Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 19 (13.5.1910)
- Date
- 1910-05-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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414 - - DIE^ als im Vorjahre). Zum Zwecke der Errichtung und Erhaltung von Kindergärten wurden 4575 Kr., für Schulbauten und Einrichtungen 5200 Kr., zur Anschaffung von Lehr- und Lernmitteln und für Suppenanstalten 1500 Kr., für Weihnachtsbescherungen an deutschen Schulen 7244 Kr. (1908 11000 Kr.) — dieser Posten spielt auch bei den andern Schutzvereinen eine große Rolle — von der Bundesleitung und 15027 Kr. von den einzelnen Ortsgruppen, ferner für Stipendien 3766 Kr. verausgabt. Die unterstützten Schüler müssen sich verpflichten, die erhaltenen Stipendien später in Raten abzuzahlen und eine gewisse Zeit in Böhmen ihren Beruf auszuüben. Volksbüchereien wurden in 19 Orten neu errichtet und 41 bestehende verstärkt. Im ganzen wurden 413 Volksbüchereien mit 42 353 Bänden ins Leben gerufen (1908 120 000 Bände). Zur Unterstützung von Landwirten wurden 7117 Kr., zur Niederlassung von deutschen Gewerbetreibenden in sprachlich bedrohten Orten 5318Kr., zur Unterstützung von deutschen Arbeitern, Beamten usw. 5623 Kr., für Vereine und Anstalten 2278 Kr., für humanitäre und wirtschaftliche Zwecke 3100 Kr. ausgegeben. Die Einnahmen betrugen 190 076 Kr., um 28 931 Kr. mehr als im Vorjahre. Außerdem unterstützt der Bund die vom „Verein zur Förderung der deutschen Literatur in Böhmen" in Prag herausgegebene Monatsschrift „Deutsche Arbeit", die an deutsche Schriftsteller, Künstler und Dichter Stipendien in liberalster Weise verteilt. Von großer Wichtigkeit ist die agitatorische Tätigkeit- Die größern Schutzvereine halten besoldete Wanderlehrer, die von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf ziehen, belehrende Vorträge, besonders naturwissenschaftlichen, nationalen und wirtschaftlichen Inhaltes veranstalten, neue Ortsgruppen gründen oder für die bestehenden neue Mitglieder werben, mit den Vertrauensmännern in den einzelnen Orten unterhandeln und nach ihrer Rückkehr der Hauptleitung berichten. Ihnen obliegt auch die Gründung der Büchereien. Die „Südmark" verfügt über 120 Büchereien mit 112 000 Bänden, der Nordmährerbund über 380 Büchereien mit 92 000 Büchern, Für kleinere Ortsgruppen sind Wanderbüchereien eingerichtet. Die einzelnen Schutzvereine geben außerdem monatliche Vereinsberichte in Heftform heraus, die in ihrem Sinne die aktuellen Fragen besprechen, rührige Ortsgruppen als nachahmenswertes Beispiel hinstellen und schlafende rügen. Außerdem verbreiten sie iVlusterprogramme für Festlichkeiten, Themata für Diskussionen und Flugblätter, und alljährlich — nach der Hauptversammlung — Jahresberichte. Ein besonderes Arbeitsfeld ist die Waisenpflege. Elternlose deutsche Kinder werden entweder in eigenen Bundeshorten untergebracht oder auf Bundeskosten an zuverlässige Personen in Pflege gegeben. So verpflegte der Bund der Deutschen in Böhmen 1908 in 4 verschiedenen Ansiedlungen 110 Waisen, und die 707 Ortsgruppen brachten für diesen Zweck 15 000 Kr. auf. In den Suppe.nanstalten erhalten arme Kinder während des Winters, wenn der Weg nach Hause zu weit ist, in den Mittagspausen warme Suppe, teils unentgeltlich, teils für wenige Heller. Größere Geldmittel erfordert die Ausgabe von Darlehen an Volksgenossen, Landwirte, Handwerker