Arbeit auffassen. Vor acht Jahren gingen fünf Herren, darunter Herr Dr. Weitzmann, daran, eine jüdische Universität zu gründen. Sie sollen bis 25 00ÜFrs. gesammelt haben. Heute liegen davon noch £ 4ü.— beim J. 0. T. End dm Universität haben diese Herren nicht gegründet. Herr Dr. Weitzmann wollte in Palästina eine neue chemische Industrie gründen. Ks fehlten ihm aber die Mittel dazu. Man stellte sie ihm von privater Seite zur Verfügung, und Herr Dr. Weitzmann fuhr nach Palästina. Von den-praktischen Erlebnissen seiner Reise weiß aber niemand etwas. (Heiterkeit.) AI* bei einer Gelegenheit die Rede davon war, ob man ein gewisses Unternehmen anfassen sollte, und als unsere wahrhaft praktischen Männer dazu rieten, vorausgesetzt, daß es gut wäre, da meinte Herr Ussischkin: Gut oder schlecht, wir wollen es machen. Aber ich glaube nicht, daß Sie mit einem solchen Ratschlage einverstanden sein werden. Wenn wir solchen Ratschlägen Folge leisten wollten, würde unsere Bewegung bald bankerott sein. Einmal berief ein Mann, der als arm angesehen wurde, einen Notar, um sein Vermächtnis aufzusetzen. Er setzte große Summen für verschiedene Zwecke aus, und als der Notar ihn fragte, oh er soviel Geld hätte, antwortete er: „Ich habe nichts; aber ich will den Reichen zeigen, wie sie über ihr Geld verfügen sollen (Heiterkeit)." So handelt jetzt unsere Opposition. Aber statt ihre Energie in Angriffen zu erschöpfen, sollte sie lieber arbeiten, um die zionistische Idee zu verbreiten und Fonds für unsere Zwecke zu sammeln. Die Arbeit war schon bis heute sehr schwer, und wenn nicht alle zusammenstehen und gemeinsam für unser Ziel arbeiten, dann wird sie nur sehr langsam fortschreiten. Die Möglichkeiten für große Unternehmungen in Palästina mehren und bessern sich von Tag zu Tag, und deshalb richte er den dringendsten Appell an alle Gesinnungsgenossen, sien zu vereinigen und die große Aufgabe zu fördern. (Langanhaltender Beifall.) Mr. L. J. Greenberg beantragte folgende Resolution: „Diese Massenversammlung erklärt, der Zionismus sei die einzige würdige Lösung der Judenfrage, verpflichtet sich, die Verwirklichung des zionistischen Ideals werktätigst zu fördern, und spricht Herrn Wolffsohn und den Mitgliedern des E. A. C ihr vollstes Vertrauen aus." Mr. Israel Cohen unterstützte die Resolution, welche einstimmig und mit großem Beifall auf genominen wurde. Nachdem Herr Wolffsohn für die Annahme der Resolution gedankt hatte, brachten Dr. B. Saul und Miß Weisberg das Dankesvotum für die Redner aus, worauf Mr. Greenberg erwiderte. Auch ein Dankes votum an den Vorsitzenden wurde mit großem Beifall angenommen. Die Versammlung schloß sodann mit der Absingung der „Hatikwah". Nach der Versammlung fand eine Rezeption in Cheetham Town Hall statt, wo Dr. Dreyfus die Honneurs machte. Miß Weisberg und Miß Gooclall überreichten Herrn Wolffsohn ein schön gerahmtes Diplom der Ölbaumspende, welches auf seinen Namen und den seiner Gemahlin lautete.Herr Wolffsohn dankte in einer sehr interessanten Rede, in der er u. a. darauf hinwies, daß die Gleichberechtigung der Frauen im Zionismus praktisch durchgeführt sei. Er erwarte deshalb, daß die Frauen in ihrer Arbeit für das jüdische Volk nicht hinter den Männern zurückstehen werden. Es folgte dann die Abwicklung eines vornehm zusammengestellten musikalischen Programms. Präsident Wolffsohn in Leeds. Am folgenden Tage (Dienstag) traf Präsident Wolffsohn, begleitet von Dr. Dreyfus und Mr. Israel Cohen, in Leeds ein. Er wurde von einer großen zionistischen Abordnung auf dem Bahnhof begrüßt. Von seinem Hotel fuhr er in einem mit blauweißen Fahnen dekorierten Wagen an der Spitze eines endlosen Zuges durch die Hauptstraßen der Stadt. Der Zug erregte überall großes Aufsehen, und insbesondere im jüdischen Viertel wurde der Präsident auf dem ganzen Wege bis zur Ankunft vor der einzuweihenden Zionist Hall enthusiastisch begrüßt. Das Gebäude war von außen und innen prächtig dekoriert. Unter den Anwesenden befanden sich viele hervorragende Zionisten aus andern Städten, wie Dr. Strauß aus Bradforcl, Dr. S. Daiches aus Sunclerland und Mr. I. Dan zig er aus Newcastle. Mr. Danziger führte den Vorsitz und bot Herrn Wolffsohn einen herzlichen Willkommgruß dar, Mr. Wiener überreichte dem Präsidenten einen goldenen Schlüssel. Herr Wolffsohn, der mit nicht endenwollendem Beifall begrüßt wurde, erklärte die neue Halle für eröffnet. Er dankte herzlich für die glänzende Ovation, die ihm bereitet worden war. Bei einer solchen festlichen Gelegenheit sei es natürlich, an die Eröffnung des ersten Tempels von Jerusalem zu erinnern. In seiner Rede bei der Einweihung des ersten Tempels sagte König Salomo: Auch der Fremde, der zu unserm Tempel kommt, möge dort erhört werden. Das war das Wort eines Fürsten, der zu geben hat. Aber im Golus waren wir immer nur die Nehmenden. Und wo wir zu geben hatten, da nahmen andere Völker unsere großen Männer für sich in Anspruch. Die Aufgabe der Zionisten würde dadurch erschwert, indem so viele Juden ihre Kräfte für fremde Sachen verwendeten. Aber ein«» große Sache brauche viel Zeit, um verwirklicht zu werden, und wenn alle für das Endziel mit Begeisterung arbeiteten, dann wird unsere Bewegung leicht vorwärts kommen, und dann wird

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