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Die Welt · 1910-05-13 · 19 (13.5.1910) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
19 (13.5.1910)
Date
1910-05-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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no. 19 —= die; Es ist natürlich, daß die Organisationen der Tschechen, Slowenen, Polen und Italiener in Österreich analog aufgebaut sind. Wir haben einen tschechischen, polnischen usw. Schulverein. Der Roseggerspende setzen die Polen eine Qrunwaldspende entgegen und die Tschechen und Slowenen ihre nationalen Sammlungen. Wie zielbewußt z. B. die Tschechen arbeiten, wollen wir an einem Beispiel erörtern. An die Tschechische Akademie für Wissenschaft, Literatur und Kunst ist ein Volkswirtschaftliches Institut angegliedert. Dasselbe verfolgt aber keine wissenschaftlichen Zwecke, wie man bei seinem Zusammenhange mit einer Akademie vermutete. Vielmehr ist ausdrücklich festgesetzt, daß das Institut mit Ausnahme seines Jahresberichtes nichts im Druck veröffentlicht. Die Anstalt verfolgt vielmehr rein praktische Zwecke. Prof. Albin Braf, der Proponent der Anstalt, erklärte die Bestimmung der Akademie damit, daß „der unter mannigfaltig erschwerenden Umständen begonnene und fortgesetzte soziale Wiederaufbau der tschechischen Nation eine aus dem unverhältnismäßigen Andränge zu den gelehrten Berufen sich ergebende einseitige Richtung genommen hat." Es habe an „Milieus gefehlt, welche den sozialen Aufstieg in die höhern Positionen des industriellen und kaufmännischen Unternehmertums begünstigen. Die Tatsache, daß unser nationaler Fortschritt auf wirtschaftlichem Gebiete jenen auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft nicht gleich kommt, konnte nicht leicht überwunden werden!" Deshalb soll das Volkswirtschaftliche Institut den Nachweis von den gelehrten Berufen ablenken. § 1 sagt, daß die Anstalt den Zweck hat, sich für die Hebung der volks- £ELT ' 415 wirtschaftlichen Leistungen des tschechischen Volkes in praktischen Richtungen einzusetzen, vor allem durch Aufmunterung zum Fortschritte auf jeglichem Gebiete der Produktionstechnik (Industrie, Landeskultur, Bergbau) und des Handels, sowie durch Fürsorge um die Erhöhung der Leistungsfähigkeit im Bereiche der höhern selbständigen Unternehmungsaufgaben. Zu diesem Zwecke soll das Institut Lücken und Mängel der bisherigen wirtschaftlichen Entwicklung im tschechischen Volke aufdecken, auf dem Gebiete der Produktionstechnik und des Handels hervorragende tschechische Talente in Evidenz halten, in passende Stellungen bringen, ihnen den Aufenthalt an hervorragenden Produktions- und Handelsstätten vermitteln, Preise behufs Lösung von technischen Problemen ausschreiben, Anträge auf Errichtung neuer Lehranstalten oder Lehrstühle zur Hebung der praktischen Volkswirtschaft stellen, einschlägige Vorträge veranstalten und Gutachten abgeben. Dabei blieben aber die Tschechen nicht stehen. Aus den vereinigten Kapitalien der tschechischen Vorschußkassen gründeten sie eine große Bank, die „Zivnostenska banka". Diese gründete eine Tochtergesellschaft, die Böhmische Industrial- und Handelsbank, die sich speziell die Förderung der tschechischen Industrie durch Hypothekenkredit auf Industriegebäude zur Aufgabe machte. Der Gegenschlag der Deutschen bestand in der Gründung der Zentralbank der deutschen Sparkassen, die neuestens eine Österreichische Handels- und Industriebank gründete. ( □□□□□□ \j £5^ FEUILLETON =^2J □ □□□□ET]; o WIESO ES KAM Novelle von David Rothblum, Wien Moritz Huch und Anna Maria Kloß hatten sich tief unten im Prater, wo das Lusthaus sich befindet und die unartikulierten Laute der Schaubudenausrufer nicht mehr vernehmbar sind, ein Stelldichein gegeben. Nach dreijährigem Zweifeln und Ringen mit dem eigenen Gewissen wollten sie heute abend die Würfel ihres Lebens werfen und ihr Schicksal entscheiden. Dieses zwitterhafte Ding eines Daseins, diese dunklen Schatten ihrer Lebensexistenz, hatten gerade lange genug gedauert, um unleidlich, unerträglich zu werden. Heute soll das große Wort gesprochen werden, herüber oder hinüber. Moritz Huch kam als Erster. Der Abend war melancholisch, wie er am Praterende zu sein pflegt, wenn sich der Tag zur Rüste neigt und die rötlich gefärbten Baumwipfel in leisem Geschaukel an einander schlagen, wie wenn sie sich Märchen vor dem Schlafengehen erzählen wollten. Die Wiese war einsam, kein Mensch weit und breit zu sehen, und Moritz Huch mußte sich sagen, daß hier die Stelle sich befinde, wo des öfteren, wie in den Zeitungen zu lesen ist, Menschen gewaltsam ihrem Leben ein Ende machen. Bald wird seine Geliebte kommen. Er kennt sie seit drei Jahren, liebt sie in stiller, voller Ergebenheit, und konnte dennoch sie zu seinem Weibe nicht machen, weil sie eine Christin ist. Er gehört wohl nicht zu jenen Leuten, welche den Metischen nach seinem Glauben einschätzen und an Traditionen kleben, die modernem Leben und zeitgenössischer Weltanschauung nicht angepaßt werden können. Er war aber ein Jude von nationalem Bewußtsein, erfüllt von dem Streben nach Erneuerung und Fortsetzung des geschichtlichen Seins seines Volkes. Mit diesen Empfindungen war die Ehe mit einer Christin nicht zu vereinbaren. Er hat außerdem noch einen Vater, einen alten, braven, im Lebenskampfe erfahrenen Mann, der ihn, als er sich dem Greise offenbarte, vor diesem Schritte, den der Alte den letzten nannte, mit tränenerstickter Stimme warnte. Er aber konnte dem Mädchen nicht absagen, denn er hatte sie im Grunde des Herzens lieb, und ohne sich zu entscheiden, setzte er sein unklares Verhältnis zu seiner Geliebten fort, die endlich, der Liebesleiden und der Vorwürfe ihrer Verwandten müde, ihn für heute mit ernsten Worten in den Prater bestellte. Und er wußte: heute werden die Würfel seines Lebens fallen ...... Als es dunkel ward, kam sie heran. Sie schritt langsam, gemessen, wie man einem unabwendbaren, traurigen Schicksal entgegen geht. Er blieb stehen

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