und kleine Geschäftsleute zu geringen Zinssätzen. Ist deutscher Grundbesitz gefährdet, so kauft ihn der [ELT--— ,-- Nö. 19 Schutzverein an und sucht ihn mit Deutschen zu besiedeln. Manche Schutzvereine gründen Raiffeisenkassen, um zum Sparen anzuregen und Bedürftigen billiges Geld zu verschaffen; andere wieder Genossenschaften für Molkerei, Rinderzucht, den gemeinschaftlichen Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse und den gemeinsamen Einkauf von Düngemitteln, Zucker, Petroleum usw. Die Einnahmen bestehen in erster Linie aus den Mitgliedsbeiträgen, die z. B. beim Bund der Deutschen in Böhmen und der Südmark im letzten Jahre etwas über 100 000 Kr., beim Deutschen Schulverein über 280000 Kr. betrugen. In zweiter Linie kommen Spenden und Legate. Die Berichte der genannten Schutzvereine weisen Spenden von je ungefähr 100 000 Kr. im Jahre 1908 auf, beim Schulverein betrug die Spendensumme 260000 Kr., die der Legate 140000 Kr. Eine besondere Einnahme hatte der Schulverein durch die von Peter Rosegger angeregte Zweimillionenspende, die heute bereits überzeichnet ist und dem Schul verein für immer einen jährlichen Zuschuß von 80 000 Kr. bringt; ihre Idee war bekanntlich, daß sich jeder Zeichner verpflichtete, 2000 Kr. für den Schulverein zu spenden, wenn sich 999 andere finden, die ebenfalls 2000 Kr. für den Schulverein spenden. Eine weitere Einnahmequelle bilden Verschleißgegenstände. Sehr gebräuchlich sind zu diesem Zwecke. Vereins- oder Bundeszündhölzer. Die Schutzvereine vertreiben zu diesem Zwecke Zündhölzer in Schachteln, die auf der Oberseite in Farben das Abzeichen und den Namen des Vereins tragen. Bei den Vereinszündern erzielte der Bund der Deutschen in Böhmen durch den Absatz dieser Zündhölzchen 1908 allein 12 000 Kr. Oberschuß, die „Südmark" beinahe 15000 Kr. Außer Zündhölzchen werden von den Schutzvereinen verkauft: Vereinsabzeichen, Nadeln, Post- und Ansichtskarten, Zigarrenspitzen, Biergläser, Seife und Kerzen, Schulvereinsschokolade und Schulvereinsschnaps — der Zweck heiligt das Mittel. Besonders hervorzuheben sind die Wehrschatzmarken. Obwohl die zionistischen Nationalfondsmarken ältern Datums sind, sind sie, was Absatz anbelangt, von den deutschen Wehrschatzmarken weit überflügelt werden. Es werden Marken für 2, 5 und 10 Heller ausgegeben. Die Marken werden als Briefsiegel verwendet, auf Quittungen und Anzeigen, selbst den Rechnungszettel der Kellner hat man in den Dienst der nationalen Sache gestellt. Die Kellner überreichen die Rechnung auf Schulvereinszetteln und rechnen für die Marke 2 Heller. Der Verein „Südmark" verkaufte im Jahre 1908 1850 000 Stück Wehrschatzmarken und erzielte daraus einen Gewinn von ca. 40 000 Kr.; der Bund der Deutschen in Böhmen erzielte einen Gewinn von 58 000 Kr. Ferner stellen die Vereine Sammelbüchsen in allen nationalen Wirtschaften, Cafes und Hotels auf. Am Schlüsse des Jahres 1908 verfügten die deutschen Schutzvereine Österreichs — soweit bekannt —,über ein flüssiges Gesamtvermögen von ca. 2V2 Millionen Kr. An besondern Fonds besaßen sie ca. 18 Millionen Kr. Inzwischen ist dem Deutschen Schulverein, wie oben erwähnt, die Roseggerstiftung mit 2 Millionen Kr. zugegangen, deren Sammlung damit noch nicht abgeschlossen ist. Unbekannt sind die Vermögensziffern der unter christlichsozialer Leitung stehenden Schutzvereine in Tirol. Galizien und der Bukowina.